Friedrich Fröhlich

Thema Langsam beginne ich den Druck, die eigene künstlerische Arbeit einem Thema zu unterordnen, abzustreifen. Wie schon bei der Diplomverteidigung geäußert, ging es mir bei den Selbstbildnissen nicht um die Bearbeitung der Themenfelder Selbstbildnis, Künstler, Gesellschaft. Um Ausprobieren zu können, braucht es ein Motiv. Und gerade beim Modellieren braucht es eines, welches stundenlang, tagelang, wochenlang anwesend ist. Da liegt es nahe, den eigenen Körper zu nehmen. Wenn mich das Verlangen packt, zu modellieren, ist das Motiv da. Es muss nicht erst bestellt werden! Bei der Verteidigung waren es nur Worte, ein Wunsch, mehr nicht. Ich fühlte mich noch in das System Kunsthochschule gedrückt, in dem — zumindest in der Medienkunst — die eigene Arbeit immer irgendwie einem Thema untergeordnet werden soll. Ausprobieren ist gar unmöglich! Denn beim Ausprobieren möchte ich mich der Erklärung verweigern können, warum genau dieses Material, warum genau diese Pose, warum genau diese Größe, warum genau zur heutigen Zeit. Warum! Spieluhr Die letzten Tage ließ mich eine gekaufte Lochband-Spieluhr nicht mehr los, wo eigene Melodien in das Lochband gestanzt werden können. Spielerisch — und zwar nicht erzwungen sondern tatsächlich frei von jeglichem Druck! — nahm ich als Zutat den Sternenhimmel, wanderte in mein Geburtsjahr 1985 zurück, übertrug die damalige Konstellation der hellsten Sterne in ein Notensystem, stanzte die Noten in das Lochband und ließ die Spieluhr erklingen. Kein Warum störte mich bei der Arbeit. Nun möchte ich die Melodie mit der Büste vereinen. Musik mit Bildender Kunst! Eine Konstruktion bauen, bei der die Büste oder ein Ganzkörperporträt auf einer Drehscheibe steht und sobald sie in Bewegung gesetzt ist, die Melodie erklingt. Die Plastik wird so vollumfänglich erkundschaftet und die Melodie schafft die Erzählung dazu. Ganz frei von begleitendem der Sache nicht zuträglichen Textmaterial! Warum ich das machen will, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich den Drang habe, es zu tun. Was gibt es besseres? Sterne Nachricht von Hans: Zu den Sternen: Genaue Angaben habe ich hier nicht parat. Norden ist die Mitte. Der helle Stern daneben ist der Polarstern. Die Sterne um den Himmelsnordpol wurden früher zur Eichung von Helligkeitsmessungen herangezogen. Deshalb sind sie sehr gut vermessen wurden. Und es gibt genaue Tabellen
Büste Gestern mit Ton eine neue Büste angefangen. Material und Form Das Material bestimmt die Form. Ton Ton verleitet mich beim Modellieren zum Schieben und Glätten der Oberfläche. Es wird nur nie wirklich glatt. Schon alleine dadurch, dass der Ton bei Wasser quillt, wird die Oberfläche immer im Wandel bleiben. Plastilin Weiches Plastilin bringt ohne bewusstem Zutun den Moment des Modellierens in die Plastik hinein. Glätten ist nicht so einfach, da Plastilin reißt, also sich nicht so gut verbindet, wie es bei Ton der Fall ist. Der Arbeitsprozess, sich durch Druckdelle und Fingerabdruck äußernd, bleibt in Ergebnis sichtbar. Beim grauen Plastilin, hart, wird die Oberfläche der Plastik glatt. Da ich langsam arbeiten muss (kleine Stücken mit den Fingern wärmen und dann auftragen) wird das Objekt detailreich (außer ich nehme mich bewusst zurück). Ablenkung Ablenken tuen beim Modellieren eines Kopfes zwei Dinge: Einmal die Ohren und zum anderen die Augen. Die Ohren, weil sie den Blick von der Hauptform zum Rand hin ablenken. Die Augen, weil sie den Blick auf sich ziehen und alles drumherum verschwimmt. Je ausdrucksstärker oder kontrastreicher die Augen modelliert sind, desto stärker die Ablenkung. Deshalb: Ohren und Augen bei aktueller Büste anfänglich nur andeuten und erst zum Ende hin ausarbeiten.
Modell Während meinem ersten Tag als Modell, überkam mich wieder und wieder das Verlangen einen Kopf von mir modellieren zu wollen. Wo ich die anderen beobachten durfte, wie sie versuchten meinen Kopf zu sehen, zu verstehen und in Ton umzusetzen, wollte ich selbst neue Posen ausprobieren. Ich lernte viel beim Beobachten der anderen. Steifes Arbeiten (1) Sie arbeiteten größtenteils sehr steif. Was ich von mir selbst kenne und kritisiere! Ich will immer gleich ganz genau arbeiten. Dabei müsste ich (und die anderen) locker sein. Spielen wollen! Ton aufsetzen, sehen, dass es nicht funktioniert, wieder wegnehmen. Ich darf nicht wollen, es gleich richtig zu machen. Ich muss mich annähern. Also auch ungenau arbeiten. Aber bei allem Spiel immer - und das ist das Entscheidende - die Proportion kontrollieren und ggf. wieder herstellen. Es ist arg schwer, eine einmal modellierte Nase nach stundenlanger Arbeit zu entfernen und neu zu positionieren. Deshalb langsam, spielerisch, aber immer mit wachem Auge an die Arbeit herangehen. Proportionen (2) Es ist so einfach: Etwas mehr als eine Fingerlänge geht von Kinn bis Nase. Eine Fingerlänge ist die Nase lang. Eine Fingerlänge ist der Abstand Nase zu äußerem Rand der Augenhöhle Eine Fingerlänge ist der Abstand von äußerem Rand der Augenhöhle bis zum Ohr. Und so weiter! Schnelles Ergebnis (3) Sie arbeiteten größtenteils zu schnell. Was ich ebenfalls von mir selbst kenne und kritisiere! Innerhalb nur eines Tages hatten viele unglaublich viel modellieren wollen. Dabei ist dieses Hetzen doch vollkommen unnötig! Zu schnell zu viele Einzelheiten zu modellieren bedeutet den Blick für die Gesamtform zu verlieren. Ich sah Ergebnisse, wo die Stirn entweder viel zu flach oder viel zu weit nach hinten gedrückt war. Unglaublich, was der, der modelliert, nach ein paar Stunden nicht mehr sieht und es dabei so offensichtlich sein sollte! Deshalb, wie schon bei Punkt eins geschrieben: Langsam arbeiten. Immer wieder um die Form herumgehen. Das große Ganze nicht aus dem Auge verlieren. Erst nach und nach ins Detail modellieren.
Erwerbsarbeit Seit einer Woche weiß ich, wie es ist, wegen bezahlter Arbeit keine Muße mehr für eigene künstlerische Arbeit zu finden. Wenn ich von 10 Uhr bis 17 Uhr in der Werkstatt arbeite — an einem anderen Tag ganztags Modell stehe und an zwei weiteren Tagen stundenweise andere Aufträge bearbeite —, fehlt mir danach die Kraft für eigenes Arbeiten und fehlten mir davor die Stunden von Zeit, in der durch Müßiggang erst der Drang zum selbstbestimmten Arbeiten geweckt wird. Der Morgen ist gedanklich mit Dingen gefüllt, die auf die Vorbereitung der Arbeit abzielen. (Aufstehen wird zum Teil der Erwerbsarbeit, Körperpflege wird zur Pflicht, Essen als Stärkung vor körperlichem Einsatz verstanden). Der Abend wird mit der Verarbeitung des Erlebten und dem Versuch abzuschalten verbracht. (Was mir nicht gelingt, weshalb ich die letzten zwei Tage fast nicht geschlafen habe.) Die freien Tage verbringe ich vor allem damit, wieder zur alten Ruhe zu finden. Faulenzen Da stresst mich sogar der Gedanke, weiter an einer Plastik zu modellieren! Ich empfinde also selbst die eigene künstlerische Arbeit als anstrengend. Es fehlt: Die leere Zeit. Die, in der ich nichts vorhabe. In der ich einfach faulenzen kann! Das können nicht nur ein paar Stunden sein. Das müssen Tage sein. Nur dann finde ich Muße eigene künstlerische Vorhaben zu verfolgen.
Besuch des Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig. Hund, aus Pandausblattrippen geflochten, mit Papierbaumrinde ausgestopft hund.jpg Spielzeug mit ritueller Funktion, Ost-Arnhemland. Figuren Mädchenfigur, Republik Palau koerper.jpg Arme bewegbar. Figuren stellen vergöttlichte Ahnen dar. Im Frühjahr werden die Figuren mit Blütenkränzen geschmückt und mit Speiseopfern bedacht. Männliche Figur, einen Yapesen darstellend koerper2.jpg Frederick IX (1899-1972) koerperbau.jpg Geladene Körperhaltung, im Profil. Schaut puppenhaft aus.
Symmetrie Vergleich symmetrischer (einmal linke sowie einmal rechte Hälfte) und natürlicher Körper. symmetrie.jpg Rechte Körperhälfte (Spiegelsicht) wirkt männlicher. Die Schulter ist gerader, die Oberarme gehen nach außen. Das Oberbein ist stärker, der seitlicher Bauchbereich geradliniger. Bei der linken Körperhälfte fällt die Schulter stärker, der Arm hängt gerade herab. Der seitliche Bauchbereich ist kurvig, ebenfalls die äußere Linie zwischen Ober- und Unterbein. Der Brustmuskel ist viel kräftiger als auf der rechten Körperhälfte (Herz?). Spiegelverkehrt Vergleich Körper von Betrachtersicht und eigener Sicht. spiegelverkehrt.jpg Da leicht seitlich fotografiert, etwas ungenau. Bei Spiegelansicht fällt der Körper auf der linken Seite ab. Die Schulter ist stärker geneigt als die auf der rechten Körperhälfte. Der linke Brustkorb ist kurviger. Die Nase ist nach rechts gebogen, das Philtrum (Rille zwischen Nase und Oberlippe) biegt sich nach links.
    Gespräch mit mir
    • [ Zwei Uhr nachts. ]
    • Ich kann nicht mehr schlafen.
    • Die Katze nervt.
    • Rennt ständig rum, meckert!
    • Jetzt ist sie plötzlich ruhig geworden.
    • [ Lautes Einatmen. ]
    Symmetrie
    • Das Symmetrie-Problem ...
    • Ich versuche ja immer alles symmetrisch zu machen.
    • Die linke Seite soll der rechten Seite gleichen.
    • Weil ich denke, ...
    • [ Schlucken. ]
    • ... wenn ich in den Spiegel schaue, dass es eigentlich so gut wie gleich ist.
    • Abgesehen von so Sachen wie ... Nase.
    • Und das stimmt eigentlich gar nicht!
    • Wenn ich ... ähm ...
    • Deshalb sieht vielleicht ...
    • Deshalb sehen vielleicht die Porträts, diese Figuren, so ... UNMENSCHLICH aus.
    • Unlebendig!
    • Da geht es dann gar nicht einmal darum, dass ich sie zu ... ähm ... zu genau ... ähm ... bearbeite.
    • Zu glatt mache!
    • Sondern, dass sie einfach nicht menschlich aussehen.
    • Dadurch, dass ... ähm ... die linke der rechten Seite GLEICHT.
    • Ich werde morgen ...
    • [ Gähnen. ]
    • ... heute früh ... mal den Körper durchschneiden. Und ...
    • Also ein Foto durchschneiden.
    • Und schauen, ... ähm ... inwieweit wirklich Symmetrie herscht.
    • Oder ob's da große Unterschiede gibt.
    • Ich denke mal, es gibt große Unterschiede, die ich einfach noch nicht sehe, wenn ich in den Spiegel schaue.
    • [ Pause. ]
    • Aufschreiben und schauen, ... ähm ... welche Bereiche das vor allem betrifft. Und dann ... UMSETZEN.
    • Aber ganz vorsichtig umsetzen!
    • [ Gähnen. ]
    • An der aktuellen Figur.
    • [ Rotze hochziehen. ]
      Spiegelbild
      • Dann lässt mich noch etwas anderes nicht los.
      • [ Schlucken. ]
      • Und zwar der Gedanke, dass ...
      • Also ich habe gelesen, dass die ... dass bei vielen Selbstbildnissen von Malern, ... ähm ... dass die spiegelverkehrt sind.
      • Weil sie diese Selbstbildnisse über den Spiegel gemacht haben.
      • Sie haben sozusagen das Bild so wie SIE sich sehen ... ähm ... gezeigt.
      • Und nicht, wie ...
      • [ Gähnen. ]
      • ... ein Anderer sie sehen kann.
      • [ Pause. ]
      • Das ist ja dann ein ständiger Konflikt! Eigentlich. Den du hast, wenn du dir sagst, du möchtest zum einen DICH wiedererkennen und zum anderen umsetzen, dass die Anderen dich auch erkennen.
      • Das geht dann gar nicht!
      • Also entweder ich ... äh ... mache ein ... eine Figur, wo ICH mich wiedererkenne.
      • Und das wäre der, den ich im Spiegel sehe.
      • Eine ... Es ist ja nicht subjektiv. Nur eine spiegelverkehrte Figur.
      • Ähm ...
      • Oder ich modelliere mich so, dass ... ähm ... der Betrachter mich wiedererkennt.
      • Und ICH gleichzeitig meine Zweifel habe, ob ich das wirklich bin!
      • [ Zieht Rotze hoch. ]
      • [ Schlucken. ]
      • Das werden Kleinigkeiten sein. Die das ausmachen.
      • Ähm ...
      • Aber wenn ich eben zwei ... also eine Hälfte verdoppel und sie aneinanderfüge ...
      • Das sieht nicht menschlich aus.
      • [ Aufnahme pausiert. ]
      • [ Aufnahme fortgesetzt. ]
      • Und gleichzeitig, wenn ich einen ... ähm ... äh ... ein Bild von mir spiegel ... Also wenn ich es fotografiert habe ... Dann erkenne ich mich wieder selbst nicht.
      • Dann ... Dann ... Dann sieht ... Also ich weiß natürlich: Ich bin es.
      • Aber es sieht nicht nach mir aus!
      • Weil ich plötzlich die Perspektive des Betrachters einnehme.
      • Nicht so wie ich mich im Spiegel sehen würde.
      • Das heißt: Ich muss mich entscheiden, ... ähm ... was möchte ich.
      • Möchte ICH mich wiedererkennen? Also ein Spiegelbild machen.
      • Oder soll der BETRACHTER es tun?
      • [ Pause. ]
      • Wenn der Betrachter es tun soll, weiß ich ja NIE, ob es ... ähm ... wirklich stimmt!
      • Weil ich nicht im Betrachter drinne stecke!
      • Ich kann bloß VERMUTEN, wie es aussehen wird.
      • [ Pause. ]
      • Da denke ich doch, ist es das ...
      • [ Gähnen. ]
      • [ Aufnahme pausiert. ]
      • [ Aufnahme fortgesetzt. ]
      • ... Oder ist es das ... äh ... ähm ... naheliegende, mich so zu ... ähm ... modellieren, wie ICH mich sehe.
      • [ Rotze wird hochgezogen. ]
      • Das macht ja ein Selbstbildnis auch aus!
      • Zum Teil.
        Subjektivität
        • Hinzu kommen dann ja die subjektiven Übertreibungen.
        • Die habe ich jetzt noch überhaupt nicht eingearbeitet.
        • Beziehungsweise sie kamen jetzt ... ähm ... ohne, dass ich es WOLLTE.
        • Bei den Beinen habe ich den ganzen Tag gestern ... ähm ... damit zugebracht, sie IMMER weiter ... ähm ... schlanker zu machen.
        • Weil ich den Drang habe, meine Beine, also die Oberschenkel, ...
        • [ Schlucken. ]
        • ... viel zu dick zu machen.
        • Weil ich das GEFÜHL habe, meine Beine WÄREN ... äh ... sehr wuchtig.
        • Und wenn ich dann nachmesse, stimmt es überhaupt nicht mehr!
        • Das heißt, da ist sehr viel ... sehr viel Subjektivität ... äh ... in dieser ... äh ... Figur.
        • Äh ... In der ich ja eigentlich versucht habe, ... ähm ... diese subjektive Sicht herauszuhalten.
        • Das geht eben offenbar nicht!
        • Aus zweierlei Gründen.
        • Einmal eben WEIL ich ... ähm ... äh ... subjektiv mich betrachte.
        • Ähm ... Und selbst wenn ich alles ... äh ... bemesse, ... ähm ... es wird nicht schwinden!
        • Und zweitens eben WEIL ich ... ähm ... mich über denn SPIEGEL betrachte.
        • Und ... äh ... ja. Ich alles spiegelverkehrt wahrnehme.
        • [ Pause. ]
        • Also ich werde es nie herausbekommen.
        • Und eigentlich ist das ja wiederum das Schöne!
        • Das soll so sein.
        • Ich muss mir dessen halt lediglich bewusst sein.
        • Damit ich nicht ... äh ... an der Form verzweifel und denke, ich würde es aus Unwissenheit nicht hinbekommen.
        • Es geht schlicht einfach nicht!
        • [ Aufnahme Ende. ]
            Versuchung Ich lasse mich in einem fort zu oberflächlichem Arbeiten verleiten. Zwar versuche ich das, was ich sehe, zu verstehen und zu übertragen. Aber genau in dem Moment, wo ich die Modelliermasse mit Werkzeug oder Finger bearbeite, erlege ich der Versuchung und forme frei nach Gefühl. Das sehe ich im Extremen an den modellierten Rippen. Modellieren und Rippen darf ich dazu gar nicht sagen! Es sind Rillen und Berge, die im entferntesten Rippen imitieren! Bei einer bereits gegossenen Figur sah ich heute, wie plump, ja wie wahllos, das Modellierte eigentlich ist. Form An den Beinen tue ich mich aktuell so schwer, weil ich nicht die ganze Form sehe, sondern Berg und Tal der Muskeln einzeln betrachte. Kampf Ein großes Wort, aber ich habe vermehrt das Gefühl, dass das Arbeiten genau das ist: Ein ständiger Kampf zwischen mir und der Form. Ein ständiges Herantasten, zurücknehmen, auftragen, abschneiden. Und wenn ein Teil korrigiert ist, wird ein zuvor fertiger Bereich wieder hinfällig und es fängt von vorne an. Dabei darf ich nur eines nicht (bisher zu oft getan): Das große Ganze aus dem Auge verlieren. Die Proportionen immer wieder abgleichen. Um die Plastik herumgehen und kontrollieren, ob — vielleicht im Detail nicht korrekt, aber — jene als Ganze immer noch funktioniert. Zwanghaft Ich arbeite zwanghaft korrekt. So entsteht zwar eine realitätsnahe aber gleichzeitig leblose Form. Lufttrocknende Modelliermasse wird mich dazu zwingen eine Figur innerhalb kurzer Zeit zu modellieren und dabei ungenau zu arbeiten / zu bleiben.
            Spannung Eine kleine Geste kann mehr Bewegung bedeuten als eine insgesamt expressive Körperhaltung. Bei der neuen Ganzkörperfigur habe ich zum Beispiel lediglich die Arme leicht angehoben. Sie hängen nicht mehr schlaff oder angepresst am Körper entlang herunter. Sie sind in angespannter Haltung, ohne angespannt zu wirken! Der Rest des Körpers ist streng gehalten. Geradeaus blicken, Beine streng nebeneinander. Dagegen wirken die Ganzkörperfiguren aus Plastilin lächerlich überzogen und — trotz einer extremen Körperhaltung — kraftlos. Die neue Figur presst keine Geschichte aus ihrer Haltung heraus. Dem Betrachter wird nichts plump erzählt. Die angespannten ungespannten Arme schaffen es dennoch eine Geschichte zu erzählen! Ohne sie jedoch offen zu legen. Die Geste erzeugt — nennen wir es — eine unscharfe Erzählung. Eine Erzählung, die nicht so einfach in Worte gefasst werden kann. Übung Die Ganzkörperfigur aus der Diplomprüfung werde ich zwar weiter ausarbeiten, aber ich merke jetzt schon, dass sie — auch wenn nur zwei Monate vergangen sind — im Vergleich zur neuen Figur nichts zu sagen hat. Davon abgesehen sind die Arme zu kurz, die Körperhaltung insgesamt ungeklärt, das Postament unüberlegt. Ich betrachte sie nur noch als Übung. Als Versuch Material zu erkunden und Oberfläche zu behandeln. Aus heutiger Sicht hätte ich sie nicht zur Diplomprüfung gezeigt.
            Werkstatt Vor zwei Tagen Negativform mit erster Schicht Trennlack eingestrichen. Benutzten Pinsel einfach liegen lassen, Borsten werden beim erneuten Anrühren wieder weich. Gestern mit Schellack überzogen. Stunden später zweite Schicht Trennlack aufgetragen. Schellack harzige (aus organischen Stoffen zusammengesetzt) Substanz. Wird aus Ausscheidungen der Lackschildlaus nach ihrem Saugen an bestimmten Pflanzen gewonnen. Gewindestange aus Edelstahl gebogen. Wird zur Stabilisierung über Becken in beide Beine bis zum Postament verlegt. Schwindel Ich fühlte mich als Schwindler, würde ich eine Körperhaltung modellieren, die zwar Blicke auf sich zieht, aber die gleichzeitig keinen Bezug zu meinem eigenen Wesen hat. Ich sollte auch nicht auf weißes Gips zurückgreifen, der mit etwas Nachbearbeitung eine rein anmutende Oberfläche besitzt. Auch sollte ich keinen alten Idealen hinterherrennen, wie Körperproportion, Größe des Geschlechtsteils oder gar Verhüllung jenes. Es wird weißer Gips sein, wenn es zu mir und zu der modellierten Figur passt. Es wird eine tanzende Figur werden, wenn ich mich mit der expressiven Bewegung zu identifizieren vermag. Es wird ein bewusst kleines Geschlechtsteil sein, wenn mir die Untertreibung für die Plastik, für die Form, für das Flächenspiel, wichtig erscheint. Solange möchte ich aber nicht unkontrolliert visuelle Äußerungen tätigen. Also greife ich zuallererst auf eine neutral anmutende Pose zurück, wo ich die Proportionen meines eigenen Körpers übertrage. Nachtrag: Und schon habe ich wieder vergessen, dass ich ja eigentlich gerade erst ganz am Anfang stehe, was Bildhauerei, Materialkunde, menschlicher Körper, Verständnis für Proportion und Flächen, angeht. Ich darf also Schwindel betreiben! Nein: Ich muss sogar! Nur so kann ich meine eigenen Grenzen haptisch und visuell erfahren, Gedanken zu meinen Erkenntnissen ausformulieren und abschließend bewusst an die Umsetzung gehen.
            Plinthe Bezeichnung für den schmucklosen viereckigen Sockel. Ausdruck Plinthe wird oft fälschlicherweise auch für runde Fußplatten von Figuren verwendet. Plinthe im Gegensatz zu Postament immer plattenförmig. Postament Postament bzw. Piedestal (ital. piede "Fuß", stallo "Sitz"): Bisweilen aufwendig gestalteter Sockel von Gebäuden, Statuen oder Säulen. Acrystal Flüssiges 2-Komponenten-Gießsystem. Kombination von flüssigem Acrylharz auf Wasserbasis und Mineralpulver. Ungiftig, geruchlos, mit Wasser abwaschbar, wetterfest, UV-beständig. Güsse bereits nach 40–90 Minuten entformbar und bearbeitbar. Härtet ohne Schwund unter geringer Wärmeentwicklung aus.
            Werkstatt Negativform von Ganzkörperplastik hergestellt. Anders als bisher gelernt Gips in Wasser nicht nur mit einem herausragenden Hügel, sondern ganzflächig sichtbar, ansonsten zu wässrig. Lücken zwischen Oberkörper und Armen sowie beiden Beinen mit Papier gefüllt. Papierfläche von hinten mit Ton stabilisiert. Neue Figur mit Plastilin NSP (Nicht Schwefel Plastilin) Soft angefangen. Viel fester, deshalb bisher ohne stabilisierender Halterung gearbeitet. Körper in einfacher Pose, nach vorne blicken, Beine und Arme gerade.
            Neue Ganzkörperplastik angefangen. Stahlgerüst nach Maßen vom 10.3. hergestellt. Bindedraht um gesamtes Gerüst gewickelt, damit Plastilin nicht sackt. Körperstudien Eine Körperhaltung zu modellieren, die ohne Sinn ist, außer, dass sie zum Verständnis des Körpers gemacht ist, lässt mich fragend zurück. Eine zweite Körperhaltung zu modellieren — ebenfalls eine Pose, mit der ich nichts verbinde — und sie neben dem anderen Modell zu sehen, öffnet in dieser nun entstandenen Konstellation ungewollt Themenfelder. Zumindest wird im Kopf des Betrachters eine Verbindung hergestellt. Ich muss mich dagegen wehren, dass mir das selbe passiert. Denn ich möchte in den Modellen nichts anderes sehen als Körperstudien. Objekte, mit denen ich versuche, den Körper zu verstehen. Beobachten, verstehen, nachbilden. Thema Vom Studium bin ich noch so sehr darauf getrimmt, "Kunst zu machen". Alles wurde sogleich vom Medienkünstler als Äußerung zur politischen oder gesellschaftlichen Lage gewertet. Es musste ein Thema geben! Jetzt habe ich das Studium zwar beendet, gefühlt bin ich aber noch mitten im Grundstudium. Das Grundstudium, welches von der Medienkunst übersprungen wird! Nur ich denke, es braucht viel Zeit zum Beobachten sowie rudimentäre Kenntnisse in Materialdingen, bevor ich soweit bin, überhaupt etwas zu machen, was ich als künstlerische Arbeit bezeichnen würde.
            Ganzkörperplastik An Ganzkörperplastik gearbeitet. Zuerst schien es mir falsch, eine Pose einzunehmen und zu modellieren, die mir im Alltag nie in den Sinn kommen würde. Ich musste mich immer wieder ermahnen, dass es eine Übung sei und keine künstlerische Arbeit. Also ein Objekt ist, an dem ich mich ausprobieren kann, ohne es hinterfragen zu müssen. Im Nachhinein bin ich froh — den aktuellen Stand anschauend —, dass ich mit wachem Auge, fixierendem Blick, immer weiter arbeitete. Es ist nicht nur, dass ich beim Beobachten und Modellieren die Zeit vergaß, sondern auch den Druck, etwas Ausstellungsreifes zu produzieren. In einem Satz: Es machte mir einfach Freude! Die Pose ist übertrieben. Und das ist gut so! Mich würde es stören, wäre es eine Pose, die in Verbindung mit emotionalem Handeln stehen würde. Das wäre ich nicht. Sie ist so übertrieben, dass ich mich auf das Modellieren konzentrieren kann und nicht auf die Aussagefähigkeit. Was mich reizt ist der kubistisch anmutende Sockel in Verbindung mit dem fleischigen Körper. Der Gegensatz, das Nebeneinander. Beide Elemente beziehen sich aufeinander, sind aber nicht vom anderen vereinnahmt. Anders wäre es, würde ich eine Kugel modellieren und sie zwischen die Beine legen. (Was ich auch zwischenzeitlich tat.) Das Objekt ordnet sich dann der menschlichen Gestalt unter, würde also eine Geschichte erzählen müssen.
            Werkstatt Großen Spiegel für Ganzkörperplastik und kleinen für Büsten in Werkstatt aufgebaut.
            Auge Auge, Ausschnitt aus Elsa Asenijeff, um 1899, Max Klinger auge2.jpg Pupille ausgehöhlt. Auge, Ausschnitt Marmorskulptur von Christus im Olymp, Max Klinger auge3.jpg Bereich Pupille vertieft mit kleinem tiefen Loch. Wirkt von Nahem stechend, nicht schön. Nur aus weiterer Entfernung gute Wirkung. Auge, Ausschnitt aus Kassandra, 1895, Max Klinger auge4.jpg Angst nicht durch Form sondern durch verwendetes Material dargestellt. Karneol, feuerroter Stein, in Augenhöhle. Auge, Ausschnitt aus Die Verdammnis, um 1725, Balthasar Permoser auge5.jpg Ausdruckslos, verschleiert, leer. Augen nicht ausgearbeitet. Auge, Ausschnitt aus Große Kniende, 1923/24, Georg Kolbe auge6.jpg Pupillen und sogar ganzes Auge nicht modelliert. Wird durch Schattenwurf des Augenlids verschleiert. Gipsabguss Bei Gipsabguss (Kopie von Original) einer Plastik deutlich sichtbare Abformschalen. gipsschalen.jpg zeitgemäß Kunst soll zeitgemäß sein, nicht ein Wiederaufgreifen alter Stile (Wilhelm Lehmbruck). Meiner Meinung nach sollte das Alte ein Teil des Neuen sein. Bzw. Neues kann es ohne dem davor nicht geben. Es fußt immer darauf, auch wenn es sich dagegen noch so wehrt / verneint. Umberto Boccioni aus "Technische Manifest der futuristischen Plastik": Das angeblich Noble, gelehrsam und traditionell, muß zerstört werden, ebenso wie Marmor und Bronze, und es ist entschieden abzulehnen, daß für ein plastisches Werk nur ein Material verwendet werden dürfe. Der Bildhauer kann zwanzig Stoffe, oder noch mehr, anwenden in einem einzigen Werk, wenn der plastische Ausdruck dies erfordert. Hier ein kleiner Teil der zur Wahl stehenden Materialien: Glas, Holz, Papier, Zement, Beton, Haar, Leder, Textilien, Spiegel, elektrisches Licht etc. Anarchie Es gibt heute so viele Wahrheiten wie es Künstler gibt. Der Irrtum unserer anarchischen Epoche besteht darin, unter dem Vorwand der Freiheit die Gegebenheiten der historischen Erfahrung und die bildhauerischen Gesetze über den Haufen werfen zu wollen. (Marcel Gimond) Bewegung Eine Plastik ist nichts lebendes. Sie kann aber Leben imitieren, Bewegung darstellen. Bei mir bisher nur starre Plastiken entstanden. Betrachte sie daher als Übung. Uninteressant Alles, was ein Leben ausmacht, aber nicht beachtet wird, also eigentlich uninteressant scheint, ist gutes Material für die Kunst. Ausgangspunkt Ausgangspunkt für gute Arbeiten ist, wie in der Malerei, das Sehen. Natur sehen zu lernen. Zu beobachten, wie sie funktioniert. Zusammenhänge erkennen. Anfänglich (und da sehe ich mich immer noch) sehe ich die Zusammenhänge beim menschlichen Körper nicht. Wie eine Haltung den Körper formt. Wie ein Muskel nicht bei der Vorderansicht abrupt aufhört, sondern seitlich weitergeht. Übergänge in einer Plastik zulassen. Plastik drehen, nicht nur über Fotografie kopieren versuchen. Akademie Robert Jacobsen über den Kunstunterricht: Kunst ist nicht lehrbar. Akademien sollen also nicht Kunst lehren, sondern deren technischen und analytisch-theoretischen Grundlagen und Möglichkeiten.
            Arbeitsmaterial Eigenen Körper für Ganzkörperplastik abgemessen. koerpermasse.jpg Gerade Körperhaltung, frontal. arbeitsmaterial-1.jpg Fotomontage, aneinander liegende Beine, Hände ruhen auf Kopf. arbeitsmaterial-2.jpg Fotomontage, aneinander liegende Beine, Arme ausgestreckt. arbeitsmaterial-3.jpg Arme ausgesteckt. arbeitsmaterial-4.jpg Muskeln angespannt, aufgeblähter Oberkörper, Kopf nach vorne geneigt. arbeitsmaterial-5.jpg Arme hinter Oberkörper verschränkt, Standbein rechts. arbeitsmaterial-6.jpg Standbein rechts, Arme vor Oberkörper verschränkt. arbeitsmaterial-7.jpg Standbein rechts. arbeitsmaterial-8.jpg 4 Ansichten gerade Körperhaltung, (linke Seite), (Rücken), (rechte Seite) arbeitsmaterial-9.jpg Standbein links, Rückansicht, rechtes Bein weit nach rechts ausgeholt. arbeitsmaterial-13.jpg Vorderansicht, verschränkte Arme hinter Rücken, Standbein rechts. arbeitsmaterial-14.jpg Standbein rechts, verschränkte Arme. arbeitsmaterial-15.jpg Seitliche Ansicht mit verschränkten Armen, Standbein links (mit angespannten Obermuskeln). arbeitsmaterial-16.jpg Arme über Kopf, Rippen gut sichtbar. arbeitsmaterial-17.jpg Angespannte Körperhaltung, Beine auseinander, rechter Arm leicht angehoben. arbeitsmaterial-18.jpg Drehbewegung Seitenansicht, rechter Arm ausgeschwenkt, linker Arm mit selber Drehbewegung vor Oberkörper. Kniescheibe gut sichtbar. arbeitsmaterial-19.jpg Drehbewegung Seitenansicht, gut sichtbare Rippen. arbeitsmaterial-20.jpg Drehbewegung, 9 Ansichten. (angespannte Pobacken, gut sichtbare Schulterblätter mit Muskulatur) arbeitsmaterial-21.jpg Frontalansicht, leicht angeknickte Beinhaltung, Arme am Körper angelegt. arbeitsmaterial-30.jpg Maße Gerüst
            Kleidung Zur Ganzkörperplastik mit Unterhose als Zeichen einer zeitgenössischen Plastik (siehe 6.3.): Ist ein Trugschluss. Nur weil ich heute übliche Kleidung in die Plastik integriere, ist sie nicht zeitgenössisch. Oberflächlich gewiss: Was sehe ich. Aber die Oberflächenbehandlung, das Material, die Geste, der Ausdruck: sind davon weiterhin unberührt. Es ist also lediglich ein Indiz. Ausprobieren Plastisches Gestalten besteht aus Inhalt und äußerer Formgebung. Bei beiden frage ich mich: Was möchte ich mitteilen / festhalten? Nur wild ausprobieren, alles darstellen, aktuelle gesellschaftliche Diskussionen festhalten ist mir zu wenig. Ausprobieren könnte aber am Anfang stehen. Ohne Ausprobieren kein Fortschreiten. Verständnis Muss die bloße Anschauung der Plastik durch den Betrachter zum Verständnis führen? Ist nicht gerade das Nicht-Sofort-Verstehen-Können Ausdruck einer extrem individualistischen Zeit? Ich bin keine Kirche, die Inhalt über Form vermitteln will. So oder so: Kunst ist nicht von vornherein selbstverständlich, da es keine allgemeinverbindliche Kunstauffassung gibt. Nur dann darf ich auch nicht versuchen meine Arbeit mit Worten zu erklären. Worte vermitteln, es gäbe einen für jeden nachvollziehbaren Grund. Ich kann lediglich aus meinem Leben erzählen. Was in der Plastik dann gesehen wird, bleibt offen. Erklärung Neue Werkstoffe und neue Arbeitsmethoden fordern Erklärung. Eine Büste — und dazu noch aus herkömmlichem Material wie gebrannter Ton oder Gips — wird nicht hinterfragt. Mensch Der Mensch ist Hauptthema der Bildhauerei. Ursprung Warum im kindlichen Zeichnen, in der Höhlenmalerei, bei psychisch Kranken Material suchen? Ich bin kein Kind mehr! Ich bin kein Höhlenmensch! Ich bin nicht in einer Klinik! Mit dem Imitieren werde ich nicht naiver, ich tue nur so. Sobald ich mich bewusst zu so einem Stil entscheide, kann nur Totes entstehen. Dieses Vorgehen kann also lediglich Anfang sein, eine Lockerungsübung.
            Werkstatt Zwei Monate alte nicht weiter modellierte Tonbüsten aus Studienzeit abgetragen. Werkstatt aufgeräumt.
            Gips Griech. gypsos. 1. Farbloses oder weißes, manchmal gefärbtes Mineral, kristallisierendes wasserhaltiges Calciumsulfat, eingelagert in vielen Sedimenten, aber auch eigene Gesteine bildend. 2. Daraus hergest. Pulver für Arbeiten aus Stuck, Modellbau usw. Handelsüblicher G. ist pulverisierter Gipsstein, der durch Brennen sein Kristallwasser verlor und zur Verarbeitung (Aushärtung) wieder mit Wasser vermischt wird. G. wurde schon im frühen Altertum verwendet.
            Heute die Alte Nationalgalerie in Berlin mit Hans und Gisela besucht. Grenze Auf Bordsteinkante balanciert. Das reizt mich, weil in der Breite wenig Bewegungsfreiheit. Das Spielen darauf fordert von mir das Gleichgewicht zu halten. Ein Kunstraum ohne Grenzen produziert müde, verkopfte Kunst. Da der Künstler selbst bereits alle Grenzen gesprengt, muss ich mir Regeln machen, die eingrenzen und zugleich fordern. Siehe Arnold Schönbergs Zwölftontechnik. Oder die Bordsteinkante. Ausdruck Beim Modellieren merke ich, wie ich jedwede Form mit individuellem Ausdruck scheue, da mir diese selbst modellierten Formen noch nichts mitzuteilen haben. Da Verharren auf das bloße Kopieren der Natur keine Lösung ist, muss ich ausprobieren! Aber ohne zu hinterfragen. Ohne einer Idee von Ausdruck haben zu wollen. Ein nicht hinterfragbares Ganzkörperporträt ist eines mit Unterhose. Statt Baum oder Stein als Stütze: Stuhl oder Hocker. Keine zu emotionale Geste. Eher verhalten, unaufdringlich. Aber ein schöner Körper. Kniende Brunnenfigur, 1898, George Minne minne.jpg Ich weiß nicht, was ich will. Nur was ich nicht will. Eine Form modellieren, wo der Betrachter Vertrautes findet, nicht verzweifelt sucht. Ein Titel, der die Arbeit nur beschreibt. Die Arbeit muss wortlos funktionieren. umsetzen Verschiedenste Körperhaltungen fotografisch festhalten und als Vorlage für Plastik verwenden. Auge Arnold Böckling (Ausschnitt), 1897, Adolf von Hildebrand auge.jpg Iris von Adolf von Hildebrand hervorgeholt, Pupille ausgelassen, kleines dunkles Loch. Zu Das eherne Zeitalter, 1875/76, Auguste Rodin: Schon damals aufgrund detailgetreuer Wiedergabe des menschlichen Körpers eines simplen Abgusses seines Modells bezichtigt.
            Büste Büste mit überlangem Nasenbereich und verkürzter Stirn hat, im Gegensatz zu den anderen Büsten, Charakter. Sie ist noch keinesfalls als Ausstellungsobjekt geeignet. An ihr lässt sich jedoch gut sehen, in welche Richtung ich weiter arbeiten möchte. Büste bueste1.jpg Sie wirkt nicht leblos, kopiert, zwanghaft modelliert. Verdickte Stellen, durch Abgussverfahren entstanden, bringen Spannung in Schädeldecke (siehe Skulpturen von Rodin). Arbeitsprozess bleibt sichtbar, inkludiert zeitlichen Aspekt. Mit veränderten Proportionsverhältnissen, aber nicht übertrieben. Ohne Kopfhaar, das Oberfläche nur verschleiern, Blicke auf sich ziehen und von eigentlicher Form ablenken würde. Augenbereich zu weit nach vorne geholt. Abschluss Schultern / Oberkörper gelungen.
            Büste Büsten aus Studienzeit wirken leblos, dekorieren den Arbeitsraum. In Werkstatt waren sie Teil eines Lernprozesses. Atelier Überlege nun wieder, ein Atelier anzumieten. Auch wenn es aufs Jahr hochgerechnet viel Geld kostet, welches ich durch die Arbeit dort nicht wieder einnehmen werde.
            Mit Gerit das MdbK Leipzig besucht. Gezeichnete Kreuze am Gipsmodell gefunden. gipsplastik.jpg Marmorskulpturen bei Christus im Olymp, Max Klinger . Gipsmodell mittels Punktiergerät in Marmor übertragen. Punktiergerät 3 Fixpunkte werden am Modell und am Werkstück festgelegt. Mit verschiebbarer Nadel wird 4. Punkt markiert. Nadel wird zurückgezogen und an Werkstück angesetzt. Anhand Abstand zwischen Anschlag und Reiter wird abgelesen, wie viel Material am betreffenden Punkt noch weggearbeitet werden muss. Je nach Genauigkeitsanspruch werden Punkte mehr oder weniger dicht gesetzt. In Endbearbeitung werden Punkte miteinander verbunden, Fläche entsteht. Büste Max Klinger hat Gipsplastiken farbig angemalt, um spätere Wirkung, wie in Stein oder Bronze, zu sehen. verhüllt Körperstellen teilweise unbearbeitet belassen. Elsa Asenijeff, um 1899, Max Klinger unbearbeitet.jpg Umschließen Plastik, vermeidet harten Schnitt. Büste mit Resten von noch nicht abgeschlagener Schale. nichtausgeschlagen.jpg
            Aufzeichnungen Kunststudium