× Aufzeichnungen eines Kunststudenten. Subjektiv. Unvollständig. Nicht fehlerfrei. Dies ist die Niederschrift zu meinem Kunststudium an der HGB Leipzig.
Folgend einige Hinweise dazu:

(1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten. Dabei ist alles von Interesse, was mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner eigenen Arbeit im Speziellen zu tun hat.
(2) Fehlerhafte Informationen sind – ungewollt – Teil der Notizen. Sie sind meinem Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen und schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(3) Zitate sind nur hinterlegt, wenn ich mir sicher bin, dass es so gesagt wurde. Die Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig.
(4) Meine künstlerische Arbeit hat größtenteils die Suche und den Zweifel zum Thema. In Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten nehme ich dessen Ansichten wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

Leipzig, den 13. Dezember 2016
Redigierte Fassung vom 25. Mai 2018


Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig
Metamorphose des Narziss, Öl auf Leinwand, 1937, 58,8 x 76,2 cm, Salvador Dalí (The Tate Gallery, London)
Metamorphose des Narziss, Öl auf Leinwand, 1937, 58,8 x 76,2 cm, Salvador Dalí (The Tate Gallery, London)
Narziss (Selbstporträt), Zeichnung 1947/48, Lucian Freud
Narziss (Selbstporträt), Zeichnung 1947/48, Lucian Freud
1 x Wort "(utopisches) Moment Moment " Hausarbeit (wird noch geschickt) Narzissmus Narzissmus und Kunst 1 Salvador Dalí und Sigmund Freud Sigmund Freud Metamorphose des Narziss, Öl auf Leinwand, 1937, 58,8 x 76,2 cm, Salvador Dalí (The Tate Gallery, London) metamorphosenarziss-k.jpg 1938 zeigte Dalí es dem damals 82-jährigen Sigmund Freud Dalí folgte schon seit Studientagen dessen Lehren hoffte auf psychische Analyse Freud über das Bild: "In klassischer Malerei suche ich nach dem Unbewußten - in einem surrealistischen Gemälde nach dem Bewußten." seine Meinung über Surrealisten Surrealismus bis dato: Narren geänderte Meinung: "daß es in der Tat sehr interessant wäre, die Entstehung eines solchen Bildes analytisch zu erforschen." Begriff Narzissmus in unsere heutige Sprache nicht durch Ovid gelangt, sondern durch Freud popularisierte Begriff im Aufsatz "Zur Einführung des Narzissmus", 1914 Narzissmusbegriff im Zusammenhang mit der Libido (Triebenergie-Theorie) entwickelt Definition: "Die der Außenwelt entzogene Libido ist dem Ich zugeführt worden, so daß ein Verhalten entstand, welches wir Narzissmus heißen können" in früher Kindheit befindet sich Mensch in "narzistischem Stadium" Mensch zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Lage Beziehung zur Außenwelt aufzubauen = alle vorhandene Libido wird dem eigenen Ich zugewandt Später lernt Kind, libidonöse Beziehungen zur Außenwelt aufzunehmen (beispielsweise Eltern) überwindet damit "primären" Narzissmus Sekundärer Narzissmus = unter ungünstigen Bedingungen kann es geschehen, dass Mensch Libido wieder von Objekten abzieht und erneut dem eigenen ich zuwendet = wird als krankhafte Entwicklung aufgefaßt Freud Meinung, dass jeder (auch gesunde Mensch) zeitlebens in bestimmtem Maß narzisstisch bleibt definiert weiter: Narzissmus sei "libidinöse Ergänzung zum Egoismus des Selbsterhaltungstriebes" starker Egoismus schützt vor Erkrankung "[…] aber endlich muß man beginnen zu lieben, um nicht krank zu werden, und muß erkranken, wenn man infolge von Versagung nicht lieben kann." Dalí: mußte lernen gesamten Ängste (vor allem auch sexuelle Ängste) in Bezug auf Beziehung zu überwinden "Deshalb 'heilte' ihn Gala, da er lernte zu lieben" Zustand der Verliebtheit ist laut Freud gleichzusetzen mit Aufgabe eigener Persönlichkeit Aufgabe der Ichlibido oder schlicht dem Egoismus bzw. dem Narzissmus notiert Bei Dalí scheint mir das Bild autobiografisch zu sein. Er versucht sich jedoch nicht als der sich selbst liebende Schönling darzustellen, sondern versucht zu verstehen, wie es um ihn im Sinne Freuds bestellt ist. Stellt dabei auch Verbindung zu Gala her, die ihm helfen könnte, aus dem Narzisstischem Stadium zu entkommen. 2 Dalí und Lacan Jacques Lacan (1901 - 1981, französischer Psychiater und Psychoanalytiker) bekannt durch Neuinterpretation der Schriften Sigmund Freuds "Theorie der Ichidentitätsbildung per 'Spiegelstadium'" laß von Dalí Schrift über paranoisch[geistesgestört]-kritische Methode Lacan besuchte daraufhin Dalí "seine Sicht der Paranoia wurde durch diese Treffen beeinflußt, 'selbst wenn er es nie zugestand'" beschreibt Spiegelstadium: "Das ist das ursprüngliche Abenteuer, in dem der Mensch zum erstenmal die Erfahrung macht, daß er sich sieht, sich reflektiert und sich als anders begreift, als er ist - die wesentliche Dimension des menschlichen, die sein ganzes Phantasieleben strukturiert." Der Mensch sieht sich selbst und reflektiert sich indem er über sich selbst nachdenkt, findet keine Einheit statt, sondern Spaltung (Ich im Sinne eines "Ich ist ein anderer") Lacan behauptete: "Das Ich (je=das wahre Subjekt des Menschen) ist nicht das ich (moi=Ort des imaginären Erkennens)" durch Spiegelstadium wird sich das Ich seiner selbst bewußt, daß es existiert schon Kleinkind winkt sich im Spiegel Spiegelbild zu und erkennt sich Jedoch Mensch macht von sich selber ein imaginäres Bild, der Illusion Illusionsmalerei des Eins-Sein-wollens und wird im Spiegel mit einem anderen gespaltenem Bild konfrontiert Wechselspiel von Sich-Erkennen und Verkennen, von spiegelverhafteter Faszination und Aggression = zentrale Thema des Mythos Mythos des Narziss Narziss versucht mit Spiegelbild eins zu werden, als "Liebender und Geliebter oder als Ersehnter und Sehnender" "[…] er sieht sich da, wo er selbst nicht ist, im Spiegel des Teiches." "[…] obwohl er weiß, daß diese auch den Tod Sterben des anderen fordert: doch jetzt sterben wir beide, vereinigt in einem einzigen Hauche." 3 Lucian Freud (1922 - 2011, britischer Maler) Enkel von Sigmund Freud Narziss (Selbstporträt Selstbildnis ), Zeichnung 1947/48, Lucian Freud lucian-k.jpg in Frontalansicht, eigenen Kopf auf Hände aufstützt, spiegelnd Spiegelbild in Augenhöhe abgeschnitten man erkennt nicht, in was er sich spiegelt Blick starrt auf Spiegelbild, sieht Betrachter nicht an Interpretation: stellt sich in diesem Selbstporträt nicht im klassischen Sinne des Sujets dar Er zeigt sich reflektierend über sich selbst Lucian Freud setzt sich durch Betitelung mit Narziss gleich und offenbart so seine Gespaltenheit