× Aufzeichnungen eines Kunststudenten. Subjektiv. Unvollständig. Nicht fehlerfrei. Dies ist die Niederschrift zu meinem Kunststudium an der HGB Leipzig.
Folgend einige Hinweise dazu:

(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten. Dabei ist alles von Interesse, was mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner eigenen Arbeit im Speziellen zu tun hat.
(2) Fehlerhafte Informationen sind – ungewollt – Teil der Notizen. Sie sind meinem Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen und schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(3) Zitate sind nur hinterlegt, wenn ich mir sicher bin, dass es so gesagt wurde. Die Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig.
(4) Meine künstlerische Arbeit hat größtenteils die Suche und den Zweifel zum Thema. In Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten nehme ich dessen Ansichten wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

Leipzig, den 13. Dezember 2016
Redigierte Fassung vom 25. Mai 2018


Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Erinnerung an ein Erlebnis im Delirium tremens
Erinnerung an ein Erlebnis im Delirium tremens
Zeichnungen im Behandlungsverlauf einer rezidivierenden endogenen Depression, Patient Lorenz E.
Zeichnungen im Behandlungsverlauf einer rezidivierenden endogenen Depression, Patient Lorenz E.
Zeichnungen eines Tieres im Behandlungsverlauf einer Manie, Patient Johann M.
Zeichnungen eines Tieres im Behandlungsverlauf einer Manie, Patient Johann M.
Franz Kauer zeichnete naturalistisch vor Ausbruch der Psychose
Franz Kauer zeichnete naturalistisch vor Ausbruch der Psychose
Franz Kauer, Zeichnung in der akuten Psychose
Franz Kauer, Zeichnung in der akuten Psychose
Psychiatrie und Kunst Modifikation und Erweiterung der Methode von Karen Machover Navratil verwendete weißen Karton (Postkartenformat) statt Schreibpapier Begründung: 1 Karton hat größeren Aufforderungscharakter als Schreibpapier 2 Schreiber bemühe sich mehr 3 kleines Format überfordert nicht reine Bleistiftzeichnung, auch Verwendung von Tusche und Feder bei Patienten, wo ihn künstlerische Möglichkeiten interessierten: von A6 -> A5 -> A4 -> 30 x 40 cm -> ganze und halbe Bögen weißes Packpapier weitere Aufgabenstellungen, wie Tier und Sonne zeichnen am Schluss nur noch: "Zeichnen Sie bitte irgend etwas!" Erinnerung an ein Erlebnis im Delirium tremens patient21-k.jpg Beschreibung vom Patienten: in Luft hingen Ringe, Männer seien gekommen, hätten lange Stangen getragen, die Aufgabe gehabt, mit den Stangen in die Ringe hineinzufahren Delirium tremens: ernste und potenziell lebensbedrohende Komplikation bei länger Alkoholkrankheit dar Halluzinationen haben starken Realitätscharakter, keine kritische Distanz erlebten Sinnestäuschungen sind von höchster Evidenz (Wahrheitsanspruch) nach Delirium bleiben Erlebtes für einige Tage in Erinnerung, werden noch danach für objektive Wirklichkeit gehalten ("Residualwahn") bei akuten Psychosen Stellung der Aufgabe täglich dadurch Bild des Behandlungs- und Heilungsverlaufes sichtbar Zeichnungen im Behandlungsverlauf einer rezidivierenden endogenen Depression, Patient Lorenz E. patient22-k.png endogen: innen entstanden; infolge veränderter Stoffwechselvorgänge im Gehirn Gehirn 1 im unbehandelten Zustand: menschliche Figur nur wenige Millimeter großer Kopffüßler 2 nach Einleitung antidepressiver Behandlung: Figur wuchs langsam 3 Depression geschwunden: große Figur Kleinheit allerdings kein obligates Merkmal Depression Zeichnungen eines Tieres im Behandlungsverlauf einer Manie, Patient Johann M. patient23-k.png Abklingen der Manie durch Motivwahl erkennbar Tiere wurden immer kleiner und harmloser Stier -> Schwein -> Ziege -> Katze Ramses -> Taube Patient wurde nach Entlassung jedoch depressiv und brachte sich um rückblickend betrachtet: Depression kündigte sich in Zeichnungen an laut Navratil kündigen sich seelische Veränderungen in Zeichnungen an, bevor sie klinisch erfassbar sind Franz Kauer zeichnete naturalistisch vor Ausbruch der Psychose patient24-k.jpg Franz Kauer, Zeichnung in der akuten Psychose patient25-k.jpg Patient taubstummer Analphabet vor Ausbruch einer lang andauernden akuten halluzinatorischen Psychose, während Behandlungs- und Heilungsverlauf und nach Abklingen Psychose beobachtet zunächst zeichnete Patient nach Vorlagen und Natur nach Ausbruch Psychose wandte er sich von Realität ab, zeichnete ausschließlich aus Fantasie heraus hoher Symbolgehalt, originelle Formen, große Expressivität nach Heilung wieder Motive seiner Umwelt eingeflossen im Abschlussbericht: "Der 'Künstler' in ihm war die Psychose"