[X] Aufzeichnungen eines Kunststudenten
2012-2018
Subjektiv, unvollständig, nicht fehlerfrei. (1) Ich möchte niemandem schaden. Ich möchte aber meine Studienzeit in all seinen Facetten festhalten.
(2) Mich interessieren dabei lediglich Informationen, die mit dem Studium an der Hochschule, mit Kunst allgemein und mit meiner künstlerischen Arbeit im Speziellen zu tun haben.
(3) Rechtschreibfehler und Fehlinformationen sind ungewollt Teil der Notizen geworden. Sie sind meinem aktuellen Wissensstand, der Konzentration in stundenlangen Sitzungen, meinen Ohren und den temporären schlecht lesbaren handschriftlichen Notizen geschuldet.
(4) Zitate sind nur markiert, wenn ich mir sicher bin, dass es genau so gesagt wurde. Da ich mich keines Aufnahmegerätes bediene, sind die Zitate natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist nicht böswillig. Es sind Äußerungen, die ich zum Beispiel sympathisch fand. Darüber dürfen sich Zitierte freuen!
(5) Ich bin auf der Suche. Die Frage Was ist Kunst? spielt in meinem Studium eine große Rolle. Auch meine künstlerische Arbeit hat immer die Suche und den Zweifel zum Thema. Deshalb nehme ich gerne in Einzelgesprächen mit Professoren, Werkstattleitern und Dozenten deren Sicht wahr und verarbeite diese später in den Notizen. Nur deshalb bin ich jetzt da, wo ich stehe. Wenn ich einen Hochschulangestellten also mit seiner Meinung darstelle, darf er sich freuen, aktiver Teil meiner künstlerischen Entwicklung zu sein.

Klasse Bildende Kunst
HGB Leipzig

Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst

Klasse Bildende Kunst Vorstellung Ideen / Entwürfe f. Arbeit im Bowling-Treff notiert anstatt mit Collage als Ausgangsmaterial zu arbeiten, Bereiche im Gebäude / am Gebäude fotografisch festhalten u. diese einzeln verwenden ist f. Betrachter nachvollziehbarer (je nach Abstraktionsgrad) auch mit Garn (ähnlich grellen Neonröhren) ausprobieren notiert Abzüge mit Geraden im Zentrum aneinanderreihen ("roter Faden") / in große Polygon-Installation verwandeln notiert Stadtarchiv aufsuchen, Originalfotos Bowling-Treff sammeln Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst (nicht besucht)
Klasse Bildende Kunst Klassentreffen zur geplanten Ausstellung Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst Notizen Kommilitone zu FORT Künstlergruppe seit 2008 Alberta Niemann (*1982), Jenny Kropp (*1978), Anna Jandt (*1980) reale Zustände u. Situationen subtil mit fiktiven u. konstruierten Elementen vermischen Performances u. Installationen mit narrativem Element Versatzstücke aus Film u. Fiktion, surreale Momente (traumähnliche Zuspitzung) THE GOLDEN RULE (Galerie Lena Brüning, Berlin, 2010) leerer Ausstellungsraum, in dem Song "School" von Supertramp in Endlosschleife läuft vor Galerie ein inszeniertes Déjà-Vu: Passanten scheinen im Rhythmus der Endlosschleife stets wieder vor den Fenstern der Galerie aufzutauchen und dasselbe zu tun (wie Mann trägt Kaktus vorbei, Gruppe von Fußballspielern joggt entlang) LECK (Galerie Crone, Berlin, 2012) August 2012 wurde letzte Filiale der Drogeriemarktkette Schlecker / Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte geschlossen: "Überall in Deutschland, ob in Großstädten, Kleinstädten oder Dörfern, zeugen für kurze Zeit tausende verwaiste Schlecker-Läden mit ihren leeren Regalen und nackten Wänden von diesem Verschwinden." Wiederaufbau kompletter Einrichtung in Galerie Weniger Auseinandersetzung mit dem Ready-Made an sich Nutzung für starkes Bild (Dystopie, Apokalypse), brachialer (kalter) Realismus Konsumkritik / Systemkritik, Display f. weitere zahlreiche (imaginäre) Ready-Mades Chris Marker (1921-2012) Found Footage, Objekt Trouve, Readymade-Film / Verfremdung u. Wiederaneignung (vorzeitig gegangen)
Eaten by Marcel Duchamp, 1964, Daniel Spoerri
"Eaten by Marcel Duchamp", 1964, Daniel Spoerri
Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst Daniel Spoerri (*1930, schweiz. Künstler, Vertreter Objektkunst, Mitbegründer Künstlergruppierung Nouveau Réalisme, gilt als Erfinder Eat-Art) Einbindung Zuschauer anfangs in Theater / später in Zeitschrift Multiple / Edition MAT (3 Editionen gesamt) mit nicht statischen Kunstwerken wollte unbekannte u. bekannte Künstler zusammenbringen, Duchamp einbezogen Tinguely mit "virtuellen Skulpturen" (durch Rotieren v. Fäden u. mitgebrachten Dingen v. Besuchern, die eingespannt wurden) Einheitspreis bei 1. Edition Duchamp Rotoreliefs nicht von Duchamp zum Kunstwerk erklärt, unlimitiert Frage d. Originals in Frage gestellt durch (günstige u. unlimitierte) Multiples Auflage 1. Edition: mussten beweglich sein gleich hergestellt, aber durch Beweglichkeit unterschdl. Erscheinungen erzeugt (bleiben dadurch "Originale") 1960: Gruppe "Die neuen Realisten" erhabenen Status d. bildenden Kunst überwinden mit neuen Techniken u. Materialien Kunst in Leben integrieren Spoerri Fallenbilder ("Der Realität wird eine Falle gestellt") "Eaten by Marcel Duchamp", 1964, Daniel Spoerri spoerri-duchamp.jpg legte keinen Wert auf schöpferische Leistung Realität (nicht gestellt) an Wand hängen / in Vertikale "Fallenbild im Quadrat" (mit seinen Arbeitsmaterialien) "Falsche Fallenbild" (Simulation Situation) "Lizenz-Fallenbild" (von Dritten ausgeführt, Lizenz dafür verteilt notiert Ist alle Kunst im Grunde ready-made?
7 Exemplare v. Fresh Widow, Duchamp, Elaine Sturtevant © Estate Sturtevant, Foto Thomas Griesel
7 Exemplare v. Fresh Widow, Duchamp, Elaine Sturtevant © Estate Sturtevant, Foto Thomas Griesel
Flag (Originalarbeit), 1954-55, Jasper Johns
Flag (Originalarbeit), 1954-55, Jasper Johns
coal-bags v. Duchamp (mit Arbeiten surrealistischer Künstler), 1938
coal-bags v. Duchamp (mit Arbeiten surrealistischer Künstler), 1938
Porträt Allie Mae Burrough, Walker Evans o. Sherrie Levine
Porträt Allie Mae Burrough, Walker Evans o. Sherrie Levine
Rechtsstreit Art Roger / Jeff Koons
Rechtsstreit Art Roger / Jeff Koons
Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst Elaine Sturtevant (1924-2014, US-amerik. Künstlerin d. Appropriation Art) hinterfragt durch Wiederholung von Kunstwerken das traditionelle Verständnis d. künstl. Schaffensprozesses sowie Kunst hinsichtlich Originalität, Autonomie und Autorenschaft Wiederholung v. vorh. Kunstwerken (mit hohem Bekanntheitsgrad) 7 Exemplare v. Fresh Widow, Duchamp, Elaine Sturtevant © Estate Sturtevant, Foto Thomas Griesel sturtevant.jpg kehrt sie um (Künstler wird zum Betrachter, sie - vormals Betrachterin - zur Künstlerin) Der Künstler wechselt die Seite kopierte u.a. Jasper Johns Flag Flag (Originalarbeit), 1954-55, Jasper Johns jasper-johns.jpg 1965 1. Ausstellung in NY, Bianchini Gallery kopierte Oldenburg Store (Claes Oldenburg, *1929, amerik. Pop Art) Urinal u. Fahrradrad v. Duchamp kopiert (Urinal nach einzig erhaltenen Abb. e. Fotografie) coal-bags v. Duchamp (mit Arbeiten surrealistischer Künstler), 1938 coal-bags-k.jpg nicht kopiert, anders vervollständigt (Duchamps "Retrospektive" wird inszeniert) ready-made als Multiple überhaupt mgl.? Sherrie Levine (*1947, US-amerik. Fotografin u. Konzeptkünstlerin, Appropriation-Art-Bewegung) (wenige biograph. Daten zur Person, da sie sich "nicht an 'Mythenbildung' im Kunstbetrieb beteiligen möchte") Fotografien von Walker Evans aus Katalog abfotografiert u. gerahmt (1981 veröffentlicht) Porträt Allie Mae Burrough, Walker Evans o. Sherrie Levine allie-mae-burrough.jpg suchte nach rad. Angriffspkt. d. Kunst kopierte nicht Originale sondern Abdrucke jener Junggesellen von Duchamps "Großes Glas" "herausgenommen", 3-dimensionale Körper umgewandelt u einzeln in Vitrinen ausgestellt (nur die Form) "Fountain Buddha": Urinal in Bronzeguss "Ihr wollt doch nur solche Sachen verkaufen!" (Daniels) Gedanke d. Aneignung: Richard Prince (1949, amerik. Maler u. Fotograf, Vertreter d. Appropriation Art) inszenierte Werbefotos fotografiert / "Re-Fotografien" Joke-Paintings Autogrammkarten-Serie (Porträts v. Berühmtheiten gedruckt u. selber signiert) Frage d. Schöpfungshöhe Jeff Koons Rechtsstreit Art Roger / Jeff Koons art-roger-jeff-koons-k.jpg "Made in Heaven" Staubsauger-Serie Damien Hirst (Vortrag Armleder gehalten)
Brief an Suzanne Duchamp, circa 15. Januar 1916, Jean Crotti Papers, Archives of American Art, Smithsonian Institution, Washington DC
Brief an Suzanne Duchamp, "circa 15. Januar" 1916, Jean Crotti Papers, Archives of American Art, Smithsonian Institution, Washington DC
Ema (Akt auf einer Treppe), 1966, Gerhard Richter
Ema (Akt auf einer Treppe), 1966, Gerhard Richter
Ausstellungsansicht Forest © ProLitteris / Foto André Morin
Ausstellungsansicht "Forest" © ProLitteris / Foto André Morin
READYWEB: HÉRISSON, Pierre Granoux
READYWEB: HÉRISSON, Pierre Granoux
o.T. (Notizen der letzten 2 Tage) weiß grundierte Holzplatte (53x43cm) in Leerrahmen befestigt mit Blaupapier Richtungen d. Geraden auf Holzplatte skizziert Garn mit Klebeband an Rändern fixiert später Garn mit Kleber auf Oberseite d. Rahmung fixieren und Enden abschneiden Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst Vorbereitung Referat Kurs Jahrhundert des Readymade 1913 Duhamp Frage aus Notizen: "Kann man Werke machen, die nicht Kunst sind?" Videoausschnitt Interview Duchamp "[…] the word did not exist - the thought did not exist […]" Brief an Suzanne Duchamp, "circa 15. Januar" 1916, Jean Crotti Papers, Archives of American Art, Smithsonian Institution, Washington DC readymade-marcel-duchamp-brief-k.jpg 1. Erwähnung Begriff "readymade" durch Marcel Duchamp für seine "schon fertigen" (tout fait) Kunstwerke "Nun, wenn Du hinaufgegangen bist, hast Du in meinem Atelier das Rad eines Fahrrads und einen Flaschentrockner gesehen. - Ich habe das als eine bereits fertige Skulptur gekauft." "Hier in New York habe ich Objekte [Flaschentrockner] desselben Stils gekauft und sie 'readymade' genannt […] - Ich signiere sie und gebe ihnen eine Inschrift in Englisch." "Ich habe zum Beispiel eine grosse Schneeschaufel, auf welche ich unten geschrieben habe: In advance of the broken arm, französiche Übersetzung: Dem gebrochenen Arm voraus - Bemühe Dich nicht zu sehr, dies im romantischen oder impressionistischen oder kubistischen Sinn zu verstehen - das hat damit nichts zu tun; Ein anderes 'readymade' heisst: Emergency in favor of twice mögliche französische Übersetzung: Gefahr (Krise) auf Grund von 2 mal." "Nimm für Dich diesen Flaschentrockner. Ich mache aus ihm ein Readymade aus Entfernung. Du wirst ihn unten und im Inneren des unteren Ringes beschriften, in kleinen Buchstaben, gemalt mit einem Pinsel für Öl in der Farbe silbernes Weiss mit der Inschrift, die ich Dir hier anschliessend gebe und Du wirst ihn in derselben Schrift signieren wie folgend: [nach] Marcel Duchamp." ([nach] in eckigen Klammern v. Duchamp gesetzt) André Breton (1896-1966, frz. Dichter, Schriftsteller u. wichtigster Theoretiker d Surrealismus) André Breton Definition Ready-mades in Le Phare de la Mariée: "Vorfabrizierte Objekte, die die Würde eines Kunstwerks erlangt haben durch die Wahl des Künstlers." 1931 1. surrealistische Ausstellung in d. USA 1. Ausstellung des Flaschentrockners (in Vitrine): "Exposition Surréaliste d’Objets", 1936, Galerie Charles Ratton, Paris (legte besondere Bedeutung auf Objektkunst, berief sich auf Primitivismus, Fetische u. math. Modelle) sollte als Vorläufer für Objektkunst präsentiert werden Katalog erschienen, mit u.a. folgenden Kategorien: Objets Naturels, Objets Naturels Interprétes, Objets Naturels Incorporés, Objets Pertubes, Objets Trouvés (von einer ganzen Reihe von Surrealisten, nur die Namen der Finder sind aufgelistet, keine Stücke oder Titel, dadurch klar Unterscheidung zum Ready-made) Objets Trouvés Interprétés (werden einzeln mit Titel aufgeführt, aber nicht als Werk sondern je als "gehörend zu", z.B. "La varlope, appartient à Man Ray"), Objets Americains (von Eskimos, aus Peru etc.), Objets Océaniens, Objets Mathématiques, Ready-made et Ready-made aidé (hier als einzige Werke: Marcel Duchamp, Flaschentrockner, 1914; Marcel Duchamp, Why not sneeze), Objets Surréalistes (grösste Gruppe, hier u. a. : Marcel Duchamp, La bagarre d`Austerlitz, 1921). 2. Präsentation: Fotografie von Man Ray publiziert in "Boîte-en-valise", 1935-1941 (siehe auch 17.4.) Ausstellung "Übrigens sterben immer die anderen. Marcel Duchamp und die Avantgarde seit 1930", 1988 (Daniels stellt eigenen Flaschentrockner aus) Ema (Akt auf einer Treppe), 1966, Gerhard Richter akt-auf-einer-treppe.jpg Ulf Linde stellte Kopie vom "Großen Glas" her, baute Flaschentrockner nach (von Duchamp signiert) Duchamp signierte einige Flaschentrockner, die ihm gegeben wurden Flaschentrocker als Multiple 1964 herausgebracht "do-it-yourself": Brief an Werner Hofman, 1962 (erhält von Duchamp d. Antwort, er könne sich den Flaschentrockner für das Museum im Bazar de l'Hotel de Ville in Paris besorgen) Erwähnung Flaschentrockner in Comic-Welt "Forest", 2008-2009, Bethan Huws (88 Flaschentrockner und Neon) Ausstellungsansicht "Forest" © ProLitteris / Foto André Morin bethan-huws.jpg "Rack", 2009, Kendell Geers (metal, beer bootles) READYWEB: HÉRISSON, Pierre Granoux pierre-granoux-k.jpg ready-made-Buch mit Internetabbildungen von Flaschentrocknern notiert Bilderwolke mit "Flaschentrockner"/"bootle dryer" (Google-Bildersuche), ohne Bezug zu "Duchamp", "Marcel", "readymade", "art" Flaschentrockner wird zu abstraktem Einrichtungsgegenstand / zur Dekoware (anders beim Urinal)
Transportkiste mit 36 zerlegten Stühle inkl. Schrauben
Transportkiste mit 36 zerlegten Stühle inkl. Schrauben
Fließbandarbeiter, um 1913 in Automobilfabrikation v. Henry Ford
Fließbandarbeiter, um 1913 in Automobilfabrikation v. Henry Ford
Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst (Vorbereitung f. Referat) bisher zugeordnet 1 Urinal: Urinoir, Duchamp, 1917 2 Flaschentrockner: Porte-Bouteilles, 1914, Duchamp 3 Fahrrad: Marcel Duchamp, Roue de Bicyclette, 1913 4 Autoreifen: Sylvie Fleury, Fountain PKW Yard, 1961, Allan Kaprow 5 Tasse (allerdings ohne Fell): Meret Oppenheim, 1936 6 Schneeschaufel: Marcel Duchamp, In Advance of the Broken Arm, 1915 7 Stuhl: Conversation, Ange Leccia, 1987 Bertrand Lavier, Charles Eames Peinte, 1991 Joseph Kosuth, One and Three Chairs, 1965 8 Kleiderbügel: Man Ray, Equation-Obstruction, 1920 9 Hammer, Flasche: Man Ray, Le Manche dans la Manche, 1921 10 Waschmittelboxen: Brillo Boxes, Warhol, 1964 11 Filzrolle: Beuys, um 1960 12 Baskettball: Du Neo Geo de Ben, Ben Vautier, 1986 Jeff Koons, Basketball, 1985 13 Staubsauger: Jeff Koons, New Hoover Convertibles, 1981 u. 1987 Jeff Koons, New Hoover Convertibles, 1984 Jeff Koons, New Hoover De Luxe Shampoo Polishers, 1980 u. 1986 14 Eimer: Jeff Koons, Pail, 1986 15 Kühlschrank: Bertrand Lavier, Brandt Haffner, 1984 Betrand Lavier, Potsdamer Platz o. Zanussi, 1996.jpg 16 Fernsehgerät (ohne Nägel): Günther Uecker, TV auf Tisch, 1963 17 Besen: Jasper Johns, Fools House, 1962 18 Neonröhre: Jasper Johns, Lightbulb, 1960 Jasper Johns, Flashlight, 1960 Dan Flavin, the diagonal of may 25, 1963 (to Constantin Brancusi), 1963 19 Coca Cola: Clive Barker, Two Cokes, 1968 20 (Wand)uhr: Arman, Paradoxe du Temps, 1960 21 Teebeutel (laut Beschreibung): Tiravanijas, 1998 22 Kuscheltier: Bertrand Lavier, Teddy, 1994 Kurs Jahrhundert des Readymade Begriff "ready-made" fertig von der Stange, gebrauchsfertig, konfektioniert, Fertigware, ready-made solution (Schubladenlösung) industrielle Produktion ohne spezieller Nachfrage (wartet auf Käufer) 1 Produktion auf Vorrat / in Erwartung eines Absatzes Friedrich Gottlob Hoffmann (1741–1806, Leipziger Kunsttischler) 1. Möbelkatalog (1789): Bestellung nach Größe u. Holzsorte 2. Möbelkatalog (1795): Lieferung unverzügl. in AUssicht gestellt, meiste Stücke vorrätig Transportkiste mit 36 zerlegten Stühle inkl. Schrauben thonet-stuhl.jpg Michael Thonet (1796-1871, dt. Tischlermeister u. Gründer d. Gebrüder Thonet Bugholzmöbel-Fabrik) modulares System: Montierung Stuhl Nr. 14 (heute 214) vor Ort Prinzip IKEA: Verlagerung d. arbeitsintensiven Endmontage an Konsumenten 2 Serienfertigung zur Preisreduktion Fließbandarbeiter, um 1913 in Automobilfabrikation v. Henry Ford fordismus-k.jpg "Fordismus" Gegentrend: Customisation Versprechen auf Individualität "Build your own BMW" Gegeneffekt: Ausfransen von Markenidentität durch Ausweitung d. Produktpalette Kofigurations-Stress als Konsumhinderniss Duchamp 1915/16 v. Paris nach NY (wg. Weltkrieg) Präfabrikation d. Ware in USA viel weiter fortgeschritten als in Europa (Kulturschock Duchamp?)
Furniture Sculpture/Untitled painting, 1988-2000, 231x231x125cm, Stühle aus Bali
Furniture Sculpture/Untitled painting, 1988-2000, 231x231x125cm, Stühle aus Bali
Installationsansicht, John Armleder © Tate Liverpool, 2006
Installationsansicht, John Armleder © Tate Liverpool, 2006
Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst (Vorbereitung f. Referat, siehe auch Besuch Galerie Karin Sutter , Basel, 27.2. mit kreisförmigem Spiegelabdruck u. schwarz gepunkteten Flächen) notiert Galeristin E-Mail geschrieben mit Frage nach Titel u. Jahresangaben d. gezeigten Arbeiten aktuell Arbeiten in Zürich u. Basel John Michael Armleder (*1948, schweiz. Konzeptkünstler, Performance- und Objektkünstler, Maler, Bildhauer u. Kunstkritiker) entwickelt minimale Eingriffe u. raumfüllende Installationen Auftritte als Musiker und mit Happenings in den 1960er (von John Cages beeinflusst) an Fluxus-Aktionen beteiligt 1969 Gründung der Fluxus-Bewegung nahestehenden Künstlergruppe Ecart mit Patrick Lucchini u. Claude Rychner produzierten u.a. Super-8 Filme Furniture Sculpture/Untitled painting, 1988-2000, 231x231x125cm, Stühle aus Bali furniture-sculpture-k.jpg "Wenn die Künstler verschwänden, würde die Kunst von anderen gemacht, mit einem anderen Bewusstsein, anderen Mitteln und anderen Materialien. Der Künstler als Individuum erfüllt lediglich eine Funktion. Er dient als Werkzeug […]" (Interview mit Christian Bernard u. Françoise Ninghetto) "Möbel-Skulpturen": malte Gouache auf Stuhl (unter Namen "Furniture Sculpture" zu Markenzeichen geworden) aus "Groupe Ecart" ging "Galerie Ecart" hervor (1973-1980) Galerie Ecart veranstaltete Ausstellungen und Performances von u.a. Beuys, Cage u. Warhol in Genf Ende 1970er entfernte er sich von Fluxus-Bewegung begann reduzierte, flächige, am Minimalismus orientierte Bilder zu malen neben Leinwand Lochplatten u. alte Möbelstücke als Malgrund Rauminstallationen: abstrakte Bilder in Verbindung mit gebrauchten Wohnungseinrichtungen entwickelt in den 1980er die "Furniture Sculptures" (greift Fragen des Ready-made auf) A 1987 kaufte er gebrauchtes Wandregal, auf dem mehr als 25 gebrauchte Stühle ausgestellt waren ("FS 172") B 1990 3 Teppichrollen aus Restposten aufrecht hingestellt ("FS 234") nahm "Sylvie Fleury beim Wort, als sie ihn darauf hinwies, dass die Teppichzylinder wie Objekte für eine Ausstellung aussahen. Nach Aussage des Künstlers sein erstes Werk, das er weder produziert noch dazu die Idee hatte." diese u. weitere Arbeiten: beständiges Wechselspiel zw. Kunst u. Leben, zw. High u. Low, zw. Ironie u. Pathos Spiel mit Assoziationen u. Kunstgeschichte Nähe zur Ästhetik von Dada u. Fluxus Installationsansicht, John Armleder © Tate Liverpool, 2006 tate-liverpool-armleder-k.jpg 2005 arrangierte er ausgestopfte Waldtiere, laufende Fernsehgeräte, Spiegel, Blumensträuße, Weihnachtsbäume, Holzscheide, blinkende LCD-Lampen u. Tierfelle gruppierte sie zu irritierenden Rauminstallationen (Tate Gallery, Liverpool ) "abstrakt, reine Form und sonst nichts", Ausstellung "I’m Late, I’m Late, I’m Running For A Date", Galerie Andrea Caratsch, Zürich Grundprinzip des Surrealismus (Magritte) Ausstellungsansichten Galerie Mehdi Chouakri, 2015 Kunstverein Hannover, 2006-2007
Don't do it!, 1997/2000, John Armleder
Don't do it!, 1997/2000, John Armleder
Kunstgeschichte Kurs Jahrhundert des Readymade Einführungsveranstaltung Terminus "ready-made" steht im anglo-amerik. Sprachgebrauch für gebrauchsfertig vorproduziertes, industrielles Produkt in der Kunst schrittweise von 1914-1917 durch Duchamp eingeführt Januar 1916: 1. Erwähnung v. Duchamp in Brief an Schwester parallel verwendeter Begriff (Alltag vs. Kunst) Kurs Praktiken des schon Fertigen in der zeitgenössischen Kunst Künstler / Positionen / Strategien (für Referate) 1 Readymade Re-Appropriation Werke, die sich direkt auf Duchamps Readymades beziehen / re-interpretieren konzeptuelle Appropriation d. Readymades als Kunstgeschichte (statt von Alltagsgegenständen wie bei Duchamp) Vorläufer 1950/1960er: Jasper Johns, George Brecht, Arman, Daniel Spoerri ab 1980er: Elaine Sturtevant, Sherry Levine, Mike Bidlo, John Armleder, Ai Wei Wei, Kendell Geers ab 2000: Pierre Granoux, Bethan Huws, Saâdane Afif 2 Readymade Recouperation krit. Hinterfragung d. Appropriation d. Appropriation (Wiederaufnahme einer Systemkritik in d. System d. Kunst) u.a. Philippe Thomas, Haim Steinbach, Andreas Slominski, Olaf Nicolai, Gruppe FORT, Grupe Famed 3 Readymade Revenue Strategien d. "Commodification" des "schon Fertigen" für Kunstmarkt u.a. Jeff Koons, Damien Hirst, Richard Prince, Sylvie Fleury, Swetlana Heger & Plamen Dejanov, Sylvie Fleury, Christian Jankowsky, Simon Denny 4 Readymade Situations and Environments Rauminstallationen mit vorgefundenen räuml. Ensembles u.a. Guillaume Bijl, Christoph Büchel, Nina Beier, Alicja Kwade, Florian Slotawa 5 Readymade Re-Mediatation Praktiken d. "schon Fertigen" in Film, Video, Internet, Performance u. Konzeptkunst Frage der medialen Transformation d. Originalbegriffs im Digitalen u.a. Chris Marker, Hans Peter Feldmann, Pierre Bismuth, Christoph Büchel, Constant Dullaart 6 Readymade Re-Interpretation ab 2000 Reinterpretationen in vielen Stufen d. Entfaltung, Vervielfachung u. Verfälschung u.a. Maria Eichhorn, Valetin Carron, Matias Faldbackken, Klara Lidén, Mathieu Mercier, Clarie Fontaine 7 Postcoloniale "virale" realdymade Pratiken globale Verbreitung d. Idee Transformierung durch Künstler aus Asien, Südamerika, Afrika in postkoloniale Kontexte Thematisierung globale Warenzirkulation u.a. Ai Wei Wei, Rirkrit Tiravanija, Tobias Rehberger, Danh Vo, Ji Lee, Mariana Castillo Deball, Subodh Gupta, Haegue Yang, Olivier Laric, Cyprien Gallard Don't do it!, 1997/2000, John Armleder john-armleder-k.jpg Vortrag über John Armleder übernommen "Don't do it!", Essamble vieler ready-mades setzt sich in Bildern, Objekten, Installationen, Skulpturen mit Stilen, Dogmen und Ismen d. Kunst d. 20. Jhd. auseinander paraphrasiert, zerstört und definiert neu Don’t do it! versammelt berühmtesten Readymades (u.a. Duchamps Urinoir, Warhols Waschmittelboxen, Beuys Filzrollen, Tiravanijas Teebeutel Verabschiedung d. Originalbegriffs in d. Kunst möchte das Essentielle u. wahrhaft "originelle" künstlerischen Denkens in den Blick rücken