



Samstag, 13. August 2016
Psychiatrie und Kunst Versuchsanordnung (nach Machover) "Personality Projection in the Drawing of the Human Figure", Karen Machover betrachtet Zeichnung menschlicher Figur, auf Aufforderung hergestellt, als provozierte kreative Leistung nimmt an, dass individuelle Nöte und Konflikte zum Ausdruck kämen Versuchsanordnung: 1 Person erhält Blatt Papier und mittelweichen Bleistift "Bitte zeichnen Sie eine menschliche Figur!" 2 Frage nach Geschlecht, Bekleidung usw., keine Stellung einnehmen 3 nach Fertigstellung Aufforderung anderes Geschlecht zu zeichnen (für interessante Interpretationsmöglichkeiten) Gisela Schmeer, Psychoanalytikerin: "Das bildnerisch Gestaltete sieht nämlich stets anders aus als das, was wir uns beim Zuhören vorgestellt hatten […]. Kein noch so versierter Analytiker kann exakte Voraussagen machen darüber, was sein Patient aufs Papier bringen wird" Mensch, Patient W. J., 67 Jahre alt
Patient W. J. nach Selbstmordversuch eingeliefert, Diagnose Alkoholhalluzinose wollte sich mit Veredelungsmesser (Weingartenarbeiter) Leben nehmen Patient hatte hochgradige Angst, fühlte sich verfolgt, hörte Stimmen, die drohten, ihm die Zunge umzudrehen und Augen auszustechen Alkoholkranke: oft Schluckakt und somit Hals mit Schuldgefühlen besetzt in Zeichnung durch langen Hals sichtbar Mensch, Karl H.
Zeichnung im akuten schizophrenen Zustand hergestellt Schizophrenie Symptome u. a.: Wahn, Hallzuinationen, Störungen des Ich-Erlebens (u. a. eigene Handlung wird als von außen gesteuert empfunden), desorganisiertes Sprechen, formale Denkstörungen, desorganisiertes Verhalten schizophrene Patienten geben manchmal bei Zeichnungen auch innere Organe wieder Merkmal kommt fast nur bei psychotischen Patienten vor (mit zeitweiligem weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs) Bild "Zeichnung eines schizophrenen Mörders, der den Auftrag hatte, einen Menschen zu zeichnen. Reine Umrisszeichnung, 'geisterhaft', gemischtes Profil." alkoholkranke Patienten: 1 meist weiche, schwache, abhängige Menschen 2 Mutter in Partnerin gesucht, eventuell sexuell versagt 3 fehlende Anerkennung, in Männergesellschaft gesucht 4 fehlende mütterliche Verwöhnung durch Alkohol Alkohol ersetzt Zeichnungen eines alkoholkranken Mannes
weibliche Figur in Zeichnungen "meist größer, stärker, schmollend, schimpfend oder strafend, jedenfalls dominierend wiedergegeben" viele Patienten Meinung, dass Ehe "sehr gut" sei, wogegen deren Frauen Scheidungsgedanken tragen auf Nachfrage: Ehefrau habe "ein gutes Mundwerk", immer das letzte Wort haben müsse, zu Hause das Regiment führe eigene Einschätzung: gutmütig und nachgiebig "Ich schlucke lange Zeit alles hinunter, dann nehm' ich meinen Rock und geh'." "Zeichnung eines alkoholkranken Mannes" (Frau schaut recht bösartig aus, Mann zart) Zeichnungen eines alkoholkranken Mannes
Patient gab männliche Figur als Kind, weibliche als erwachsene Person wieder Zeichnungen Alkoholkranker unterscheiden sich in Art der Ausführung nicht von Zeichnungen Gesunder Neurose ruft keine gewaltigen Veränderungen im bildnerischen Ausdruck wie Psychose hervor Neurose: seit Freud Sigmund Freud als leichtgradige psychische Störung verstanden, durch Konflikt verursacht Psychose: schwere psychische Störung, zeitweiliger weitgehender Verlust des Realitätsbezugs "Die Neurose äußert sich im Inhalt, die Psychose in der Form der Zeichnung" Neurotiker verleugnet Realität nicht, deshalb behält Zeichnung konventionelle Formen bei Psychotiker verleugnet Realität, in Zeichnungen können widersprechende neue Formen und Deformationen auftreten