



Mittwoch, 31. Mai 2017
Studienreise Athen 2017 documenta 14 Athener Konservatorium Transparentpapierrolle mit kindlichem Gekrakel, Buntstifte Buntstift Notizen Nr. 1, Konservatorium



- [Aufnahme Anfang.]
- [Auf dem Balkon. Straßengeräusche.]
- Heute war ein sehr guter Tag.
- [Aufnahme Ende.]
- [Aufnahme Anfang.]
- Ich konnte mich mit … äh … einigen Arbeiten, die ich gesehen hatte, in Museen, sehr gut … ähm …
- [Vogelgezwitscher.]
- Also die konnte ich … sehr lange … betrachten.
- [Fahrradklingel.]
- Ich … äh … habe überlegt, woran das liegt.
- [Motorgeräusch.]
- Zum einen … habe ich ja während dessen … also habe ich meine Kamera nicht … äh … mitgenommen.
- Fotokamera.
- Und … ähm … war sozusagen …
- [Hupen.]
- … nicht im Rausch … äh … zu dokumentieren.
- [Vogelgezwitscher.]
- Auf der anderen Seite … verstand ich … äh … die Begleittexte … nicht.
- Sie waren zwar auch teilweise auf Englisch. Aber die habe ich mir dann erst gar nicht … ähm … angesehen.
- [Bremsgeräusch.]
- Und … äh … In den Videos, wenn Englisch oder Französisch oder was auch immer gesprochen wurde, … Griechisch Griechen …, dann … ähm … hatte ich das auch irgendwie nicht … ähm …
- [Lautes Motorengeräusch.]
- … nicht übersetzen können.
- So.
- Das heißt … ähm …
- Die Bedeutung … oder der Sinn hinter den Arbeiten, die der Künstler ihnen gegeben hatte, … ähm … und … äh …
- Oder der Weg dorthin. Über die Sprache. Den hatte ich halt überhaupt nicht … ähm … mitbekommen.
- Ähm … Deshalb waren eigentlich die Arbeiten auch für mich … Ich weiß jetzt nicht, was politisch genau heißt, aber überhaupt nicht … politisch.
- Also keine politische Kunst.
- Ähm.
- [Stahlrohr schlägt irgendwo dagegen.]
- [Bremsgeräusch.]
- [Klick.]
- Und das gefiel mir!
- Also ich habe mich sozusagen wirklich bloß mit dem … ähm … auseinandersetzen können, was ich … äh … wahrnehmen konnte. Was ich sehen konnte.
- Was ich hören konnte.
- [Klick.]
- Und ich habe gar nicht mal versucht irgendwie … ähm … zu überlegen, was … äh … soll damit jetzt gesagt werden.
- Oder … Welche Intention Intention hat der Künstler damit?
- Warum wird das ausgerechnet hier gezeigt?
- Ähm.
- [Vogelgezwischer.]
- Was ist der Hintergrund? Und so weiter.
- Das tauchte überhaupt nicht auf!
- Ich überlege gerade … Gutes Beispiel.
- Na das waren zum Beispiel die … ähm … transparenten … äh … Papierrollen.
- Die von ganz oben … äh … herunterhingen.
- Auf denen kindliche … Kritzeleien … äh … zu sehen waren.
- Ähm.
- Ich denke mal, die sta… die stammen von … äh … richtigen Ki… Kindern.
- Äh … Und nicht von einem Künstler. Davon … davon gehe ich jetzt einfach mal aus.
- Ähm … Ich kann es auch wiederum nicht begründen. Aber irgendwie kam es mir so vor, als wäre das … ach … ich weiß nicht. Ähm.
- Die Zeichnungen schauten halt nicht so aus, als wären sie durchdacht…
- … worden.
- Als gäbe es da irgendwie eine … ähm … na so … ähm … so eine … so einen roten Faden.
- Durch die … äh … Bilder.
- Durch diese Zeichnungen.
- Das heißt, es wird von mehreren Kindern gestammt haben.
- Und … es gab auch … Ich weiß nicht, ob man das Fehler nennt.
- Aber es gab halt … Fehler, die halt … die man nicht machen [Sperren: würde].
- Und gerade die waren aber eben … äh … das Spannende.
- [Vogelgezwitscher.]
- Diese Ungereimtheiten.
- Oder dieses … äh … Pfff … Diese … Das es nicht ausgewogen war.
- Das es … Aber das es gleichzeitig auch keine richtige … äh … Spannung gab.
- Ähm … Ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll. Aber mir kam es so vor, als wären das richtige kindliche Zeichnungen gewesen.
- [Autogeräusche.]
- So. Das fand ich halt … äh … super.
- Egal in welchem Kontext das jetzt eigentlich sein sollte.
- Da waren auch irgendwie … äh … äh … Schulbänke. Und so. Dargestellt.
- Ich glaube auch mit Afrikanern oder so. Ich weiß es jetzt nicht genau. Ähm.
- Ist mir auch eigentlich … echt egal. Sondern ich habe mich halt auf diese Zeichnungen konzentriert.
- Und die waren richtig spannend.
- Habe davon eben auch dann einige … ähm … skizzenhaft übernommen.
- [Motorradgeräusch, kurz darauf Autogeräusch.]
- [Klick.]
- Und selbst als ich jetzt … im … äh … im letzten Museum … äh … einen Schutthaufen … Das war ein Schutthaufen. Ähm. Auf dem … äh … Boden vom Museum gesehen hatte. Was halt irgendeine Arbeit darstellte. Ähm. Ich habe das überhaupt nicht in Frage gestellt.
- Ich habe dann halt den Schutthaufen gesehen.
- Und der war halt … ähm … so wie er war.
- Mit all diesen … ähm … Mit dem Müll. Mit dem Dreck. Der da drinne ist. War halt genau so spannend.
- So. Musste gar nicht mehr und nicht weniger sein. Und ich wollte auch gar nicht wissen, … ähm … was eben die Intention zum Beispiel ist.
- Es ging einfach nur darum: Ich ka… ich sehe etwas. So.
- So wie ich natürlich auch auf der Straße Dinge sehe. Wenn ich mich dahin setze. Habe ich heute auch gemacht.
- An den Straßenrand setzen.
- Und die Leute beobachten.
- [Stimmen von der Straße.]
- Die Mopeds beobachten. Autofahrer. Busse. Fußgänger.
- Das selbe habe ich halt im Museum gemacht.
- So.
- Und da habe ich halt zum einen Parallelen gesehen. Wie zum Beispiel … Müll.
- Ähm … Auf der anderen Seite eben auch Sachen, die man draußen auf den … im Alltag … in der … äh … auf Straßen, in den Szenen dort, … ähm … nicht sehen würde.
- [Lautes tiefes Brummgeräusch.]
- Und. Ja. Das ist sozusagen schon deshalb vielleicht eine Bereicherung.
- Ähm.
- [Brummgeräusch wird lauter.]
- Das …
- Selbst die Arbeiten, die … die aus dem Alltag kommen könnten … Die einfach noch einmal zu sehen.
- Und … ähm … sich darauf einzulassen.
- So wie, wenn man halt draußen auf der Straße … äh … steht. Und die Leute beobachtet.
- So. Mehr muss es vielleicht gar nicht können.
- [Vogelgezwitscher.]
- Und dieses einfach beobachten … einfach … äh … wahrnehmen … [Räuspere mich.] … ohne … ähm … Fragen zu stellen. Auch ganz wichtig!
- Habe ich dann nämlich heute gar nicht gemacht.
- Die kamen aber auch einfach nicht auf.
- Also ich habe nicht so Fragen gestellt: Warum ist das jetzt diese Größe?
- Warum … ähm … diese Farbe?
- Ähm.
- Pfff.
- Ich habe halt etwas gesehen und … äh … habe halt … fand das halt … ja … spannend!
- Ist vielleicht ein blödes Wort. Wieder.
- Aber einfach … spannend. Es mir genauer anzugucken. Die Farbe genauer zu sehen. Ähm.
- Ranzutreten. Ähm. Das hat mir vollkommen gereicht heute.
- Und all diese … Zweifel Zweifel , die ich halt habe, … äh … bei zeitgenössischer Kunst eben. Wie jetzt dieser Müllhaufen dann auf dem Boden.
- Ähm.
- Die kamen [Sperren: überhaupt] nicht auf!
- Also das hat mir halt gezeigt, irgendwie, dass es gar nicht mal … ähm …
- Das dieser Zweifel gar nicht von vorne herein da ist.
- Sondern … Das ist … Der kommt halt bloß auf … ähm …, je nach dem, wie man sich einer Arbeit nähert.
- Und wenn man sich so einer Arbeit nähert, wie ich es in der Hochschule lerne …
- Also bei Klassentreffen, auch schon im Grundstudium.
- Wurden ja die Arbeiten von den Kommilitonen und von mir auch … ähm … durchgegangen. Vorgestellt. Dann Fragen gestellt.
- Und da kam eben so Fragen: Warum hast du diesen Bilderrahmen gewählt?
- Warum … diese Farbe?
- Ähm … Warum diese Größe?
- Was soll das da darstellen?
- Äh … Was ist deine Intention?
- Und so.
- Also diese bohrenden Fragen, die vielleicht … ähm … äh … wichtig sind für den … äh … Studenten, um sich klarer zu werden.
- Über das, was er eigentlich macht.
- Aber die eben überhaupt nicht … ähm … produktiv sind.
- Ähm. Was … was das Betrachten der Arbeit angeht.
- Weil die [Sperren: zerstören] eher diesen … äh … dieses Wahrnehmen.
- Aber genau so zerstören eben … ähm … äh … Begleittexte.
- Finde ich jetzt.
- Ähm … Die Bilder oder die … die Objekte. Die können halt für sich selbst sprechen!
- Und ich habe so langsam das Gefühl, es können sogar [Sperren: alle] Bilder … äh … für sich selbst sprechen.
- So. Ich kann jetzt noch nicht einmal sagen, dass es welche gibt, die gar nichts zu sagen hätten.
- Es gibt [Sperren: immer] was zu sagen.
- Nur ich darf halt nicht … äh … wissen … ähm … was der … was der Künstler damit wollte.
- Oder warum das genau in dieser Ausstellung steht!
- Oder was ist die Thematik? Dieser Ausstellung.
- Denn sowas bringt so eine Arbeit wieder in so eine Richtung, wo ich zum Denken komme.
- Und sobald ich anfange zu denken, kommen eben Zweifel.
- Weil es eingeengt wurde.
- Und wenn es nicht … ähm … eingeengt wird, durch Sprache, durch Begleittext, … ähm … kann ich anscheinend sehr sehr gut mit … äh … zeitgenössischer Kunst, oder mit Kunst allgemein, … ähm … nach weiß ich nicht … also eben seit der Moderne … ähm … sehr viel anfangen!
- Ich lerne nicht … wirklich … äh … jetzt bei den Arbeiten … ähm … etwas.
- Also nicht direkt. Wo ich sagen könnte: Das habe ich da jetzt mitgenommen.
- Oder so.
- Es ist halt einfach ein Erlebnis!
- Anscheinend.
- So … Das ist so wie wenn ich in den Zoo gehe.
- Und ich sehe halt Tiere.
- Dann erlebe ich etwas Neues.
- Etwas Unbekanntes.
- Ähm. Sehe anderen Wesen … ähm … dabei zu, wie sie existieren.
- Und so ist das halt vielleicht bei den … äh … bei … bei Kunst!
- Oder … was als Kunst bezeichnet wird.
- Was der Mensch gemacht hat.
- Was in keine andere Kategorie passt.
- Man kann es sich einfach … halt sich einfach angucken.
- [Frauenstimme.]
- Und … am besten gar keine … bohrende Fragen stellen.
- Diese bohrenden Fragen habe ich natürlich vor allem während der Hochschulzeit jetzt … ähm … beigebracht bekommen.
- Das man sie stellt.
- Ähm. Und die werden höchstwahrscheinlich auch durch die Künstler für sich selbst eben … äh … gestellt werden.
- [Autogeräusch.]
- Weil sie hinterfragen ja auch ihre eigene Arbeit.
- [Vogelgezwitscher.]
- Und in den Klassen … bei den Klassentreffen … auch eben schon im Grundstudium … ähm … kam das immer [Sperren: extrem] zur Geltung.
- Und davon habe ich mich halt irgendwie leiten lassen.
- Auch während der anderen Ausstellungen, die ich immer … immer wieder besucht hatte.
- Ähm.
- Diese Fragen da zu stellen.
- Und das war glaube ich ein Fehler.
- Oder ist ein Fehler!
- Wenn ich wirklich … ähm … Wenn ich Kunst, oder was das ist, eben … äh … wahrnehmen möchte.
- [Laute Motorradgeräusche.]
- Dann ist das kontraproduktiv.
- Das bringt einen als Betrachter, glaube ich jetzt, gar nicht … überhaupt nicht weiter!
- [Hochtöniges Motorradgeräusch.]
- Es ist vielleicht wichtig für den Kurator kuratieren . Für den Galeristen. Für den Künstler selbst, wenn er es macht.
- Aber für den Betrachter ist das … überhaupt nicht … ähm … vom Vorteil.
- Ähm. Diesen Weg einzuschlagen.
- Das ist meine aktuelle Position.
- Und die habe ich jetzt halt gebildet. Aus dem heutigen Tag.
- Zum Beispiel.
- Wo ich … ähm … Wo ich tatsächlich sehr … mit sehr vielen Arbeiten … [Sperren: viel] anfangen konnte.
- Ohne es jetzt direkt sagen zu können, was ich daraus … äh … gezogen habe.
- Einfach das ich es sehen konnte.
- [Quietschgeräusche.]
- Das war schon genug.
- [Stimmen von der Straße.]
- Also ein sehr … guter Tag.
- [Motorradgeräusch.]
- [Aufnahme Ende.]