× Aufzeichnungen eines Kunststudenten. Subjektiv. Unvollständig. Nicht fehlerfrei. Dies ist die Niederschrift zu meinem Kunststudium an der HGB Leipzig.
Folgend einige Hinweise dazu:

(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten. Dabei ist alles von Interesse, was mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner eigenen Arbeit im Speziellen zu tun hat.
(2) Fehlerhafte Informationen sind – ungewollt – Teil der Notizen. Sie sind meinem Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen und schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(3) Zitate sind nur hinterlegt, wenn ich mir sicher bin, dass es so gesagt wurde. Die Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig.
(4) Meine künstlerische Arbeit hat größtenteils die Suche und den Zweifel zum Thema. In Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten nehme ich dessen Ansichten wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

Leipzig, den 13. Dezember 2016
Redigierte Fassung vom 25. Mai 2018


Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig

Gespräch mit Christian

Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • Na lass uns mal hier … Am Eingang ist glaube ich ein Richtiger.
  • [Blätterrascheln.]
  • [Schrittgeräusche.]
  • Ich frage mal gleich!
  • Na das ist eine richtige.
  • Woher willst du das wissen?
  • Das sieht man doch.
  • Ist das der richtige Feuerlöscher Feuerlöscher ?
  • [Laut, zur Aufsicht gewandt:] Ist das der richtige Feuerlöscher?
  • [Aufsichtsperson kommt näher.]
  • [Nicht verständlich, evtl. "Das müsste der richtige sein".]
  • Okay. [Lacht.]
  • Gespräch mit Aufsicht, nicht verständlich
  • [Nicht verständlich.]
  • Na ja. Das heißt ja nichts. Da muss ja auch nichts drinne sein!
  • [Lacht.]
  • Das ist schon der richtige.
  • Okay.
  • [Nicht verständlich.]
  • Okay.
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm?
  • [Nicht verständlich.]
  • Ach so!
  • [Nicht verständlich.] Original. [Nicht verständlich.]
  • Ja.
  • [Nicht verständlich.]
  • Okay.
  • [Nicht verständlich.]
  • Der ist aber nicht geöffnet.
  • [Nicht verständlich.]
  • Okay.
  • [Nicht verständlich.]
  • Okay.
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm.
  • [Pause.]
  • Können Sie noch einmal dieses Hammerdings hier anmachen?
  • Kann ich noch einmal anmachen.
  • Okay!
  • [Nicht verständlich.]
  • Nee. [Nicht verständlich.]
  • [Nicht verständlich.]
  • [Laute Geräusche. Hammer und Bohrer schlagen gegen Styropor. Geräusch wie bei Kreide an Tafel.]
  • [Nach einer Weile.] Reichts?
  • Ja.
  • Danke.
  • [Lautes Leerlaufgeräusch vom Bohrer.]
  • [Nicht verständlich.]
  • Ja.
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm.
  • [Pause.]
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich.] Eine Stunde lang. Dann gings nicht mehr. [Nicht verständlich, irgendwas mit Chef und Künstler.]
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich, irgendwas mit Schrauben.]
  • Okay.
  • Jetzt geht's aber wieder. [Nicht verständlich.] Ich war ja im Museum. Fünfzehn Jahre. [Nicht verständlich.] Hausmeister Hausmeister .
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm.
  • Hilft da keiner. Ich bin kein Fachmann. Normale Aushilfe.
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich.]
  • Werden die Objekte vom Baumarkt … äh … gesponsert?
  • Weiß ich auch nicht. [Nicht verständlich.]
  • Okay.
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich, irgendwas mit "Sieben Stunden am Tag. Das schaffe ich nicht mehr"]
  • Mhm.
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich, irgendwas mit Krankheiten, "Fertig. Aus. Ende." und "Rentner"]
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich, irgendwas mit Aufsicht und "Aber Museum, da kann ich …"]
  • Mhm.
  • [Nicht verständlich.]
  • Mhm.
  • [Zu anderer Person gewandt: "Tschüß!"]
  • [Aufnahme unterbrochen. Aufsichtsperson geht.]
  • [Wieder alleine, stehen im Flur und schauen einen Katalog an.]
  • Aber das ist ja nicht von ihm.
  • Doch. Der hat … Das ist ein Brunnen. Der aber leer war. Mit ohne Wasser. Und der hat so eine Pappe darunter gelegt und die Pappe hat er davor mit Acrylfarbe oder so vollgemacht. Mit zwei. Mit blauer und mit roter oder so. Und durch die Sonnen … äh … Reflexion hat es dann halt solche Farbspiele auf der Fläche gegeben.
  • [Pause.]
  • Hier … [Zeigt auf andere Abbildung.] … siehst du ja die Pappe mit dem …
  • Mhm. Ja.
  • [Seufzt.] Das war von der Schmach von Athen.
  • Temporäre Installation im öffentlichen Raum.
  • Aber das klingt gleich wieder so hoch.
  • [Pause.]
  • Mal cool, mal langweilig
  • Das finde ich richtig cool hier. [Zeigt auf andere Arbeit.]
  • Ist das ein richtiges Regal?
  • Nee. Das sind … Das ist halt ein Brett mit … mit … äh … Also reingesägt. Und du kannst im Endeffekt diese kleinen Bretter da reinschieben. Und das … Und das ist aber dieses selbe Prinzip, dass auf der einen Seite …
  • Und das liegt so am Boden.
  • Nee. Das war jetzt an der Wand.
  • Also schon wie ein Regal.
  • [Blättergeräusch.]
  • Ich meine … Das sieht ja schön aus. Ja?
  • Das hier finde ich schön … zum Beispiel schön.
  • Das hat sogar einen Funktionswert.
  • Nee. Überhaupt nicht! Hallo? Da tust du nichts rein.
  • Das [Sperren: könntest] du aber.
  • Nö. Das finde ich wirklich so richtig … also direkt ansprechend.
  • [Leise:] Das Licht in deinen Augen.
  • [Blattgeräusch.]
  • Das hat auch was.
  • Nur langweilig!
  • Ab wann ist ein Feuerlöscher ein Feuerlöscher?
  • Na es geht ja gerade darum, … ähm … Ab wann ist ein Feuerlöscher ein Feuerlöscher. Und wo siehst du den Unterschied zwischen einer Installation und zwischen einem …
  • [Unterbricht. Unverständlich.]
  • Na hier siehst du es ja jetzt. Aber denkst du, er funktioniert wirklich?
  • Natürlich!
  • Woher willst du das wissen? Nur weil der so aussieht?
  • Der funktioniert. Das steht nämlich nicht mit einer Nummer im … Dings.
  • Interessant. Für dich ist also alles Kunst, was mit einer Nummer belegt ist!
  • [Lacht.] Ja! Zumindestens in der Galerie oder Ausstellung.
  • [Pause.]
  • Der [Fußnote: Anderer Feuerlöscher.] ist offensichtlich zerstört. [Von weiter weg.] Der ist kaputt. Und der andere ist … Aber gut. Interessant ist ja nur, dass er das Thema aufgreift. Das man in eine Galerie denkt … geht. Und sich erst einmal wundert: Ist das jetzt wirklich ein Feuerlöscher? Oder nicht?
  • Der erste. Meine ich.
  • Ja. Aber auch, dass er das auch als Thema nimmt.
  • Nee. Du fragst dich eher, wenn du rausgehst: Ist der erste Feuerlöscher wirklich ein richtiger, oder …
  • Ich frage mich das nicht!
  • Ich hab' mich das jetzt gefragt.
  • [Pause.]
  • Hier ist auch so etwas. Nur mit Mixern.
  • Richtiger Künstler
  • Krass. Das wird mal ein richtiger Künstler.
  • Also für dich ist das ein richtiger Künstler?
  • Mir gefällt dieses … Spielerische. Einfach … ähm … Diese Formen, die dabei entstehen. Mit Techniken sowas machen.
  • Staubsauger.
  • [Blätterrascheln.]
  • Die Kataloge sind … Also das, was er gemacht hat, sind schon interessant.
  • Was heißt interessant?
  • [Pause.]
  • Da bleibe ich stehen und gucke zu. In dem Sinne.
  • Ja. Das fand ich eben auch. Egal ob das jetzt dieser Hammer ist. Dieser Staubsauger. Oder so. Da finde ich das zum Beispiel … Okay. Das ist ein Objekt, da gehst du einmal rum und gehst dann weiter. Prinzipiell. Aber bei den … ähm … Bei diesen … ähm … Wie heißen die Dinger? Die sich im Wind drehen?
  • Na Ventilatoren!
  • Die Ventilatoren. Das ist halt ein Spiel. Da kannst du ziemlich lange einfach zugucken. So. Das sind halt so … so viele Begegnungen die da statt finden. Zwischen denen. Und zufällige Sachen. Für dich zumindestens. Oder hier, mit dem Ding, wo die sich gegenseitig da winden [Fußnote: Hammerbohrer.] …
  • Ja. Also eigentlich … [Nicht verständlich.] … Der eine … Nur das andere, aber …
  • Na das weißt du ja nicht.
  • [Nicht verständlich.]
  • Nein. Das stimmt nicht! Äh. Dieser Hammer hat ja eine Schwere. Und dadurch bewegt er den … bewegt er diesen Akkuschrauber ja auch an … äh … äh … In eine andere Richtung.
  • Ja. Aber er tut es ja nur … Eigentlich bewegt sich ja nur der Akkuschrauber.
  • Das weißt du am Ende nicht mehr.
  • Ja du weißt … Aber du weißt es ja. Weil da ist der Motor.
  • Woher willst du wissen, wo der Akkuschrauber aufhört? Wo hört der Akkuschrauber auf?
  • [Pause.]
  • [Sperren: Ist] nicht eigentlich … äh … Wenn … Wenn du dieses Akkuding … da rein tust … wird da nicht dieser Hammer zum Teil dieser Maschine?
  • Nein.
  • [Sperren: Doch!]
  • Das ist halt verbunden worden.
  • [Pause.]
  • Also das Styropor würde ich mir noch einmal überlegen.
  • Aber das ist übrigens auch noch ein Aspekt. Der interessant ist.
  • Das findest du gut?
  • Dass du Styropor hast. Und eigentlich geht es ja darum, dass du zugucken sollst, wie der Akkuschrauber und der Hammer hier … was machen. Ne? Aber damit verändern sie ja auch … da … ihre Spielwiese. Quasi. Denn die schlagen ja trotzdem rein.
  • Na dann finde ich … Hätte er da was anderes als Styropor nehmen müssen. Etwas, was sich …
  • Vielleicht ist das ja auch der Zweck!
  • [Pause.]
  • Was.
  • Nicht nur, dass es darum geht, sondern die machen dann ja trotzdem noch etwas.
  • Na die machen [Sperren: Bilder] eigentlich. Ne?
  • Aber sie machen etwas, was ja nicht bezweckt war.
  • Na ja. Doch. Das war bezweckt. Ich meine, es ist schon klar, wenn der Styropor verwendet, das wird damit ein bisschen … angekratzt.
  • Interessant [Sperren: hier] … um wieder das Wort zu benützen … ist ja, dass da weniger …
  • Nein [Sperren: hier] ist ganz ganz [Sperren: viel]!
  • Da ist ganz viel.
  • Auf einer sehr … Ja. Interessant!
  • Also es gibt schon ein gewisses Muster. Und es macht was mit den Dingen.
  • Ich glaube nicht, dass es ein Muster gibt.
  • Och. Du siehst doch, dass da was passiert ist!
  • Ja aber wenn du es lange genug durchlaufen würdest, ich glaube, dann würde es an allen Stellen, außer an den Ecken halt, …
  • Es schlägt trotzdem …
  • … dagegen schlagen.
  • … rein. Es [Sperren: schlägt]. Und [Sperren: wehrt] sich. Und [Sperren: macht] was mit dem, wo es eigentlich bloß drinne sein sollte.
  • [Pause.]
  • Och. Du solltest Kurator kuratieren werden!
  • [Lacht.]
  • [Pause.]
  • Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.
  • [Pause.]
  • abgehängtes Regal
  • Wir haben uns das hier noch nicht angeguckt! Aber das ist zum Beispiel … Ja … Das sieht man auch im Keller. Wo man was abdeckt mit einer Plane.
  • Also krass. Du stehst echt so auf so spielerische Sachen, die dich … ähm … ähm … Na wie heißt das … audiovisuell total … äh … fordern.
  • Ja! Aber das eben nicht. Das fordert mich nicht hier.
  • [Pause.]
  • Ich habe keine Ahnung.
  • Du weißt es nicht. [Lacht.] Weil es dich nicht fordert.
  • Es ist … auf jeden Fall einfacher. Das ist jetzt nichts kritisches. Aber es ist halt einfacher … ähm … Leute zu begeistern für etwas, wenn es sich halt bewegt. Oder wenn … Wenn da irgendwas ist, was da …
  • Ja aber das ist doch …
  • … in Aktion ist. [Sperren: Nein]. Ich meine jetzt eben das halt. So diese … Maschinen, die sich bewegen. Das ist wie bei diesem Tin … Tinguely Jean Tinguely -Museum. Wo wir eigentlich hinwollten, auch. Da bewegt sich ja auch ganz viel. Bei den Maschinen.
  • Guck mal hier. Das …
  • Na das fordert dich intellektuell halt eher.
  • Nee. Das ist Alltag. Du gehst in deinen Keller. Du hast da Koffer stehen.
  • Du hast die Koffer aber nicht mit so einer Plane abgedeckt.
  • Na doch.
  • Aber nicht von allen Seiten!
  • Ja aber in dem Fall …
  • Und die … Und die Koffer sind normalerweise nicht so akkurat hingestellt. Also das hat ja so einen … wieder sowas ästhetisches an sich. Oder nicht?
  • Na ja.
  • [Pause.]
  • Da gehst du einfach vorbei! Da rennst du gleich zum nächsten Feuerlöscher! Wenn du das siehst! [Lacht.]
  • Ich muss den Feuerlöscher hier noch einmal fotografieren.
  • [[Sperren: Knips.]]
  • Na dann weißt du doch aber nicht mehr … Na gut, der ist farblich schon ganz anders.
  • Wir wissen noch nicht, ob er doch ein Kunstobjekt ist.
  • Das ist kein Kunstobjekt!
  • Das kannst du nicht wissen! Tue … tue mal genau die selben Feuerlöscher daneben. Noch einmal. Wo würdest du dann sagen ist die Kunst und wo ist der reale Feuerlöscher, der eine Funktion haben soll?
  • Der ist der … [Nicht verständlich.]
  • Auch wenn der [Sperren: selbe] noch einmal daneben ist? Selbe Gestaltung.
  • Na dann sind das halt zwei! Ich meine, die Nothammer, die wir gesehen haben, die funktionieren ja auch alle.
  • Also wenn [Sperren: hier] ein Feuer ausbricht, dann nehme ich den, der so leicht gedetscht ist. Und sterbe dabei.
  • [Pause.]
  • Ich renne einfach raus.
  • [Verlassen den Ausstellungsraum.]
  • [Aufnahme Ende.]
  • [Aufnahme Anfang.]
  • [In Freiburg.]
  • Alter Mann zum Stuhl: Gehört das hier dazu?
  • Kannst du mir noch einmal den Satz sagen, den … den er [Fußnote: Der Aufpasser.] gesagt hat, dass ein Opa ihm gesagt hat, als er den Stuhl gesehen hat, … drinne, in der Ausstellung …
  • Das weiß ich nicht. Was hat er denn gesagt.
  • Ist das Kunst oder irgendwie sowas.
  • Gehört das hier dazu!
  • Genau!
  • [Auto fährt vorbei.]
  • Das ist ja mein Paradebeispiel. Wieder dafür. Als … Als irgendein Stuhl halt in dem Raum ist …
  • Aber er meinte … Hier, der Aufsehern meinte ja: Manche sind ja schon verrückt, dass sie überhaupt solche Fragen stellen! [Lacht.]
  • Was mich wiederum wundert. Wenn man die Objekte drinne gesehen hat.
  • Ist hier nicht der S-Bahnhof?
  • [Pause.]
  • Das ist wieder eine entscheidendere Frage!
  • [Lachen.]
  • Essen-Frage
  • Wollen wir jetzt essen gehen?
  • Aber lass uns …
  • Die noch entscheidendere Frage …
  • … nicht zum Bahnhof fahren? Und gucken, wann …
  • Und dann essen gehen.
  • … der zurückfährt. Und dann entscheiden.
  • Aber wir können doch auch mit der Straßenbahn Eisenbahnstraße fahren.
  • Oder mit der S-Bahn!
  • [Krähe krächzt.]
  • Du willst mit der S-Bahn, weil es inklusive ist.
  • Genau. Ausnutzung des Tickets.
  • [Pause.]
  • Wird das dann auch in die Arbeit geschrieben? [Lacht.]
  • [Laut:] [Sperren: Jawohl!] [Lacht.]
  • Ich schweige.
  • [Aufnahme Ende.]
  • [Aufnahme Anfang.]
  • Am Frühstückstsich
  • [Kurzes Gespräch beim Frühstückessen in einer Baseler Wohnung.]
  • Ich will jetzt in Ruhe frühstücken!
  • Ja. Ich habe doch gar nicht angemacht! Also was hast du gerade gesagt? [Lacht.]
  • Ich bin nicht blind!
  • [Lacht.] Was hast du gesagt?
  • Ich habe gesagt, du solltest dich näher … Ich empfehle. Du machst dir Gedanken …
  • [Geschirrgeklapper.]
  • Markt und Kunst
  • … dazu: Kunst in Abhängigkeit von Kunstmarkt Kunstmarkt .
  • Verstehe ich nicht.
  • Denn ich finde, bei dir ist Kunst …
  • [Geräusche vom Bröttchenaufschneiden.]
  • … Markt und Kunst … Das ist quasi eins.
  • Das stimmt doch überhaupt nicht. Das hab' …
  • Das ist mein Empfinden.
  • Aber wie kommst du denn darauf. Ich … Mir gefällt's ja eben nicht. Dieses Gefühl, etwas zu schaffen, was dann im Wohnzimmer am Ende landet. Was ja im Endeffekt über den Kunstmarkt funktioniert. Also über Galerien oder so.
  • Na du hast aber immer die Kategorie … Wo kann etwas sein? Was kauft wer?
  • [Besteckt fällt auf Tisch.]
  • Das habe ich von Alexander gelernt.
  • Und das ist ja der Markt.
  • Ja. Ich weiß.
  • Da geht's immer um Geld.
  • Aber das interessiert mich eigentlich gar nicht.
  • Kunst sollte unabhängig vom Markt sein
  • Aber ist Kunst nicht unabhängig davon?
  • Ja! Darum … Um das geht es mir ja eigentlich. Nur das Problem ist halt, dass, wenn du … Wenn du nach dem Kunststudium da wirklich weitermachen willst und dann dich … äh … wirklich darum kümmern möchtest, dann [Sperren: musst] du über das Geld nachdenken. Da kommst du gar nicht umhin. Du musst irgendwie da … Du musst … Oder du machst was anderes.
  • Aber wenn es jetzt um den Kunstbegriff geht … Da finde ich, sollte es unabhängig voneinander sein.
  • Ja. Aber dann will ich bitte schön auch, wenn … wenn … wenn ich da was gefunden habe, dass dann auch so umsetzen. Und nicht ständig hier … mir überlegen, wie kann ich damit jetzt noch Geld verdienen.
  • Ja aber du hast ja jetzt schon immer die Überlegung …
  • Ja. Blöderweise! Aber das lernt man auch da … während des Studiums.
  • [Geschirrgeklapper.]
  • Also studiert ihr da im Grunde BWL.
  • Nein! Nein, nein, nein, nein. Das ist … Das ist … ja nun an der Hochschule überhaupt nicht so. Aber es wird halt manchmal so an… …gedeutet. So. Ja … Und … Und … Und … äh … Wie würdest du das jetzt rahmen, damit es jemand kauft? Oder wieviel willst du dafür …
  • Siehst du.
  • Das sind halt so kleine Gedanken.
  • Und selbst die letzte Ausstellung, wo ihr …
  • Na ja. Das war ja komplett damit verbunden. Klar.
  • Na das hieß sogar so. Oder?
  • [Mit vollem Mund.] Natürlich. Hundert Euro Ausstellung.
  • [Pause.]
  • Big Business
  • Big Business.
  • Und wer hat "Big Business" da gemacht?
  • [Mit hoher Stimme. Ganz laut:] [Sperren: Friiiedrich!]
  • [Pause.]
  • Und wie hat er das geschafft?
  • Mit [Sperren: ehrlichen] Verkäufen!
  • [Geschirrgeklapper.]
  • [Essgeräusche.]
  • Als Spende.
  • [Pause.]
  • Was ist denn?
  • Kannst du das jetzt wieder ausschalten. Ich möchte in Ruhe frühstücken. Ich sage jetzt auch nichts mehr über Kunst.
  • [Sperren: Püh!]
  • [Geschirrgeklapper.]
  • [Lautes Geräusch im Hintergrund.]
  • Das war die Katze Ramses .
  • Die ist einmal runtergerannt und als sie mich gesehen hat wieder hoch. [Lacht.]
  • Welche?
  • Die kleine.
  • [Lacht.] Oh. Ich glaube, sie mag dich nicht mehr.
  • [Mit vollem Mund.] Wieso? Mhm?
  • [Lacht.]
  • [Messergeräusche auf Keramik.]
  • [Aufnahme Ende.]
Werkstatt Plastisches Gestalten Holzstapel in anderen Raum verlegt Holzbock von Bachmann erhalten, für Bearbeitung Holzbüste altes Holzstück abschrauben, bei meiner Büste Büste Loch bohren und genauso befestigen eventuell Gipssack in Bock-Konstruktion legen, wegen Wackeln Mittwoch und Donnerstag für Werkstatt freihalten Diplom Theorie Christian zur Interviewauswertung meine Gespräche von Sozial- und Kulturforscher dem Bereich der interpretativ-verstehenden bzw. qualitativen Methoden zugeordnet qualitative Interviews mit Untertypen, wie narratives Interview oder problemzentriertes Interview Methoden für Auswertung: Kodierung, Typisierung und Interpretation Kodieren: Text aufbrechen, verstehen, Kategorien vergeben nachträglich in neue Ordnung bringen Interviewtext wird in Kodier-Text übersetzt, verkürzt, verallgemeinert verschiedene Ansätze: offenes, thematisches und theoretisches Kodieren Beispiel offenes Kodieren: Textteilen werden Verallgemeinerungen zugeordnet Fragen: Was wird gesprochen? Welche Personen sind beteiligt? Wie wird über Dinge gesprochen? Welche Aspekte werden (nicht) genannt? Wann? Wie lange? Wo? Kontext der Situation, des Phänomens, über das gesprochen wird. Warum? Wozu? Welche Beweggründe und Zwecke werden angegeben oder lassen sich vermuten? Womit? Welche Strategien werden eingesetzt? Verallgemeinerungen werden in weiteren Schritten immer weiter verallgemeinert es wird nach Muster in Daten gesucht Gespräch mit Christian
  • Nichts! [Lacht.] Aber da gucke ich schon wieder lieber hin als auf den Wagen.
  • [Pause.]
  • Sagen … Sagen tut es mir jetzt nichts. Nicht viel.
  • Eigentlich soll sowas doch auch gar nichts sagen. Warum muss das immer etwas ausdrücken?
  • Es muss eine Bedeutung haben
  • Na ich es schon wichtig, dass es auch eine Bedeutung hat.
  • Aber … Wenn … Wenn … Wenn … Wenn da eine Spielerei mit dem Hammer und dem Ding ist, dann ist das für mich ohne Aussage. Es muss nichts politisches sein. Gesellschaftskritisches. Es kann doch einfach mal ein Hammer sein! Der sich da bewegt.
  • Aber das lässt sich weiter denken. Der Hammer. Und das Ding. Weil dort siehst du, wie er eigentlich bewegt … die Bohrmaschine den Hammer. Aber manchmal gibt der Hammer der Bohrmaschine eben auch diese Bewegung. Es ist immer so … Wie wenn man zwei Leute aneinanderfesselt. Und die … die versuchen voneinander wegzukommen.
  • Nö. Soviel … Nö. Soviel würde ich da überhaupt nicht hineininterpretieren.
  • Aber …
  • Für mich ist es halt ein … schönes Spiel.
  • Also es gibt … Man kann sich darüber Gedanken machen. Oder es ist einfach schön, dem zuzugucken.
  • Du guckst als Mensch eben zu, weil … weil es etwas ist, was sich bewegt. Menschen gucken [Sperren: immer] gerne zu, wenn sich etwas bewegt.
  • Ja.
  • [Pause.]
  • [Räuspert sich.] Nummer sechs.
  • [Blätterrascheln.]
  • Transportwagen Nummer eins. Rollwagen. Seilbinde, Kletterseil. Zwölf Kartons. Tausendsechshundert.
  • Überhöhte Preisvorstellung
  • Was? Was sind denn das für Preise?
  • [Pause.]
  • Jetzt aber im Ernst!
  • Das darfst du mich nicht fragen. Ich bin nicht der Künstler. Na ja. Es hat schon was. Also als es gemacht wurde, war es sicher cool zu sehen. Schade, dass man kein Video davon sieht.
  • Wieso. Der macht das dann hier fest, oder was. Automatisch.
  • Na ja. Erst aufgebaut. Dann die Platte drüber. Das Seil miteinander verbunden und wenn du den Motor bedienst, dann wird es halt so gequetscht.
  • Also selbst die stabilen Kartons gehen da sozusagen kaputt.
  • Na ja. Stabil … Relativ.
  • [Pause.]
  • Und dann hat der gestoppt und es hierher geschoben.
  • Na ja. Er wird es hier aufgebaut haben.
  • [Pause.]
  • Aber denkst du, es hat jetzt eine Bedeutung? Dieses …
  • Nö.
  • Aber mit diesem Zuquetschen? Und dann …
  • [Pause.]
  • Na ja. Das ist …
  • [Pause.]
  • Gut. Da gucke ich hin. Weil es mich erst einmal interessiert, wie es funktioniert. Wie kommt das so. Aber … Bedeutung hat das nicht.
  • [Pause.]
  • Es ist nicht gesellschaftskritisch. Oder …
  • Das gleiche wäre ja zum Beispiel nicht passiert, wenn die ganzen Dinger voll gewesen wären. Mit Büchern. Oder so. Dann hätte der das ja nicht quetschen können. Sind halt leere Kartons! Aber wer stapelt schon so leere Kartons?
  • [Pause.]
  • Damit ist es natürlich wieder … aus dem Alltag eigentlich gerissen.
  • Na wir müssten uns da mal die Beschreibungen durchlesen. Vielleicht hat das ja irgendeinen gesellschaftskritischen …
  • Es gibt doch keine Beschreibung. So wirklich.
  • [Pause.]
  • Doch! Hier! Die Arbeit Transportwagen Null Eins zeigt ebenfalls eine Eigenentwicklung des Künstlers.
  • Was heißt Eigenentwicklung des Künstlers?
  • Na was selber Gemachtes! Offensichtlich mit Utensilien aus dem Baumarkt konstruiert, um auf möglichst geringer Fläche maximale Last transportieren zu können, transportiert das Objekt einen Zustand des Fragilen. Ein wenig zu lange den roten Knopf, der über …
  • [Blätterrascheln.]
  • … dimensionierten Seilwände gedrückt, wird die Erfindung zum sicheren Transport von Kisten zur Schrottpresse. Mit der Tendenz zum Kippen.
  • [Pause.]
  • Wie mit einem Fotoapparat festgehalten, zeigt das Kunstwerk ein Kippen von etwas Nützlichem zu etwas Dysfunktionalem. Ein ähnliches Moment Moment interessiert Mün… [Nicht verständlich.] auch bei seinen Feuerlöschern. Na ja. Da geht's schon um das Nächste. Also du siehst hier schon was ganz anderes, wenn du die Beschreibung natürlich dazu …
  • Beschreibungstexte zu Arbeiten
  • Nee. Die Beschreibung habe ich jetzt gar nicht verstanden. Da wurden Wörter … äh … Substantive mit Ung-Endungen, mit Genetiven, mit … mit dem Moment … Moment wird ziemlich oft in der Kunst und gerne verwendet.
  • Ja aber das ist ja immer bei diesen Beschreibungstexten so. Die wirken ja immer ein bisschen …
  • Hast du da jetzt was verstanden?
  • [Sperren: Natürlich] habe ich das verstanden.
  • Jetzt erkläre es mir bitte noch einmal.
  • [Blätterrascheln.]
  • Okay.
  • Das wurde jetzt mit richtig viel Bedeutung aufgeladen. Das ist dir schon bewusst, oder?
  • [Lacht.] Etwas Nützliches. Das ist ja diese Konstruktion an sich. Also du hast etwas, womit du etwas verschieben kannst. Dann die Kisten. Mit denen du was transportieren kannst. Und ein Halteseil, damit es nicht umkippelt. Und hier im Text steht: Aber das Ganze überspannt … Also dieses Seil zu sehr gespannt … macht das Seil … Also das etwas Nützliche … zu etwas … äh … was das ganze … ähm … verändert. Nämlich negativ verändert. Nämlich zu einer Schrottpresse macht. So steht es im Text.
  • [Sperren: Ja. Aber was] ist … Also wie kommst du darauf?!
  • Ich nicht! Das steht da!
  • [Pause.]
  • Aber würdest du als Besucher darauf kommen? Das [Sperren: so] extrem aufzuladen? Für mich war das jetzt halt … äh … Kartons übereinandergestapelt, die mit irgend so einer Presse …
  • Na das haben wir ja vorher gesagt. Das war ja das interessante. Als wir das vorher nicht gelesen hatten, sondern erst … Also was ich zum Beispiel erst darin gesehen hatte, beschrieben … und … Aber das ist eben eine Interpretation, wie das der … Erschaffer dieses Dingens …
  • Nee. Ich glaube noch nicht einmal, dass der Erschaffer so … so … so … tief und so weit denkt. Das ist dann bloß der Kurator kuratieren . Der so viel hinein interpretieren tut. Damit es für die Ausstellung relevant ist. Das es ausgestellt werden [Sperren: muss].
  • Da wäre ja das interessante, ihn zu fragen.
  • Das mache ich dann.
  • Sehr gut.
  • [Pause.]
  • Also woher die Texte rühren. Ne? Ob die sich das selbst ausgedacht haben. Oder ein Kurator.
  • Mhm.
  • [Pause.]
  • Hier hast du wieder so eine Wand. Wo du gesagt hattest, bei dem anderen, das ist eine Duschwand. [Fußnote: Arbeit in Galerie in Basel.]
  • Na ja. Das ist aber ein bisschen anders. Ne? Das erinnert eher an …
  • Das ist noch nicht so groß.
  • Und das kleine …
  • Na das ist doch das … [Nicht verständlich.]
  • Wir haben jetzt hier Nummer fünf.
  • [Blätterrascheln.]
  • Hausteil drei.
  • [Stimmen aus dem Hintergrund werden lauter. Wir sind ruhig.]
  • [Pause.]
  • Er gibt sich Mühe.
  • Er gibt sich zumindestens Mühe!
  • Mühe mit was.
  • Na ja. So ein Objekt überhaupt aufzustellen.
  • Ach. Wie ehrenvoll! Hätte er es nicht gemacht …
  • Na mach' das mal! Ach. Das ist Styropor, oder?
  • Ja. Das ist … Üton, Holzputzplastik. Glas.
  • Nee. Das ist Stein! Kein Styropor.
  • Üton! Na siehst du das nicht? Dann ist das da drüben aber auch kein …
  • Dann wird es auch sowas sein. Genau.
  • Sicher. Wie leichter Stein.
  • [Pause.]
  • Ja aber das ist doch zum Beispiel keine Grundlage. Bloß weil sich jemand Mühe gibt. Das macht man in der ersten Klasse! Zu sagen: Ja, er hat sich Mühe gegeben. Deshalb geben wir ihm eine gute Note. Aber hier … [Sperren: Pfff].
  • Na ja. Jetzt … Jetzt frage ich mich …
  • Wir sind hier bei den Erwachsenen!
  • Nein, jetzt frage ich mich aber zum Beispiel: Das ist doch eine große Variante von den kleinen, die wir da gesehen haben.
  • Ist es nicht.
  • Sind die kleinen jetzt die Entwürfe?
  • Hier sehen wir einen Teil von einer …
  • Von einem Haus.
  • Von einem Haus.
  • Also von einem oberen Bereich. Weil hier unten ist ja diese Dachplatte.
  • Na die könnte aber auch eine Kellertreppe abdecken.
  • [Pause.]
  • Na aber sage jetzt mal was dazu. Wie das … Also immer in … in dem Feld … äh … Was du als … ähm … Was du auch gestern gesagt hast. Was Kunst für dich sein sollte.
  • Das es etwas Besonderes ist?
  • Was ja auch ziemlich einfach daher kommt. Es soll was Besonderes sein. So.
  • Ja. Aber was sehen wir hier. Wir sehen hier quasi, wie schon in der Beschreibung, … einen Teil von einem Haus.
  • Es geht nicht darum, was du siehst!
  • Das [Sperren: Besondere] hier wäre ja, dass man ja normalerweise nicht einen Ausschnitt von einem Haus mal so sieht.
  • Ja.
  • [Stimmen werden lauter.]
  • [Pause.]
  • [Sperren: Punkt].
  • Du hast jetzt nicht wirklich irgendwas zu sagen dazu. Oder?
  • Nee, weil … Es … Ich …
  • Mir fällt gerade auch nichts ein.
  • Größe, zeitgenössische zeitgenössisch Kunst, sagt nichts
  • Die [Sperren: Größe] beeindruckt natürlich. Dass jemand sowas großes dann macht. Aber es ist nicht [Sperren: schön]. Es ist nichts … wo man lange verweilen möchte. Also nichts, wo ich lange verweilen möchte. Mit meinen Augen.
  • Es ist zeitgenössische Kunst.
  • Es ist so …
  • [Blätterrascheln.]
  • Sagt nichts.
  • Es … Na gestern haben wir auch Bilder gesehen, ne? So. Das ist ja noch einmal was anderes. Da geht man von vorne herein darauf … äh … aus. So das hängt man sich … Das kann man sich hinhängen. Im Wohnzimmer oder so. Und das sind jetzt hier aber eher Objekte, die man sich nicht irgendwie hinhängen würde. Höchstwahrscheinlich.
  • Ja.
  • Oder hinstellen würde. Das sind dann …
  • [Pause.]
  • Ach, ich weiß auch nicht.
  • Feuerlöscher Feuerlöscher
  • Hier haben wir noch einen Feuerlöscher!
  • [Lacht.] Du sollst uns jetzt nicht hier durch die Ausstellung dirigieren! Sondern …
  • [Lacht.]
  • Offensichtlich …
  • Nein. Mit mir ganz allgemein darüber reden!
  • … nicht mehr benutzbar [Fußnote: Der Feuerlöscher.].
  • Lass uns noch einmal etwas über den Hammer … ähm … ähm …
  • Nummer sechszehn. Feuerlöscher Null Null Eins. Da denke ich, wenn ich es sehe … Es ist gut, dir zu erklären, wie dein eigener Feuerlöscher funktioniert. Weil der … Der hat ja das selbe Prinzip. [Lacht.] Also du siehst da das Pulver. Was man immer mal auflockern sollte. [Zu sich selbst gewandt:] Und wo kommt der Druck her? Na das sehe ich jetzt nicht.
  • Na die Flasche gibt's ja nicht mehr.
  • Irgendwo müsste ja die Druckflasche noch sein.
  • [Pause.]
  • Es ist ein … Es ist ein interessantes Objekt. Dadurch, dass es durchlöchert ist. Und es hat halt nicht …
  • Ich denke …
  • … mehr die Funktion eines Feuerlöschers. Anders als bei diesen Ventilatoren. Die sind ja noch voll funktionsfähig. Bloß anders hin gehangen. Hier wurde der Feuerlöscher an sich schon … schon verfremdet. Also der ist für sich schon ein Kunstobjekt.
  • Ich denke nur, es hat bestimmt Spaß gemacht. Da die Löcher reinzubohren. Und immer zu bohren. Bohren, bohren, bohren. Bis da halt bestimmte Stücke herausbrechen. Und so. Also das war bestimmt lustig!
  • [Pause.]
  • Kunst um der Kunst willen L’art pour l’art
  • Ich kann es bloß noch einmal sagen: Mir gefällt es ja, wenn jemand … ähm … etwas macht, weil er auch Spaß daran hat. Oder vielleicht nur des Spaßes wegen. Also der Lust wegen es zu tun. Und jetzt nicht darüber … äh … nachdenkt … äh … Er … Er möchte jetzt in der Gesellschaft etwas bewegen. Oder die politischen Situationen kritisieren. Oder so. Weißt du?
  • Mhm.
  • Das gefällt mir! Nur trotzdem muss ich dann halt fragen … ähm … Was hat das dann in einem Ausstellungskontext zu tun. Weißt du? Was ist jetzt der Unterschied zwischen dem, was du tust. Oder einem Kind oder so.
  • Mhm.
  • [Männerstimme. Aufsicht kommt näher und fragt den Kunststudenten Kommilitone etwas zu dem Bohrerhammer.]
  • Das war mal aus zwischendurch, ja. Anderer 1: [Nicht verständlich.]
  • Okay. Anderer 1: [Nicht verständlich.]
  • Okay. Anderer 1: [Nicht verständlich.]
  • [Lacht.]
  • [Lacht.] Anderer 1: [Nicht verständlich.]
  • Ja.
  • [Mann verschwindet.]
  • [Pause.]
  • Gehen wir mal zu dem Feuerlöscher? Gibt es überhaupt einen richtigen Feuerlöscher?
  • [Lacht.]
  • [Lacht.]
Ventis, 2017, Ventilatoren, Bewegungsmelder, Verteilersteckdosen, Verlängerungskabel, Evgenij Gottfried
Ventis, 2017, Ventilatoren, Bewegungsmelder, Verteilersteckdosen, Verlängerungskabel, Evgenij Gottfried
Hammerhammer, 2017, Evgenij Gottfried
Hammerhammer, 2017, Evgenij Gottfried
Akkuhammer, 2017, Evgenij Gottfried
Akkuhammer, 2017, Evgenij Gottfried
Feuerlöscher 003, 2015, 2 Feuerlöscher, Lack, Florian Münchow
Feuerlöscher 003, 2015, 2 Feuerlöscher, Lack, Florian Münchow
Nothammer 1+3+3, 2015, 7 Nothämmer mit Halterung, Florian Münchow
Nothammer 1+3+3, 2015, 7 Nothämmer mit Halterung, Florian Münchow
Transportwagen 001, 2015, Rollwagen, Seilwinde, Kletterseil, 12 Kartons, Florian Münchow
Transportwagen 001, 2015, Rollwagen, Seilwinde, Kletterseil, 12 Kartons, Florian Münchow
Daheim, Julien Fettkötter
Daheim, Julien Fettkötter
Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • [Aufnahme Anfang.]
  • [Am nächsten Tag. In Freiburg. Ausstellungsbesuch.]
  • [Anfang vom Gespräch nicht aufgezeichnet.]
  • Arbeit Ventis
  • … finde ich lustig.
  • Sag noch einmal was.
  • [Klappergeräusche im Hintergrund.]
  • Das finde ich lustig.
  • [Betrachten die Arbeit "Ventis", 2017, Evgenij Gottfried Evgenij Gottfried .] Ventis, 2017, Ventilatoren, Bewegungsmelder, Verteilersteckdosen, Verlängerungskabel, Evgenij Gottfried ventis-k.jpg
  • [Pause.]
  • Man hat hier diese Ventilatoren. Die sind halt einfach nicht in der Funktion, wie sie eigentlich wäre. Aufgehängt. Die bewegen sich. Knallen manchmal gegeneinander.
  • [Pause.]
  • Wie würdest ihr denn in der Kunst das nennen? Eine Installation?
  • Ja.
  • [Pause.]
  • Spielerei, ohne Bedeutung, aber lustig
  • Aber … Bedeutung hat das nicht.
  • Na das ist eine Choreographie. Ne?
  • [Nicht verständlich, 0:40.] Aber … Es ist einfach was … ein Alltagsgegenstand. Anders … [Sperren: Pfff] … angeordnet.
  • Na und dadurch ist es dann ja … passt es nicht mehr in einen andere Kategorie als Kunst. Eigentlich. Es ist kein Design. Weil es ja in dem Moment Moment nicht schön aussieht. Es ist kein Alltags… also es ist kein Gegenstand, den man benutzen so würde.
  • Ja.
  • Sondern das sind halt jetzt so Objekte, die … äh … für sich selbst … in ihrem Rahmen halt … [Sperren: spielen].
  • [Klappergeräusche.]
  • [Sperren: Jaaa]. Das ist ja schon wieder was reingedeutetes.
  • Ja aber sie spielen doch im Endeffekt.
  • Sie spielen ja nicht von sich aus. Sondern jemand hat sie so gemacht, dass sie so [Sperren: wirken], als würden sie spielen.
  • Nö. Sie spielen ja mit sich selbst, weil sie Luft erzeugen.
  • Aber sie spielen doch nicht. Spielen kann kein Objekt. Du siehst einfach Dinge, die schweben halt im Raum, weil die nun einmal sowas wie einen Propeller haben. Der sie schwingen lässt. Jemand hat sie so angeordnet. Deshalb wirkt das so. Das ist ja schon eine Interpretation, dass es spielt.
  • [Pause.]
  • Aber wie ich eben schon sagte: Ich finde es halt lustig.
  • [Klappergeräusch.]
  • [Pause.]
  • Was wir gestern hatten … Das hat natürlich schon was Besonderes. Und hebt sich ab von dem, was man sonst sieht.
  • Was [Sperren: du] siehst. Sowas haben glaube ich ganz viele in der Kunst hier gemacht.
  • [Sperren: Jaaa]. Aber was man nicht im Alltag sieht. Meine ich.
  • Du siehst es vielleicht weniger in einer Ausstellungsgalerie. Ne? Wobei du das hier ja auch kaufen kannst.
  • Ja?
  • Ja. Stand auf der Preisliste drauf. [Sperren: Du] hast den Zettel!
  • Nö. Ich habe den kleinen. Den anderen hast du. Irgendwo. Vielleicht. Und der da … [Zeigt auf einen Ventilator.] … Das ist auf jeden Fall der Friedrich. [Lacht.] Der rattert durch die Gegend.
  • [Mit hoher Stimme:] Ihr könnt mich mal!
  • Genau so!
  • Nummer fünfzehn.
  • [Blätterrascheln.]
  • Evgenij Gottfried.
  • Von Evgenij ist das auch? Oh mein Gott Gott . Da hat er ja alle Werke, die wir uns angucken.
  • Ventilatoren. Bewegungsmelder. Verteilersteckdosen. Verlängerungskabel. Preis auf Anfrage.
  • Das erste [Fußnote: Eine andere Arbeit.] hatten wir ja jetzt auch schon von ihm gesehen.
  • Fragste ihn mal, was das …
  • Hammer. Hammerhammer. Das hatten wir gesehen. Nee. Das ist zweimal …
  • [Betrachten die Arbeit "Hammerhammer", 2017, Evgenij Gottfried.] Hammerhammer, 2017, Evgenij Gottfried freiburg8-k.jpg
  • Das ist Nummer drei.
  • Akkuhammer.
  • Akkuhammer. Akkuhammer. Hammer. Schrauben.
  • [Betrachten die Arbeit "Akkuhammer", 2017, Evgenij Gottfried.] Akkuhammer, 2017, Evgenij Gottfried akkuhammer-k.jpg
  • Aber was sollst du denn … Was kriegst du für achthundert?
  • Na … Das ganze Ding. Mit dem …
  • Mit dem Styropor. Und wo soll ich das hintun?
  • In deinen Keller. Und wenn du nicht mehr kannst, dann … Ich meine. Das schaute lustig aus. Das mit dem Hammer.
  • Na wir gehen da noch einmal hin. Noch einmal angucken.
  • Okay. Was haben wir denn da in der Ecke.
  • Warte doch mal.
  • [Aufnahme unterbrochen.]
  • Was?
  • Es passt in keine andere Kategorie, also ist es Kunst
  • Es geht um die Frage, was Kunst ist.
  • Na was sagst du denn jetzt, wenn du das so siehst. Ist das … Also … Was ist daran jetzt für dich Kunst. Oder …
  • Wie du schon sagtest … Natürlich ist das … Es passt in keine andere Kategorie als … Also nennt man es … Kunst.
  • [Pause.]
  • Künstlich. Gemachtes.
  • [Pause.]
  • Ja. Es ist eben eine Verdrehung von … von der Normalwelt.
  • [Pause.]
  • Ist das für dich gute Kunst?
  • Was heißt das.
  • Wir wissen ja noch nicht einmal, was Kunst ist. Also … Wenn du das schon in irgendeine Kategorie reinstopfst … Wir haben ja gestern eher so … gehangene Sachen gesehen.
  • Na ja. Ich … Also … Ästhetisch gesehen ist es jetzt nicht … nicht wirklich schön.
  • Aber beim Hammer schon!
  • Aber es ist interessant.
  • Beim Hammer war es aber auch ästhetisch schön.
  • Ja. Aber … Aber das hier ist halt schon was interessantes. Bewegung. Aber das Objekt an sich … Ne? Da hängen hier diese Kabel herum.
  • Na das gehört ja dazu.
  • Das bewegt sich so. Und so ein Ventilator an sich ist ja auch kein schönes Objekt.
  • [Pause.]
  • [Sperren: Schön] wäre zum Beispiel, wenn … wenn da jetzt was drum gebaut unten wäre.
  • Dann machst du wieder zu viel rein. Das [Sperren: muss] so einfach bleiben. Wie beim dem Hammerding. Es [Sperren: darf] einfach bloß ein Akkuschrauber und Hammer sein. Mehr nicht.
  • Aber wer sagt, dass es so sein muss?
  • Funktion von Gegenstand umgedeutet
  • [Sperren: Nein]. Aber so konzentriert es sich doch auf die … eigentliche Funktion von Ventilatoren. Die aber halt … äh … anders gebraucht sind.
  • Das ist aber nicht die Funktion von Ventilatoren.
  • Die Funktion vom Ventilator ist: Luft zu erzeugen.
  • Ja aber … Um …
  • So.
  • … zu kühlen!
  • Genau. Und die kühlen ja auch im Endeffekt. Aber die kühlen sich gegenseitig. Weil der Luftstrom, der geht ja …
  • Nee …
  • Die sollen einen nicht kühlen. Sondern der Luftstrom, der soll einen frisch machen. So. Die machen sich sozusagen gegenseitig frisch.
  • Nee. Hier geht's doch darum, dass sie sich durch den Luftstrom, der erzeugt wird, bewegen.
  • [Sperren: Ja!]
  • Aber sie kommen halt nicht so weit.
  • [Ein Ventilator bewegt sich stark.]
  • [Sperren: Dusssch!] [Lacht.]
  • Und der eine, der bewegt sich halt ein bisschen schneller. Guck mal die anderen.
  • Der andere ist ein Autist. Nee. Links in der Ecke! Der gar nichts macht.
  • Na der macht da so sein Ding. [Lacht.]
  • [Lacht.] [Mit hoher Stimme:] Hach! Ihr könnt mich mal!
  • [Pause.]
  • Interessant, nicht schön
  • Also sagen wir es so. Ich finde es interessant. Aber nicht schön.
  • Aber was bedeutet das jetzt für die Kunst?
  • Na ja …
  • [Sperren: Was] heißt [Sperren: interessant]. Das ist ein Scheißwort.
  • Wieso.
  • [Sperren: Interessant].
  • Na ich gucke gerne zu. Also ich bleibe hier auch gerne fünf Minuten länger stehen. Das meine ich mit interessant.
  • Danach bist du erkältet.
  • Nee. [Sperren: Du!]
  • Dann hat es ja eine Wirkung auf dich.
  • Weil da die ganzen Bakterien herumgewirbelt werden.
  • Oh mein Gott!
  • [Klappergeräusche.]
  • [Pause.]
  • [Schlag gegen die Wand.]
  • [Lacht.]
  • Na die heizen sich gegenseitig auf. Ne?
  • Die gehen ja richtig aufeinander los. Ne?
  • [Pause.]
  • [[Sperren: Bumm.]]
  • Na das ist halt … Selbst der autistische.
  • Der bewegt sich jetzt nicht. Guckt zu.
  • [Klappergeräusche.]
  • Jetzt fällt der von der Decke. [Lacht.] Die Frage ist ja auch: Will er, dass es [Sperren: genau] so angeordnet ist?
  • Na hat er ja gemacht.
  • Hat der das vorher irgendwo getestet?
  • Na ich glaube, dass ist auch zufällig irgendwie.
  • [Pause.]
  • Jetzt ist wieder Ruhe. Na ja. Das ist halt … Das ist auch interessant. Zu sehen, was sich hier so für eine Dynamik entwickeln kann. Und das kann man ja vorher nicht so planen. Das hier dann in einem bestimmten Moment … hier viel Bewegung herrscht. Oder eben kaum.
  • Ja aber was sagt dir das denn jetzt.
  • Es sagt nicht viel! Du siehst einfach ein Objekt in einem anderen … [Sperren: Kontext]. Und …
  • Mein Lieblingswort!
  • Und … Es passiert was. Hier passiert halt was. Es ist halt nicht langweilig. So wie man auf Wasser guckt. Was durch den Bach plätschert.
  • [Pause.]
  • Ich würde es als schöne Spielerei betrachten.
  • Es ist [Sperren: nicht] schön. Aber es ist eine …
  • Na doch!
  • … Spielerei.
  • Aber was heißt Spielerei?
  • Eine interessante Spielerei.
  • [Stöhnt.] Aber was … Aber was … Ab wann wird aus einer Spielerei … was … was … was als Kunst bezeichnet werden würde?
  • Na ja. Da du gesagt hast … Das ist in dem Fall …
  • Das ist ein Kunstraum.
  • Also ist es Kunst
  • Das hattest du ja schon gesagt. Hier ist der Ausschluss. Es hat keine wirkliche Funktion. Und so weiter. Also ist es Kunst.
  • Dann kann es auch eine Spielerei sein. Einfach. Wenn ein Kind irgendwas macht … äh … , dann … dann wird das auch als Spielerei angesehen. Nicht als Kunst.
  • Mhm. Okay. Kunst kann Spielerei sein. Muss es aber nicht.
  • Ich … Mir gefällt es ja, wenn es als Spiel selbst wahrgenommen wird. Und wenn der Künstler das halt so als … ausschlaggebenden Punkt hatte.
  • Wichtig ist nur, nicht zu sagen, dass das Zeug hier [Sperren: spielt].
  • Für unsere Augen spielt es.
  • Aber ja nicht freiwillig. Und es sind ja Objekte.
  • Was heißt freiwillig.
  • [Sperren: Spielen] kann doch nur ein [Sperren: Mensch].
  • Sagst du. Und Affen?
  • Oder menschenähnliche Wesen.
  • [Sperren: Katzen]?
  • [Lacht.] Säugetiere!
  • Warte mal. Was gibt's denn noch. Schlangen oder so?
  • Die spielen bestimmt nicht.
  • [Pause.]
  • Na gehen wir weiter.
  • Zum Feuerlöscher Feuerlöscher ? Feuerlöscher 003, 2015, 2 Feuerlöscher, Lack, Florian Münchow Florian Münchow freiburg1-k.jpg
  • [Schaut nach Informationen auf dem Zettel.]
  • Nee, ich habe schon geguckt. Vierzehn.
  • [Pause.]
  • Feuerlöscher im Kunstraum
  • Feuerlöscher.
  • Wenn es [Sperren: hier] mal brennt!
  • Vor allem war weiter vorne doch noch einer.
  • Der war aber echt!
  • Zweimal Feuerlöscher.
  • [Tür knallt.]
  • Das finde ich halt … Also ich weiß nicht, was es hier ist. Aber … Ne? Das ist doch immer dieses … Ne? … Hauptding. Wenn man in eine Galerie kommt, in eine zeitgenössische zeitgenössisch , und da ist ein Feuerlöscher. Weil da nun einmal einer sein muss. Da kommt dann auch immer wieder der Kommentar, von mir selbst: [Mit hoher Stimme:] Hach! Das ist jetzt Kunst! So. Weil das halt in einer Galerie steht, wird der Feuerlöscher nicht gleich als Feuerlöscher wahrgenommen. Sondern kann genauso gut ein Kunstobjekt sein.
  • Hier ist der aber verändert.
  • Ja. Hier greift er es ja aber auf. Da hast du das Feuersymbol. Hier hast du die Feuerlöscher.
  • Die sind aber ineinander geschweißt.
  • Gibt's die vielleicht so?
  • Nee.
  • Sicher?
  • Eigentlich sind die ja einzeln so. Mit Nebenflasche und Hauptbehälter.
  • Der hat sich hier so viel Mühe gegeben.
  • [Pause.]
  • Aber warum hat er das gemacht! [Sperren: Das] ist ja die Frage.
  • [Blätterrascheln.]
  • Das hier zum Beispiel. Das finde ich … Spittel.
  • Was heißt Spittel?
  • Na ja. Blödsinn eher. Das ist doch jetzt … Was soll denn das einem sagen?!
  • Na ja. Das ist jetzt bei den Ventilatoren nicht anders.
  • Das ist lustig!
  • Das ist lustig, okay.
  • [Lacht.] Und das hier … Da bleibt man doch nicht stehen. Und will sich das für immer und ewig angucken.
  • Na ja. Aber bei den Ventilatoren bist du halt …
  • [Nicht verständlich.]
  • Nein. Bei den Ventilatoren da ist halt eine Aktion. Du bist halt ein Mensch, der reagiert auf … ähm … auf Bewegung.
  • Ja. Und da passiert [Sperren: hier] ja gar nichts. Das ist noch nicht einmal schön.
  • [Pause.]
  • Das ist …
  • Du kannst da nicht mehr drinne sehen?
  • Nö.
  • Ich auch nicht. Aber ich frage.
  • Ich sehe da nicht viel.
  • Aber reicht das nicht? Einfach bloß zwei Feuerlöscher, die ineinander geschweißt sind? Warum muss das jetzt mehr sein?
  • Ja aber warum … Warum zum Beispiel … Warum sollte das jetzt jemand für die größte Kunst der Welt halten?
  • Warum sollte jemand sich die Ventilatoren angucken, wie sie sich gegenseitig Wind geben?
  • [Von weiter weg.] Weil es lustig ist.
  • Lustig als Argument dafür, dass man hinguckt
  • Aber lustig ist … kann doch nicht bloß das einzige Argument für … das ist jetzt Kunst … sein.
  • Das ist ja nicht die Argumentation dafür, dass es Kunst ist. Sondern dass du hinguckst.
  • Also sind wir jetzt in der Ausstellung nicht, weil es Kunst ist, sondern weil man da hingucken kann.
  • Ja.
  • Was ganz einfaches eigentlich.
  • Das ist doch für den Alltagsmenschen wichtig. Findet er es schön oder nicht. Würde er es sich in sein eigenes … Wohnzimmer hängen …
  • Würdest du die Ventilatoren …
  • … oder nicht.
  • … in dein Wohnzimmer hängen? [Lacht.]
  • Na das würde mir auf die Nerven gehen. Außerdem hätte ich überall … [Lacht.] … blaue Flecken.
  • [Lacht.]
  • Es gibt dafür ja schon die Katze Ramses .
  • Na die fände es …
  • Die fände es …
  • … lustig!
  • … lustig!
  • [Lachen.]
  • Die würde sogar sagen … [Mit hoher Stimme:] Hach! Das ist Kunst!
  • [Pause.]
  • Okay.
  • Hier hast du ganz viele. Nothammer 1+3+3, 2015, 7 Nothämmer mit Halterung, Florian Münchow freiburg4-k.jpg
  • Ah okay. Wir wären fast vorbeigegangen.
  • [Pause.]
  • Nothämmer im Kunstraum
  • Nächstes Objekt. Nummer dreizehn. Sieben Nothämmer mit Halterung.
  • [Pause.]
  • Schön. Ne?
  • [Pause.]
  • Nummer sieben … Also der unterste … ist ein bisschen auf den Schuss.
  • [Pause.]
  • Also auch hier wieder: Wir haben einen Gegenstand, wie wir ihn sonst im Bus oder so finden. In einem anderen Kontext. Und gleich sieben Mal.
  • [Pause.]
  • Doch … Das hat jetzt was Ästhetisches.
  • Das ist doch nicht ästhetisch.
  • Finde ich.
  • Der eine ist doch ganz woanders.
  • Na ja. Das macht … Komposition nennt man dann das.
  • Das Objekt an sich ist ja kein schönes.
  • Findest du nicht?
  • Es ist rot. Hat was … äh …
  • Diese Verchromung?
  • … metallisches.
  • Ja.
  • [Pause.]
  • Etwas, was es schützt. Aber …
  • [Pause.]
  • Schön ist das nicht.
  • [Pause.]
  • Dann haben wir hier … Transportwagen 001, 2015, Rollwagen, Seilwinde, Kletterseil, 12 Kartons, Florian Münchow freiburg5-k.jpg
  • [Blätterrascheln.]
  • Das sieht man ja alltäglich irgendwo. Wo halt Müll gelagert wird. [Lacht.]
  • Das ist jetzt ein Objekt.
  • Okay. Guckt man da hin?
  • Wir anscheinend jetzt ja.
  • Ich meine … Sowas siehst du in ähnlicher Form immer wieder an den Straßen.
  • Mit so einer roten Schnur zugemacht?
  • Wieso … Aber wenn da irgendwo halt … alte Kleider herumliegen. Oder Müll.
  • Ja aber das sieht jetzt hier ja nicht … ähm … müllig aus.
  • Na ja. Da ist was Zerknäueltes auf einer Platte. Festgehalten mit einem Spanngurt.
  • [Pause.]
  • Und?
  • [Pause.]
  • [Auto fährt vorbei.]
  • Ich frage m
  • Was bringt das jetzt.
  • Willst du jetzt mit so einer Grundsatzdiskussion hier kommen.
  • Nein nein.
  • [Pause.]
  • Handwerklich und besonders
  • [Sperren: Das] ist doch schon wieder was anderes. Das ist … Oh. Sieben, acht, neun, zehn. Elf …
  • [Betrachten die Arbeit "Daheim", Julien Fettkötter.] Daheim, Julien Fettkötter daheim-k.jpg
  • Styrophor, farbig. Mit kleinen Objekten.
  • Haus fünf bis neun.
  • [Blätterrascheln.]
  • [Pause.]
  • Das mit dem Holz finde ich glaube ich am … Nee … Hier mit dem Steinchen. Wobei. Das lenkt wieder zu sehr ab. Dann lieber so etwas.
  • Da haben wir …
  • [Pause.]
  • Das ist … ist PVC. Beton.
  • [Blätterrascheln.]
  • Ich finde, das lenkt zu sehr ab. Lieber sowas hier.
  • Ja gut. Das ist ja für jedes anders.
  • Nee, dann das gelbe Steinchen. Das ist für Schwule!
  • [Pause.]
  • Da ist zumindestens handwerklich was da. Ne? Das gibt es bestimmt nicht so im … Baumarkt. Oder?
  • Genau. Da ist was genommen worden …
  • Das ist jetzt kein Readymade Ready-made .
  • Stein … Und dann wurde noch was verändert.
  • Das ist kein Stein. Das ist Styropor.
  • Oder Styropor. Das steht da ja. Styropor.
  • Da wurde nichts verändert. Da wurde eine ganze Fassade drauf ge… …staltet.
  • Also da hat wieder schon jemand etwas Besonderes geschaffen.
  • [Pause.]
  • Halt … verschiedene … Häuser. Hauseingänge.
  • [Blätterrascheln.]
  • Für verschiedene Funktionen. Ladeneingang. Eines, was man eher am Bahnhof sieht. Ein Haus …
  • Aber was sagt dir das jetzt?
Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • [Aufnahme Anfang.]
  • [Beim Essen in einem Kaufhaus auf der Dachterrasse.]
  • [Straßengeräusche. Laute Sirenen.]
  • Meine Sicht: vieles nicht verständlich
  • Christian hat mich ja vorhin gefragt, … [Räuspert sich.] … was ich daraus … äh … lerne oder ziehe. Aus dem Gespräch, was wir hatten. Richtig?
  • [Geschirrklapper.]
  • Stimmt.
  • Okay. Und beim Fahrrad fahren fiel mir jetzt ein, dass es mir tatsächlich etwas gebracht hat.
  • [Lacht leise.]
  • Und zwar ging ich bisher immer davon aus, das war meine Annahme, dass … ähm … dass der normale Besucher, also wie ein Christian oder wie ein Alexander, die halt lediglich mal kurz in den Kunstraum …
  • … Oder …
  • … schauen …
  • … die Oma.
  • Oder die Oma.
  • Dass die einfach kene … keine … keine Ahnung haben und total primitiv halt rangehen. Wie mit Sätzen: Das kann ich ja auch! Oder … ähm … Ach, das … das … ähm … äh … Oder ganz schnell begeistert sind. Nur weil es groß ist. Nur weil es schräg ist. Oder nur weil es eben … ähm … bunt ist. [Zieht Rotze hoch.]
  • [Eine Frau lacht im Hintergrund.]
  • Und aber eigentlich das Meiste überhaupt nicht … ähm … äh … verstehen können.
  • Individualismus als Begründung
  • So. Und … äh … Jetzt habe ich aber mitbekommen, … ähm … dass die [Sperren: Kunst] einfach eine ganz andere geworden ist. Also diese zeitgenössische zeitgenössisch Kunst zumindestens. Wenn ich mir betrachte … äh … in den Kirchen die Gemälde, die ja auch heute als Kunst angesehen werden. Ähm … Die waren ja für die Masse gemacht! Also das heißt, die haben eine Geschichte erzählt. Und die Masse, die nicht lesen konnte, die sollte denen sozusagen etwas zeigen.
  • [Geschirrgeklapper.]
  • Die sollte die Gläubigen halt … äh … zu… zusammen halten. In dem Kirchenraum. So. Und das verstehen die ja alle. Das heißt, da haben die nicht gefragt: Hä? Was soll das denn? Und so.
  • [Kinderstimme.]
  • Sondern es war halt leicht verständliche Kost. [Sperren: Heute] leben wir aber in einer anderen Gesellschaft. Zumindestens hier. Und zwar ist sie sehr sehr individualistisch. Das heißt, wenn wir eine Arbeit sehen, wie jetzt in der Galerie, … äh … mit den Baumarkt… ähm … äh …strukturen. Ähm. Dann sehen wir halt eine Arbeit von [Sperren: einem] Künstler. Äh … Und der hat [Sperren: nicht] unbedingt … äh … die … äh … die Symbolik genommen, oder Gedanken gehabt, die jetzt alle … äh … gleich haben. Sondern … Sondern die kommen halt aus einer ganz ganz eigenen … äh … Welt heraus.
  • [Geschirrgeklapper.]
  • Sicherlich natürlich … äh … bestückt mit … äh … der Umgebung in der er lebt. Das beeinflusst einen ja immer.
  • [Pause.]
  • Als Beispiel hatten wir vorhin halt das mit dem Arnold Böcklin Arnold Böcklin . Ähm. Die … Die Toteninsel Toteninsel . Wo du noch so gesagt hattest, das verstehst du. Das …
  • [Pause.]
  • Was hast du da gesagt? Bei … Bei der Toteninsel?
  • Ja.
  • Das … Das ist für dich Kunst oder …
  • Eingeengte Interpretationsmöglichkeit
  • Und die Interpretationsmöglichkeiten sind halt eingeengt.
  • Genau. Darum ging es. Weil nämlich bei der Toteninsel werden halt Symbole verwendet, die auch zur damaligen Zeit, denke ich mir zumindestens, verstanden wurden. Zum Beispiel welche … ähm … äh … welche Art vom Baum benutzt wird. Was … Was … äh … Was das Wasser bedeutet. Was der Übergang … äh … be… äh … bedeutet. Ähm. Das verstehen halt auch noch sehr sehr viele Menschen. So. Weil das … Weil das sehr … Weiß nicht. Weil das … Weil das Zeichen sind, die halt … äh … die man lernt. Mit der Zeit. So … So wie wir eben lernen … ähm … äh … Was ist ein Baum. Was ist ein Strauch. Oder was ist eine Blume. So etwas definieren zu können. Eben. Und … äh … Bei der zeitgenössischen Kunst ist es halt anscheinend häufig so, dass es eben nicht … äh … mehr … Oder nicht mehr Symbole … äh … ähm … be… benutzt werden, die alle dann gleich verstehen sollen. Sondern sie kommen halt aus einer eigenen … äh … Welt. Aus einer Künstlerwelt. Und die verstehen halt nicht alle. Und das ist überhaupt nicht negativ! Das dachte ich ja immer erst. Es [Sperren: gibt] halt bloß dann ein paar, die das verstehen oder die sich damit auseinander setzen. Die lange Texte dazu lesen. Die Künstlergespräche führen. Und die dann Einblick in diese … äh … Welt erhalten. Aber das heißt halt nicht, dass das … ähm … ähm … Dass, wenn jetzt jemand sagt: Äh, das verstehe ich nicht … Und was ist daran Kunst? Und so. Dass das jetzt … ähm … schlecht ist. Dass er das sagt. Das [Sperren: passiert] halt einfach, wenn man … wenn man etwas macht, was … was … äh … Wie bei … Eben nicht wie bei Verkehrszeichen oder so. Was halt nicht allgemeingültig ist. Und gleichzeitig ist das, was ja bei Christian … der hat das etwas anders empfunden … Aber wo ich halt sagen würde: Genau das macht es eben jetzt aus! Du tauchst halt, indem du in so eine Ausstellung gehst, in eine [Sperren: ganz] bestimmte Künstlerwelt ein. Und … äh … Und kannst dich in dem Moment Moment … äh … mit deinen [Sperren: eigenen] Gedanken natürlich auch, damit auseinandersetzen. Und das ist nicht so, würde ich jetzt direkt so sagen, langweilig. Wie wenn du in eine Gemäldegalerie gehst. Wo du nur Landschaften siehst. Oder so. Und aus der Romantik. Ähm … Ein bisschen verklärt vielleicht. Mit einem Mond. Ähm. Mit Sonnenuntergang. Und so. Ähm. Das gefällt mir auch und würde ich mir auch gerne aufhängen. Aber es ist halt eine ganz andere … Oder man setzt sich ganz anders damit auseinander.
  • [Pause.]
  • Also ich finde es überhaupt nicht negativ, dass … ähm … nicht mehr negativ, dass ich … äh … dass sich Alltagsmenschen, nennen wir sie jetzt mal so, … [Räuspert sich.] … eher immer abwertend, … ähm … was ich jetzt zumindestens mitbekomme habe, dazu äußern. Das ist halt einfach so. Das ist in… individualistisch und … äh … da kommt das halt vor. Dass das die meisten eben nicht verstehen. Wenn man sich nicht damit auseinandersetzt. Auf der anderen Seite finde ich es natürlich nicht schön … äh … , dass dann so ein kleiner Kreis um die Künstler entsteht. Ähm … Ein [Sperren: Insider-Kreis]. Sozusagen. Und die wollen sich im Endeffekt auch ein bisschen abheben. So. Die verstehen etwas, was andere nicht verstehen. Äh … Die geben viel Geld … äh … dafür aus … ähm.
  • Kunst ist elitär elitär
  • Das ist elitär!
  • Das ist elitär. So. Das … Das ist halt … Das ist die negative Seite von …
  • [Pause.]
  • … [Sperren: Individualismus]!
  • Ja!
  • [Pause.]
  • Entsteht dadurch vielleicht sowas … sowas elitäres, was eben nicht alle verstehen und … äh …
  • Ja aber das ist ja auch … ähm … mit Geld verbunden. Monitär. E… Elite.
  • Ja aber elitär heißt doch immer, es ist eine Auswahl!
  • Ja. Das ist eine …
  • … eine kleine Gruppierung, …
  • Ich verstehe Elite …
  • … die sich …
  • ja immer so: Da stellt sich jemand über andere.
  • [Sperren: Genau!] Genau. Aber das kannst du doch nur, wenn … wenn eben Kunst … Kunst gemacht wird … äh … , die eben [Sperren: nicht] von allen verstanden wird. Und in dem Moment, wenn du Geld hast und dich mit dem Galeristen triffst und ihm sagst, du hast Interesse daran, und der redet mit dir, … .
  • Ja.
  • … verstehst du plötzlich Sachen, die andere nicht verstehen. Und du fühlst dich … halt gleich besser. Und dann kaufst du das halt. Das … Das ist jetzt natürlich jetzt nicht … , dass der Künstler das deshalb gemacht hat. Aber … da kannst du vielleicht elitär mit Kunst verbinden. Mit der heutigen zeitgenössischen Kunst.
  • Ja.
  • Das ist … Das ist … Das ist … vielleicht das, was es noch [Sperren: verstärkt]. Weißt du? Diese Strömung.
  • [Pause.]
  • Was davor jetzt nicht unbedingt, würde ich sagen, … äh … äh … ist. Wenn du kirchliche Arbeiten oder sozialistische ansiehst. Oder … [Sperren: Höhlenmalerei Höhlenmalerei ]. Oder so. Das … Das hat nichts elitäres an sich. Das sollten die Massen verstehen. Und deshalb kann … konn… können … können sich jetzt Menschen, die Geld haben, nicht damit … äh … abgrenzen. Und sozusagen zeigen: Schaut her Leute, ich habe jetzt dieses Gemälde bei … bei mir … äh … von der Ma… Madonna. Oder so. Das ist uninteressant. Eher. Außer das ist halt ein ganz berühmtes. Sondern wenn du heute sagst: Hier, du hast einen komischen … äh … blauen … blauen … äh … ne blaue Farb… Farbfläche … und das ist von diesem … äh … Klein. Mit dem Kalvin Klein Blau. Oder wie das heißt. Ähm. Dann setzt du dich ab. Die meisten verstehen es nicht.
  • Ja.
  • Aber du verstehst es und … äh … Und du verstehst es, weil du … weil du sozusagen Kunstkenner kennst. Die dir das beigebracht haben. Und … Du hast viel Geld dafür ausgegeben.
  • [Straßengeräusche.]
  • [Pause.]
  • Der normale Betrachter kann es halt nicht verstehen
  • Also es gibt … ähm … äh … Dass der normale Mensch eben … äh … [Sperren: Na ja] … Der Alltagsmensch … Also der jetzt nicht im Kunstraum … äh … drinne ist … Das sehe ich gar nicht mehr negativ. Dass er es gar nicht verstehen [Sperren: kann]. So. Was halt noch die Frage ist: Ist dieses mit dem elitären, mit … äh … dass sich da Leute sozusagen abgrenzen wollen, von der Menge, in dem … Na ja. Okay? Mal gucken.
  • [Aufnahme Ende.]
Gestaltung Gespräche über Kunst überarbeitet
Gestaltung Gespräche über Kunst überarbeitet
Ort - Weiss Schwarz Weiss Schwarz, 2009, Acryl / Aluminium, 302 x 156 x 125 cm, Imi Knoebel
Ort - Weiss Schwarz Weiss Schwarz, 2009, Acryl / Aluminium, 302 x 156 x 125 cm, Imi Knoebel
Quadratisch. Praktisch. Gut. Ritter Sport.
Quadratisch. Praktisch. Gut. Ritter Sport.
(Zur Arbeit keine Informationen gefunden.)
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OGVDS-GW (enlarged) #2, 2016, Acrylic, oil paint, pencil, watercolour and wax on linen on wood, 135 x 100 x 4 cm, Andrew Bick
OGVDS-GW (enlarged) #2, 2016, Acrylic, oil paint, pencil, watercolour and wax on linen on wood, 135 x 100 x 4 cm, Andrew Bick
Diplom Theorie (mit Notizen von vorgestern) Gestaltung Gespräche über Kunst überarbeitet gespraechueberkunst-k.jpg maximal drei Spalten, größere Schrift Kommentare für alle Gespräche weiter überarbeiten Sprechblasen später noch teilen, wenn zwei Themen hintereinander umsetzen Idee für Theorie-Arbeit: auf halbtransparentem Papier drucken, Sprechblasen farbig oder wie Internetseite mit farbigem Hintergrund, Zitate von was.ist.artou.de dafür auf halbtransparentem Papier Gespräch mit Christian
  • Ein Hinweis. Im Kunstmarkt Kunstmarkt wäre das die zweitteuerste Arbeit, die wir hier in dieser …
  • Ich würde sie sofort kaufen.
  • … Ausstellung sehen.
  • Die ist echt cool.
  • [Laut aber neutral:] Fünfunddreißigtausend Franken.
  • Was wäre das in Euro?
  • Das sind etwaaa … Mhm … Na ja … Dreißigtausend und ein bisschen mehr.
  • Entschuldige mal. Also. Nur mal so. Daran siehst du doch …
  • Das heißt "Der Traum von Panama".
  • Ja, das habe ich gerade gelesen.
  • Das ist doch echt krass, dass …
  • Neunzehnhundertsiebenundsiebzig.
  • Das ist doch eine kindliche Zeichnung Kinderzeichnung . So vom Stil her.
  • Ja.
  • Aber übergroß. Und daran siehst du doch … Also ich weiß jetzt nicht, ob der Preis real ist und … Und ich kenne sie jetzt nicht. Aber das … Das hat dieses Kindliche. Dieses Ursprüngliche. Wie bei den Höhlenmalereien. Dass das die Menschen vielleicht immer noch extrem fasziniert. Und … Und deshalb stelle ich mir auch vor, wenn eine kindliche Zeichnung übergroß … für so teuer angekauft wird … angekauft werden würde …, dann kannst du auch eine verhüllte Arbeit extrem teuer verkaufen. Was man nicht mehr sieht.
  • Beziehung Kunstmarkt Gesellschaft
  • Ja aber was ist denn die Kunst? Dann geht's ja wieder um den Markt.
  • Wo. Bei der Verhüllung verhüllt oder hier?
  • Na bei beiden.
  • Bei der kindlichen …
  • Du argumentierst ja mit Geld.
  • [Sperren: Nein]. Ich würde jetzt so …
  • Weil wir reden ja jetzt nicht darüber, was der Kunstmarkt ist.
  • Na ja. Aber er spiegelt … Aber der Kunstmarkt spiegelt ja schon so die Gesellschaft … ähm … oder die Beziehung der Gesellschaft zur Kunst irgendwie. Oder nicht der Gesellschaft, aber einer … einer höheren Schicht. Die sich … Die sich's leisten …
  • So viel Geld …
  • … kann.
  • … hat und nicht weiß, was sie tun soll.
  • [Pause.]
  • Weil Gold ist schon gekauft. [Lacht kurz auf.] Das ist übrigens die teuerste Arbeit die wir hier sehen.
  • [Betrachten das Bild "Ort - Weiss Schwarz Weiss Schwarz", 1977, Imi Knoebel Imi Knoebel .] Ort - Weiss Schwarz Weiss Schwarz, 2009, Acryl / Aluminium, 302 x 156 x 125 cm, Imi Knoebel gespraech3-16-k.jpg
  • [Blätterrascheln.]
  • Ähm. Für zweihundertsechzigtausend Franken.
  • Wie heißt die?
  • [Blätterrascheln.]
  • Mhm. Knoebel.
  • Nee. Die Arbeit!
  • Ach so. Die heißt Ort - Weiss Schwarz …
  • [[Sperren: Knips.]]
  • … Weiss Schwarz.
  • Komisch. Die finde ich gar nicht mal so …
  • Acryl. Aluminium.
  • Entschuldige mal. Das sind … ähm … ein fünftel Million!
  • [Pause.]
  • Ja.
  • [Pause.]
  • Baumarktästhetik
  • Nee, sorry. Dann finde ich die kindliche Zeichnung … Würde ich nehmen.
  • Das … Das ist doch einfach … Da würde ich sagen: Das ist [Sperren: krank].
  • Das ist wie die verhüllte Arbeit. Wenn … Wenn die für dreißigtausend Euro verkauft werden würde.
  • [Männliche Stimme im Hintergrund.]
  • Das ist doch … Das hat überhaupt …
  • [Blätterrascheln]
  • … nichts mehr mit Kunst zu tun.
  • [Sperren: Warte mal]. Das ist aber das [Sperren: selbe] Material. [Sperren: Wirklich] das selbe Material. Wie da die … diese Leisten. Von dem, was du noch so schön fandest. Cool fandest.
  • Ja aber das ist ja nicht mal schön.
  • Weil das dir zu einfach ist? Zu quadratisch? Zu praktisch? Quadratisch. Praktisch. Gut. Ritter Sport. rittersport-k.jpg
  • Zu baumarktmäßig? Das ist wieder interessant. Es sind alles Baumarktartikel. Aber zu diesen Objekten, die auch diese Baumarktästhetik in … in sich haben. Von der Form her. Also … Also das sie rechteckig sind. Und so ordentlich sind. Die gefallen dir nicht. Aber wenn's dann schräg wird …
  • Na ich hab's mir noch nicht einmal richtig angeguckt. Aber wenn ich's von der Perspektive …
  • [Lachen.]
  • … sehe, finde ich's halt furchtbar!
  • Das sind die Vorurteile! Deshalb gehen wir jetzt mal hin.
  • [Pause.]
  • [Von weiter weg:] Na willst du das [Fußnote: Infoblatt] eigentlich aufheben?
  • Ja ja. Ich nehm's mit.
  • [Pause.]
  • [Schrittgeräusche einer Frau.]
  • In Kunst gehen
  • Ob man reingehen darf? Ja?
  • [Sperren: Nein].
  • Hallo. Da sind Fußabdrücke.
  • [Schrittgeräusche einer Frau.]
  • Vielleicht gehören sie ja dazu! [Lacht.]
  • Das ist wieder eine interessante Frage. Wenn … Wenn man so etwas sieht … ähm … ähm … Kann man das Begehen oder nicht.
  • [Pause.]
  • [Sperren: Doch]. Man darf es begehen. Sonst wäre …
  • Aber warum willst du da jetzt unbedingt rein. Denkst du, du wirst transformiert?
  • [Sperren: Nein]. Aber das ist so etwas wie … wie bei der Grenze vorne. Die wir überschritten haben. Die fandest du als etwas Besonderes. Weil … Weil du ja in dem Moment Moment über … über die Arbeit gelaufen bist und [Sperren: mit] der Arbeit … verschwommen bist.
  • Da kann man ja fast sagen: Ein Fahrstuhl ist schöner!
  • [Geräusche aus anderem Raum.]
  • Jetzt bin ich in der Arbeit.
  • Na toll. Und wie ist das Gefühl?
  • [Pause.]
  • Geh' mal rein! Ich glaube, daran fühlst …
  • Na ja. Ich bin jetzt schon negativ eingestellt.
  • [Pause.]
  • Nein aber du bist doch in … in einem extra Raum.
  • [Sperren: Nö].
  • Mensch. Das ist so, als würdest du in ein Öl-Gemälde hineintauchen.
  • Das ist so, wie wenn ich in die Dusche hineingehe.
  • [Pause.]
  • [Stimme gedämpft:] Das könnte eine gute Dusche sein. [Lacht.] [Sperren: Dassssssss] …
  • [Pause.]
  • [Sperren: Das] ist Spittel. Das ist Blödsinn.
  • [Pause.]
  • [Schrittgeräusche.]
  • Also jetze bin ich unsicher. Ich würde zum einen gerne die kindliche Zeichnung kaufen. Aber ich würde sogar das nehmen. Weil die ist mir wieder zu … gegenständlich. Also zu sehr … ähm …
  • [Unterbricht mich. Unverständlich.]
  • [Sperren: Warte mal. Warte mal.] Diese kindliche Zeichnung ist zu sehr auf das [Sperren: Sehen], auf das [Sperren: Schöne] … Weißt du? Also du hängst es dir gerne über den Sofa. Sozusagen.
  • Ja!
  • Passt nicht in Wohnung
  • Das krit… Das sehe ich jetzt wieder ein bisschen kritisch. Ich würde sie zwar eigentlich gerne nehmen, aber gleichzeitig finde ich dann so etwas, was … was … was … was … was irgendwie sehr abweisend ist … Das würdest du nicht in deine Wohnung … äh … rein tun. Das ist zu groß. Das ist zu sperrig. Und es sieht eigentlich nicht schön aus. Von der Ästhetik … Von draußen her. Weil es eine Baumarktästhetik ist.
  • Aber das ist ja vielleicht das Gute. Weil für mich, als Alltagsmensch, ist das keine Kunst. Weil es … Es passt nicht!
  • Deshalb würde ich es ja wieder …
  • Für den Kunstmarkt und für Händler ist es vielleicht was Besonderes. Weil's nicht passt. Weil's der normale Mensch nicht akzeptiert.
  • Interessant ist, dass wir morgen ja nach Freiburg fahren und mein Kommilitone Kommilitone … die … die … Da geht die Ausstellung auch um Baumarktästhetik. Deshalb nehme ich dieses Wort jetzt ständig in den Mund! Weil ich das neu gelernt habe! Mit der Ästhetik und Baumarkt! [Fängt an zu lachen.]
  • Wir lachen alle!
  • [Lachen.]
  • [Pause.]
  • [Von weiter weg.] Das ist halt cool. Ich meine, das kann man sich hinhängen.
  • [Sperren: Das] findest du cool? Das ist auch Plattware!
  • [Sperren: Ja]. Aber das ist …
  • Ja sag'! Ich will jetzt die …
  • Na das macht …
  • … Begründung.
  • … den Raum fröhlich. Wenn …
  • [[Sperren: Knips.]]
  • … man sich das zu Hause aufhängt.
  • [Pause.]
  • Dir geht's jetze darum, dass es den Raum aufhellt. Und nicht um die Arbeit an sich.
  • Nö.
  • [Pause.]
  • Ich bin jetzt echt …
  • Ich meine da ist ja sogar noch mehr drinne. Wenn man hingeht hat man …
  • Wir waren schon wieder nicht nah dran!
  • [Beide stehen vor der Arbeit.]
  • Wo denn?
  • Na ist das nicht ein Foto da im Hintergrund?
  • Ach das sind mehrere Schichten?
  • Ja. Ich meine, das hat irgendwas …
  • Das ist doch Wachs irgendwie.
  • [Sperren: Das] … Hier muss man ja sogar sagen … Also ich … ähm …
  • [Sperren: Man].
  • [Lächelt.] Das ist cool gemacht!
  • [Pause.]
  • Wir müssen Batterien einkaufen.
  • [Pause.]
  • Nach der Ausstellung.
  • Was braucht das für Batterien?
  • Nee. Ich öffne das jetzt nicht!
  • [Lachen.]
  • Ich hab' sowas zu Hause. Wir fahren dann noch einmal schnell zu mir.
  • Nee. Wir können zu … zu Mikro. Oder wie die heißen. Einfach schnell hin!
  • Ah. Wir gehen dann ja sowieso was essen. Im Kaufhaus! [Sperren: Jetzt geht's wieder um das Essen!] [Lacht.]
  • Ich bin wirklich hin und hergerissen. Ich würd's gerne selbst …
  • Das ist jetzt aber dein Problem!
  • [Sperren: Warte mal]. Ja. Aber wir reden doch jetzt darüber. Ich würde gerne so kindlich zeichnen.
  • Ich finde das aber cool.
  • Ich würde gerne so kindlich zeichnen. Auf der anderen Seite sehe ich das eben jetzt mit dem Sofa hier …
  • Das hat nichts mit der Fragestellung zu tun.
  • Welche denn.
  • Na ja. Was ist Kunst. Das ist ja jetzt dein Ding.
  • Na aber wir reden ja über [Sperren: mich]. [Sperren: Hier geht's nur um mich. Eigentlich!] [Lacht.] [Sperren: Deshalb fahre ich nach Basel!]
  • Guck mal! Das ist doch cool!
  • [Betrachten ein Bild.] (Zur Arbeit keine Informationen gefunden.) gespraech3-17-k.jpg
  • Das finde ich jetzt wieder … Aber das ist wieder zu sehr …
  • Das ist wie der Teppich. Aber das ist cool.
  • Nee. Das verstehe ich nicht. Das ist so Sechziger.
  • Das … Da … Da kribbelt's sogar bei mir.
  • [Sperren: Warum].
  • Na weil ich das gut finde. Ich weiß nicht warum.
  • Also dann finde ich aber diese schräge … Die du noch … Mit dem roten Punkt … Die finde ich jetzt besser.
  • Na nachdem ich das gesehen habe, kribbelt's sogar mehr als bei dem! [Lacht.]
  • Jetzt entscheide dich mal!
  • [Lachen.]
  • Aber das finde ich cool. Das würde ich mitnehmen und …
  • [Sperren: Hä?]
  • … mir hinhängen.
  • Das ist klein. Das wird an die Wand gehangen.
  • Das ist gut gemacht. Es hat Farbe. Und es ist irgendwie … Da kann man sich eher drinne verlieren und so.
  • Es ist aber auch handwerklich nicht gerade … ähm … also glatt gemacht. Man sieht halt die Pinselstriche.
  • Nee. Das ist gut!
  • Was er ja will!
  • Das ist halt nicht so billig gemacht wie bei diesem komischen Chaos Chaos -Ding.
  • [Ausruf des Erstaunens.] Evgenij Evgenij Gottfried [Fußnote: Kommilitone.] hat das [Fußnote: Die Idee.] hier her! Der war ganz stolz darauf. Ähm … ähm … äh … Dass er das so schräg … ähm … ähm … gemacht … (Zur Arbeit keine Informationen gefunden.) gespraech3-18-k.jpg
  • Das ist ein Detail.
  • Das zeig' ich ihm. Na das ist wichtig! Der war vielleicht hier!
  • Der war bestimmt nicht hier.
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Pause.]
  • Wollen wir doch mal was dazu lesen.
  • [Blätterrascheln.]
  • Nee. Die sind hier nicht. Ach doch. Ach das ist von der Galerie dann hier. Deren Showroom. Das hat nichts mit da vorne. Mit der Ausstellung zu tun.
  • Ja aber das ist da. Das ist da.
  • [Blätterrascheln.]
  • Das gibt's nicht!
  • Das ist … Das ist von einem Kind gemacht. Bestimmt!
  • [Lachen.]
  • Wieso ist das nicht hier.
  • Das was du besonders gut findest gibt's nicht.
  • Das gibt's gar nicht!
  • [Blätterrascheln.]
  • [Pause.]
  • Nee. Das ist von einer anderen Ausstellung.
  • [Schritte von Aufsichtsperson, weit entfernt.]
  • Schade.
  • [Schritte von Aufsichtsperson, näher.]
  • [Blätterrascheln.]
  • [Schritte von Aufsichtsperson, ganz nah.]
  • [Männerstimme: Grüße Sie!]
  • Hallo.
  • Guten Tag.
  • [Blätterrascheln.]
  • [Ganz leise:] Schade. Nicht.
  • Na okay. Jetzt fragst du mich.
  • Die Frage jetzt … Warte. Nee nee nee. Ich frage. Die Frage ist ja, warum bewirkt das bei mir …
  • Das wundert mich.
  • … gar nichts.
  • Mich wundert's, dass es bei dir was bewirkt.
  • Warum.
  • Ich … Ich hab' nur verstanden, dass das … mit dem roten Punkt … was bei dir bewirkt. Einfach wegen der Größe. Weil's schräg ist. Weil's … Weil's … Weil's etwas räumliches ist. Nicht Plattware sozusagen ist.
  • Ja. Das ist ja eher eine Plastik. Hier ist es ja eher ein Bild.
  • Das ist auch eine … Das ist ein Halbding. Weil es ist ja eben kein einfaches Bild. Sondern es hat ja mehrere Schichten.
  • Ja aber …
  • Das ist doch Wachs drüber. Oder irgend so etwas. Du siehst die Pinselstriche und so. Hier sind mehrere …
  • [Pause.]
  • [Müde:] Hach. Ich finde das so Siebziger!
  • Ja!
  • Das ist bestimmt auch hier … Das ist zweitausend … Nee, wann ist das? Das hier ist von … Nee. Zweitausendsechzehn. Krass. Das ist so "bauhaus Bauhaus ". Du. Das sind die Konstruktivisten Konstruktivismus . Oder … Oder wie die …
  • Das mag ich ja zum Beispiel nicht.
  • [Betrachten das Bild "OGVDS-GW (enlarged) #2", 2016, Andrew Bick.] OGVDS-GW (enlarged) #2, 2016, Acrylic, oil paint, pencil, watercolour and wax on linen on wood, 135 x 100 x 4 cm, Andrew Bick gespraech3-19-k.jpg
  • … hießen.
  • Na hier gefallen mir die Linien.
  • [Lacht.] Weil du ein Linienmensch bist!
  • [Pause.]
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Eine Tür fällt ins Schloss.]
  • [Lacht.]
  • Sollen wir dann gehen?
  • Ja. Batterie aufladen.
  • Komm!
  • [Aufnahme Ende.]
  • [Aufnahme Anfang.]
  • [Vor der Galerie. Straßengeräusche.]
  • Was hast du gerade gefragt?
  • Ich habe gefragt: Bringt dir das was? Hast du das Gefühl, du gewinnst hier Erkenntnisse?
  • [Pause.]
  • Ich überlege.
  • [Motorrad fährt vorbei.]
  • Also die Arbeiten an sich nicht. Außer dass ich jetzt halt wieder eine Idee habe, wegen kindlicher Zeichnung. Also groß machen.
  • Also für dich selber, was du machen könntest.
  • Ja ja. Okay. Aber das habe ich ja immer, wenn ich in eine Ausstellung gehe. Aber warte mal.
  • [Schlüsselrascheln.]
  • Ich überlege gerade. Also was du gesagt hast, über unsere Diskussion.
  • Ja.
  • [Pause.]
  • Na ja. Sie bestärkt mich vor allem darin, auch schon bei Alexander, dass es eigentlich am Ende nur darauf ankommt, dass ihr fasziniert von etwas seid. Von der Oberfläche. Das heißt entweder es muss groß sein. Es muss schräg sein. Es muss halt für dich etwas Besonderes sein.
  • Obwohl die Leinwand nicht groß ist. [Fußnote: Eine Arbeit in Galerie.]
  • Das wundert mich eben noch. Und die Arbeiten gibt's in dem Katalog gar nicht. [Lacht.]
  • Die gibt's gar nicht. Die sind nicht da! Nee, aber die fand ich halt … Die haben mich auch angesprochen. Sofort. Die haben sogar etwas bewirkt.
  • [Reißverschluss-Geräusch.]
  • Na ja, das war gar nichts.
  • Das sag' ich jetzt nicht nur, um anti zu sein. Komm wir fahren jetzt zum [Sperren: Essen].
  • Was wollen wir denn essen.
  • Wir gehen zu Mikro.
  • Nee! Ich will aber mich irgendwie wo hinsetzen.
  • Ja ja. Na wir gehen …
  • Nee, im Mikro kaufen wir jetzt bloß die …
  • Da kann man …
  • … Batterien.
  • … schön auf dem … Wir gehen in ein Kaufhaus.
  • Ach so. Da wo man sich oben auf die Terrasse setzt?
  • Ja.
  • [Glockengebimmel.]
  • Ich habe hunger.
  • [Lacht.]
  • Willst du noch was sagen?
  • Nee. Aber das wird doch nicht aufgezeichnet!
  • [Sperren: Natürlich!]
  • Schreibst du das dann auch auf?
  • [Fröhlich:] Ja!
  • Dass du hunger hast? [Lacht.]
  • [Sperren: Weil] … Als … Als ich … Als … Als ich bei Oma war, in der Pension, da kam dann plötzlich Elke rein. Johanna kam rein. Und dann haben die sich über Lidl unterhalten. Über …
  • [Lacht.]
  • Über irgendwelche Pillen, die Oma … äh … bekommen sollte von Johanna. Und … äh … Und … Und über Pullover, die ich von Olaf bekommen könnte. Hatte Elke mich gefragt.
  • [Kinderstimmen.]
  • Das wurde [Sperren: alles] mit aufgezeichnet. Und [Sperren: das] … Und das finde ich aber gerade das Gute! Weil wir haben zwar über Kunst geredet, aber eigentlich ist das … kommt dann der Alltag wieder rein. Weißt du? So ganz normale primitive Fragen. Und so.
  • Na gut. In so einer Galerie kommt jetzt nicht der Alltag …
  • Na wir haben jetzt über Essen geredet.
  • Ja aber wir sind ja draußen. Am Fahrrad.
  • Und haben drinne angefangen über Essen zu reden.
  • [Sperren: Natürlich!] Weil das eine wichtige Sache ist!
  • [Aufnahme Ende.]
Transition, 2017, industrial metal shelve and plywood, Ricardo Alcaide
Transition, 2017, industrial metal shelve and plywood, Ricardo Alcaide
New Concrete (over colours), 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and concrete, 39 x 30 x 5 cm each, Ricardo Alcaide
New Concrete (over colours), 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and concrete, 39 x 30 x 5 cm each, Ricardo Alcaide
Kartoffelbild 8, 2011, Acryl / Aluminium, 248,3 x 251 x 9 cm, Imi Knoebel
Kartoffelbild 8, 2011, Acryl / Aluminium, 248,3 x 251 x 9 cm, Imi Knoebel
Der Traum von Panama, 1977, Pencil and pastel chalk on paper, 300 x 150 cm, Marianne Eigenheer (* 1945)
Der Traum von Panama, 1977, Pencil and pastel chalk on paper, 300 x 150 cm, Marianne Eigenheer (* 1945)
Diplom Theorie notiert (nachts aufgewacht, Gedanken aufgeschrieben) Überlegungen zum Stil je Person eine Textfarbe Gespräche vermischen, je nach Themengebiet zusammenbringen 1 zwischendurch Zitate von anderen aus Sammlung in Comic Sans oder Courier New, immer mit "Was ist für Sie Kunst?" vorangestellt u. a. Karl Schönenberg, 2010: "kunst finde ich cool" Marielle Brune, 2008: "Kunst ist, wenn man in den Flur scheißt, Salzstangen hinein steckt und sagt der Igel wohnt jetzt hier!" Robert Hailwax, 2011: "Picasso Pablo Picasso hat eine Definition für Kunst gefunden, als er auf die 'Frage was ist Kunst' antwortete: 'SCHAU AUF DEN PREIS'." "Wer das liest ist doof.", 2008 "Kunst ist, was gefällt." Ulf Spuhl, 2008: "Das Innerste nach außen stülpen …" Penismann, 2011: "deine Mama ist Kunst" Helena Frei, 2011: "ALLES, ohne wenn und aber." Michael Malina, 2010: "Kunst ist, wenn Seele dahinter ist." manfred von der alm, 2011: "ficken scheisen ja gibs mir bitch // ficken scheisen ja gibs mir bitch // ficken scheisen ja gibs mir bitch // ficken scheisen ja gibs mir bitch […]" Chaywa Walter, 2009: "viel bla - bla um Scheinbar so wichtig Ding - wenn einem da nicht der Himmel auf den Kopf fällt" Peniskopf, 2011: "Johannes ist Gay" Manuel Abraham, 2008: "Zuweilen erzeugt sie in uns ein AH oder OH, oft ein HÄH? und manchmal ein AHA!" Gottfried Renz, 2011: "Die Lösung steht in diesem Buch: Was ist KUNST? - Eine Definition von Gottfried Renz, 92 Seiten mit Tabellen. ISBN 978-3-8391-7183-7" Petr Puff, 2012: "deine Mudda" Rudolph Klappermann, 2010: "kunst ist doof" Peter Kraus, 2008: "Ein Fragezeichen" hansi langton, 2011: "deine mutter stinkt ihr schweine habt kenny getötet etz werde ich mioch rechen" "schwammkopf spongebob schwammkopf spongebob schwammkopf spongebob schwammkopf […]" 2008: "Ein schönes Bild" asime-sunke, 2013: "weis ich nicht" Pablo Picasso, 2010: "Kunst ist doof." Hatice Ünsal, 2010: "Ich bin Kunst" Peter Norton, 2008: "ist unheimlich teuer :-)" Ina Dick, 2008: "Etwas schönes! mhhh …" atakan.atalay, 2010: "malen zeichnen" Franz S., 2010: "Kunst ist schön." Anneli, 2012: "Kunst ist was zu Kunst erklärt wurde" 2 ICH Ick oder Iche statt Ich Ne statt Nein Weißte statt Weißt du bissle statt bisschen Warte mal! [lacht] [grinst] [lächelt] 3 ALEXANDER [?] 4 OMA [?] 5 CHRISTIAN mit KNIPS!, wenn ich Foto mit Handykamera von besprochener Arbeit mache [flüstert] zwischendurch Essen auf Terasse von Kaufhaus (wo genau, was war das? + Cola), Selbstgespräch über Erkenntnis Telefonat Frau im Hintergrund Gehgeräusche, auf Sofa setzen 6 zwischendurch Arbeiten, die in Ausstellungen gesehen, einsetzen (mit Bild und Tageslink) wie: 6.3.2016, Tate Modern, London: Fountain, Marcel Duchamp Marcel Duchamp oder ohne Zeitangabe, nur Ort (zieht sich dann durch gesamten Text, Ortswechsel, aber selbes Themengebiet als roten Faden) Gespräch mit Christian
  • Mit den Fluchtwegen-Schildern oder den … [Aufnahme nicht verständlich.]
  • [Lacht.]
  • … Feuer … [Aufnahme nicht verständlich.]
  • [Pause.]
  • Das ist ja richtig groß hier.
  • [Pause.]
  • Na okay. Wir können doch schon einmal festhalten … Diese Ausstellung, egal ob wir jetzt einen Text gelesen haben oder nicht, geht es um einen Künstler der mit … ähm … irgendwas mit dem Baumarkt macht. Also mit Materialien, die du da kaufen kannst. Mit Baumarkt-Ästhetik. Mit … ähm … Lager-Ästhetik. Mit … ähm … Lacken. Und das der das dann halt … ähm verarbeitet. Aber so, dass du es eigentlich nicht nutzen würdest. Also wie dieses kleine Regal, was wir eben gesehen haben. Anders bei dem [Zeigt auf die Arbeit.], würde ich sagen. Außer die Kisten, die sind geschlossen. Die kannst du nicht öffnen. Das ist eine verhüllte Arbeit eigentlich!
  • [Betrachten das Bild "Transition", 2017, Ricardo Alcaide Ricardo Alcaide .] Transition, 2017, industrial metal shelve and plywood, Ricardo Alcaide gespraech3-9-k.jpg
  • verhüllte Arbeit
  • Ja. Das ist eine verhüllte Arbeit.
  • Scheiße. [Lacht.] Verbrennen!
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Pause.]
  • Na gut. Und … Ein Merkmal ist noch: Es ist wirklich alles … Es hat irgendwas …
  • [Betrachten das Bild "New Concrete (over colours)", 2016, Ricardo Alcaide.] New Concrete (over colours), 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and concrete, 39 x 30 x 5 cm each, Ricardo Alcaide gespraech3-10-k.jpg
  • [Sperren: Hammer]. Sind das verhüllte Arbeiten hier? Oder ist das … Nee. Das ist eine Betonfläche, die davorgemacht wurde.
  • Sinnloses = Kunst
  • Das hat etwas …
  • [Pause.]
  • … sinnloses.
  • Was heißt das?
  • Na … Hat keine richtige Funktion.
  • [[Sperren: Knips.]]
  • Das ist vielleicht auch eine Definition von Kunst. Ein Merkmal.
  • Na doch. Es … Wenn … Wenn du es siehst, hat's ja eine Funktion. Du siehst es. Also ist es zum [Sperren: Sehen] gemacht.
  • Ja aber würde ich das wirklich wahrnehmen? Also ist es nicht nur, um den Raum zu verschönern? Aber eigentlich … Wenn's nicht da wäre, wäre es auch nicht …
  • [Sperren: Entschuldigung]. Wir gehen gerade durch die Galerie und [Sperren: sehen] die Arbeiten. Das heißt, wir betrachten sie …
  • Nein. Ich meine, dass ich es nicht zu Hause hinhängen würde.
  • Nein. Es geht jetzt darum: Wir sehen sie jetzt ja hier. Das heißt, wir gucken uns die an. In dem Moment Moment hat's eine Funktion. Sie füllt unseren Tag. Wir gehen hier hin. Wir gucken sie uns an. Wir reden darüber.
  • Alles was da hängt wird zur Kunst
  • Da könnte man ja alles hier her hängen.
  • [Pause.]
  • Das ist wie mit der Kinderzeichnung Kinderzeichnung von Emma Emma . Die hing doch dann auch in der Klasse. Und alle … Mehrere Leute haben sich das angeguckt.
  • Wenn [Sperren: das] die Definition von Kunst ist, dann … Pfff. Bitte.
  • Das macht's zumindestens …
  • Machen wir doch, was wir wollen!
  • Es macht's zumindestens leich…
  • Es macht's zumindestens leichter, wenn …
  • Katzen! [Lacht.]
  • Es macht's zumindestens leichter, wenn etwas im … im definierten Kunstraum steht. Weißt du? Dann würdest du per … per se sagen: Okay. Das gehört zum …
  • Das finde ich cool!
  • [Betrachten das Bild "Kartoffelbild 8", 2011, Imi Knoebel Imi Knoebel .] Kartoffelbild 8, 2011, Acryl / Aluminium, 248,3 x 251 x 9 cm, Imi Knoebel gespraech3-12-k.jpg
  • [Schritte]
  • Jetzt lass mal mich … [Erblickt eine andere Arbeit, unterbricht sich selbst.] Das ist cool!
  • Kindliche Zeichnung
  • [Betrachten das Bild "Der Traum von Panama", 1977, Marianne Eigenheer Marianne Eigenheer .] Der Traum von Panama, 1977, Pencil and pastel chalk on paper, 300 x 150 cm, Marianne Eigenheer (* 1945) gespraech3-11-k.jpg
  • Weil es kinderähnlich ist?
  • [Sperren: Ja!] Sorry, aber das finde ich wirklich …
  • … cool.
  • … gut. Jetzt kommen wir zu den interessanten. [Lacht.]
  • Wir sagen also, alles was wir gerade gesehen haben, war nicht so interessant.
  • [[Sperren: Knips.]]
  • Und das findest du jetzt cool.
  • Mhm.
  • Was siehst du da?
  • [[Sperren: Knips.]]
  • Oder wa… Warum ist es für dich jetzt cool? Oder was heißt cool für dich. Ist es gut? Ist es schlecht? Ist es … Ist es hipp? Ist es …
  • Das finde ich gut.
  • [Sperren: Was] heißt gut? Das ist wieder so ein Wort, was …
  • Na. Ich habe es gesehen und hab' gesagt: Das ist gut! [Lacht.]
  • Aber was löst es in dich … in dir aus? Warum … Warum denkst du das in dem Moment.
  • Na. Das hat diesen … großen roten Punkt. Und … ähm … breiten Linien.
  • Der große rote Punkt heißt bloß, dass es schon gekauft wurde.
  • [Lachen.]
  • Es hat sich selber gekauft! Und dann hat es diese weiße Fläche. Okay. Ich würde die weiße Fläche anders machen. Aber …
  • Okay. Ich würde jetzt mal …
  • Das hat jetzt etwas. Das nimmt mich ein.
  • Okay. Und weißt du warum?
  • Warum?
  • Wir überlegen jetzt mal. Bleib' doch mal hier stehen!
  • Ich bleibe. Kann ich mich dahin setzen?
  • Nein! Ja okay. Lass uns hier hinsetzen. Dafür ist es ja da.
  • Vielleicht auch nicht! [Lacht.]
  • Also. Zu den Arbeiten da vorne. Die im Endeffekt … ähm … auf einem … also … Farbe auf einer Fläche darstellt. Also ganz normale typische Bilder. Da hast du noch gesagt: Nee, nicht wirklich. Wenn du dir das hier anblickst, dann plötzlich schon. Das heißt: Es kann auch hängen für dich. Aber hier ist halt nicht bloß diese weiße Fläche da vorne, sondern das ist eine … eine Skulptur. Im Endeffekt. Weil das mehrere Ebenen hat. Ne? Weil du rumgehen kannst. Es ist plastisch.
  • Und es hat was Besonderes.
  • Du meinst von der Form?
  • Besonders, da groß
  • Schon … Nein nein. Schon durch die Größe.
  • Da vorne waren aber auch große Bilder.
  • Ja, aber die … Die haben mich nicht eingenommen. [Sperren: Das] hat was Besonderes. Weil es groß ist. Es hat mehrere Ebenen. Das ist … Das spricht mich einfach auch an!
  • Und es ist kein Designobjekt. Ne?
  • Nö.
  • Das würde noch viel einfacher aussehen. Glaube ich. Das sieht jetzt schon …
  • Das hat ein bisschen … Das hat auch irgendwas verworrenes, nicht gleichmäßiges.
  • [Sperren: Aber] es sind weiterhin Baumarkt… ähm …
  • Ja.
  • …artikel. Also das ist das [Sperren: selbe] Material wie vorne. Nur das es anders kombiniert wurde.
  • Ja.
  • [Mann telefoniert im Hintergrund.]
  • Ja. Ich … Ich weiß jetzt auch nicht, ob das unbedingt Kunst ist.
  • Also ich würd's mir schon in meine Loft reinhängen!
  • [Sperren: Ich] sage einfach: Das spricht mich hier an. Und damit … Wenn jetzt jemand mir sagt: Okay. Das … Das ist das größte Kunstwerk der ganzen Welt, dann könnte ich mich eher damit anfreunden, dass es [Sperren: das] ist, als die Sachen, die wir davor gesehen haben.
  • Bloß weil die minimalistischer waren? Und für dich einfacher nachzuvollziehen, wie man sie herstellt? Weil du ja da gesagt hattest, als Begründung: Ja! Das kann ich auch! Im Endeffekt.
  • Ich erinnere an das Regal Chaos Chaos . Oder nicht Regal. Aber dieses … [Blättert durch die Liste.] Diese …
  • Du musst mich nicht daran erinnern. Wir waren gerade da! [Lacht.] Diese Regenbogendinger.
  • Es war furchtbar gemacht! Du siehst Bleistiftgekritzel. Die Farben sind nicht …
  • Okay. Wir gehen jetzt hier ran!
  • Die Farben sind nicht kom…
  • Komm her! Ich muss das hier [Fußnote: Das Aufnahmegerät.] vor dich halten! [Lacht.] Wir sehen bestimmt Bleistiftgekritzel. Wir sehen zumindestens: Unsauber gearbeitet. So. Was ich gut finde. Hier … äh … Hier siehst du Pinselspuren. Die halt nicht in diese Fläche rein … also in diese Linienstruktur reinpassen.
  • [Von weiter weg.] Ja. Aber irgendwie kann ich damit leben. Weil es irgendwie auch eine Struktur hat. [Kommt näher.] Das andere war einfach: Ich muss jetzt schnell was zimmern. Und ich hänge es dann wohin.
  • Aber das kann doch auch schnell gezimmert sein.
  • Sehr furchtbar, furchtbar und nicht so furchtbar
  • Ja, vielleicht. Aber … Es ist halt … nicht so furchtbar.
  • [Lacht laut auf.] Bei dir gibt's bloß [Sperren: sehr] furchtbar, furchtbar und nicht so furchtbar.
  • [Lachen.]
  • Ja!
  • [Pause.]
  • Wenn man sich überlegt … Vorne dieses Dreieck. Dieses kleine. Das hätte ich noch so als … Designobjekt gesehen. [Sperren: Nur] was dagegen sprach, waren die Löcher.
  • [Lacht kurz auf.]
  • Das schaute eben nicht mehr … ähm … nicht mehr sehr sehr sauber aus.
  • Mhm.
  • Bei … Bei dem, was du jetzt nicht mehr so furchtbar findest …
  • [Lacht.]
  • Das hat zum Beispiel … Es hat zwar was von Design. Aber es ist nicht mehr so zum schön anschauen. Sondern das ist halt ne Plastik. Irgendwie. Die … Die verwirrt eher. Ne?
  • Ja.
  • Aber jetzt nicht negativ, schlimm ist. Sondern …
  • [Pause.]
  • Aber die kann ich mir halt auch in der Wohnung vorstellen. Deshalb ist es eigentlich wieder keine …
  • Warum gefällt dir das. [Zeigt auf die kindliche Arbeit.]
  • Kindliche Zeichnung
  • Na weil das so kindlich … ähm … wieder so mit einfachen … ähm … Stiften gemacht ist. Die du auch wieder überall bekommst. Und das ist groß. Was ein Kind nicht machen würde. Ne? Also sondern …
  • Also ist das was Besonderes.
  • Das besondere … D… D… Das hab' ich mir auch schon überlegt. [Sperren: Wenn] ich kindliche … kindlich zeichnen sollte, sollte ich eigentlich überdimensioniert zeichnen. Das heißt, ich benutze die Ästhetik von Kindern. Aber gleichzeitig … äh … nehme ich das, was ich jetzt neu habe, und zwar die Größe … Ich bin ja größer geworden … Ich habe ein anderes Verhältnis zu … zu der Blattgröße … Was die als A4 zum Beispiel sehen, ist für mich ein A2 Blatt. Oder A1 Blatt.
  • Also du siehst schon, dass das Kriterium Besonderheit, etwas Besonderes zu sein, zu machen, ein Merkmal von Kunst ist.
  • [Sperren: Genau]. Wenn … Aber es reicht ja schon, wenn ich kindlich [Sperren: zeichne]. Dann ist es ja etwas Besonderes. Ich kopiere zwar eigentlich bloß. Aber es ist etwas Besonderes, weil ich es eben nicht als Kind mache. Sondern als erwachsener Mensch. Der eigentlich … ähm … viel viel mehr … ähm … schon Technik drauf hätte. Aber sich wieder zurückwerfen lässt in so eine kindliche Struktur.
  • Mhm.
  • Das … Das reicht schon als etwas Besonderes. Aber das heißt noch lange nicht, dass es der Betrachter auch als etwas Besonderes ansieht. Weil für die ist es vielleicht bloß eine kindliche Zeichnung. Oder eine Kinderzeichnung. Also von einem Kind.
  • Ja.
  • Die würden es vielleicht gar nicht mal … äh … erkennen. Weißt du? Aber es ist etwas Besonderes. Für … [Sperren: Okay]. Es gibt dann zwei Sachen. Es kann etwas Besonderes sein im Schaffensprozess. Also was bloß der Künstler sieht. So wie wenn du kindlich zeichnest. Oder es kann etwas Besonderes sein, wenn der Besucher das siehst und halt sagt: Oh. Das hängt jetzt ganz schräg oder so. Es ist halt etwas Besonderes! [Sperren: Muss] aber eigentlich nichts besonderes sein. Weil der Künstler sich irgendwie bloß einer Ästhetik bedient hat, die andere auch nehmen.
  • Aha.
  • [Pause.]
  • Meine Sprechblasen werden wieder ein bissle länger.
  • [Pause.]
  • Na das ist ja schon in Ordnung. Du beschäftigst dich ja auch mehr mit dem Thema.
  • Was ich halt hier jetze …
  • Also für mich … Darf ich das noch einmal erwähnen? … ist ja Kunst, wenn es jetzt um die …
  • [Spricht ins Mikrofon.] Er unterbricht mich jetzt in meinem Monolog!
  • … Frage geht …
  • [Pause.]
  • Intuitive Entscheidung
  • Es ist ja auch eine intuitive Entscheidung. Es ist ja … quasi in mir angelegt. Wie wenn du sagst: Entscheidung - Ist das ein Baum oder kein Baum. Das … Das ist ja eigentlich auch wie eine intuitive Sache. Bloß das wir da viel mehr Erfahrung damit haben. Das das ein bisschen eindeutiger ist. Aber wenn ich jetzt hier gefragt werde, dann ist das auch eine Intuition. [Sperren: Und] die Intuition basiert ja bei mir darauf: Finde ich etwas [Sperren: schön]? Etwas [Sperren: Schönes] spricht mich an. Würde ich es mir hinhängen? Dann würde ich es für mich wählen. Und ich wähle ja nur etwas, was ich auch als … schön empfinde. Oder … was … was mir in irgendeiner Form etwas [Sperren: bedeutet]. Und wenn das … [Sperren: das] da reinpasst … in diese … in diese Findung … Also wenn … dass ich mich intuitiv äußern kann, dann lehne ich es halt schon eher ab.
  • [Blätterrascheln.]
  • Würdest du dir diese kindliche Zeichnung, die ich jetzt mal so betiteln würde, … äh … hinhängen?
  • [Pause.]
  • [Sperren: Pfff]. Also ich würde sie mir nicht kaufen und hinhängen. Wenn sie mir jemand geben würde, würde ich sie mir schon hinhängen. Nehmen wir mal an … ähm … Was weiß ich … Irgendein Kind, was ich kenne, macht das jetzt für mich.
  • Kinder würden nicht so groß zeichnen
  • [Sperren: Ein Kind würde nie so groß] …
  • [Lacht.]
  • … [Sperren: arbeiten].
  • [Sperren: Na ja!] Wenn man dem die Möglichkeit gibt? Welche Eltern geben …
  • Nein!
  • … dem Kind schon so ein großes Stück Papier?
  • Ein Kind kann gar nicht … äh … ähm … mit dem … mit dem Körper … mit seinen … mit … mit dem Armumfang …
  • Du legst es doch auf den Boden! Und das Kind kann drauf herumlaufen.
  • Ja aber es entstehen doch keine großen Kreise. Es werden immer kleine Kreise. Weil der Armumfang einfach zu …
  • Hast du …
  • … klein ist.
  • Hast du schon einmal Kinder gesehen, wenn sie auf der Straße mit Kreide malen?
  • Hab ich einmal gesehen. Bis der Bus vorbeikam!
  • [Lachen.]
  • Auf dem Fußweg! Oder wo sie malen können. Ja da malen sie auch größer.
  • [Sperren: Wirklich?]
  • [Sperren: Natürlich!]
  • Ich dachte immer, die haben ein kleines Blickfeld.
  • Du gibst … Du gibst denen die Möglichkeit, dass sie sowas machen können.
  • Okay. Dann werde ich Emma jetzt so ein großes Blatt geben. Ey cool! Ich geb ihr mal wirklich ein großes Blatt! Ich nehme eine riesen große Rolle mit!
  • Und legst sie auf den Boden.
  • Und leg' es auf die … auf den Boden und …
  • Sie kann machen was sie will.
  • … große Stifte. Und … Und sie darf da rübergehen und einfach mal groß zeichnen.
  • Mach das mal!
  • [Sperren: Das] ist eine gute Idee.
  • Und ich glaube, das ist nämlich schon ein Punkt. Sie bekommt immer diese A4-Blätter. Dann sollen sie mal machen.
  • Ich dachte ja eher immer, … ähm … äh … ähm … Ich meine, ein kleines Kind hat nun einmal einen kleineren … kleines Sichtfeld vielleicht.
  • Sie kann doch mit dem Stift … [Sperren: Puuuuh!] … das ganze Bild abgehen.
  • Die Frage ist, ob es das macht. Oder ob es sich verkriecht in … äh … in eine Ecke. Weil es sich da wohl fühlt.
  • Das hängt bestimmt auch wieder vom Kind ab. Die einen werden das machen. Die anderen nicht. Warum weiß ich jetzt ja nicht.
  • Aber das ist jetzt interessant. Weil das wäre für mich jetzt eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal von einem älteren Menschen gewesen. Das er groß arbeiten kann. Im Gegensatz zu einem Kind. Aber wenn jetze hier Emma plötzlich auch ganz groß machen würde, dann können wir uns jetzt fragen: Hat's [Fußnote: Die Arbeit in der Galerie.] vielleicht ein Kind gemacht?
  • [Lacht.]
  • Wenn … Wenn wir das hier vor uns sehen.
  • Wollen wir mal …
  • Wie heißt denn die Arbeit?
  • [Pause.]
  • [Blätterrascheln.]
  • Was mir bei der übrigens gefällt, ist, dass die extrem im Gegensatz zu allen anderen ist. Ne?
  • [Blätterrascheln.]
  • Ja.
  • Vielleicht gehört sie hier gar nicht dazu.
  • Sie hebt sich damit ab. Das war ja auch schon ein … Das ist übrigens auch, was ich heute schon sagte.
  • Hebt sich zu den anderen Arbeiten ab.
  • Sie hebt sich ab.
  • Sie gehört gar nicht dazu! Das ist eine ganz andere Arbeit hier.
  • Ich finde die hier gar nicht.
  • Ich gucke mal eben vorne.
  • Aber vielleicht liegt … [Verschwindet im Hintergrund.]
  • [Pause.]
  • Marianne Eigenheer.
  • [Mann redet laut im Hintergrund.]
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Pause.]
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Pause.]
  • [[Sperren: Knips.]]
Rainbow of Chaos Nr. 2, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, Ricardo Alcaide
Rainbow of Chaos Nr. 2, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, Ricardo Alcaide
Rainbow of Chaos Nr. 2 (Ausschnitt), 2016, Ricardo Alcaide
Rainbow of Chaos Nr. 2 (Ausschnitt), 2016, Ricardo Alcaide
Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • Rote Punkte
  • Da sind hier irgendwo die roten Punkte.
  • Genau.
  • Na wenn hier rote … rote Punkte sind, dann sind die weg.
  • Es [Sperren: gibt] keine Punkte.
  • [Lacht.]
  • Es gibt nicht einmal Titel.
  • Das ist ein Kriterium. Ob da ein roter Punkt ist oder nicht.
  • Nein! Da geht es ja nur darum … Wurde es gekauft. Aber da geht's einfach um den Kunstmarkt Kunstmarkt .
  • Selbst … Selbst dann sagt es noch lange nicht, dass es jetzt gute Kunst ist. Das heißt bloß, dass jemand sich dafür interessiert. Und es halt bei sich hinhängen will. Überm Sofa. Zum Beispiel. Das … Das wäre ich jetzt zum Beispiel. Der sich Gedanken macht. Passt das in meine Wohnung oder nicht. Aber das heißt halt nicht, dass es gute Kunst ist. Sondern lediglich, dass es ein schönes Wohnaccessoir ist. Und womit man noch ein wenig angeben kann. Vielleicht.
  • [Laute Stimmen im Hintergrund.]
  • Die werden ja lauter! Jetzt [Sperren: müssen wir auch lauter werden]! [Lacht.] Also?
  • [Pause.]
  • Na gehen wir mal weiter.
  • Wieso. Wir können noch zum Café.
  • Na ich will jetzt noch nach hinten!
  • Na okay. Wir gehen noch nach hinten.
  • Na warte mal. Ich will erst einmal hier durch.
  • [Frauenstimme im Hintergrund: Ja.]
  • furchtbar baumarktmäßig
  • Furchtbar!
  • [Betrachten das Bild "Rainbow of Chaos Chaos Nr. 2", 2016, Ricardo Alcaide Ricardo Alcaide .] Rainbow of Chaos Nr. 2, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, Ricardo Alcaide gespraech3-7-k.jpg
  • Nein! Ich finde … Du … Du siehst bei allen eine … glatte Oberfläche. Schonmal. Das heißt, dass … Das ist etwas Verbindendes. Von … Von den Arbeiten.
  • Als ich klein war, hab' ich so kleine Schiffe versucht zu bauen. Mit mehreren Hölzern, die ich übereinander genagelt …
  • Das sieht so baumarktmäßig aus. Das stimmt.
  • Für mich waren das auch Schiffe. Wenn ich sie heute sehen würde wären es keine Schiffe.
  • Nein. Ich dachte, du willst jetzt darauf anspielen, dass das halt … ähm … ähm … einzelne … Holzteile sind, die vielleicht nicht ganz zusammenpassen. Die dann zusammenmontiert wurden …
  • Nicht passend!
  • … Eine Komposition gemacht wurde. Na ja. Auch ein bissle halt mit der Farbe und so. Aber das ist ja alles aus Absicht gemacht. Behaupte ich jetzt mal.
  • Mhm. Wenn [Sperren: ich] das irgendwo finden würde … Ja? Ich würde das wegschmeißen!
  • [Pause.]
  • Ist das nicht eine Schrift hier?
  • [Pause.]
  • Du?
  • Mhm?
  • Ist das eine Schrift?
  • Wo ist die Schrift.
  • [[Sperren: Knips.]]
  • Der macht manchmal hier Fotos zwischendurch.
  • [[Sperren: Knips.]]
  • Na hier, diese Zeichen. "Ha". "Es". Kenne ich nicht. Das kenne ich auch nicht. Das erinnert mich an die Konstellationen-Bilder. Nur dass das hier cool aussieht.
  • Das ist Zufall Zufall .
  • Und warum ist es Zufall? Weil es eine sehr einfache … äh … äh …
  • Hier steht Reinbow of Keios.
  • Warte mal! Und warum ist es Zufall, Wei [Fußnote: Chinesischer Bekannter.]? Äh … Christian? [Grinst.] Weil es eine sehr einfache …
  • In einer Gruppe mit dem Chinesen!
  • [Lachen.]
  • Weil das sehr einfache Formen sind. Und sehr einfaches Material. Was sich halt bei vielen Künstlern, die damit arbeiten, immer irgendwie überschneiden wird. Weißt du?
  • [Pause.]
  • Auf Chaos [Fußnote: Titel der Arbeit "Rainbow of Chaos N2"]. Und Chaos wäre für mich … wären für mich jetzt diese einzelnen Bretter. Die halt nicht speziell dafür gemacht vielleicht wurden.
  • Aber jetzt wirst du ja gelenkt. Weil du den Titel gelesen hast.
  • Das ist noch die nächste Frage. Was hättest du gesehen ohne dem Titel.
  • Na ich habe mich ja jetzt eher auf einzelne Sachen konzentriert. Ich habe eher gedacht: Pfff. [Sperren: Furchtbar].
  • Und was denkst du jetzt, wenn du den Titel siehst?
  • Es wird nicht besser.
  • Wie heißt das? Rainbow of … Chaos.
  • Nummer 2!
  • Okay.
  • Es wird nicht besser.
  • [Pause.]
  • Also hier ist ja der Punkt … Wenn ich dieses Chaos machen würde, würde ich es sogar noch schöner machen.
  • Ich find's aber gerade cool. Diese ganzen kleinen Zeichnungen. Hier drauf. Mit dem … Wo muss genau was sein und so. Das zeigt ja eher, dass das eben ein … geführter Chaos ist. Also dass das nicht … ähm … bloß zufällig so ist. Sondern der hat halt markiert, wo das sein soll. Und danach hat er es dann festgemacht. Rainbow of Chaos Nr. 2 (Ausschnitt), 2016, Ricardo Alcaide gespraech3-8-k.jpg
  • Absichtlich unsauber
  • Na ja. Man könnte auch sagen, er hat unsauber gearbeitet.
  • [Sperren: Nein]. Das hat er eben nicht. Oder er hat das erst nachträglich gemacht. Das kann natürlich sein.
  • Ich gucke mal hier …
  • Er hat erst unsauber gearbeitet und dann …
  • Ja aber das ist doch Absicht! Du sollst ja die Spuren sehen, die derjenige da gemacht hat. Das macht's doch …
  • Warum soll ich das.
  • Na ansonsten wäre es wirklich nur noch ein Designobjekt. Was halt schön aussieht. Und so hat es noch eine Geschichte. Und die Geschichte, die ist hier in dem Moment Moment auf diesem Ding drauf. Geschrieben.
  • Das hat doch nichts besonderes!
  • Hast du das schon einmal gesehen?
  • [Pause.]
  • Nö.
  • Dann ist es ja was Besonderes.
  • [Sarkastisch.] Ach ja? Alles was ich noch nicht gesehen habe, ist was Besonderes.
  • Für dich ja!
  • [Sperren: Nö.]
  • Für dich doch! Oder warum ist das für dich nichts besonderes.
  • Kann ich selbst machen!
  • Weil ich das selber … genau so produzieren könnte.
  • Die Toteninsel Toteninsel kannst du auch machen. Du brauchst halt …
  • Nee. Die kann ich nicht machen.
  • … nur ein bisschen Übung.
  • Da … Da fehlt mir auch …
  • Handwerk Handwerk .
  • … Handwerk.
  • Aber das hatten wir doch schon.
  • Aber da fehlt mir natürlich auch …
  • Der Blick!
  • … die Idee.
  • Die Komposition!
  • Und der Wille. Aber hier … Ich meine … Da kann ich mich hinstellen und kann es einfach zimmern. Wenn mir langweilig ist. Und quasi so ein bisschen 'rum malen.
  • Bloß deines hängt nicht in der Galerie.
  • Ja das ist ja der Punkt! Aber wie kommst du dahin?
  • Also ich würde jetzt hier zum Beispiel so …
  • Und …
  • Ich würde jetzt hier zum Beispiel so kleine Figürchen, die ich so finde, irgendwie noch so trapieren. Wie ein kleines Regal.
  • Wo du das jetzt wieder sagst … Das hängt nicht in der Galerie. Mein … Nicht-Gemachtes.
  • Kunst ist, was der Markt als Kunst definiert
  • [Lacht.]
  • Dann merkt man ja wieder: Vielleicht geht es ja sehr … um den [Sperren: Markt]. Für dich ist Kunst, …
  • [[Sperren: Knips.]]
  • … was der Markt als Kunst definiert. Hier sagt der Markt: Das ist Kunst! Wir können dafür Achtzehntausendfünfhundert Franken verlangen. Aber das ist doch …
  • Aber verlangen heißt ja nicht, dass man es bekommt.
  • Okay. Natürlich kann man jetzt sagen: Was der Markt als Kunst definiert … Das ist die Kunst.
  • Na das finde ich eigentlich irrelevant. Was der Markt sagt.
  • Ja aber darüber hast du doch gerade darauf angespielt.
  • [Sperren: Nein!] Ich … Was der Markt sagt … Das sagt ja nicht, dass es gute Kunst ist. Das heißt lediglich, dass es reiche Leute gibt, die dafür viel Geld ausgeben. Weil sie gehört haben, dass das gute Kunst sein soll. Es kann ja auch … äh … gute Kunst sein, die nicht gekauft wird. Weil's einfach noch niemand mitbekommen hat.
  • Was ist denn gut und schlecht. Also an Kunst.
  • Na das wäre jetzt ja wieder eine individuelle Entscheidung. Die [Sperren: du] fällen musst.
  • Ja aber ich … Ich dachte, es geht erst einmal um die Frage: Ist das überhaupt Kunst für mich, oder nicht.
  • Na du hast gesagt, es ist für dich irgendwie etwas, was du selbst machen kannst.
  • [Spricht wieder leiser:] Das ist ja für mich nichts. Keine.
  • Auch in Verbindung mit diesem großen hier? Wo du noch …
  • Das ist sehr interessant! Dieses Ding.
  • [Pause.]
  • Gehen wir weiter?
  • Ja, bitte.
  • Gab's nicht in dem Kunstmuseum dieses eine …
  • Hier denke ich noch …
  • … das mit den Regalen? Weißt du noch, was ich meine?
  • Nein.
  • Wo … Wo wir mit der Frau waren. Und danach im Café.
  • In dem Schaulager?
  • Nee. In diesem Kunstmuseum.
  • Mit der Sabine!
  • Genau. Und wo dann Regale so herumstanden. Und … ähm … Abgebrannt glaube ich. Leicht. Ne?
  • Das weiß ich nicht mehr.
  • Okay.
  • Wenn ich das sehe, denke ich an meinen Keller
  • Wenn ich [Sperren: das] sehe, denke ich an meinen Keller.
  • Hast du da [Sperren: so] kleine Regale?
  • Nee. Nicht ganz so kleine. Aber ein bisschen größer. Aber auch ein bisschen hoch.
  • Aber das ist ja eben kein Regal mehr. Mit der Funktion eines Regals.
  • Wieso nicht.
  • Kannst du da was reintun?
  • Da wurde doch was reingetan.
  • Es ist etwas, was du … äh … reintun würdest, um es zu lagern und dann später wieder zu nutzen?
  • Vielleicht.
  • Was war [Sperren: das] jetzt für eine Antwort! [Lacht.]
  • Na ja. Guck mal. Du kannst doch die Platten da rausnehmen.
  • Nee. Kannst du gar nicht mal. Weil die Platte höher ist als das Regal.
  • Aber das. Ich hab' ja auch nur gesagt, es erinnert mich an … meinen Keller.
  • Na das ist doch gut. Das heißt, es gibt eine Verbindung zwischen dir und zwischen dieser Arbeit.
  • [Spricht leise:] Ja aber es ist … [Sperren: Pfff] …
Museum von Arzt Ole Worm, Kopenhagen
Museum von Arzt Ole Worm, Kopenhagen
Präparatearrangement mit klagenden Kinderskeletten, Konkrementen und Gefäßausgüssen, von Anatom Frederik Ruysch
Präparatearrangement mit klagenden Kinderskeletten, Konkrementen und Gefäßausgüssen, von Anatom Frederik Ruysch
Muskelmann, Mitte 19. Jahrhundert, Jacques-Eugène Caudron (1818 - 1865, Bildhauer), Skulpturensammlung Dresden
Muskelmann, Mitte 19. Jahrhundert, Jacques-Eugène Caudron (1818 - 1865, Bildhauer), Skulpturensammlung Dresden
Gesichtsschädel mit aufmodellierten anatomischen Strukturen in Wachs, A & P Seifert, Berlin, 19. Jahrhundert, Wachs-Trockenpräparat
Gesichtsschädel mit aufmodellierten anatomischen Strukturen in Wachs, A & P Seifert, Berlin, 19. Jahrhundert, Wachs-Trockenpräparat
Rechter Unterarm mit Wachsinjektion der Arterien, 1898, kombiniertes Trocken-Injektionspräparat, Inventar-Nr. ANA2006/511
Rechter Unterarm mit Wachsinjektion der Arterien, 1898, kombiniertes Trocken-Injektionspräparat, Inventar-Nr. ANA2006/511
Gesichtsurne aus Liebenthal bei Marienburg in Westpreußen, 1871
Gesichtsurne aus Liebenthal bei Marienburg in Westpreußen, 1871
Critical, 2015, industrial lacquer on mdf panel, Ricardo Alcaide
Critical, 2015, industrial lacquer on mdf panel, Ricardo Alcaide
Toteninsel, 1880, Arnold Böcklin, Kunstmuseum Basel
Toteninsel, 1880, Arnold Böcklin, Kunstmuseum Basel
System, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, 140 x 170 cm, Ricardo Alcaide
System, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, 140 x 170 cm, Ricardo Alcaide
Unsettled, 2017, 50 numbered and signed bricks, Ricardo Alcaide
Unsettled, 2017, 50 numbered and signed bricks, Ricardo Alcaide
Anatomisches Museum (zur Ausstellung von gestern, aus Ausstellungs-Katalog) Kunst- und Wunderkammern Kunstkammer im 16. und 17. Jahrhundert von Adeligen, Kirchenmännern, Kaufleuten, Ärzten, Apothekern Wunderwerk göttlicher Schöpfung sollte gezeigt werden Museum von Arzt Ole Worm, Kopenhagen museum-worm-k.jpg Ole Worm (1588 - 1654, Arzt) zeigt aber auch Endlichkeit des Seins Memento mori - Gedenke deines Endes im Barock weit verbreitetes Appell oft Präparate eindrucksvoll präsentiert wie klagende und musizierende Kinderskelette Präparatearrangement mit klagenden Kinderskeletten, Konkrementen und Gefäßausgüssen, von Anatom Frederik Ruysch ruysch-k.jpg Anatomisches Theater: römischem Kollosseum nachempfunden Anaton steht in der Mitte, seziert und demonstriert Leichnam den Studenten mit Ziel Körper in all seinen Formen und Funktionen zu ergründen neben Studenten auch Laien, wie Würdenträger und interessierte Bürger Anatom stellt Leib des Menschen als Wunderwerk Gottes vor Muskelmann, Mitte 19. Jahrhundert, Jacques-Eugène Caudron Jacques-Eugène Caudron (1818 - 1865, Bildhauer Bildhauerei ), Skulpturensammlung Dresden muskelmann-k.jpg Muskelmänner beliebte anatomische Studienobjekte in Künstlerstudios in Früher Neuzeit (16. - 17. Jahrhundert) Gesichtsschädel mit aufmodellierten anatomischen Strukturen in Wachs, A & P Seifert, Berlin, 19. Jahrhundert, Wachs-Trockenpräparat gesichtsschaedel-k.jpg Rechter Unterarm mit Wachsinjektion der Arterien, 1898, kombiniertes Trocken-Injektionspräparat, Inventar Inventar -Nr. ANA2006/511 unterarm-k.jpg Ziel Pathologen: vom toten Körper auf Krankheitsprozesse im Lebenden zurückschließen Gesichtsurne aus Liebenthal bei Marienburg in Westpreußen, 1871 gesichtsurne-k.jpg Rudolf Virchow publizierte über Mützenurnen[?] Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • Schönes Objekt ist keine Kunst
  • [Aufnahme Anfang.]
  • [In der Galerie.]
  • Wieso hast du gerade gestöhnt, als du das Bild gesehen hast?
  • [Flüsternd:] Das ist keine Kunst. Das ist ein schönes Objekt. Wie … Ein schönes Design-Objekt!
  • [Macht ein Foto von der Arbeit.]
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Betrachten das Bild "Critical", 2015, industrial lacquer on mdf panel, Ricardo Alcaide Ricardo Alcaide .] Critical, 2015, industrial lacquer on mdf panel, Ricardo Alcaide gespraech3-2-k.jpg
  • Kunst ist das nicht.
  • Das hängt jetzt aber in einer Kunstgalerie.
  • Na ja. Aber deswegen ist es ja nicht Kunst.
  • Für mich schon.
  • Was ist für dich daran jetzt so besonders?
  • Warum ist es ein Design-Objekt?
  • Na ja. Weil es schön ist. Also ich würde mir das hinhängen.
  • [Sperren: Echt?]
  • [Kleinlaut:] Vielleicht.
  • [Lachen.]
  • Ich denke … Gerade durch diese Löcher wird es dann wieder zu etwas, was ein Designer sich nicht hängen würde. Weil die ja eher …
  • Nö. Die zeigen ja vielleicht, dass es früher mal was anderes war.
  • Ach so?
  • Und … äh … vorher eine andere Funktion hatte.
  • Die hat er nicht erst nachträglich reingemacht? Das dachte ich gerade.
  • Na ja. Das weiß man jetzt ja nicht.
  • Na du kannst schon recht haben.
  • Na aber … Schau. Das ist einfach ein … Dreieck mit … ähm … ein paar Linien. Gefärbt. Fast wie eine Straßenkarte.
  • [Straßenbahn Eisenbahnstraße fährt vorbei.]
  • Aber nichts besonderes.
  • Na doch. Würdest du denn sowas machen?
  • [Pause.]
  • Nö. Aber ich [Sperren: könnte].
  • Dann ist es doch aber …
  • [Lachen.]
  • Das Graffiti Graffiti draußen kannst du auch machen.
  • Ja. Das ist ja der Punkt. Aber da hab' ich gesagt: Da ist ja das Besondere, dass man ja schon in die Illegalität geht. Das [Zeigt auf das Bild.] hat für mich nichts besonderes.
  • Dann zeig' mir mal was Besonderes!
  • Na wir müssen gucken.
  • [Pause. Rascheln. Beide gehen durch den Raum.]
  • Das mit den Löchern war aber aus Absicht.
  • [Fremde Person in Galerie hustet.]
  • Sagst [Sperren: du].
  • [Sperren: Weil] hier jetzt auch Löcher drinne sind.
  • Was ist das denn überhaupt.
  • Red' mal lauter! Ich höre dich nicht!
  • [Pause.]
  • Na ja. Es schaut fast aus wie so eine Fließenwand.
  • [Geraschel. Mikrofon reibt an Jacke.]
  • Mit Fugen.
  • Vor allem nicht grundiert! Oder? Sonst würde das nicht hier abplatzen.
  • Na das ist doch gewollt!
  • Also kein Design, sondern Kunst!
  • Mhm. Ich weiß nicht.
  • Und ich sehe mich drinne. Das ist gut.
  • Na ja. Siehst du aber … Das ist so …
  • [Zieht die Nase hoch.]
  • Toteninsel Toteninsel von Böcklin Arnold Böcklin
  • Für mich ist Kunst eher das, was man zu … Die Toteninsel!
  • Warum das?
  • Vom Böcklin. Toteninsel, 1880, Arnold Böcklin, Kunstmuseum Basel toteninsel-basel-k.jpg
  • Das finde ich besonders.
  • Warum.
  • Besonders = Komposition und gegenständlich
  • Na die Komposition.
  • Hier hast du auch eine!
  • Ja aber da ist es gegenständlich. Was man dort sieht. Und hier nicht.
  • Das ist eine Mauer. Das [Sperren: ist] gegenständlich.
  • Der Böcklin hat sich Gedanken gemacht!
  • [Zeigt auf das Bild.] Der nicht?
  • Nö.
  • Das ist doch auch nicht wahllos.
  • Interpretationsmöglichkeiten zu viele
  • Na ja. Pfff. Das ist ziemlich frei hier … Die Interpretation, die da jeder reinstecken kann. Während die Toteninsel, die hat … die hat schon … gibt eher was vor. Schränkt eher ein. Das hier ist wahllos. Jeder kann da was Eigenes hinein interpretieren.
  • Aber bei der Toteninsel hat die Gesellschaft im Endeffekt jener Zeit vorgegeben, was die Symbole bedeuten. Und das wurde dann in das Bild hineingetan.
  • Ja!
  • Das ist doch eigentlich langweilig! Das ist was Gewöhnliches! Hier [Deutet auf das Bild.] würde ich sagen, ist zum Beispiel eine … eine Sprache, die du nicht sofort verstehst. Also die sozusagen von jemanden gemacht wurde …
  • Es gibt keine. Weil jeder … Derjenige, der das macht versteht was darunter. Vielleicht. Aber jeder, der sich es anguckt, hat ja seine eigene Sicht.
  • Das ist doch super!
  • Ja aber …
  • Bei der Toteninsel wird im Endeffekt alles vorgekaut. Was … Was die Bäume bedeuten. Was dieser … äh … Was dieser … dieser Weg für eine Geschichte hat … Vom Festland zur Insel.
  • Ja!
  • Das ist Geschichte!
  • Es ist gefasst. Eingefasst! Und in der … Ich meine, du weißt es sicherlich … Es gibt ja diese verschiedenen Versionen. Alle sind ein bisschen anders. Weil das Ding an sich gibt es ja nicht.
  • Welches Ding?
  • Diese Insel. Es gibt halt …
  • [Sperren: Doch]. Es gibt ein Vorbild.
  • Na aber das ist da so ein Friedhof. Der hat ja …
  • Wo denn?
  • Na bei Venedig!
  • Ach so. [Lacht.] Das wusste ich gerade nicht.
  • [Lacht ebenfalls.] Der … Der hat … Der hat ja … Der hat ja keinen Berg.
  • Warst du da?
  • Ja, ich war schon da.
  • [Sperren: Auf] der Insel.
  • Ja.
  • Wie kommt man da drauf?
  • Mit dem … Mit diesen Booten.
  • [Lacht.] Das ist ein Touri-Ding. Oder was?
  • Na eben nicht. Aber wir wollten einen Ruhepol, als wir da waren.
  • Und da sind bloß Gräber.
  • Ja.
  • Und das hat auch der als Vorbild …
  • Gedankengänge Künstler und Betrachter sollten sich ähneln
  • Na ja, das war eines der Punkte. Aber warum hat er die anderen Elemente reingemacht … Das weiß ich nicht. Ich will nur damit sagen … ähm … Er hat ja auch was zusammengestellt. Aber etwas Eingeschränktes. Wo die … Wo die Gedanken von allen, die sich das angucken, ja ähnlich sind, in eine ähnliche Richtung gehen. Hier [Zeigt auf Arbeit.] … Das ist … Pfff … Je nachdem, wie meine Gefühlslage ist und mit welchem Hintergrund ich hier her komme, sehe ich da was anderes.
  • Und ist das jetzt komisch? Für dich? Oder was?
  • [Pause.]
  • Ja! Das ist für mich halt … Das ist [Sperren: zu] frei. [Sperren: Zu] offen. Hier brauchst du wieder einen Erklärungstext.
  • Nö. Du siehst doch ein Muster! Das reicht doch als …
  • Das ist die Kom…
  • Komposition!
  • Das ich da eine Komposition habe?
  • Und das ist ein Spiegelbild Spiegelbild . Du siehst dich selbst. Diese Reflexion.
  • Ach. Ist das gewollt?
  • [Sperren: Natürlich] ist das gewollt.
  • Wieso.
  • Na sonst kann der ja … Der hat ja das Material extra ausgesucht.
  • Na ja, aber …
  • Das ist ja Klavierlack. Oder sowas.
  • Warum hat er dann keinen Spiegel drangebaut.
  • Für mich wäre da jetzt ein Spiegel drinne.
  • [Geräusche. Mikrofon reibt an Kleidung.]
  • [Beide gehen weiter.]
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Betrachten das Bild "System", 2016, Ricardo Alcaide.] System, 2016, industrial lacquer paint on mdf panel and cardboard, 140 x 170 cm, Ricardo Alcaide gespraech3-4-k.jpg
  • [Pause.]
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Sie stehen vor der nächsten Arbeit.]
  • Ich traue mich nicht rüber. Was ist denn das?
  • zu hoher Preis für Kunstwerk
  • [Blättergeraschel.]
  • Das ist der Preis für die Arbeit.
  • [Flüsternd:] [Sperren: Unglaublich!]
  • [Pause.]
  • [Noch leiser, damit die Aufsicht nichts hört.] Achtzehntausendfünfhundert Franken.
  • Die haben hier auch acht Prozent Steuer?
  • Mhm. Für irgendwelchen Mist.
  • [Pause.]
  • Du brauchst noch einen Kaffee! Lass uns das mal durchgehen! [Blättert durch das Werkverzeichnis Werkverzeichnis .]
  • Nimm das mal mit.
  • Ich nehme es nachher mit.
  • Nee. Wir können das gleich durchgehen.
  • Über Kunst laufen
  • Wer geht zuerst rüber? Ich will keine Alarmanlage hören.
  • Hier gibt's doch keine Alarmanlage.
  • Okay. Ich gehe einfach.
  • [Schrittgeräusche über Ziegel.]
  • Jetzt bist du über [Sperren: Kunst] gelaufen.
  • Das hat aber was cooles.
  • Warum?
  • Keine Kunst, oder doch? Mit Symbolkraft
  • Das ist auch keine Kunst. Aber es hat was symbolisches. Du gehst in einen Raum und du siehst das auf dem Boden …
  • Ja, jetzt fühle ich mich irgendwie auf der anderen Seite.
  • Mhm. Das teilt etwas. Aber es hat eher was … Pfff …
  • Na du bist ja nicht drauf geblieben.
  • Na ja … Vielleicht ist das doch Kunst. Es macht … Es ist halt was Besonderes. Es macht was mit dir.
  • Was denn?
  • Es ist wie eine Grenze.
  • [Pause.]
  • Symbolisch.
  • [Geräusche beim Blättern durch die Liste.]
  • [Schaut aus dem Fenster.] Funktioniert die Tankstelle noch?
  • Ja.
  • [Blattgeräusche.]
  • [Lautes Telefonklingeln.]
  • [Aus dem Hintergrund: Hallo!]
  • Das sind fünfzig Steine. Und sie sind … ähm … alle wie unterschrieben.
  • [[Sperren: Knips.]]
  • [Betrachten das Bild "Unsettled", 2017, Ricardo Alcaide.] Unsettled, 2017, 50 numbered and signed bricks, Ricardo Alcaide gespraech3-5-k.jpg
  • Was sind sie?
  • Unterschrieben. Nummeriert und unterschrieben.
  • Dadrunter.
  • Wo das ist …
  • Okay. Na das ist ja dann für den Kunstmarkt Kunstmarkt .
  • Na ich meine … Die Wirkung ist halt cool. Es teilt. Du machst dir Gedanken. Kann ich da jetzt rüber? Oder nicht?
  • Es ist halt was anderes als jetzt ein Bild, was an der Wand hängt. Weil das halt so … so normal ist.
  • Es hebt sich halt damit ab.
  • Meine ich ja.
  • Damit hat es was besonderes.
  • Aber wenn du bloß das jetzt in dem Raum hättest … wäre das vielleicht wieder zu wenig.
  • Nur was besonderes, da im Kunstraum
  • Wenn du vielleicht nicht … Vielleicht wirkt es nur in dem Kontext. Ob es in einer Galerie … oder ob es in einem Museum wäre. Wenn es einfach irgendwo ist …
  • Wenns irgendwo draußen in der Stadt wäre, wäre es vielleicht irgendwie lahm.
  • Du würdest halt nicht automatisch drüber laufen.
  • Es wäre halt einfach ein architektonisches … ähm …
  • Manche würden es einfach nicht sehen. Aber das stimmt. Die Wirkung wäre anders. Aber [Sperren: hier] … in dem Kontext … hat es aber eine bestimmte Wirkung auf dich.
  • Na das ist wieder so ein schwammiges …
  • Du fühlst dich wirklich erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Das hat da ja was trennendes. Eigentlich symbolisiert es mehr oder weniger das, was auch Grenzen sind.
  • Aber diese Gedanken kommen dir dann ja nur, [Sperren: weil] es in einer Kunstgalerie ist. Und nicht, wenn es draußen ist. Da sind wir über die Straße gelaufen, da hast du dir kein Zeichen genau angeguckt. Könnte das irgendwie eine Grenze sein? Oder so.
  • Ja. Außer es stünde ein Schild, was mir sagt: Hier!
  • Wenn du hier jetzt aber in der Galerie nen Zebrastreifen rein machen würdest, dann wäre dieser Zebrastreifen in dem Moment Moment auch etwas, worüber du mehr nachdenken würdest. Über Übergang. Über Grenze. Äh … Vorfahrt. Keine Ahnung was.
  • Bleiben wir mal bei dem Kriterium für [Sperren: mich]. Ne? Hier geht es ja um [Sperren: meine] …
  • [Sperren: Nee]. Das ist ein [Sperren: Gespräch]. Wir diskutieren beide zusammen. Ich will meine Stimme auch hören!
  • Äh … Die ist wieder öfters zu hören als meine.
  • Wir sehen es an den Sprechblasen.
  • Das besondere … Und egal was du jetzt … Das besondere kann natürlich auch in einem bestimmten Kontext erst etwas Besonderes sein. Aber es ist ja trotzdem etwas Besonderes.
  • Auch in der Galerie ist es [Fußnote: Die Ziegel-Arbeit.] was Besonderes.
  • Ja.
  • Anders als das Bild.
  • Mehr Kunst, weniger Kunst, Graubereich
  • [Sperren: Das] ist mehr als Kunst … Als das Bild.
  • Was ist [Sperren: mehr als Kunst]?
  • Na das macht es mehr zur Kunst. Entschuldigung.
  • Wieso. Was ist denn [Sperren: mehr] und was ist [Sperren: weniger] Kunst.
  • [Pause.]
  • Na ja. Vielleicht …
  • Was ist denn Kunst.
  • [Flüstert:] Das weiß ich nicht.
  • Wieso nimmst du dann so ein Wort in den … in den Mund.
  • [Aus dem Hintergrund, die Aufsicht telefoniert: [Sperren: Ich hab' zwar] …]
  • Ich glaube, für mich gibt es schon so eine Abstufung. Wo ich sagen würde … Das ist jetzt nicht schwarz und weiß. Es gibt für mich ja keine klare Definition. Deswegen kann ich nicht sagen: Das ist auf jeden Fall Kunst. Okay. Das kann ich sagen. Dann würde ich sagen: Mhm … Das vielleicht. Wie das Graffiti da! Das ist … Das ist so ein Graubereich. Es gibt Dinge, wo ich eindeutig sagen würde: [Sperren: Nein].
  • Aber will der Graffiti-Typ der Gesellschaft etwas mitteilen? Oder bloß eine Marke hinterlassen. Wie ein Hund.
  • Das wissen wir jetzt ja auch nicht.
  • Na ich weiß es gerade bei Graffiti allgemein nicht. Ob das … Also warum die das machen.
  • Dort war es ja eher ein Text als Geschmiere.
  • Ist … Ist ein [Sperren: Täg]. Das nennt man [Sperren: Täg]. Die hinterlassen ihre Signatur Künstlersignatur .
  • Es gibt … So ein richtiges Graffiti ist ja schon eher ein bildliches Ding.
  • [Pause.]
  • Denke ich.
  • Na ja, aber die Frage ist, warum die das …
  • [Lautest Telefonklingeln.]
  • … machen. Ist es im Endeffekt das selbe, wie wenn ein Künstler in einer Galerie ausstellt? Er dann sozusagen Zeichen hinterlässt? Was aber [Sperren: sehr] temporär ist. Weil es ja auch bloß eins zwei Monate …
  • [lautes Telefonklingeln]
  • … da sein wird. Was [Sperren: du] wieder … Wo du vorhin gesagt hattest … Das sollte beständig sein. Oder so …? Das ist es hier ja aber nicht! Das ist es hier ja aber nicht! Diese einzelnen Dinger sind [Sperren: nur] in [Sperren: diesem] Raum in [Sperren: dieser] Länge genau [Sperren: jetzt] so. Und die werden nie wieder genau so ausgestellt werden. Das heißt, sie sind nicht beständig.
  • Aber sie sind immer fünfzig … Und nicht einfach …
  • Das weißt du nicht. Die sind jetzt hier fünfzig. Weil die vielleicht genau hingepasst haben. Und die Zahl fünfzig …
  • Hier steht aber fünfzig.
  • Ja weil das fünfzig Dinger sind.
  • Fünfzig.
  • Man bezahlt für fünfzig oder für eins?
  • Na für das Ding!
  • Zeig mal. Das glaube ich nicht.
  • [Blätterrascheln]
  • [Sperren: Mensch.]
  • Hier ist es.
  • "Price upon request."
  • [Stimme der Aufsicht ins Telefon: Und dann habe ich noch …]
  • Ich glaube aber nicht, dass die Zahl fünfzig jetzt so wichtig ist.
  • Und es ist ja genau abgemessen.
  • [Sperren: Ja weil] … Die geben [Sperren: immer] die Daten davon an. Ähm … äh … Wie groß ist die eigentliche Arbeit. Das heißt nicht, dass das gewollt ist.
  • Also stellst du das jetzt in Frage oder was? [Lacht.]
  • Weil [Sperren: du] das nicht in Frage stellst!
  • [Lachen.]
  • [Pause.]
  • Kriterium, überhaupt zu fragen, ob es Kunst ist
  • Ist das auch ein Kriterium?
  • Was?
  • Das ich es in Frage stellen kann.
  • Nee. Das du überhaupt auf den Gedanken kommst, es in Frage zu stellen, ist das Kunst oder nicht. Da draußen in der Landschaft bist … Da stellst du [Sperren: nichts] in Frage. Da sagst du nicht: Ist das ein Baum? Ist das kein Baum? Hier fragst du halt …
  • Weil es halt eindeutig definiert ist. Das ist etwas …
  • Definition eindeutig
  • [Sperren: Wer] definiert das eindeutig.
  • Das es ein Baum ist oder nicht.
  • Das es ein Baum ist oder kein Baum.
  • Die Biologen werden dafür schon eine eindeutige Definition gefunden haben.
  • Aber wir selbst haben in unserem Kopf abgelegt, ab wann ist ein Baum ungefähr ein Baum. Ab wann ist es ein Strauch. Ab wann ist es eine … Blume.
  • Ja.
  • [Frau im Hintergrund ins Telefon: Okay.]
  • Da gibt's aber auch Grenzbereiche.
  • Okay. Hier ist es natürlich schwieriger. Weil, wie wir ja alle wissen, … Deswegen bist du ja auch so unsicher und machst überhaupt so eine Befragung, mhm … Es gibt keine eindeutige Definition. Deswegen kannst du nicht einfach sagen, für d
  • Ja das ist … Das ist das jetzt. Das ist jetzt Kunst. Und das ist das nicht.
  • Es ist aber in einer Kunstgalerie. Deshalb ist es für mich automatisch Kunst. Ob das jetzt gute oder schlechte …
  • Für mich nicht.
  • [Sperren: Nein!] Da würde ich zum Beispiel unterscheiden zwischen … Ist das gute …
  • [Frau im Hintergrund: Mache ich.]
  • … oder keine gute Kunst. Aber es [Sperren: ist] Kunst. Weil es in einer Galerie ausgehangen wird. Und so definiert wurde. Von anderen. Dann ist es ja per se … Dann [Sperren: ist] es Kunst. Wenn jemand sagt, es ist Kunst, dann ist es für ihn Kunst. Zumindestens wenn es einer sagt, ist es Kunst.
  • Das [Sperren: könnte] dann Kunst sein.
  • Es geht nur darum, was [Sperren: du] darin siehst. Gute Kunst oder nicht so …
  • Je nach Galerie ist es Kunst oder Geldkunst
  • Nein nein nein. Das entscheidende ist ja, wenn es in einer Galerie ist … [Sperren: Galerie] repräsentiert das … den Kunstmarkt.
  • Das stimmt nicht.
  • Für mich.
  • Es kommt auf die Galerie drauf an.
  • Da sehe ich hier [Fußnote: In der Liste.] [Sperren: Geld].
  • Das stimmt.
  • Also ist das hier eine …
  • Es gibt aber auch Kunstvereine, die haben ihre Räume.
  • Das ist aber was anderes. Das ist dann ein Raum, ein Ausstellungsraum.
  • So wie hier!
  • Hier ist das aber eine Galerie. Hier geht es darum zu verkaufen.
  • Das kaufen Leute?
  • [Pause.]
  • Repräsentant des Marktes
  • Ja. Hier geht es doch um … Und deswegen ist das wie die Art Basel. [Flüsternd:] Das ist eine Repräsentation des Marktes.
  • Aber das ist extrem dort. Finde ich.
  • So. Und für die geht es ja um eine andere Frage. Die können natürlich festlegen: Wir stellen das aus. Und können sagen: Für uns ist das hier Kunst. Und vielleicht auch für Leute, die hier einfach denken: Okay, alles was in der Kunstgalerie ist, muss Kunst sein.
  • Der Raum muss bezahlt werden! Der Strom! Der Künstler muss bezahlt werden! Viele müssen ja denken es ist Kunst und kaufen es für diese tausenden von … von Franken.
  • Ja aber warum … Es muss keine Kunst sein. Es kann ja auch ein Designobjekt sein.
  • Aber niemand gibt für ein Designobjekt soviel Geld aus. Das ist ein [Sperren: Unikat]. Das ist vielleicht noch einmal ein Unterschied zu einem Designobjekt. Wo ich sagen würde, es ist meistens eine Auflage.
  • Das ist ja die nächste Frage. Wir wissen ja überhaupt nicht, ob überhaupt jemand was nimmt. Was passiert denn mit den ganzen Objekten …
Graffiti an Hauswand, in Basel gefunden
Graffiti an Hauswand, in Basel gefunden
Diplom Theorie Gespräch mit Christian
  • Was ist Kunst?
  • [Aufnahme Anfang.]
  • [Lachen.]
  • [Straßengeräusche.]
  • Ach so. Das Aufnahmegerät macht schon. Okay. [Lacht.] Also ich fange jetzt mal so an, wie ich's bei den anderen gemacht habe. Ich wollte dir erst einmal sagen, warum ich das mache. Und zwar möchte ich herausfinden: Was ist eigentlich Kunst für die Leute, die nicht … äh … in … die nicht in … in den Kunstkreisen drinne sind. Also in Museen. In Galerien. Die selbst keine Künstler sind. Sondern die ab und zu mal eine Ausstellung besuchen und sich dann da halt … [Sperren: herablassend] … äh … drüber unterhalten.
  • [Glockengeläut.]
  • Und du bist so einer.
  • Ich bin herablassend willst du damit sagen.
  • [Lacht.] Wenn wir zeitgenössische zeitgenössisch Kunst sehen: ja.
  • Okay.
  • Und deshalb werden wir heute auch in Galerien zeitgenössische Kunst sehen und … äh … Wir werden halt gucken, im Gegenzug zu morgen zum Beispiel … Nee. Morgen auch. Eigentlich wollten wir ja in das Kunstmuseum.
  • Kriterium Besonderheit / muss sich abheben
  • Aber warum sagst du, dass das herablassend ist?
  • Na wenn … Na wenn so ein Spruch kommt wie … [Fährt mit hoher Stimme fort:] Das kann ich ja auch! Oder …
  • Na das ist eben ein Kriterium für mich. Ist das dann schon herablassend?
  • Dass man es selbst auch kann. Und dass …
  • Ja.
  • … das von denen ausgestellt wird und von dir aber nicht?
  • Na Kunst sollte ja schon irgendwie was Besonderes sein. Oder?
  • Was heißt "besonders"?
  • Na ja. Was … Was ich eben nicht kann. Was ich nicht mal eben so an meinem Küchentisch produzieren kann.
  • [Auto fährt vorbei.]
  • Dann meinst du handwerklich.
  • Ja.
  • Etwas Besonderes.
  • Es muss schon … Es muss … Es muss sich [Sperren: abheben].
  • Aber du hast doch vorhin noch gesagt … ähm … ähm … Das wäre doch dann nur Handwerk Handwerk .
  • Aber das wurde ja nicht aufgezeichnet!
  • [Sperren: Jetzt] haben wir es aber hier aufgenommen!
  • [Lachen.]
  • Was hab' ich noch einmal gesagt?
  • Irgendwas mit Handwerk!
  • [Sperren: Ah]. Wir wissen es also gar nicht! Das ist gut.
  • [Pause.]
  • Das war wegen dem Mann im Keller.
  • [Pause.]
  • Hä?
  • Na wegen dem Mann im Keller!
  • [Lachen.]
  • In der Uni. Der da der einzige Künstler ist! [Fußnote: Meint einen Mitarbeiter der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig.]
  • Ach so! Okay. [Lacht.]
  • Okay. Aber herablassend … Das ist ja schon wertend.
  • Wir haben jetzt noch keine Kunst gesehen. Deshalb können wir gerade noch nicht so richtig reden. Lass uns doch dann erst einmal in die Galerie gehen …
  • Graffiti Graffiti
  • Na [Sperren: das] da könnte doch vielleicht Kunst sein! [Zeigt auf Graffiti.]
  • [Sperren: Was.]
  • Das ist etwas, das hebt sich ab.
  • [Sperren: Was] denn?
  • Na das Graffiti!
  • Welches Graffiti?!
  • [Lachen.]
  • Na die Schmiererei!
  • [Betrachten das Graffiti an einer Hauswand.] Graffiti an Hauswand, in Basel gefunden gespraech3-1-k.jpg
  • [Pause.]
  • Einige sehen das ja heutzutage als Kunst an.
  • Na ja. Warum ist das keine Kunst. Das hebt sich ab. Das … Das … Die Fassade wurde dadurch verändert.
  • Aber verstehst du das?
  • Natürlich nicht!
  • Und kannst du das nicht auch?
  • Ich sehe da jetzt auch keinen großen Sinn drinne. Und ich könnte es wahrscheinlich auch. Aber …
  • Also ist es für dich keine Kunst!
  • Da ist schon der Punkt: Würde ich das machen? Wahrscheinlich nicht.
  • Weil du Angst hast.
  • Es hebt sich ab
  • Ja. Aber das ist schon einmal gegen die Konvention. Gegen das Gewöhnliche. Damit …
  • Heute nicht mehr.
  • Damit hebt sich's ab.
  • Heute aber nicht mehr.
  • Aber es hebt sich ab.
  • Ja.
  • Du gehst nicht einfach an eine Wand. Die machen das ja auch nicht tagsüber.
  • 'tschuldigung. Der mit dem Hund geht gerade einfach vorbei. Ohne es zu betrachten. Für den ist das einfach bloß … ähm … Müll.
  • Ja, aber gehen wir von der Perspektive aus …
  • [Sperren: Dieser Mann auch!]
  • Derjenige, der das gemacht hat.
  • Der macht ein Foto davon. Heimlich.
  • Derjenige, der das gemacht hat, für den war das schon … Der hat sich Gedanken gemacht. Okay. Der hat sich ja nicht gedacht, er malt das jetzt da dran.
  • Er hat auch nicht die Höhe berechnet. Und nicht wie das in der Umgebung …
  • Ja!
  • … wirkt. Sondern …
  • Er hat sich Gedanken gemacht. Er hat gedacht: Okay, ich warte bis es dunkel ist und nicht so viele Leute auf den Straßen … Weil das ist ja … Man macht das halt nicht. Ne? Man kann dafür ja auch bestraft werden. Aber … Ich mache da etwas. Und ich verändere etwas Bestehendes. Und jetzt hebt sich das ab. Weil die Fassade ist nicht mehr so normal.
  • Ich glaube sowas nennt man [Kursiv: Street Art Kunst].
  • Ja, aber das ist halt … Das hat etwas … [Sperren: Besonderes].
  • Es ist aber nicht im Kunstraum.
  • Vielleicht können wir da für mich ein Merkmal von Kunst sehen. Dass es sich … äh … abhebt. Von dem Gewöhnlichen.
  • Ist das nicht langweilig, wenn das ein Kriterium davon ist? Dass es sich abhebt?
  • Nur eins.
  • Meinst du mit Abheben … Abheben von … von … von … der natürlichen … äh … Alltagsumgebung? Also wo Sachen geschaffen werden … Eine Straße, damit man da lang geht. Von Ort A zu B kommt … Sondern dass es etwas ist, was dort halt nicht sein müsste …
  • Ich meine halt eher, dass es halt etwas Ungewöhnliches ist.
  • Was heißt denn "ungewöhnlich".
  • Etwas … [Sperren: Anderes]. Ich meine … Ich meine jetzt ja nicht nur, was ich im Straßenraum sehe. Sondern auch, was irgendwo an einer Wand hängt.
  • Wo fängt Ungewöhnliches an?
  • Der Baum sieht ja aber auch schön anders aus.
  • Ja. Vielleicht ist der ja auch Kunst.
  • Und diese … Diese Architektur ja eigentlich auch.
  • Na Architektur kann ja auch Kunst sein.
  • Ja aber dann ist das jetzt ein Kriterium, was nichts mit Kunst zu tun hat.
  • [Pause.]
  • Das es anders ist. Was normalerweise nicht da ist.
  • Sagt [Sperren: wer]. Aber ging es nicht um die Frage, was für [Sperren: mich] Kunst ist?
  • Ja aber doch nicht bloß. Oder? Es muss ja noch was anderes sein.
  • Ähm … Muss ich jetzt auch … äh .. aus der Sicht der Anderen denken?
  • [Autogeräusche.]
  • Land Art LAND ART
  • Es gibt doch aber glaube ich Künstler, die machen etwas, was sich eben … äh … äh … einschmiegt in die Landschaft. Was eben [Sperren: nicht] auffällt. Also zum Beispiel bei [Kursiv: Land Art] oder so. Die … Die arbeiten mit dem Sand. Das dann wieder später von irgendeiner Flut oder so überflutet wird. Das ist ja sozusagen nichts, was jetzt etwas … ähm … auffälliges wäre.
  • Ja das ist für mich auch keine Kunst. Das bleibt ja nicht. Also Kunst sollte auch schon etwas sein, was einen gewissen bleibenden Charakter hat.
  • Kunst muss bleibend sein
  • Jetzt sind wir beim Bleibenden. Wie lange soll denn das bleiben, damit es bei dir Kunst ist?
  • Na das weiß ich nicht. Aber so … Was ich in den Sand male und was sofort wieder weg ist … Das ist so … Okay. Ich habe was in den Sand gemalt. Macht der dann noch ein Foto?
  • Am Ende malt der [Fußnote: Graffiti-Künstler] aber auch bloß was in den Sand. Und das hält halt ein paar Jahre. Dann wird's aber überstrichen.
  • [Zustimmend.] Ja.
  • Und was in der Galerie hängt ist nach fünfzig Jahren vielleicht überhaupt nicht mehr … äh … bekannt. Weil der tot ist und die Galerie auch weg.
  • Ja.
  • [Autogeräusche.]
  • Und was ist dann daran bleibend?
  • Na eben nicht.
  • Na ja!
  • Aber bleibend im Sinne von … Es soll jetzt nicht bloß zehn Sekunden da sein.
  • Na [Sperren: das] ist wieder so eine … eine … so 'ne freie … ähm … Wahl an … an Zeiteinheit.
  • Ja.
  • Was ist bleibend und was ist kurzfristig da.
  • Ja.
  • Für mich wäre bleibend, wenn es … wenn es tausende von Jahren bestehen bleibt. Zum Beispiel. [Sperren: Für mich] ist es eigentlich bleibend, wenn … äh … wenn es über die Erd… Erdendauer existiert. Also noch ein paar Milliarden Jahre.
  • Geht das?
  • Voyager Golden Record
  • Geht. Na wenn du irgendwas in den Kosmos Kosmos reinschießt.
  • Okay.
  • Das war ja mal meine Idee!
  • [Autogeräusche.]
  • Na haben die nicht sowieso irgendeine Kiste in den Weltall geschickt?
  • Na das war diese Voyager. Das war keine Kiste. Das war eine Schallplatte. Mit Stimmen drauf, von Menschen. Mit Natur … ähm … Mit Zeichnungen. Damit irgendwelche Aliens dann irgendwann mal wissen, dass wir hier auf der Erde Leben haben. Und uns überfallen können!
  • Aber das bleibt dann auch für immer.
  • Aber das sieht ja jetzt niemand. Wir gehen mal davon aus, dass es keine anderen gibt, die das jemals sehen werden. Das heißt, es ist auch bloß etwas, was für die Menschheit gemacht wurde. Damit wir das [Sperren: Gefühl] haben, wir hätten etwas getan.
  • Mhm.
  • Für … Für die Ewigkeit.
  • [Pause.]
  • Gehen wir jetzt in die Galerie?
  • Genau.
  • [Straßenbahngeräusche.]
  • [Aufnahme Ende.]
Feuerlöscher 003, 2015, 2 Feuerlöscher, Lack, Florian Münchow
Feuerlöscher 003, 2015, 2 Feuerlöscher, Lack, Florian Münchow
Feuerlöscher 001, 2015, Feuerlöscher, gebohrt, Lack, Florian Münchow
Feuerlöscher 001, 2015, Feuerlöscher, gebohrt, Lack, Florian Münchow
Feuerlöscher, Künstler unbekannt
Feuerlöscher, Künstler unbekannt
Nothammer 1+3+3, 2015, 7 Nothämmer mit Halterung, Florian Münchow
Nothammer 1+3+3, 2015, 7 Nothämmer mit Halterung, Florian Münchow
Transportwagen 001, 2015, Rollwagen, Seilwinde, Kletterseil, 12 Kartons, Florian Münchow
Transportwagen 001, 2015, Rollwagen, Seilwinde, Kletterseil, 12 Kartons, Florian Münchow
Hausteil 3, 2017, Ytong, Holz, Putz, Plastik, Glas, Julien Fettkötter
Hausteil 3, 2017, Ytong, Holz, Putz, Plastik, Glas, Julien Fettkötter
o. T., u. a. 2 Umzugskartons, Künstler unbekannt
o. T., u. a. 2 Umzugskartons, Künstler unbekannt
Diplom Theorie Gespräch mit Christian Ausstellung GANG 3 Kunsthaus L6, Freiburg (Gespräch transkribieren in kommenden Tagen) 1 für Diplom-Arbeit: Spruch von altem Mann über den Stuhl 2 Aufsichtsperson: sind erste zwei Besucher an diesem Tagen 3 zur Vernissage Vernissage viele, aber mit Alkohol Alkohol ich: da wird Kunst doch gleich viel schöner 4 redet ausgiebig über seine Rente, seine Schmerzen, über seinen kleinen Aufsichtsraum nebenan auf Badisch[?] ich verstehe fast nichts, nicke aber immer wieder, er wiederholt sich nach einer Weile 5 Feuerlöscher Feuerlöscher als Thema aufgegriffen ich sehe erst beim Verlassen den eigentlichen Feuerlöscher Frage zweifelnd: Ist der jetzt echt und wenn ja: eine künstlerische Arbeit? u. a. mit Arbeiten von Evgenij Evgenij Gottfried Baumarkt als Inspirationsquelle für Künstler, Untersuchungsgegenstand von Gesellschaft "Evgenij Gottfried überlässt den Maschinen ihre Autonomie und erzeugt eine elektrokinetische Choreografie, Julien Fettkötter behauptet sich mit einem Selbstbau-Überwachungsturm und Florian Münchow Florian Münchow stellt die deutsche Gründlichkeit mit absurden Bauzeichnungen auf eine ästhetische Probe." "Seine Installation mit Ventilatoren erweckt ebenfalls Maschinen zum Leben. Von der Decke hängend mittels Kabel zu einem organischen Ganzen verwachsen, bilden sich verschiedene Charakterzüge der einzelnen Ventilatoren aus. Sofort ist man geneigt, jedem Ventilator eigene Eigenschaften zuzuschreiben, die ein Machtgefüge innerhalb einer Gruppe darstellen: Wenige breiten sich aus, verdrängen andere, einige stehen im Abseits, ausgeschlossen - und dennoch ist jeder einzelne über die Bewegungsmelder fremdgesteuert durch die jeweils Anderen." Feuerlöscher 003, 2015, 2 Feuerlöscher, Lack, Florian Münchow freiburg1-k.jpg Feuerlöscher 001, 2015, Feuerlöscher, gebohrt, Lack, Florian Münchow freiburg2-k.jpg Feuerlöscher, Künstler unbekannt freiburg3-k.jpg "Die bearbeiteten Feuerlöscher in Korrespondenz mit dem hauseigenen steigert deren destabilisierende Wirkung sowie deren charakterlichen Eigenschaften." [?] Nothammer 1+3+3, 2015, 7 Nothämmer mit Halterung, Florian Münchow freiburg4-k.jpg Transportwagen 001, 2015, Rollwagen, Seilwinde, Kletterseil, 12 Kartons, Florian Münchow freiburg5-k.jpg Hausteil 3, 2017, Ytong, Holz, Putz, Plastik, Glas, Julien Fettkötter freiburg6-k.jpg o. T., u. a. 2 Umzugskartons, Künstler unbekannt freiburg7-k.jpg Hammerhammer, 2017, Evgenij Gottfried
Critical, 2015, Ricardo Alcaide, Lack auf MDF
Critical, 2015, Ricardo Alcaide, Lack auf MDF
Installations-Ansicht, Ricardo Alcaide, 2017
Installations-Ansicht, Ricardo Alcaide, 2017
Rainbow of Chaos Nr. 2, 2016, Ricardo Alcaide, Farbe auf MDF auf Karton((?))
Rainbow of Chaos Nr. 2, 2016, Ricardo Alcaide, Farbe auf MDF auf Karton((?))
Diplom Theorie Gespräch mit Christian Ausstellung Ricardo Alcaide Ricardo Alcaide von Bartha, Basel NOTIZEN SPÄTER VERVOLLSTÄNDIGEN, HANDYFOTOS NEHMEN Critical, 2015, Ricardo Alcaide, Lack auf MDF alcaide0-k.jpg Installations-Ansicht, Ricardo Alcaide, 2017 alcaide1-k.jpg Rainbow of Chaos Chaos Nr. 2, 2016, Ricardo Alcaide, Farbe auf MDF auf Karton((?)) alcaide2-k.jpg