[X] Aufzeichnungen eines Kunststudenten
2012-2018
Subjektiv, unvollständig, nicht fehlerfrei. (1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Standpunkt Diplom Arbeit Gespräch mit mir #9
  • [Nachts aufgewacht. Stimme kratzig.]
  • NEIN!
  • Sie [meine Arbeiten.] wollen NICHT ein Thema … ähm … bearbeiten.
  • Diese … Selbstbildnisse sollen nichts anderes sein als das. Sie sollen einfach nur Selbstbildnisse sein!
  • Und selbst DAS würde ich nicht als Thema … ähm …
  • [Klick.]
  • … NENNEN wollen.
  • [Pause.]
  • Denn das würde heißen, ich hätte mich … ähm … hingesetzt und hätte mir überlegt: Ähm … ähm … Was möchte ich machen? Warum will ich mich … ähm … darstellen.
  • NEIN! Das möchte ich überhaupt nicht!
  • Ich habe gemerkt, dass ich, … äh …, wenn ich etwas versuche zu kategorisieren bei mir, sehr schnell in Zweifel komme.
  • Weil ich das dann wiederum hinterfragen KANN.
  • Und bei DIESEN Arbeiten hier, merke ich: Wenn ich TAGELANG …
  • [Pause.]
  • … an einer Sache arbeiten kann …
  • [Schlucke.]
  • Wenn ich tagelang Linien ziehen kann. Also … im Computer.
  • Wenn ich tagelang … äh … an einer Büste arbeiten kann. Egal ob sie etwas geworden ist, oder nicht. Dann liegt das vor allem daran, dass ich in dem MOMENT arbeite.
  • Etwas tue. OHNE darüber nachzudenken. Warum ich es tue.
  • Und das macht für mich diese Arbeit eben aus.
  • Ich kann NICHTS, auch wenn ich viel auf dem Gebiet selbst gearbeitet habe, und auch wenn ich extrem kopflastig eigentlich bin …
  • Ich kann NICHTS mehr mit konzeptueller Kunst anfangen.
  • [Pause.]
  • Bei mir selbst zumindestens.
  • Ich kann NICHTS mit poli… mit politischer Kunst anfangen. Nichts mit Gesellschaftskritischer.
  • Das sind alles Sachen, vor allem die letzten beiden, wo ich mir sage, von vorne herein: NEIN! Das ist einfach nichts, was im Künstlerischen bearbeitet werden m… MÜSSTE.
  • Da ist der Drang eigentlich nicht da, es zu verarbeiten.
  • Und … In den letzten Jahren bin ich halt … äh … mit der Zeit … immer weiter dahin gegangen … ähm … einfach … ähm …
  • [Schlucke.]
  • … nur … NUR noch … Das nur noch klingt jetzt wenig. Aber es ist …
  • [Pause.]
  • … das Hauptding.
  • [Pause.]
  • NUR noch … einfach zu machen!
  • [Pause.]
  • Ich möchte mit den Selbstbildnissen nicht etwas … ähm … darstellen.
  • Wie … eben etwas … ähm … gesellschaftliches. Zum Beispiel.
  • Ich möchte mich nicht … ähm … in den Vordergrund schieben.
  • Ähm.
  • [Ziehe Rotze hoch.]
  • Ich … äh … WEISS, dass es genug, sicherlich genug, Künstler … äh … gibt und gab, die … ähm … das Selbstbildnis BENUTZT haben, um etwas … ähm … darzustellen.
  • [Schlucke.]
  • Zumindestens kommt es dann halt … äh … in den veröffentlichten … ähm … Äußerungen … ähm … so rüber.
  • [Pause.]
  • Das ist gut. Aber ich selbst merke … habe gemerkt, die letzten Jahre …, dass ich … ähm … Dass das für mich … ähm … einfach nicht in Frage kommt!
  • [Pause.]
  • Für …
  • [Pause.]
  • Das sind jetzt halt … Ergebnisse.
  • [Katze schnurrt.]
  • Zufälligerweise … ähm … Selbstbildnisse.
  • So würde ich sie selbst auch bezeichnen.
  • [Schlucke.]
  • Aber ohne … ähm … dem ZIEL, Selbstbildnisse sein zu … MÜSSEN.
  • [Pause.]
  • Wenn ich merke eben, dass ich tagelang an etwas arbeiten kann, dann liegt es daran, dass ich … äh … BEFREIT war von einem Gedanken … ähm … da ein … ähm …. da ein … ähm … konzeptuelles Ziel zu haben.
  • Einen Gedanken zu haben!
  • Den ich UNBEDINGT … ähm … äh … damit äußern möchte.
  • [Pause.]
  • Das hätte alles nur kaputt gemacht!
  • Bei mir.
  • [Klick.]
  • [Aufnahme Ende.]
Diplom Theorie Oma ruft an telefonisch ihre eigenen nach dem Lesen gemachte Anmerkungen übermittelt eigenes Schlusswort diktiert (nicht in Ich-Form) "Sicherlich hätte sie zuerst eine Definition von Kunst abgegeben." [?] "Weiter geht aus ihren Anmerkungen hervor, dass sie ein Pissoir, einen kaputten Feuerlöscher oder einen Abfalleimer zwar für künstliche Objekte hält -- als Gegensatz zu Naturprodukten --, aber nicht für Kunst. Sie sind eher eine Provokation und ein Verhöhnen des Betrachters." "Auch ist meiner Oma (ehemals Fachärztin für Innere Medizin, Jahrgang 1931) bewusst, wie 'kostbar' ein Bild von Picasso ist, für einen Normalsterblichen unerschwinglich. Dennoch geht ihr die kubistische und unnatürliche Darstellungsweise gegen den Strich. Aber die 'Friedenstaube' von Picasso findet sie auch als schön." weiterer Gedanke: "Im Laufe der langen Menschheitsgeschichte hat sich das Kunstempfinden und -verständnis gewandelt." Abschnitte zum Runterholen, zur Rotze und zum Klauen soll ich mir noch einmal überlegen (lacht dabei) Buchprojekt 10 Seiten A3 * 12 * 5 = 120 * 5 = 700 Seiten + 1/2 Jahr = 760 + letzte Jahre viel mehr = 900 Seiten