Friedrich Fröhlich

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Kinderzeichnung Die Vorlage: Eine Kinderzeichnung eines Bekannten. Ein Kind hat einen Kastanienbaum gemalt. baum_kinderzeichnung.jpg Untergrund: Ein weißes A4-Blatt. Motiv: Ein Kastanienbaum. Farben: ungemischtes Grün, ungemischtes Braun, weiße Farbe, teilweise mit Wasser verdünnt. Die linke Hälfte der Baumkrone hat das Kind noch kringelförmig gemalt. Zur rechten Seite hin werden die Kringel durch gerade Striche abgelöst, die durch immer mehr Farblücken unterbrochen werden. Grund: Das Kind hat kein Wasser mehr beigemischt. Die Pinselstriche sind deutlich sichtbar. Der Baumstamm ist leicht nach rechts gebeugt. Nur am Rand sind Pinselspuren sichtbar, die Fläche an sich ist monoton. Die Blüten hat das Kind mit einem rundförmigen Pinsel mit Spitze gemalt. Einmal auf das Blatt getupft und fertig ist die Blüte. kindliche Zeichnung Nun selbst ein Blatt Papier genommen und versucht die Kinderzeichnung nachzumalen. Ich versuche das Bild nachzumalen. baum_kinderzeichnung2.jpg Da mir A4-Druckpapier zu weiß war, Papierrolle genommen und A4-Format mit Bleistift umrissen. Obwohl ich mit der rechten Hand gezeichnet habe, obwohl ich den Pinsel ungewöhnlich schräg und unkontrolliert gehalten habe, ist es mir nicht gelungen ein schönes Bild zu malen. Es wirkt langweilig! Zu plump! Zeit Man merkt, wie die Baumkrone keinen zeitlichen Verlauf hat. Anders als bei der Kinderzeichnung, wo die linke Hälfte der rechten Hälfte nicht gleicht. Wo die Zeit, während das Kind gemalt hat, die Form geändert hat. Die Zeit spielt eine große Rolle, wenn es um ein schönes Bild geht. Asymmetrie Es muss Asymmetrien aufweisen. Aber eben nicht plump gesetzte! Sie müssen zufällig geschehen. Ansonsten bin ich nur Kopist! Der Bekannte versucht sein Bild aus der Kindheit nachzumalen. baum_kinderzeichnung3.jpg Das Ergebnis vom Bekannten, der ebenfalls seine Kinderzeichnung nachmalte, schaut gänzlich anders aus als mein eigener Versuch. Er hat nicht versucht zu kopieren. Allerdings konnte er noch intuitiv malen, weil er höchstwahrscheinlich seit seiner Kindheit / Schulzeit kein Bild mehr gemalt hat. Er KONNTE nicht anders, als so zu malen. Der Baumstamm ist zwar schräg, weil auch der bei der Kinderzeichnung schräg war. Aber er schaut anders als bei mir eben nicht langweilig kopiert aus. Er ist im Moment gemalt worden. Das sehe ich ihm an. Die Baumkrone ist zwar vom Malstil einförmig, aber spannend. Es gibt durch Zugabe von Wasser viele helle Stellen. Bewegung Der Baum ist Bewegung! Anders als bei meinem Versuch ist der Baum kein "Standpunkt". Er ist in Bewegung. Die Baumkrone neigt sich nach rechts, der Baumstamm nach links, die Blüten scheren aus. Bewegung kommt auch durch die ungleiche Form der Baumkrone zustande. Eher kantig gehalten, ist die rechte untere Ecke rund. Nicht nur das! Sie ist rund und im Gegensatz zum Rest sehr scharfkantig gemalt.
    Gespräch mit mir
      Auseinandersetzung
        Hab jetzt schon mehrmals bei mir gemerkt, dass es mir eigentlich gar nicht um den EIGENEN Kopf geht.
      • Also um ein Selbstbildnis.
      • [ Pause. ]
      • Eigentlich steht NUR noch der KOPF im Vordergrund.
      • Also es geht nicht darum, MICH darzustellen, sondern einen Kopf zu modellieren.
      • Gesichtszüge.
      • Einen Charakter.
      • Die FORM.
      • [ Klick. ]
      • Der Kopf ist ja so wie, ja, der menschliche Körper als Ganzes, oder Tiere ... ein MOTIV für den MENSCHEN. Schon immer gewesen! Seitdem er eben zeichnet.
      • Seitdem er Striche ... äh ... macht. Sie in Bewegung umsetzt. Oder Bewegung durch Striche darstellt. Der Menschen, wie sie gejagt haben.
      • Über Jahrtausende hinweg war der Mensch, der Bewegungsapparat, und der Kopf, immer in Verbindung mit einem Charakter, Teil ...
      • [ Räuspere mich. ]
      • ... der bildenden Kunst.
      • Und das ist ja überhaupt nicht verwunderlich! Ich meine, immerhin kommt ja alles aus ... ähm ... einem heraus. Man sieht ... Man sieht sich ja selbst, man sieht andere, in der Gesellschaft.
      • Man DENKT über seinen Kopf!
      • Das is ja alles aus diesem Körper gerichtet. Und natürlich ist er damit Teil auch der Auseinandersetzung. Und das Schöne ist, ... ähm ... dieses Motiv, der Kopf oder der Körper, der überdauert alle Motive, alle Gedanken, alle Aussagen, ... ähm ... die auch heute ...
      • [ Schlucke. ]
      • ... als Kunst, als künstlerische Arbeit verkauft werden.
      • Also wenn eine Arbeit da ist, die sich ... ähm ... die die Politik kritisiert!
      • Oder Gesellschaftskritik!
      • Oder nen Thema in den Vordergrund stellt, wie den Feminismus!
      • Oder oder oder.
      • Das sind ja alles Sachen, die sind ziemlich ... ähm ... Die sind JETZT. Die werden bald wieder weg sein. Und häufig kommt's mir halt so vor, als wären sie halt Thema, weil ...
      • Weiß ich nicht!
      • Weil ... Pfff.
      • [ Klick. ]
      • Ne! Das wundert mich ja halt eher. Weil das sind ja Sachen, wo ich meinen würde, da gibt's ganz andere Mittel! Das ... ähm ... zu verdeutlichen und andere Menschen zu überzeugen.
      • Von was auch immer!
      • Dazu bedarf es eben der Kunst nicht!
      • So.
      • [ Klick. ]
      • Klar, auch schon alleine nen Porträt ... ähm ... wird deutlich, ... ähm ... ähm ... wie der Mensch ... äh ... in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Als ein Individuum oder als jemand, der in der Masse untergeht.
      • Oder ... äh ... jemand, der Charakter zeigen kann. Oder eben nicht.
      • Ähm ... Der ... Der selbst sein kann, oder angepasst sein muss oder möchte.
      • Das kann man ja ... Da kann man ja ne Menge herauslesen. Vom Kopf. Vom Körper. In der Körperhaltung.
      • Das heißt, man muss es eigentlich gar nicht so DIREKT immer äußern.
      • So.
      • Es gibt ja Arbeiten, da steht dann drüber: Das ist eine feministische Arbeit!
      • Oder es gibt welche, da steht drüber: Das ist ne Kritik am Kapitalismus!
      • Oder es ist eine, ... ähm ... da geht's um Konsum!
      • Um das Kritisieren von ... ähm ... von unserem Konsumverhalten.
      • Das sind so SCHLAGWORTE und das sind so EINFACHE Motive und ...
      • ... total PLATT eigentlich nach vorne umgesetzt!
      • Ähm ...
      • [ Fliege schwirrt am Mikrofon vorbei. ]
      • Wobei so eben auch nicht! Das meiste verstehe ich dann nämlich wiederum gar nicht. Das steht unter so einem Thema, laut ... ähm ... Text. Laut Information. Aber VERSTEHEN tue ich's dann nicht.
      • Das ist halt ... Das ist dann wieder zu ... Das ist dann wieder zu INDIVIDUELL. Zu INDIVIDUALISTISCH ... äh ... umgesetzt. Als das eigentlich die Kritik, die da drinne liegen soll, ... ähm ... oder die Meinung, die da drinne sein soll, ... äh ... durch den Betrachter verstanden werden kann.
      • OBWOHL sie ja eigentlich ... äh ... gerade deshalb ... ähm ... in einem Ausstellungskontext gezeigt wird.
      • Damit sie andere sehen! Und damit man drüber nachdenkt. Und so.
      • Aber warum muss man denn immer drüber nachdenken, über irgendwas!?
      • Also warum kann nicht einfach ein ... ähm ... ein Objekt da sein, der ... der einfach für sich steht! Der ... Der eine kleine Geschichte für sich selbst erzählt. Aber der nicht gleich nen ganzes System auf ... ähm ... auf den Schultern tragen möchte!
      • [ Pause. ]
      • Zu so einer Erkenntnis, die ich jetzt habe, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat, ... ähm ... komme ich aber eben nur mit der Auseinandersetzung darüber. Also wenn ich eben ... äh ... sehe, ... ähm ...
      • Oder da ich eben Kunststudent war. Und bei anderen gesehen hab, auch in der Klasse, ... ähm ... äh ... was da bearbeitet wird. Oder SOLL. Und ... Und ... Und das so KLAR rüberkommt, aber gleichzeitig unglaublich viele eigene Fragen da noch offen sind. Äh ... Also wie ... Also was für ein großer SPALT eigentlich da ist.
      • So. Und zumindestens das ... ähm ... das musste ich erst sehen. Damit ich mir sagen kann, ... ähm ... äh ... ich möchte eigentlich überhaupt nicht irgendwie meine Meinung nach außen ... ähm ... äh ... SCHREIEN.
      • Für mich ist es ein Schreien, wenn man ... wenn man ... äh ... in einer Ausstellung eine Arbeit präsentiert und ... äh ... man hebt sich ja sozusagen über andere Menschen. Die ebenfalls ihre eigene Meinung haben, ihre Sicht, Kritik äußern.
      • Ähm ... Man hebt sich darüber, indem man SEINE ins Zentrum stellt. Also sie sozusagen ... ähm ... in eine Ausstellung rein tut, wo ganz viele Menschen diese Arbeit dann sehen.
      • So. Also ... Das ist sehr einseitig, eigentlich!
      • Und das möchte ich einfach nicht. Für mich. Das brauche ich auch nicht.
      • [ Pause. ]
      • Und ... ähm ... Ich hab das Gefühl, ich wurde immer gedrängt, ... ähm ... von ... ähm ... von Professorenseite, ein Thema zu haben. Zum Beispiel, wie, wenn ich ... äh ... ein Porträt von mir gemacht hab, musste es ein Selbstbildnis sein. Es sollte die Auseinandersetzung mit sich selbst sein. Und so weiter und so fort.
      • Dabei hatte ich glaube ich nie das Gefühl, mich ... also dass ich mich wirklich mit mir selbst auseinandergesetzt hab. So jetzt nicht im extrem. Das macht ja jeder irgendwie.
      • Aber ... Es ist halt ein MOTIV irgendwie. Und ... ähm ... Jetzt nach dem Studium merke ich, dass es ...
      • [ Schlucke. ]
      • ... dass ich jetzt auch, wo ich eben den Kopf modelliert hab: Das ist ein Motiv. Das ist ein Kopf. Mit dem kann ich etwas anfangen.
      • Mit dem können ALLE irgendwie etwas anfangen.
      • Es erzählt eine Geschichte!
      • Es hat eine Mimik! Es sagt etwas aus!
      • Für jeden etwas anderes!
      • Und man muss sich eben nicht so ... ähm ... äh ... da ne Aussage von vorneherein reinstempeln. Oder ne Kritik!
      • Äh ... Einfach mal so stehen lassen.
      • Und dafür ist der Kopf, der Mensch, der Körper, ...
      • ... ALLTAG! ...
      • Ist dafür gut geeignet.
            Gespräch mit mir
              Abstrakter Kopf
              • [ Aufnahme von gestern. ]
              • Ein zweiter Kopf nach dem Negativverfahren ...
              • ... is vorhin total daneben gegangen!
              • [ Kratze mich. ]
              • Letztes Mal wirkte das doch noch so ...
              • Als kommt dabei jetzt halt IMMER was Gutes bei heraus.
              • Dabei war das halt beim ersten Mal ZUFÄLLIGERWEISE so. Oder ich bin noch weniger strukturiert rangegangen?
              • [ Pause. ]
              • Was ich jetzt beim zweiten Mal gemerkt hab ... Also das Ergebnis ist LANGWEILIG.
              • Es ... Pfff ... Wenn das neben dem ersten Kopf steht, dann ... Weiß ich nicht! Dann ist das einfach nur ... Nee!
              • Und ... Na ja ... Was mir dabei jetzt aufgefallen ist, beim Zweiten hatte ich jetzt irgendwie versucht, ... ähm ... nicht direkt ne Geste, aber ich hatte ne Vorstellung, von was ich ... ähm ...
              • [ Fliege schwirrt am Mikrofon vorbei. ]
              • Also wie der Kopf aussehen SOLL.
              • [ Pause. ]
              • Das heißt, er sollte nicht neutral nach vorne gucken. Der Kopf sollte anders sein!
              • [ Schlucke. ]
              • Die Ohren!
              • Also in meinem Kopf war sozusagen bereits ne Vorstellung. Und irgendwie hab ich das versucht zu übertragen. Und dadurch is aber die Figur eben als GANZES auseinandergebrochen!
              • Also sie ... Weiß ich nicht. Sie WIRKT halt irgendwie nicht.
              • Und beim Ersten war es ja eigentlich irgendwie so, dass ich nur versucht hab, ... ähm ... einen Kopf, nach vorne gucken, ... Also WIRKLICH ... Pfff ... Ohne ... Ohne einer IDEE.
              • Sozusagen.
              • Und da hat's funktioniert!
              • Das Ergebnis is dann eins, wo ... wo ganz kleine Nuancen ... ähm ... von einem Ausdruck drinne ist. Im Gesicht. In der Mimik.
              • Und beim Zweiten war ZUVIEL drinne!
              • Der Mund war zu extrem!
              • Die Ohren waren zu extrem!
              • Das wirkte alles zu PLATT!
              • [ Pause. ]
              • Heißt, ich muss ... Also ... Morgen würd ich halt noch einmal einen machen wollen.
              • Und dass ich dann ... Also einfach um zu gucken, ob's daran lag. Und dass ich dann aber halt schaue, dass ich ... Na ja ... Ganz ... ähm ... Also gelassen rangehe.
              • Versuche, einfach nur einen Kopf nach vor... vorne blicken ...
              • Normaler Mund!
              • Normale Ohren!
              • [ Schlucke. ]
              • Normale Kopfform!
              • Gucken eben, was dann passiert. Gucken, ob's an sowas lag. Ob's zu extrem war sozusagen. Der Ausdruck, den ich schon im Vorhinein hatte. In die Negativform hineingelegt. Oder eben nicht.
              • [ Pause. ]
              • Zuerst war ich ja wieder so drauf: Oh nee, das will ich nich nochmal machen!
              • Als ich jetzt eben ... Also nach dem neuen Ergebnis. Nach dem neuen Kopf. Und gleichzeitig find ich aber ... Also wenn ich jetzt noch einmal an den Ersten anknüpfe ... Na ja ... Auch wenn ich eben das Ergebnis ... ähm ... nicht sehen kann, ... ähm ... modelliere ich es ja. Das heißt, es ist keine Arbeit, die ich jemand anderem übertrage!
              • Oder ... Noch nicht einmal wo ich jetze in einem anderen Zustand bin! Also wo ich mich alkoholisiere oder so. Sondern das ist ja wirklich ... Also ich bin ja mit VERSTAND dabei!
              • [ Pause. ]
              • Das is schon was ganz anderes. Auch wenn ich da jetzt keinen Ausdruck hineinbringen kann. Das is jetzt einfach so. Das is ... Das is ... Zwei solcher Köpfe ... ähm ...
              • Vielleicht auch noch mehr!
              • Und da dann etwas hineinbringen. Aber ganz vorsichtig eben! Also nich so EXPRESSIV!
              • Nicht zu SCHNELL!
              • Was ich heute eben gemach hab.
              • [ Fliege surrt wieder am Mikrofon vorbei. ]
              • [ Klick. ]
              • Was mir halt noch aufgefallen is, dass beim ersten Kopf ... ähm ... war die Gipsmasse schon etwas ... ähm ... FESTER.
              • Ach so. Beim ersten hat ich auch die Farbpigmente erst ... äh ... später reingetan. Also nachdem der Gips bereits mit dem Wasser ... ähm ... in Kontakt stand. Und beim Zweiten hab ich jetzt zuerst die Farbpigmente in ... in das Wasser reingemacht.
              • Und das ging nach hinten los!
              • Irgendwie sind die da nicht ... haben die sich da nicht aufgelöst.
              • Im Gips dann.
              • Also wieder andersrum machen.
              • [ Pause. ]
              • Und beim Ersten war der Gips schon etwas DICKER. Und ich habs dann halt gegen die Negativform geschleuert. So wie bei der verlorenen Form halt. Wenn ich die herstelle.
              • Und das hat neu interessante ... ähm ... interessante Oberflächenstruktur ergeben. Also dass nicht NUR das, was ich modelliert hab, negativ modelliert hab, ... ähm ... rüberkam. Wie beim Zweiten jetzt. Sondern dass auch so kleine Poren mit rüberkamen. Also Öffnungen!
              • Oder ... Oder ... Oder kleine Kanten!
              • Die ich gar nicht modelliert hatte! Aber die eben ... eben wieder die OBERFLÄCHE spannend gemacht haben!
              • Und das kommt eben DANN zustande, wenn ich etwas dagegen schleudere, was schon ein bissle fester ist. Was zwar noch ... äh ... sich anpasst. Aber wo's sozusagen schon kleine Lücken geben kann.
              • Sozusagen NOCH weniger Kontrolle. Ähm ... Aber das ist eben noch so nen Unterschied zum ersten Kopf.
              • Bei DEM schaute die Oberfläche ... ähm ... für sich einfach schon ... ähm ...
              • Spannend is nen BLÖDES Wort!
              • Interessant is noch blöder!
              • [ Klick. ]
              • Die Oberfläche hat schon von sich aus verleitet, dass man ... ähm ... einfach hinguckt. Oder dass ICH da einfach genauer hingucke. Und mir das sozusagen ... ähm ...
              • Da erzählt die Oberfläche dann schon etwas!
              • Und das hat's eben beim Zweiten nicht gemacht. Da war's ...
              • ... GLATT.
              • [ Klicke. ]
              • Morgen nochmal probieren!
                  Abstrakter Kopf Am Mittwoch einen Kopf modelliert und in Gips gegossen, der trotz abstrakter Form bei mir keine Frage nach dem, was er auszudrücken habe, provoziert. Der Grund: Es ist ein Kopf, der nicht versucht abzubilden, sondern einer, der entsteht, wenn ich Verstand und kontrollierte Bewegung ausschalte! Es ist ein abstrakter Kopf. (Den Begriff "abstrakt" muss ich noch für mich klären!) Verstand Er entsteht ähnlich, wie wenn ich beim Zeichnen die rechte Hand benutze. Oder wenn ich Whisky trinke und danach einen Kopf zeichne. Ich reduziere dabei bewusst - den Verstand und/oder die kontrollierte Bewegung. Beim gestern modellierten Kopf war es von beidem etwas. Ich habe meinen Kopf negiert! Heißt: Anstatt dass die Nase herausragt, habe ich sie in den Ton drücken müssen. Aus Hügel wurden Täler, aus Täler Hügel. Zwar bin ich bei vollem Verstand, verstehe aber die mit den Händen modellierte Oberfläche nicht. Ich versuche mir den Kopf negiert vorzustellen und komme dadurch an meine Grenze, was genaues Abbilden betrifft. Das Ergebnis ist ein Kopf, der meinem nicht ähnelt. Er besteht aus unförmigen Massen, die jedoch dadurch, dass ich während des Modellierens nicht wusste, wie diese aussehen werden, intuitiv, nicht zwanghaft, wirken. Ausdruck Es ist ein Kopf, der so sein muss. Aber es ist eben auch ein Kopf, der keinem Drang nach Ausdruck entsprang. Er vermag dem Betrachter etwas erzählen, natürlich! Ich fühlte mich wie ein Kind. Unbeschwert modellieren und das Ergebnis so nehmen, wie es ist. Das macht ihn für mich hohl. Er ist schön. Der Arbeitsprozess hat mir Freude bereitet. Aber: Er ist reine Oberfläche!
                  Unwesentliches weglassen Unwesentlich ist immer das, was eine Figur nicht stärkt. Was schmückendes Beiwerk ist, welches vom Wesentlichen ablenkt. Ohr Je nach künstlerischem Ansatz ist zum Beispiel das Ausmodellieren des Ohres unwesentlich. Ein Ohr ist von Person zu Person unterschiedlich, also eigentlich charakterbildend. Mein linkes Ohr. ohr.jpg Das Ohr schließt das Gesicht zu der Seite hin ab. Es teilt Außen von Innen und vermag doch, durch die nach Außen geöffnete Schale, das Innen und Außen zu verbinden. Und dennoch behaupte ich, das Ohr spielt beim Betrachten von Menschen keine allzu große Rolle. Es muss da sein, weil das Gesicht sonst unvollständig wirkt. Wie ich bei in Ausstellungen gesehenen Köpfen sah, wird das Ohr oftmals abstrahiert, vereinfacht. Diese Vereinfachung schadet dabei nicht dem Gesicht! Vereinfachung kann auch heiße, dass ein besonderes Merkmal des Ohres, wie ein übergroßes Ohrläppchen oder ein hervortretender Tragus, plastisch verstärkt wird. Augenbraue Ich komme immer wieder in Versuchung, die Augenbraue zu modellieren. Durch die leicht hervorgeholte Struktur wird die Augenhöhle nach oben hin abgeschlossen. Bei starker Ausbildung kann die Augenbraue das Gesicht in seiner Mimik radikal verändern. Beim Ausmodellieren gehe ich sehr plump vor. Wirklich beobachtet habe ich die Augenbraue noch nicht. Die Augenbraue kann eine Gefühlsregung verstärkt darstellen. Möchte ich jedoch eine Figur modellieren, die "unbetont" steht, kann ich sie auch weglassen. Sie wäre in diesem Fall unwesentlich, ein ablenkendes Beiwerk!
                  Schieben Wie so oft auch heute den Fehler gemacht, einen missratenen Kopf weiter zu bearbeiten, anstatt Modelliermasse von Anfang an neu und vor allem kontrolliert aufzutragen. (Einen Fehler, den ich auch bei Studenten beobachtete. Es wird Masse hin und hergeschoben, wenn's hochkommt noch mit den bloßen Händen! Wodurch jedoch u. a. der umgebende Bereich ständig mit verschoben wird.) Auf dem ersten Blick wirkt es einfacher, ein bisher nicht fertig gewordenen Kopf einfach weiterzubearbeiten. Also Modelliermassen zu verschieben, herauszuschneiden und neu anzusetzen. Es können Stunden vergehen, bis ich mitbekomme, dass ich die Form als Ganzes immer noch nicht durchdringen konnte. Mir fehlt der klare Blick auf das Objekt, der erst durch langsames Aufbauen geschult wird. Vor allem, wenn ein Kopf schon Wochen alt ist und ich gar nicht mehr weiß, was damals der Grund war, warum ich pausierte. Anstatt also zu versuchen einen "Klumpen" weiter zu bearbeiten, einfach jenen von der Figur abschneiden und den Kopf neu modellieren. (Auch wenn es am Anfang weh tut, einen schon Tage lang modellierten Kopf zerstören zu müssen!) Dabei zuallererst grundlegende Formen skizzenhaft anlegen, entstehende Lücken betrachten und auch dort Stück für Stück Modelliermasse auftragen.
                    Gespräch mit mir
                      Zeichnen und Modellieren
                      • Warum fällt es mir so schwer, ...
                      • ... beim Modellieren eine ...
                      • ... einen AUSDRUCK reinzubringen!
                      • Also warum kann ich da nicht ... ähm ... aus einer neutralen Körperhaltung ... ähm ... Körperhaltung Stellung beziehen?
                      • Und warum kann ich das aber beim Zeichnen!
                      • Ohne Probleme!
                      • [ Pause. ]
                      • Gerade vorhin ein Bild gemalt.
                      • [ Schlucke. ]
                      • Mit ... äh ... dicken ... äh ... Buntstiften.
                      • Filzstiften!
                      • Und da ... Da hab ich mir ÜBERHAUPT nicht die Frage gestellt, ... ähm ... ist das jetze ... ähm ...
                      • [ Klick. ]
                      • Nein.
                      • SEHE ich so aus?
                      • Oder warum ... äh ... mache ich da jetze die Augen größer! Oder den ... äh ... Hinterkopf viel schmaler!
                      • Das PASSIERT da einfach so.
                      • Und ... Am Ende hab ich ein ... ein ... ein Bild, was mir vom Ausdruck gefällt. Aber eben ohne dass ich das Gefühl habe, ... ähm ... da zu viel an eben diesem hineingebracht zu haben.
                      • Was mir ja eben beim Modellieren ... äh ... SCHWER fällt!
                      • STELLUNG ZU BEZIEHEN.
                      • [ Schlucke. ]
                      • Was ist da der Unterschied zwischen ner Plastik und einem ... äh ... Bild, was ich male? Warum schaffe ich es bei dem einen, ... ähm ... FREI zu sein. Ähm ... Im Zeichnen.
                      • OHNE Grenzen.
                      • Und warum schaffe ich es aber beim Modellieren eben NICHT!
                      • [ Klick. ]
                      • Beim Modellieren hab ich ein UNGLAUBLICH UNGUTES Gefühl. Sobald ich mal ... ähm ... eine Körperhaltung ausprobiere, ... ähm ... einen Ausdruck ... ähm ...
                      • [ Schlucke. ]
                      • ... im Gesicht ... ähm ... modelliere.
                      • Da kommt's mir dann immer so vor, als würde ich gleich irgendwie MISSIONIEREN wollen. Oder irgendwie was zum Ausdruck bringen, was aber gar nicht bei mir aktuell der Fall ist.
                      • [ Pause. ]
                      • Liegt das vielleicht an der ZEIT?
                      • Also beim Modellieren ... ähm ... bin ich ja nicht bloß ein paar Stunden ... ähm ... beschäftigt. Sondern eben TAGELANG.
                      • Teilweise.
                      • WOCHENLANG.
                      • Ehe eine Büste fertig ist.
                      • Und so lange KANN ich in keiner ... keiner ...
                      • So lange kann kein Bedürfnis, ... ähm ... einen bestimmten Ausdruck nach Außen zu bringen, anhalten!
                      • So. Das ist ja immer relativ ... ähm ... Das KOMMT und das GEHT recht schnell. Und beim Modellieren bedarf es aber sehr sehr viel ZEIT. Dass ich dann beim nächsten Mal überhaupt nicht mehr da ... ähm ... in der Lage bin, in der Situation bin, ...
                      • [ Schlucke. ]
                      • ... ähm ... genau diesen Ausdruck vom LETZTEN MAL weiter modelliert ... modellieren zu wollen.
                      • Und beim ZEICHNEN ... Wenn das, weiß ich nicht, in ner halben Stunde gezeichnet ist, dann bin ich ja in dieser ... dieser halben Stunde in einer ganz bestimmten Situation. Und ... ähm ... bringe in dieser kurzen Zeit eine ... ein Bild fertig. Ich mach's ja nicht ne Woche später weiter.
                      • Das heißt, ne Zeichnung kann da vielleicht ... ähm ... mehr den MOMENT festhalten.
                      • [ Schlucke. ]
                      • In dem ich eben gerade zeichne. Weil ich das schneller kann. Und beim Modellieren ... ähm ... bedarf es soviel Zeit, dass ich gar nicht die ganze Zeit in dieser ... ähm ...
                      • ... ANSPANNUNG, ...
                      • ... oder in dieser Situation ... ähm ... sein KANN.
                      • Und wo es mir dann vielleicht um was anderes ... äh ... Also weshalb ich mich dann da UNWOHL fühle, wenn ich eben später ... äh ... noch einmal was ... äh ... Diesen Ausdruck herauskrame.
                      • Weitermodelliere.
                      • Äh ... OBWOHL ich gar nicht mehr da drinne stecke!
                      • Weshalb ich ja immer wieder darauf komme, eine ... eine Körperhaltung zu modellieren, die ... ähm ... recht neutral ist.
                      • Die keine ... keine Geschichte erzählen soll. Wo der Betrachter nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt werden soll.
                      • Und das Selbe eben beim Kopf. Dass ich da doch immer recht neutral nach vorne schaue.
                      • Was mir gefällt!
                      • Und daran lerne ich ja auch ne Menge. Aber da fehlt eben der ...
                      • ... AUSDRUCK.
                      • [ Schlucke. ]
                      • [ Klick. ]
                      • Und ne zweite Sache ist, dass ich ja ... ähm ... beim Modellieren das Verlangen habe, ... ähm ... nach der Natur zu modellieren. Mir ist klar, das geht nicht. Das ist immer ... äh ... auch keine Kopie. Das ist immer ein NACHAHMEN. Ähm ... Aber da hab ich eben das Gefühl, ich kann nicht gleich abstrakt werden.
                      • Also ich kann nicht gleich etwas ÜBERTREIBEN. Oder ... ähm ... Das Gesicht VERFREMDEN.
                      • Ähm ... WEIL ich da immer das Gefühl hab, ich schaff ...
                      • Ich KANN eben nicht anders als Verfremden!
                      • Also ich KANN'S nicht ... äh ... realistischer machen. Natürlicher machen.
                      • Der NATUR nachmachen.
                      • Und DESHALB ... ähm ... äh ... verfremde ich es. Und dieses Verfremden ist sozusagen eine LÜGE.
                      • [ Pause. ]
                      • Und damit komme ich nicht klar.
                      • Und deshalb versuche ich es ja die ganze Zeit, ... ähm ... ähm ... äh ... einen Kopf zu schaffen, von mir, wo ich das Gefühl hab, ... äh ... das bin ich jetzt. Und da hab ich sozusagen viel gelernt. Auch ... äh ... Wie der Kopf funktioniert.
                      • Die Formen ... äh ... sind!
                      • Wie Übergänge aussehen. Und so weiter und so fort.
                      • [ Schlucke. ]
                      • Wo ich ja aber eigentlich sagen muss, dass sie beim Zeichnen auch nicht ... ähm ... Ja, dass ich da ja auch nicht ... ähm ... der Natur nach zeichnen kann! Was aber bestimmt eh beim Zeichnen noch einmal viel schwerer ist. Denn Zeichnen heißt ja, auf ... ähm ... auf ein Blatt zu bringen. Etwas Dreidimensionales auf ein Blatt zu bringen. Und beim Modellieren ... ähm ... hab ich ja immer noch dieses ... ähm ... Oder hab ich ja immer noch die Möglichkeit, dieses Objekt in seiner FORM ... ähm ... prinzipiell eins zu eins zu übernehmen.
                      • Jetzt nicht farblich oder so!
                      • Aber eben die FORM. Und dass ich deshalb da beruhigter bin, wenn ich eben erst einmal die FORM verstehe ... verstanden habe. Um dann dort ... ähm ... einen EIGENEN Weg herauszufinden.
                      • Und dass das beim Blatt überhaupt nicht mein ... ähm ... mein ...
                      • Weiß ich nicht!
                      • Mein ... ähm ...
                      • [ Schlucke. ]
                      • Mein DRANG ist.
                      • [ Pause. ]
                      • Ich kann's da nicht. Das ... ähm ... Das weiß ich. Da kann ich bloß ... ähm ... so zeichnen, wie ich gerade eben zeichne.
                      • Aktuell ja eben in so ner Art ... na ja ... kindlichem Stil.
                      • Ähm ... Aus Absicht auch mal mit der rechten Hand. Aus Absicht auch mal ... ähm ... falsch den Stift gehalten!
                      • Wo ich aber eben gar ken ungutes Gefühl am Ende hab. Wo dieses Bild dann auch für sich stehen tut.
                      • [ Klick. ]
                      • Aber WARUM kann ich mich jetzt so frei beim Zeichnen verhalten und beim Modellieren fühle ich mich als ...
                      • ... LÜGNER!
                      • [ Pause. ]
                      • ... BETRÜGER!

                          Kopf (nach meinem Spiegelbild)
                          Zeichnung auf Papier, 33
                          Hals Plastik von Eugen Hoffmann in der Städtischen Galerie Dresden gesehen. Stehende, 1930, Bronze, Eugen Hoffmann hals.jpg Sobald ich den Kopf größer modelliere, als von Natur aus gegeben, wird der Hals als Übergang von Kopf und Rumpf zur Problemstelle. Schließlich soll er in Bezug zum Oberkörper nicht zu kräftig wirken. (Also im Verhältnis vom etwas vergrößerten Kopf bleiben.) Gleichzeitig soll er nicht als zerbrechlicher Übergang zum übergroßen Kopf wahrgenommen werden. (Also im Verhältnis vom Oberkörper bleiben.) Heroisch Der etwas größere Kopf macht jedoch Sinn, da er der Figur die heroische Wirkung entzieht. (Die ich nicht anstrebe.) Bei der in Dresden gesehenen Plastik tritt bei frontaler Sicht der Hals schlank in Erscheinung. Er entzieht der gesamten Plastik damit eine zu plumpe Wirkung. Seine Lösung für mein Übergangsproblem von Kopf und Rumpf: Bei seitlicher Ansicht - damit der Kopf nicht so ausschaut, als könnte er jederzeit durch sein großes Volumen abbrechen - ist der Hals nach hinten hin stark gestreckt. In dem Fall der dargestellten Frau elegant verdeckt durch das herabfallende Haar.
                          Kolophonium Kolophonium mit Wachs verrühren. Macht Wachs klebriger. Terpentin Terpentin hinzugeben. Dadurch wird Wachs elastischer. Schellack Um Schellack zu verflüssigen und zu verdünnen: Spiritus. In dünnen Schichten über mehrere Tage auftragen. Zuvor den Kopf wässern, damit Schellack nicht zu tief eindringt. Gipsmaske Gipsmaske aus der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis, 18. Dynastie (Amarna-Zeit, um 1370 v. Chr.), Ägyptisches Museum, Berlin gipsmaske.jpg Die Gipsmaske zeigt mir aufgrund der großen Ähnlichkeit zur menschlichen Physiognomie, dass der Bildhauer durchaus damals schon wissen konnten, wie ein Mensch naturgetreu in Stein, Gips oder Ton zu übertragen ist. Eine Gipsmaske herzustellen ist sicherlich eher ein relativ plumpes Kopierverfahren und kein Modellieren nach menschlicher Vorlage. (Was eine noch intensivere Auseinandersetzung mit dem darzustellenden Objekt fordert.) Nur sah der Ägypter das "naturgetreue" Wiedergeben anscheinend gar nicht als Ziel bildhauerischer Tätigkeit an! Die übertrieben großen und vereinfachten Augen zum Beispiel wurden bewusst so gesetzt. Nicht, weil man nicht fähig gewesen wäre, die Form zu verstehen und zu kopieren. Primitive Kunst Erinnert mich wiederum an die sogenannte primitive Kunst. Das Wort "primitiv" suggeriert, die Naturvölker hätten nicht verstanden, wie ein Kopf eigentlich auszusehen hat. Sie wollten es vielleicht schlichtweg gar nicht! Es kam ihnen vielleicht gar nicht in den Sinn, ein Abbild der Wirklichkeit zu schaffen! Prozess Aus irgendeinem Grund (Europäische Geschichte? Tradition? Reaktion auf zeitgenössische Kunst?) hätte ich ein ungutes Gefühl, würde ich nicht wenigstens den Versuch unternommen haben, einen Kopf nach der Natur zu modellieren und ihr zumindest nahe zu kommen. Ich sehe ja gerade, wie eine Studentin in kürzester Zeit einen Kopf modelliert, wo nicht die Physiognomie sondern ein konzeptueller Gedanke im Vordergrund steht. Gleichzeitig behaupte ich aber, dass Abstraktion nicht mit einem Paukenschlag einhergehen sollte. Das verkommt zu einem "Projekt". (Was anscheinend heutzutage üblich ist). Es wird beliebig! Es muss ein Prozess stattfinden: weg vom naturgetreuen Abbild, hin zum eigenen Ausdruck. (Natürlich nur, wenn ich auch verspüre, ihn äußern zu wollen. Nein! Zu MÜSSEN!) Nur das: braucht Zeit. Jede kleine Veränderung, wie ein bewusst modellierter platter Hinterschädel oder eine übertrieben krumme Nase, bedarf Zeit, um sich diese auch bewusst aneignen zu können. Sie als Teil der eigenen Arbeit zu verstehen.
                            Gespräch mit mir
                              Geste
                              • [ Aufnahme Anfang. ]
                              • Heute gerade mal ... zwei Stunden!
                              • An den Plastiken gearbeitet. Ganzkörper.
                              • Am Ende nur noch unzufrieden. Damit.
                              • Es ist richtig, dass ich ... ähm ... mit der einen ... ähm ... Ganzkörperplastik pausiert habe.
                              • Und ... stattdessen an ... Also fünf weitere ... Also vier weitere Gerüste ... gebaut hab. Um dort einfach locker ... ähm ... mich noch einmal mit dem Körper auseinanderzusetzen.
                              • Auch mit Problemstellen. Wo ich bisher eben nicht weiterkam!
                              • Wie zum Beispiel dem Hals. Zum Rücken hin.
                              • Oder ... Ganz allgemein: Die Arme.
                              • Und trotzdem kam ich jetzt bei zwei dieser Versuche, schon alleine bei der Pose, eben an eine Grenze.
                              • Also, dass ...
                              • Einen AUSDRUCK reinbringen, der ... der mich gerade gar nicht bewegt ... Das ist sehr sehr schwer.
                              • Ich kann natürlich irgendwas da jetzt machen. Zum Üben. Aber irgendwie kann ich es dann eben doch nicht.
                              • Ich komme dann sehr schnell an eine Grenze, wo ich für mich selbst merke, dass ich es nicht schaffe, ... ähm ... zu VERSUCHEN, mich an dieser Form dann abzuarbeiten.
                              • Das heißt, diese Geste an sich, die muss bereits etwas ... Die muss etwas sein, was ... ähm ... was mich selbst BEWEGT.
                              • Ansonsten geht das gar nicht.
                              • Das ist sehr gut. Auf der einen Seite. Das zeigt mir eben selbst, dass ich ... ähm ... Naja, dass ich nicht Gefahr laufe, in etwas Beliebiges abzutriften.
                              • Oder in eine ... in ... in ... in ein Klischee. Oder in ... in ... Formen, die ... ähm ... gewünscht sind. Die beliebt sind. Die ... ähm ... SCHÖN sind.
                              • Das ist gut! Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stocke ich dadurch gleich am Anfang.
                              • Also gerade wenn ich erst einmal anfange ... Und ich bin ja eben noch beim Lernen. Das ist so
                              • Ich lerne noch.
                              • Da ist NICHTS, wo ich sagen würde, hier bin ich schon ... hier habe ich schon ... eine Plastik gemacht, die ... die ich auch so stehen lassen würde.
                              • Das gibt es noch nicht.
                              • Auch nach zwei Jahren noch nicht.
                              • Das ist in Ordnung!
                              • Aber ich stocke eben dadurch schon am Anfang, in dem ich die Geste in Frage stelle.
                              • Ich ... habe jetzt ja noch zwei Gerüste da. Unbearbeitet.
                              • Da denke ich, werde ich jetzt noch eine anfangen, die ... wo ich einfach nur ... ähm ... Wo die Figur steht. Ohne ... ähm ... mit Standbein. Die Arme jetzt nicht besonders ... ähm ... Sondern die halt am Körper entlanglaufen.
                              • Ganz einfach eigentlich.
                              • Was unglaublich kompliziert ist! Weil ... ähm ... eine Bewegung fehlt.
                              • Das ist mir dann auch bewusst. Das wäre jetzt eine Haltung, die ... die ich ... ähm ... mit der ich etwas verbinde.
                              • So eine neutralere Körperhaltung.
                              • Auf der anderen Seite bedeutet das natürlich, dass sie sehr schnell leblos wirkt. Wenn ich noch nicht gelernt habe, ... ähm ... auch in einer sehr ... na ... sehr steifen Form, sehr geradlinigen Form, Lebendigkeit zu vermitteln.
                              • Das ist dann aber eben ein Problem, was dann höchstwahrscheinlich später erst einmal kommt.
                              • Also dass ich mich jetzt erst einmal, wie bei der Büste eben, wenn ich jetzt nur Kopf nach vorne modelliere ... Wo ich mich erst einmal auf den Körper, auf das Vermitteln, auf das Übertragen konzentrieren kann. Und noch nicht ... ähm ... eine Erzählung einarbeite.
                              • Ich MUSS das machen.
                              • Auf dem anderen Weg, da komme ich nicht weiter.
                              • Und vielleicht ... ähm ... muss ich auch auf eine andere ... ähm ... Größe gehen. Also jetzt nicht um die vierzig Zentimeter. Sondern auf siebzig!
                              • Jetzt nicht, weil ich weiß, dass das eher eine Größe ist, mit der ich arbeiten kann. Da ist ja jeder anders.
                              • Sondern, um erst einmal ÜBERHAUPT mitzubekommen, wo ... ähm ... Mit welcher Größe ... ähm ... kann ich besser arbeiten. Und welche Größe sagt mir zu. Als ... ähm ... Eben als Größe.
                              • [ Aufnahme Ende. ]
                                  Büste Mit Hans und Gisela das ehemalige Staatsatelier von Arno Breker besucht. Asymmetrie Beim Kopf von Karl Hofer von Bernhard Heiliger starke Asymmetrien eingearbeitet. Besonders betont: Augenbrauen (Linie durch Schatten), krumme Nase (Form), Wangenknochen (Linie durch Schatten), Pupillen (negierte Pupille, dadurch unterschiedliche Schatten), Lippen (linke Seite mit starkem Schatten), Kinnfalte (?) nach rechts hin stark abfallend. Kopf Walter Gropius, 1959, Zementguß, Bernhard Heiliger kopf3.jpg Beim Kopf von Walter Gropius (ebenfalls von Bernhard Heiliger): schräge Stirnfalte, Tränensack einmal rund und einmal spitzer, Hautfalte über Auge nur beim linken Auge durch Licht-Schatten betont, schräg nach rechts verlaufende Nase, linke Unterlippe flächiger. Asymmetrien beim Kopf von Ernst Reuter Kopf Karl Hofer II, 1951, Zementguß, Bernhard Heiliger kopf2.jpg Betonte Protuberantia occipitalis externa (Knochenvorwölbung in der Mitte der Außenfläche des Hinterhauptbeins) als Gegengewicht zur Nase. Höchster Punkt des Schädels weit nach vorne gezogen, zum Ende des Stirnbereichs. Verkürzung Arbeiter mit Werkzeug, vermutlich 1920er Jahre, Bronze, Jussuf Abbo verkuerzung.jpg Der linke Arm, Werkzeug haltend, ist stark verkürzt. Wirkt durch Kontrast zum insgesamt proportional ausgewogenen Körper weiter in den Raum gestreckt.
                                  Modellieren Nach dem gestrigen Abbruch, heute gut vorangekommen. An Tonbüste Oberkörper abgetragen. Dadurch wurden ungeklärte Bereiche im Gesicht sichtbar. Lenkt also wie Augen und Ohren vom Wesentlichen ab. Asymmetrie Asymmetrie löst Probleme. Es lässt, ohne dass diese vom Betrachten bewusst gesehen wird, ein Gesicht lebendig erscheinen. Bisher versucht, Gesichtshälften anzugleichen. Dabei ist das gar nicht gut! Rechte Augenbraue geht zur Seite hin nach oben. Im Gegensatz dazu wirkt die linke Augenbraue sanft, leicht bogenförmig. Nase stark nach rechts geneigt. Bis Kinn wird Zwischenbereich nach links gezogen. Rechter Bereich vor Ohr sichtbar. (Anders als bisher angenommen.) Spiegelverkehrt Zukünftig bewusst spiegelverkehrte Selbstbildnisse modellieren.
                                    Gespräch mit mir
                                    • [ Aufnahme Anfang. ]
                                    • Schon eine halbe Stunde später ...
                                    • [ Klick. ]
                                    • Abbruch Arbeit an Büste aus Plastilin.
                                    • Danach ...
                                    • [ Klick. ]
                                    • [ Klick. ]
                                    • ... Form zerstört und Plastilin in Eimer gelagert.
                                    • [ Klick. ]
                                    • Es klingt komisch, aber ich glaube, ich habe den KAMPF mit der Form verloren.
                                    • [ Klick. ]
                                    • Ich bin so UNZUFRIEDEN.
                                    • Wäre ich nicht rausgegangen, hätte ich bestimmt noch die Ganzkörperfigur ... ähm ... zerstört.
                                    • Mit dem Gedanken, damit einfach aufzuhören.
                                    • [ Klick. ]
                                    • Nach vielleicht anderthalb, zwei Jahren habe ich es immer noch nicht hinbekommen, eine Büste zu machen, wo ich nicht aus dem Kopf arbeite, sondern durch Beobachten die Oberfläche forme.
                                    • Es sind immer so Halbsachen dabei herausgekommen. Wo ich beim Gießen schon gemerkt habe, was nicht stimmt, oder dass etwas nicht stimmt.
                                    • Und ich hab's bis zum Ende jetzt nicht hinbekommen!
                                    • [ Klick. ]
                                    • Nach SO einer langen Zeit.
                                    • [ Klick. ]
                                    • Bei der Ganzkörperfigur sehe ich überhaupt nicht mehr die Form.
                                    • Das ist für mich jetzt so ein ... so eine Masse. Die halt irgendwie Beine, Arme, Oberkörper hat.
                                    • Kopf ist ja immer noch nicht da!
                                    • [ Klick. ]
                                    • Es wirkt unfertig.
                                    • Es IST unfertig!
                                    • Und irgendwie bin ich da an eine Grenze gekommen.
                                    • Bei mir.
                                    • Bis zu einem gewissen Punkt kann ich es. Da habe ich auch viel dazugelernt.
                                    • Aber ab diesem Punkt rausche ich nur noch ab!
                                    • IRGENDETWAS weiß ich noch nicht! Irgendetwas habe ich noch nicht durchschaut. Und kann es deshalb nicht modellieren.
                                    • [ Klick. ]
                                    • Natürlich, das Modellieren ist ... hat als Ausflug angefangen.
                                    • Aus der Medienkunst raus. Wo vor allem der Gedanke wichtig ist.
                                    • Das Konzept.
                                    • Hin zu einer Arbeit, wo ich ... ähm ... wo das Auge gefordert ist. Wo das ... das Beobachten, das Verstehen und das Umsetzen mit den Händen ... ähm ... wichtig ist.
                                    • Also eine ganz andere Sache.
                                    • Und ... Die ganze Zeit über habe ich bisher das Gefühl gehabt, dass das ein Weg ist, oder eine Richtung ist, Bildhauerei — Ich kann's nicht! Aber darum geht's jetzt nicht. — ist eine Richtung, wo ich gut aufgehoben bin.
                                    • Viel mehr als ... ähm ... beim anderen, wo ...
                                    • Konzepte ...
                                    • Konzepte ...
                                    • Kritik an Gesellschaft, an Politik ...
                                    • Konzepte ...
                                    • Reden reden reden!
                                    • Schreiben ...
                                    • Nur, damit Etwas, was einem gezeigt wird, verstanden wird ... werden kann.
                                    • Da liebäugle ich gerne mit der Bildhauerei.
                                    • Ich habe inzwischen Respekt vor Bildhauerei!
                                    • Wenn ich sehe, dass die VERSTANDEN haben. Und ich frage mich: Bin ich dafür einfach zu DUMM?
                                    • [ Klick. ]
                                    • Ich gehe immer noch davon aus, dass es wichtig ist, zuerst einmal das, was ist, also die Natur, zu verstehen und umzusetzen.
                                    • Also eine Form umzusetzen, die der Natur am nächsten ... am nächsten kommt.
                                    • Die als KOPIE verstanden wird.
                                    • Was sie natürlich nicht ist! Aber so rüberkommt.
                                    • Um dann DORT VON, von diesem Handwerk, diesem Wissensstand, weiterzugehen. Und zwar zu einer eigenen Form. Zu einer eigenen SPRACHE.
                                    • Weil das Ziel ist nicht zu kopieren, sondern das Menschsein, also Ich als Mensch, ... Dass das Ich in der Form wiederkommt.
                                    • Denn DAS kann ein Künstler.
                                    • Das ist ... äh ... das Merkmal überhaupt. Dass er etwas kreieren kann, wo er drinne steckt. Als Mensch. Als Individuum.
                                    • Wo er etwas ausspricht, ohne Sprache zu benutzen!
                                    • Sondern eine Form!
                                    • Ein Bild!
                                    • Was OFFENHEIT bringt. Gleichzeitig eine Richtung vorgibt.
                                    • Wo SPANNUNG erzeugt wird, nämlich durch das Nicht-direkt-äußern.
                                    • Das kommt aber erst DANACH. Denke ich.
                                    • Ich FÜHLE mich unwohl, wenn ich etwas, eine Form, mache, eine abstraktere, und MIR sagen muss, was ... oder fragen muss: Was habe ich da gemacht?
                                    • Also warum diese Form?
                                    • Warum das so eckig?
                                    • Warum das so rund?
                                    • Warum?
                                    • WARUM?
                                    • Jetzt nicht so Warum-Fragen aus dem Studium. Sondern ...
                                    • Da wird mir immer BEWUSST, dass mir noch etwas Grundlegendes fehlt.
                                    • Durch's Beobachten, Verstehen und Umsetzen zur eigenen Form gelangen!
                                    • Ich muss mich BEWUSST dazu entscheiden.
                                    • Und es nicht nur geschieht, weil ich eben handwerklich nicht ... es nicht verstanden habe. Und auch nicht gelernt habe, umzusetzen.
                                    • Ich MÖCHTE nicht in eine abstrakte Form gedrängt werden. Was unbewusst passiert.
                                    • Ähm ... Weil ich nicht anders umsetzen KANN.
                                    • Das möchte ich einfach nicht!
                                    • Ich möchte mich dazu ENTSCHEIDEN!
                                    • Brauche ich dafür das Können? Etwas nach der Natur abzuformen?
                                    • Oder kann ich mich sofort einer eigenen Form widmen? Ohne jedoch das Gefühl zu haben, dass ich sie nur so mache, weil ich es nicht anders verstehe. Anders kann.
                                    • Muss ich da einfach offener sein?
                                    • [ Klick. ]
                                    • Einfach machen!
                                    • Naja, wie ich mir schon so OFT gesagt habe!
                                    • EINFACH MACHEN!
                                    • Ohne das immer gleich ... ähm ... selbst zu hinterfragen.
                                    • Das ist ja das Ding, was mich die letzten Jahre begleitet hat. Dieses Problem.
                                    • Einfach nicht nur machen zu können.
                                    • ICH.
                                    • DENKE.
                                    • ZU.
                                    • VIEL.
                                    • [ Aufnahme Ende. ]
                                        Gespräch mit mir
                                        • [ Nach der Arbeit an der Ganzkörperplastik. ]
                                        • [ Aufnahme Anfang. ]
                                        • Ich verstehe nicht, was heute FALSCH gelaufen ist.
                                        • Warum habe ich es zwei Stunden lang nicht geschafft, die Ganzkörperplastik ...
                                        • [ Klick. ]
                                        • Nein. Warum habe ich ...
                                        • [ Klick. ]
                                        • Anders. Was ...
                                        • [ Klick. ]
                                        • ... war das, dass ich nicht nur nicht vorangekommen bin, sondern Rückschritte gemacht habe?
                                        • Warum war am Ende ...
                                        • [ Zieht Rotze hoch. ]
                                        • ... das Gesicht ENTSTELLT?
                                        • Okay. Das war ... FRUST.
                                        • [ Zieht Rotze hoch. ]
                                        • Das ist einfach.
                                        • Aber wie hat es angefangen?
                                        • Eine große Sache ist, dass ich ... versucht habe maßstabgetreu zu arbeiten. Und heute gemerkt habe, dass ... ähm ... die Figur um eins zwei Zentimeter geschrumpft ist.
                                        • In der Höhe.
                                        • Und ... Einige Sachen stimmen. Andere wiederum nicht!
                                        • Und ... Das nach Wochen zu korrigieren ... Das ist nicht möglich.
                                        • Da kann ich gleich wieder von Anfang an anfangen.
                                        • [ Kurze Pause. ]
                                        • Eine andere Sache ist, die das aber auch eben betrifft, dass ... Ich ... Damit ich nicht in so eine Situation komme, nicht ...
                                        • MESSE.
                                        • Sondern ... ähm ... die Proportionen ...
                                        • Naja. Das Gesamte.
                                        • Der Körper!
                                        • Die Figur!
                                        • Als solche betrachte und ... ähm ...
                                        • [ Schluckt. ]
                                        • ... alleine vom Beobachten her ... ähm ... merke, an welchen Stellen ich noch ...
                                        • ... Welche Größen ich noch bearbeiten muss, damit es im Gesamten stimmig ausschaut.
                                        • [ Zieht Rotze hoch. ]
                                        • Oder eine Spannung drinne ist. Damit eine Bewegung drinne ist.
                                        • Also dass ich gar nicht mal so ... ähm ... so ENG ... so ... so ...
                                        • [ Klick. ]
                                        • ... KLEINTEILIG versuche alles korrekt zu machen! Das ist ja bloß so ein ... wirklich KOPIEREN dann.
                                        • Sondern dass ich ...
                                        • NAJA, ich muss ja aber trotzdem schon ... am Anfang wenigstens ... äh ...
                                        • Naja ... Kurz Skizzieren. Doch! Schon! Skizzieren. Ähm ...
                                        • Also die Größenverhältnisse ... ähm ... bestimmen. Und dann aber MODELLIEREN und immer wieder schauen.
                                        • SCHAUEN! Und schauen, ob es noch stimmig wirkt.
                                        • [ Zieht Rotze hoch. ]
                                        • Oder vielleicht muss ich ja etwas übertreiben, damit ... mhm ... Keine Ahnung. Damit ... ähm ...
                                        • [ Schluckt. ]
                                        • [ Klick. ]
                                        • ... die Figur nicht nach vorne kippt. Damit sie nicht ... ähm ... so ausschaut, als wären ... als wäre der Oberkörper zu klein.
                                        • Was auch immer! Egal ob's dann stimmt oder nicht!
                                        • Darum gehts ja gar nicht mehr. Sondern es geht ... ähm ... um DIESE eine Figur. Nicht um die REALITÄT.
                                        • [ Klick. ]
                                        • Auf der anderen Seite merke ich halt, dass ich noch gar nicht so weit bin. Das einschätzen zu können. Ich habe es noch gar nicht gelernt!
                                        • [ Zieht Rotze hoch. ]
                                        • Also als letztens mir gesagt wurde, dass ... ähm ... der Hals viel zu dick sei, habe ich das ÜBERHAUPT nicht gesehen.
                                        • Bis dahin nicht!
                                        • Und in dem Moment auch nicht!
                                        • Erst als ich es dann ... ähm ... einfach mal abgemessen habe, ... ähm ... Da war SO viel mehr drauf. Das habe ich alles abgetragen. Dann wirkte der Hals auch ...
                                        • Er wirkte ...
                                        • Er wirkte tatsächlich ... ähm ... realistischer. Aber ich hätte es NIE gesehen!
                                        • Natürlich weiß ich jetze sozusagen ... Das ist eine Erfahrung jetzt, die ich mache ... ähm ... Dass ich darauf achte.
                                        • [ Kurze Pause. ]
                                        • Aber ich hätte es nicht gesehen.
                                        • Und das ist ... bestimmt bei vielen anderen Sachen, bei dieser Figur, ... ähm ... ebenfalls so.
                                        • ICH SEHE ES EINFACH NOCH NICHT.
                                        • Auch nach, ich weiß nicht, wieviel es jetzt ist, ein oder zwei Jahren ... ähm ... an Figuren, an ... an der Büste arbeiten, ... So viele Sachen habe ich einfach noch nicht ... ähm ... GEKLÄRT.
                                        • Für mich.
                                        • [ Klick. ]
                                        • Entweder das gehört zum Prozess dazu ...
                                        • [ Zieht Rotze hoch. ]
                                        • ... Sich langsam rantasten. Oder diese FRUST, die gerade in mir ist, ...
                                        • Dass ich so frustriert bin ... Dass ... ähm ... mir das aber vielleicht zeigt, dass ich eben NICHT ...
                                        • Weiß ich nicht. Dass ich es einfach nicht BLICKE!
                                        • Vielleicht habe ich es einfach nicht.
                                        • [ Schluckt. ]
                                        • Vorhin fiel mir da ein ... Es ist umso VIELES einfacher, Medienkunst zu machen.
                                        • Eine Form zu nehmen, oder irgendeine Geste und ... entweder andere das umsetzen lassen, oder dem Computer umsetzen lassen, oder einer Maschine umsetzen lassen.
                                        • Und GEDANKLICH aufzuwerten.
                                        • Zu BESCHREIBEN und zu hoffen, dass einige das ... ähm ... akzeptieren.
                                        • Verstehen.
                                        • Und sich dann darauf ausruhen zu lassen.
                                        • Das ist nämlich um einiges einfacher, sich Gedanken zu machen, als ... eine Form UMZUSETZEN, die mit ... vorhandenem abgeglichen wird.
                                        • Vom Betrachter.
                                        • Auch von mir.
                                        • Wo geschaut wird. Wo ... ähm ... die Stimmigkeit ... ähm ...
                                        • ... GESEHEN wird!
                                        • Teilweise. Also es ist ja nicht so ... Vielleicht habe ich es mit dem Hals nicht gesehen. Aber im Gesamten sehe ich ja auch ... ähm ... ähm ... Stimmt das so. Wirkt es. Und da bringt es nichts, sich viele Gedanken drum zu machen.
                                        • Wenn ich nicht lerne, es umzusetzen, ...
                                        • Das ist eben anders als bei anderen Künsten. Wie jetzt, aus meiner Sicht eben, Medienkunst.
                                        • [ Schluckt. ]
                                        • Wo das HANDWERKLICHE ... das VERSTEHEN und das UMSETZEN ... rudimentär ist. Es zu können.
                                        • Der GEDANKE, das Konzept, das tritt stark in den Hintergrund. Das ist hier sogar ...
                                        • IRRELEVANT!
                                        • Eine Geste, die Bewegung, die entsteht mit der Zeit. Sie entsteht, weil ich mir sozusagen Zeit nehme, an der Figur zu arbeiten.
                                        • Aber sie entsteht, meiner Meinung nach zumindestens nicht, aus einem KONZEPT heraus.
                                        • Das ist ... Das ist schön. Das gefällt mir! Es befreit mich ja von einer Last!
                                        • Von diesem gedanklichen Konstrukt. Der oft ... ähm ... hinter Arbeiten steckt.
                                        • Auf der anderen Seiten zeigt es mir eben auch, wie ... wie VIEL ich noch nicht verstanden habe.
                                        • Wie ich ... dem WOLLEN hinterherhinke.
                                        • Das stört mich gerade. Also nach zwei Stunden bin ich da gefrustet raus.
                                        • Mit zerstörtem Gesicht.
                                        • Die Arme um keinen Deut besser. Die Beine ... Ein Bein leicht gedreht.
                                        • Dadurch gerissen!
                                        • Am Oberschenkel.
                                        • Ich hab am Ende nicht mehr die Figur gesehen. Ich habe am Ende noch nicht einmal die Form gesehen! Ich hab ...
                                        • Ich hab eine MASSE gesehen. Äh ... Die ich reindrücke. Und ... äh ... Wo ich aber überhaupt nicht das Gespür hatte, ... ähm ... zu wissen, was ich da tue!
                                        • Und was es überhaupt IST ... Für eine Form.
                                        • Ich habe eigentlich überhaupt nicht richtig hingeguckt.
                                        • [ Kurze Pause. ]
                                        • Da muss ich mir unbedingt merken: Nicht ... NICHT weiter zu arbeiten ... Nicht weiter zu arbeiten, wenn ich ...
                                        • ... nicht beobachten kann.
                                        • [ Aufnahme Ende. ]
                                          Ganzkörperplastik Morgen an der Ganzkörperplastik die Hände ausformulieren. Zuvor die Ober- und Unterarmlänge festlegen und einen Draht am Handgelenk bis Ende Mittelfinger weiterführen. Finger als eine Fläche begreifen, nicht als fünf einzelne Finger. Reliefartig arbeiten. Das heißt: Fläche durch kleine Rillen in fünf Finger zerlegen. Wie vom Werkstattleiter angemerkt: Asymmetrie herstellen. Unter anderem Bein- und Armstellungen, Bauch und Richtung Geschlechtsteil. Bei Füßen Position der hervorstehenden Enden von Schien- und Wadenbein bestimmen und ausmodellieren. Hals schlanker, gleichzeitig Gesicht leicht vergrößern, Kopfmasse jedoch nicht ausweiten. Großen Rückenmuskel nicht als flach sondern als große Fläche zum Rücken hin ziehend verstehen. Reiter von Artemision Reiter von Artemision, Archäologisches Nationalmuseum Athen, ca 150–146 BC reiter.jpg Reiterstandbild evtl. eine Trophäe für den Sieger oder Pferdebesitzer eines gewonnenen Rennens. Von Ganzkörperplastik eine Silikonform herstellen und mit flüssigem Wachs füllen. Wachsfiguren dann weiter bearbeiten. Unter anderem Körperstellungen ausprobieren, Verschiebungen modellieren, abstrahieren.
                                          Thema Langsam beginne ich den Druck, die eigene künstlerische Arbeit einem Thema zu unterordnen, abzustreifen. Wie schon bei der Diplomverteidigung geäußert, ging es mir bei den Selbstbildnissen nicht um die Bearbeitung der Themenfelder Selbstbildnis, Künstler, Gesellschaft. Um Ausprobieren zu können, braucht es ein Motiv. Und gerade beim Modellieren braucht es eines, welches stundenlang, tagelang, wochenlang anwesend ist. Da liegt es nahe, den eigenen Körper zu nehmen. Wenn mich das Verlangen packt, zu modellieren, ist das Motiv da. Es muss nicht erst bestellt werden! Bei der Verteidigung waren es nur Worte, ein Wunsch, mehr nicht. Ich fühlte mich noch in das System Kunsthochschule gedrückt, in dem — zumindest in der Medienkunst — die eigene Arbeit immer irgendwie einem Thema untergeordnet werden soll. Ausprobieren ist gar unmöglich! Denn beim Ausprobieren möchte ich mich der Erklärung verweigern können, warum genau dieses Material, warum genau diese Pose, warum genau diese Größe, warum genau zur heutigen Zeit. Warum! Spieluhr Die letzten Tage ließ mich eine gekaufte Lochband-Spieluhr nicht mehr los, wo eigene Melodien in das Lochband gestanzt werden können. Spielerisch — und zwar nicht erzwungen sondern tatsächlich frei von jeglichem Druck! — nahm ich als Zutat den Sternenhimmel, wanderte in mein Geburtsjahr 1985 zurück, übertrug die damalige Konstellation der hellsten Sterne in ein Notensystem, stanzte die Noten in das Lochband und ließ die Spieluhr erklingen. Kein Warum störte mich bei der Arbeit. Nun möchte ich die Melodie mit der Büste vereinen. Musik mit Bildender Kunst! Eine Konstruktion bauen, bei der die Büste oder ein Ganzkörperporträt auf einer Drehscheibe steht und sobald sie in Bewegung gesetzt ist, die Melodie erklingt. Die Plastik wird so vollumfänglich erkundschaftet und die Melodie schafft die Erzählung dazu. Ganz frei von begleitendem der Sache nicht zuträglichen Textmaterial! Warum ich das machen will, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich den Drang habe, es zu tun. Was gibt es besseres? Sterne Nachricht von Hans: Zu den Sternen: Genaue Angaben habe ich hier nicht parat. Norden ist die Mitte. Der helle Stern daneben ist der Polarstern. Die Sterne um den Himmelsnordpol wurden früher zur Eichung von Helligkeitsmessungen herangezogen. Deshalb sind sie sehr gut vermessen wurden. Und es gibt genaue Tabellen
                                          Büste Gestern mit Ton eine neue Büste angefangen. Material und Form Das Material bestimmt die Form. Ton Ton verleitet mich beim Modellieren zum Schieben und Glätten der Oberfläche. Es wird nur nie wirklich glatt. Schon alleine dadurch, dass der Ton bei Wasser quillt, wird die Oberfläche immer im Wandel bleiben. Plastilin Weiches Plastilin bringt ohne bewusstem Zutun den Moment des Modellierens in die Plastik hinein. Glätten ist nicht so einfach, da Plastilin reißt, also sich nicht so gut verbindet, wie es bei Ton der Fall ist. Der Arbeitsprozess, sich durch Druckdelle und Fingerabdruck äußernd, bleibt in Ergebnis sichtbar. Beim grauen Plastilin, hart, wird die Oberfläche der Plastik glatt. Da ich langsam arbeiten muss (kleine Stücken mit den Fingern wärmen und dann auftragen) wird das Objekt detailreich (außer ich nehme mich bewusst zurück). Ablenkung Ablenken tuen beim Modellieren eines Kopfes zwei Dinge: Einmal die Ohren und zum anderen die Augen. Die Ohren, weil sie den Blick von der Hauptform zum Rand hin ablenken. Die Augen, weil sie den Blick auf sich ziehen und alles drumherum verschwimmt. Je ausdrucksstärker oder kontrastreicher die Augen modelliert sind, desto stärker die Ablenkung. Deshalb: Ohren und Augen bei aktueller Büste anfänglich nur andeuten und erst zum Ende hin ausarbeiten.
                                          Modell Während meinem ersten Tag als Modell, überkam mich wieder und wieder das Verlangen einen Kopf von mir modellieren zu wollen. Wo ich die anderen beobachten durfte, wie sie versuchten meinen Kopf zu sehen, zu verstehen und in Ton umzusetzen, wollte ich selbst neue Posen ausprobieren. Ich lernte viel beim Beobachten der anderen. Steifes Arbeiten (1) Sie arbeiteten größtenteils sehr steif. Was ich von mir selbst kenne und kritisiere! Ich will immer gleich ganz genau arbeiten. Dabei müsste ich (und die anderen) locker sein. Spielen wollen! Ton aufsetzen, sehen, dass es nicht funktioniert, wieder wegnehmen. Ich darf nicht wollen, es gleich richtig zu machen. Ich muss mich annähern. Also auch ungenau arbeiten. Aber bei allem Spiel immer - und das ist das Entscheidende - die Proportion kontrollieren und ggf. wieder herstellen. Es ist arg schwer, eine einmal modellierte Nase nach stundenlanger Arbeit zu entfernen und neu zu positionieren. Deshalb langsam, spielerisch, aber immer mit wachem Auge an die Arbeit herangehen. Proportionen (2) Es ist so einfach: Etwas mehr als eine Fingerlänge geht von Kinn bis Nase. Eine Fingerlänge ist die Nase lang. Eine Fingerlänge ist der Abstand Nase zu äußerem Rand der Augenhöhle Eine Fingerlänge ist der Abstand von äußerem Rand der Augenhöhle bis zum Ohr. Und so weiter! Schnelles Ergebnis (3) Sie arbeiteten größtenteils zu schnell. Was ich ebenfalls von mir selbst kenne und kritisiere! Innerhalb nur eines Tages hatten viele unglaublich viel modellieren wollen. Dabei ist dieses Hetzen doch vollkommen unnötig! Zu schnell zu viele Einzelheiten zu modellieren bedeutet den Blick für die Gesamtform zu verlieren. Ich sah Ergebnisse, wo die Stirn entweder viel zu flach oder viel zu weit nach hinten gedrückt war. Unglaublich, was der, der modelliert, nach ein paar Stunden nicht mehr sieht und es dabei so offensichtlich sein sollte! Deshalb, wie schon bei Punkt eins geschrieben: Langsam arbeiten. Immer wieder um die Form herumgehen. Das große Ganze nicht aus dem Auge verlieren. Erst nach und nach ins Detail modellieren.
                                          Erwerbsarbeit Seit einer Woche weiß ich, wie es ist, wegen bezahlter Arbeit keine Muße mehr für eigene künstlerische Arbeit zu finden. Wenn ich von 10 Uhr bis 17 Uhr in der Werkstatt arbeite — an einem anderen Tag ganztags Modell stehe und an zwei weiteren Tagen stundenweise andere Aufträge bearbeite —, fehlt mir danach die Kraft für eigenes Arbeiten und fehlten mir davor die Stunden von Zeit, in der durch Müßiggang erst der Drang zum selbstbestimmten Arbeiten geweckt wird. Der Morgen ist gedanklich mit Dingen gefüllt, die auf die Vorbereitung der Arbeit abzielen. (Aufstehen wird zum Teil der Erwerbsarbeit, Körperpflege wird zur Pflicht, Essen als Stärkung vor körperlichem Einsatz verstanden). Der Abend wird mit der Verarbeitung des Erlebten und dem Versuch abzuschalten verbracht. (Was mir nicht gelingt, weshalb ich die letzten zwei Tage fast nicht geschlafen habe.) Die freien Tage verbringe ich vor allem damit, wieder zur alten Ruhe zu finden. Faulenzen Da stresst mich sogar der Gedanke, weiter an einer Plastik zu modellieren! Ich empfinde also selbst die eigene künstlerische Arbeit als anstrengend. Es fehlt: Die leere Zeit. Die, in der ich nichts vorhabe. In der ich einfach faulenzen kann! Das können nicht nur ein paar Stunden sein. Das müssen Tage sein. Nur dann finde ich Muße eigene künstlerische Vorhaben zu verfolgen.
                                          Besuch des Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig. Hund, aus Pandausblattrippen geflochten, mit Papierbaumrinde ausgestopft hund.jpg Spielzeug mit ritueller Funktion, Ost-Arnhemland. Figuren Mädchenfigur, Republik Palau koerper.jpg Arme bewegbar. Figuren stellen vergöttlichte Ahnen dar. Im Frühjahr werden die Figuren mit Blütenkränzen geschmückt und mit Speiseopfern bedacht. Männliche Figur, einen Yapesen darstellend koerper2.jpg Frederick IX (1899-1972) koerperbau.jpg Geladene Körperhaltung, im Profil. Schaut puppenhaft aus.
                                          Symmetrie Vergleich symmetrischer (einmal linke sowie einmal rechte Hälfte) und natürlicher Körper. symmetrie.jpg Rechte Körperhälfte (Spiegelsicht) wirkt männlicher. Die Schulter ist gerader, die Oberarme gehen nach außen. Das Oberbein ist stärker, der seitlicher Bauchbereich geradliniger. Bei der linken Körperhälfte fällt die Schulter stärker, der Arm hängt gerade herab. Der seitliche Bauchbereich ist kurvig, ebenfalls die äußere Linie zwischen Ober- und Unterbein. Der Brustmuskel ist viel kräftiger als auf der rechten Körperhälfte (Herz?). Spiegelverkehrt Vergleich Körper von Betrachtersicht und eigener Sicht. spiegelverkehrt.jpg Da leicht seitlich fotografiert, etwas ungenau. Bei Spiegelansicht fällt der Körper auf der linken Seite ab. Die Schulter ist stärker geneigt als die auf der rechten Körperhälfte. Der linke Brustkorb ist kurviger. Die Nase ist nach rechts gebogen, das Philtrum (Rille zwischen Nase und Oberlippe) biegt sich nach links.
                                            Gespräch mit mir
                                            • [ Zwei Uhr nachts. ]
                                            • Ich kann nicht mehr schlafen.
                                            • Die Katze nervt.
                                            • Rennt ständig rum, meckert!
                                            • Jetzt ist sie plötzlich ruhig geworden.
                                            • [ Lautes Einatmen. ]
                                            Symmetrie
                                            • Das Symmetrie-Problem ...
                                            • Ich versuche ja immer alles symmetrisch zu machen.
                                            • Die linke Seite soll der rechten Seite gleichen.
                                            • Weil ich denke, ...
                                            • [ Schlucken. ]
                                            • ... wenn ich in den Spiegel schaue, dass es eigentlich so gut wie gleich ist.
                                            • Abgesehen von so Sachen wie ... Nase.
                                            • Und das stimmt eigentlich gar nicht!
                                            • Wenn ich ... ähm ...
                                            • Deshalb sieht vielleicht ...
                                            • Deshalb sehen vielleicht die Porträts, diese Figuren, so ... UNMENSCHLICH aus.
                                            • Unlebendig!
                                            • Da geht es dann gar nicht einmal darum, dass ich sie zu ... ähm ... zu genau ... ähm ... bearbeite.
                                            • Zu glatt mache!
                                            • Sondern, dass sie einfach nicht menschlich aussehen.
                                            • Dadurch, dass ... ähm ... die linke der rechten Seite GLEICHT.
                                            • Ich werde morgen ...
                                            • [ Gähnen. ]
                                            • ... heute früh ... mal den Körper durchschneiden. Und ...
                                            • Also ein Foto durchschneiden.
                                            • Und schauen, ... ähm ... inwieweit wirklich Symmetrie herscht.
                                            • Oder ob's da große Unterschiede gibt.
                                            • Ich denke mal, es gibt große Unterschiede, die ich einfach noch nicht sehe, wenn ich in den Spiegel schaue.
                                            • [ Pause. ]
                                            • Aufschreiben und schauen, ... ähm ... welche Bereiche das vor allem betrifft. Und dann ... UMSETZEN.
                                            • Aber ganz vorsichtig umsetzen!
                                            • [ Gähnen. ]
                                            • An der aktuellen Figur.
                                            • [ Rotze hochziehen. ]
                                            Spiegelbild
                                            • Dann lässt mich noch etwas anderes nicht los.
                                            • [ Schlucken. ]
                                            • Und zwar der Gedanke, dass ...
                                            • Also ich habe gelesen, dass die ... dass bei vielen Selbstbildnissen von Malern, ... ähm ... dass die spiegelverkehrt sind.
                                            • Weil sie diese Selbstbildnisse über den Spiegel gemacht haben.
                                            • Sie haben sozusagen das Bild so wie SIE sich sehen ... ähm ... gezeigt.
                                            • Und nicht, wie ...
                                            • [ Gähnen. ]
                                            • ... ein Anderer sie sehen kann.
                                            • [ Pause. ]
                                            • Das ist ja dann ein ständiger Konflikt! Eigentlich. Den du hast, wenn du dir sagst, du möchtest zum einen DICH wiedererkennen und zum anderen umsetzen, dass die Anderen dich auch erkennen.
                                            • Das geht dann gar nicht!
                                            • Also entweder ich ... äh ... mache ein ... eine Figur, wo ICH mich wiedererkenne.
                                            • Und das wäre der, den ich im Spiegel sehe.
                                            • Eine ... Es ist ja nicht subjektiv. Nur eine spiegelverkehrte Figur.
                                            • Ähm ...
                                            • Oder ich modelliere mich so, dass ... ähm ... der Betrachter mich wiedererkennt.
                                            • Und ICH gleichzeitig meine Zweifel habe, ob ich das wirklich bin!
                                            • [ Zieht Rotze hoch. ]
                                            • [ Schlucken. ]
                                            • Das werden Kleinigkeiten sein. Die das ausmachen.
                                            • Ähm ...
                                            • Aber wenn ich eben zwei ... also eine Hälfte verdoppel und sie aneinanderfüge ...
                                            • Das sieht nicht menschlich aus.
                                            • [ Aufnahme pausiert. ]
                                            • [ Aufnahme fortgesetzt. ]
                                            • Und gleichzeitig, wenn ich einen ... ähm ... äh ... ein Bild von mir spiegel ... Also wenn ich es fotografiert habe ... Dann erkenne ich mich wieder selbst nicht.
                                            • Dann ... Dann ... Dann sieht ... Also ich weiß natürlich: Ich bin es.
                                            • Aber es sieht nicht nach mir aus!
                                            • Weil ich plötzlich die Perspektive des Betrachters einnehme.
                                            • Nicht so wie ich mich im Spiegel sehen würde.
                                            • Das heißt: Ich muss mich entscheiden, ... ähm ... was möchte ich.
                                            • Möchte ICH mich wiedererkennen? Also ein Spiegelbild machen.
                                            • Oder soll der BETRACHTER es tun?
                                            • [ Pause. ]
                                            • Wenn der Betrachter es tun soll, weiß ich ja NIE, ob es ... ähm ... wirklich stimmt!
                                            • Weil ich nicht im Betrachter drinne stecke!
                                            • Ich kann bloß VERMUTEN, wie es aussehen wird.
                                            • [ Pause. ]
                                            • Da denke ich doch, ist es das ...
                                            • [ Gähnen. ]
                                            • [ Aufnahme pausiert. ]
                                            • [ Aufnahme fortgesetzt. ]
                                            • ... Oder ist es das ... äh ... ähm ... naheliegende, mich so zu ... ähm ... modellieren, wie ICH mich sehe.
                                            • [ Rotze wird hochgezogen. ]
                                            • Das macht ja ein Selbstbildnis auch aus!
                                            • Zum Teil.
                                            Subjektivität
                                            • Hinzu kommen dann ja die subjektiven Übertreibungen.
                                            • Die habe ich jetzt noch überhaupt nicht eingearbeitet.
                                            • Beziehungsweise sie kamen jetzt ... ähm ... ohne, dass ich es WOLLTE.
                                            • Bei den Beinen habe ich den ganzen Tag gestern ... ähm ... damit zugebracht, sie IMMER weiter ... ähm ... schlanker zu machen.
                                            • Weil ich den Drang habe, meine Beine, also die Oberschenkel, ...
                                            • [ Schlucken. ]
                                            • ... viel zu dick zu machen.
                                            • Weil ich das GEFÜHL habe, meine Beine WÄREN ... äh ... sehr wuchtig.
                                            • Und wenn ich dann nachmesse, stimmt es überhaupt nicht mehr!
                                            • Das heißt, da ist sehr viel ... sehr viel Subjektivität ... äh ... in dieser ... äh ... Figur.
                                            • Äh ... In der ich ja eigentlich versucht habe, ... ähm ... diese subjektive Sicht herauszuhalten.
                                            • Das geht eben offenbar nicht!
                                            • Aus zweierlei Gründen.
                                            • Einmal eben WEIL ich ... ähm ... äh ... subjektiv mich betrachte.
                                            • Ähm ... Und selbst wenn ich alles ... äh ... bemesse, ... ähm ... es wird nicht schwinden!
                                            • Und zweitens eben WEIL ich ... ähm ... mich über denn SPIEGEL betrachte.
                                            • Und ... äh ... ja. Ich alles spiegelverkehrt wahrnehme.
                                            • [ Pause. ]
                                            • Also ich werde es nie herausbekommen.
                                            • Und eigentlich ist das ja wiederum das Schöne!
                                            • Das soll so sein.
                                            • Ich muss mir dessen halt lediglich bewusst sein.
                                            • Damit ich nicht ... äh ... an der Form verzweifel und denke, ich würde es aus Unwissenheit nicht hinbekommen.
                                            • Es geht schlicht einfach nicht!
                                            • [ Aufnahme Ende. ]
                                                Versuchung Ich lasse mich in einem fort zu oberflächlichem Arbeiten verleiten. Zwar versuche ich das, was ich sehe, zu verstehen und zu übertragen. Aber genau in dem Moment, wo ich die Modelliermasse mit Werkzeug oder Finger bearbeite, erlege ich der Versuchung und forme frei nach Gefühl. Das sehe ich im Extremen an den modellierten Rippen. Modellieren und Rippen darf ich dazu gar nicht sagen! Es sind Rillen und Berge, die im entferntesten Rippen imitieren! Bei einer bereits gegossenen Figur sah ich heute, wie plump, ja wie wahllos, das Modellierte eigentlich ist. Form An den Beinen tue ich mich aktuell so schwer, weil ich nicht die ganze Form sehe, sondern Berg und Tal der Muskeln einzeln betrachte. Kampf Ein großes Wort, aber ich habe vermehrt das Gefühl, dass das Arbeiten genau das ist: Ein ständiger Kampf zwischen mir und der Form. Ein ständiges Herantasten, zurücknehmen, auftragen, abschneiden. Und wenn ein Teil korrigiert ist, wird ein zuvor fertiger Bereich wieder hinfällig und es fängt von vorne an. Dabei darf ich nur eines nicht (bisher zu oft getan): Das große Ganze aus dem Auge verlieren. Die Proportionen immer wieder abgleichen. Um die Plastik herumgehen und kontrollieren, ob — vielleicht im Detail nicht korrekt, aber — jene als Ganze immer noch funktioniert. Zwanghaft Ich arbeite zwanghaft korrekt. So entsteht zwar eine realitätsnahe aber gleichzeitig leblose Form. Lufttrocknende Modelliermasse wird mich dazu zwingen eine Figur innerhalb kurzer Zeit zu modellieren und dabei ungenau zu arbeiten / zu bleiben.
                                                Spannung Eine kleine Geste kann mehr Bewegung bedeuten als eine insgesamt expressive Körperhaltung. Bei der neuen Ganzkörperfigur habe ich zum Beispiel lediglich die Arme leicht angehoben. Sie hängen nicht mehr schlaff oder angepresst am Körper entlang herunter. Sie sind in angespannter Haltung, ohne angespannt zu wirken! Der Rest des Körpers ist streng gehalten. Geradeaus blicken, Beine streng nebeneinander. Dagegen wirken die Ganzkörperfiguren aus Plastilin lächerlich überzogen und — trotz einer extremen Körperhaltung — kraftlos. Die neue Figur presst keine Geschichte aus ihrer Haltung heraus. Dem Betrachter wird nichts plump erzählt. Die angespannten ungespannten Arme schaffen es dennoch eine Geschichte zu erzählen! Ohne sie jedoch offen zu legen. Die Geste erzeugt — nennen wir es — eine unscharfe Erzählung. Eine Erzählung, die nicht so einfach in Worte gefasst werden kann. Übung Die Ganzkörperfigur aus der Diplomprüfung werde ich zwar weiter ausarbeiten, aber ich merke jetzt schon, dass sie — auch wenn nur zwei Monate vergangen sind — im Vergleich zur neuen Figur nichts zu sagen hat. Davon abgesehen sind die Arme zu kurz, die Körperhaltung insgesamt ungeklärt, das Postament unüberlegt. Ich betrachte sie nur noch als Übung. Als Versuch Material zu erkunden und Oberfläche zu behandeln. Aus heutiger Sicht hätte ich sie nicht zur Diplomprüfung gezeigt.
                                                Werkstatt Vor zwei Tagen Negativform mit erster Schicht Trennlack eingestrichen. Benutzten Pinsel einfach liegen lassen, Borsten werden beim erneuten Anrühren wieder weich. Gestern mit Schellack überzogen. Stunden später zweite Schicht Trennlack aufgetragen. Schellack harzige (aus organischen Stoffen zusammengesetzt) Substanz. Wird aus Ausscheidungen der Lackschildlaus nach ihrem Saugen an bestimmten Pflanzen gewonnen. Gewindestange aus Edelstahl gebogen. Wird zur Stabilisierung über Becken in beide Beine bis zum Postament verlegt. Schwindel Ich fühlte mich als Schwindler, würde ich eine Körperhaltung modellieren, die zwar Blicke auf sich zieht, aber die gleichzeitig keinen Bezug zu meinem eigenen Wesen hat. Ich sollte auch nicht auf weißes Gips zurückgreifen, der mit etwas Nachbearbeitung eine rein anmutende Oberfläche besitzt. Auch sollte ich keinen alten Idealen hinterherrennen, wie Körperproportion, Größe des Geschlechtsteils oder gar Verhüllung jenes. Es wird weißer Gips sein, wenn es zu mir und zu der modellierten Figur passt. Es wird eine tanzende Figur werden, wenn ich mich mit der expressiven Bewegung zu identifizieren vermag. Es wird ein bewusst kleines Geschlechtsteil sein, wenn mir die Untertreibung für die Plastik, für die Form, für das Flächenspiel, wichtig erscheint. Solange möchte ich aber nicht unkontrolliert visuelle Äußerungen tätigen. Also greife ich zuallererst auf eine neutral anmutende Pose zurück, wo ich die Proportionen meines eigenen Körpers übertrage. Nachtrag: Und schon habe ich wieder vergessen, dass ich ja eigentlich gerade erst ganz am Anfang stehe, was Bildhauerei, Materialkunde, menschlicher Körper, Verständnis für Proportion und Flächen, angeht. Ich darf also Schwindel betreiben! Nein: Ich muss sogar! Nur so kann ich meine eigenen Grenzen haptisch und visuell erfahren, Gedanken zu meinen Erkenntnissen ausformulieren und abschließend bewusst an die Umsetzung gehen.
                                                Plinthe Bezeichnung für den schmucklosen viereckigen Sockel. Ausdruck Plinthe wird oft fälschlicherweise auch für runde Fußplatten von Figuren verwendet. Plinthe im Gegensatz zu Postament immer plattenförmig. Postament Postament bzw. Piedestal (ital. piede "Fuß", stallo "Sitz"): Bisweilen aufwendig gestalteter Sockel von Gebäuden, Statuen oder Säulen. Acrystal Flüssiges 2-Komponenten-Gießsystem. Kombination von flüssigem Acrylharz auf Wasserbasis und Mineralpulver. Ungiftig, geruchlos, mit Wasser abwaschbar, wetterfest, UV-beständig. Güsse bereits nach 40–90 Minuten entformbar und bearbeitbar. Härtet ohne Schwund unter geringer Wärmeentwicklung aus.
                                                Werkstatt Negativform von Ganzkörperplastik hergestellt. Anders als bisher gelernt Gips in Wasser nicht nur mit einem herausragenden Hügel, sondern ganzflächig sichtbar, ansonsten zu wässrig. Lücken zwischen Oberkörper und Armen sowie beiden Beinen mit Papier gefüllt. Papierfläche von hinten mit Ton stabilisiert. Neue Figur mit Plastilin NSP (Nicht Schwefel Plastilin) Soft angefangen. Viel fester, deshalb bisher ohne stabilisierender Halterung gearbeitet. Körper in einfacher Pose, nach vorne blicken, Beine und Arme gerade.
                                                Neue Ganzkörperplastik angefangen. Stahlgerüst nach Maßen vom 10.3. hergestellt. Bindedraht um gesamtes Gerüst gewickelt, damit Plastilin nicht sackt. Körperstudien Eine Körperhaltung zu modellieren, die ohne Sinn ist, außer, dass sie zum Verständnis des Körpers gemacht ist, lässt mich fragend zurück. Eine zweite Körperhaltung zu modellieren — ebenfalls eine Pose, mit der ich nichts verbinde — und sie neben dem anderen Modell zu sehen, öffnet in dieser nun entstandenen Konstellation ungewollt Themenfelder. Zumindest wird im Kopf des Betrachters eine Verbindung hergestellt. Ich muss mich dagegen wehren, dass mir das selbe passiert. Denn ich möchte in den Modellen nichts anderes sehen als Körperstudien. Objekte, mit denen ich versuche, den Körper zu verstehen. Beobachten, verstehen, nachbilden. Thema Vom Studium bin ich noch so sehr darauf getrimmt, "Kunst zu machen". Alles wurde sogleich vom Medienkünstler als Äußerung zur politischen oder gesellschaftlichen Lage gewertet. Es musste ein Thema geben! Jetzt habe ich das Studium zwar beendet, gefühlt bin ich aber noch mitten im Grundstudium. Das Grundstudium, welches von der Medienkunst übersprungen wird! Nur ich denke, es braucht viel Zeit zum Beobachten sowie rudimentäre Kenntnisse in Materialdingen, bevor ich soweit bin, überhaupt etwas zu machen, was ich als künstlerische Arbeit bezeichnen würde.
                                                Ganzkörperplastik An Ganzkörperplastik gearbeitet. Zuerst schien es mir falsch, eine Pose einzunehmen und zu modellieren, die mir im Alltag nie in den Sinn kommen würde. Ich musste mich immer wieder ermahnen, dass es eine Übung sei und keine künstlerische Arbeit. Also ein Objekt ist, an dem ich mich ausprobieren kann, ohne es hinterfragen zu müssen. Im Nachhinein bin ich froh — den aktuellen Stand anschauend —, dass ich mit wachem Auge, fixierendem Blick, immer weiter arbeitete. Es ist nicht nur, dass ich beim Beobachten und Modellieren die Zeit vergaß, sondern auch den Druck, etwas Ausstellungsreifes zu produzieren. In einem Satz: Es machte mir einfach Freude! Die Pose ist übertrieben. Und das ist gut so! Mich würde es stören, wäre es eine Pose, die in Verbindung mit emotionalem Handeln stehen würde. Das wäre ich nicht. Sie ist so übertrieben, dass ich mich auf das Modellieren konzentrieren kann und nicht auf die Aussagefähigkeit. Was mich reizt ist der kubistisch anmutende Sockel in Verbindung mit dem fleischigen Körper. Der Gegensatz, das Nebeneinander. Beide Elemente beziehen sich aufeinander, sind aber nicht vom anderen vereinnahmt. Anders wäre es, würde ich eine Kugel modellieren und sie zwischen die Beine legen. (Was ich auch zwischenzeitlich tat.) Das Objekt ordnet sich dann der menschlichen Gestalt unter, würde also eine Geschichte erzählen müssen.
                                                Werkstatt Großen Spiegel für Ganzkörperplastik und kleinen für Büsten in Werkstatt aufgebaut.
                                                Auge Auge, Ausschnitt aus Elsa Asenijeff, um 1899, Max Klinger auge2.jpg Pupille ausgehöhlt. Auge, Ausschnitt Marmorskulptur von Christus im Olymp, Max Klinger auge3.jpg Bereich Pupille vertieft mit kleinem tiefen Loch. Wirkt von Nahem stechend, nicht schön. Nur aus weiterer Entfernung gute Wirkung. Auge, Ausschnitt aus Kassandra, 1895, Max Klinger auge4.jpg Angst nicht durch Form sondern durch verwendetes Material dargestellt. Karneol, feuerroter Stein, in Augenhöhle. Auge, Ausschnitt aus Die Verdammnis, um 1725, Balthasar Permoser auge5.jpg Ausdruckslos, verschleiert, leer. Augen nicht ausgearbeitet. Auge, Ausschnitt aus Große Kniende, 1923/24, Georg Kolbe auge6.jpg Pupillen und sogar ganzes Auge nicht modelliert. Wird durch Schattenwurf des Augenlids verschleiert. Gipsabguss Bei Gipsabguss (Kopie von Original) einer Plastik deutlich sichtbare Abformschalen. gipsschalen.jpg zeitgemäß Kunst soll zeitgemäß sein, nicht ein Wiederaufgreifen alter Stile (Wilhelm Lehmbruck). Meiner Meinung nach sollte das Alte ein Teil des Neuen sein. Bzw. Neues kann es ohne dem davor nicht geben. Es fußt immer darauf, auch wenn es sich dagegen noch so wehrt / verneint. Umberto Boccioni aus "Technische Manifest der futuristischen Plastik": Das angeblich Noble, gelehrsam und traditionell, muß zerstört werden, ebenso wie Marmor und Bronze, und es ist entschieden abzulehnen, daß für ein plastisches Werk nur ein Material verwendet werden dürfe. Der Bildhauer kann zwanzig Stoffe, oder noch mehr, anwenden in einem einzigen Werk, wenn der plastische Ausdruck dies erfordert. Hier ein kleiner Teil der zur Wahl stehenden Materialien: Glas, Holz, Papier, Zement, Beton, Haar, Leder, Textilien, Spiegel, elektrisches Licht etc. Anarchie Es gibt heute so viele Wahrheiten wie es Künstler gibt. Der Irrtum unserer anarchischen Epoche besteht darin, unter dem Vorwand der Freiheit die Gegebenheiten der historischen Erfahrung und die bildhauerischen Gesetze über den Haufen werfen zu wollen. (Marcel Gimond) Bewegung Eine Plastik ist nichts lebendes. Sie kann aber Leben imitieren, Bewegung darstellen. Bei mir bisher nur starre Plastiken entstanden. Betrachte sie daher als Übung. Uninteressant Alles, was ein Leben ausmacht, aber nicht beachtet wird, also eigentlich uninteressant scheint, ist gutes Material für die Kunst. Ausgangspunkt Ausgangspunkt für gute Arbeiten ist, wie in der Malerei, das Sehen. Natur sehen zu lernen. Zu beobachten, wie sie funktioniert. Zusammenhänge erkennen. Anfänglich (und da sehe ich mich immer noch) sehe ich die Zusammenhänge beim menschlichen Körper nicht. Wie eine Haltung den Körper formt. Wie ein Muskel nicht bei der Vorderansicht abrupt aufhört, sondern seitlich weitergeht. Übergänge in einer Plastik zulassen. Plastik drehen, nicht nur über Fotografie kopieren versuchen. Akademie Robert Jacobsen über den Kunstunterricht: Kunst ist nicht lehrbar. Akademien sollen also nicht Kunst lehren, sondern deren technischen und analytisch-theoretischen Grundlagen und Möglichkeiten.
                                                Arbeitsmaterial Eigenen Körper für Ganzkörperplastik abgemessen. koerpermasse.jpg Gerade Körperhaltung, frontal. arbeitsmaterial-1.jpg Fotomontage, aneinander liegende Beine, Hände ruhen auf Kopf. arbeitsmaterial-2.jpg Fotomontage, aneinander liegende Beine, Arme ausgestreckt. arbeitsmaterial-3.jpg Arme ausgesteckt. arbeitsmaterial-4.jpg Muskeln angespannt, aufgeblähter Oberkörper, Kopf nach vorne geneigt. arbeitsmaterial-5.jpg Arme hinter Oberkörper verschränkt, Standbein rechts. arbeitsmaterial-6.jpg Standbein rechts, Arme vor Oberkörper verschränkt. arbeitsmaterial-7.jpg Standbein rechts. arbeitsmaterial-8.jpg 4 Ansichten gerade Körperhaltung, (linke Seite), (Rücken), (rechte Seite) arbeitsmaterial-9.jpg Standbein links, Rückansicht, rechtes Bein weit nach rechts ausgeholt. arbeitsmaterial-13.jpg Vorderansicht, verschränkte Arme hinter Rücken, Standbein rechts. arbeitsmaterial-14.jpg Standbein rechts, verschränkte Arme. arbeitsmaterial-15.jpg Seitliche Ansicht mit verschränkten Armen, Standbein links (mit angespannten Obermuskeln). arbeitsmaterial-16.jpg Arme über Kopf, Rippen gut sichtbar. arbeitsmaterial-17.jpg Angespannte Körperhaltung, Beine auseinander, rechter Arm leicht angehoben. arbeitsmaterial-18.jpg Drehbewegung Seitenansicht, rechter Arm ausgeschwenkt, linker Arm mit selber Drehbewegung vor Oberkörper. Kniescheibe gut sichtbar. arbeitsmaterial-19.jpg Drehbewegung Seitenansicht, gut sichtbare Rippen. arbeitsmaterial-20.jpg Drehbewegung, 9 Ansichten. (angespannte Pobacken, gut sichtbare Schulterblätter mit Muskulatur) arbeitsmaterial-21.jpg Frontalansicht, leicht angeknickte Beinhaltung, Arme am Körper angelegt. arbeitsmaterial-30.jpg Maße Gerüst
                                                Kleidung Zur Ganzkörperplastik mit Unterhose als Zeichen einer zeitgenössischen Plastik (siehe 6.3.): Ist ein Trugschluss. Nur weil ich heute übliche Kleidung in die Plastik integriere, ist sie nicht zeitgenössisch. Oberflächlich gewiss: Was sehe ich. Aber die Oberflächenbehandlung, das Material, die Geste, der Ausdruck: sind davon weiterhin unberührt. Es ist also lediglich ein Indiz. Ausprobieren Plastisches Gestalten besteht aus Inhalt und äußerer Formgebung. Bei beiden frage ich mich: Was möchte ich mitteilen / festhalten? Nur wild ausprobieren, alles darstellen, aktuelle gesellschaftliche Diskussionen festhalten ist mir zu wenig. Ausprobieren könnte aber am Anfang stehen. Ohne Ausprobieren kein Fortschreiten. Verständnis Muss die bloße Anschauung der Plastik durch den Betrachter zum Verständnis führen? Ist nicht gerade das Nicht-Sofort-Verstehen-Können Ausdruck einer extrem individualistischen Zeit? Ich bin keine Kirche, die Inhalt über Form vermitteln will. So oder so: Kunst ist nicht von vornherein selbstverständlich, da es keine allgemeinverbindliche Kunstauffassung gibt. Nur dann darf ich auch nicht versuchen meine Arbeit mit Worten zu erklären. Worte vermitteln, es gäbe einen für jeden nachvollziehbaren Grund. Ich kann lediglich aus meinem Leben erzählen. Was in der Plastik dann gesehen wird, bleibt offen. Erklärung Neue Werkstoffe und neue Arbeitsmethoden fordern Erklärung. Eine Büste — und dazu noch aus herkömmlichem Material wie gebrannter Ton oder Gips — wird nicht hinterfragt. Mensch Der Mensch ist Hauptthema der Bildhauerei. Ursprung Warum im kindlichen Zeichnen, in der Höhlenmalerei, bei psychisch Kranken Material suchen? Ich bin kein Kind mehr! Ich bin kein Höhlenmensch! Ich bin nicht in einer Klinik! Mit dem Imitieren werde ich nicht naiver, ich tue nur so. Sobald ich mich bewusst zu so einem Stil entscheide, kann nur Totes entstehen. Dieses Vorgehen kann also lediglich Anfang sein, eine Lockerungsübung.
                                                Werkstatt Zwei Monate alte nicht weiter modellierte Tonbüsten aus Studienzeit abgetragen. Werkstatt aufgeräumt.
                                                Gips Griech. gypsos. 1. Farbloses oder weißes, manchmal gefärbtes Mineral, kristallisierendes wasserhaltiges Calciumsulfat, eingelagert in vielen Sedimenten, aber auch eigene Gesteine bildend. 2. Daraus hergest. Pulver für Arbeiten aus Stuck, Modellbau usw. Handelsüblicher G. ist pulverisierter Gipsstein, der durch Brennen sein Kristallwasser verlor und zur Verarbeitung (Aushärtung) wieder mit Wasser vermischt wird. G. wurde schon im frühen Altertum verwendet.
                                                Heute die Alte Nationalgalerie in Berlin mit Hans und Gisela besucht. Grenze Auf Bordsteinkante balanciert. Das reizt mich, weil in der Breite wenig Bewegungsfreiheit. Das Spielen darauf fordert von mir das Gleichgewicht zu halten. Ein Kunstraum ohne Grenzen produziert müde, verkopfte Kunst. Da der Künstler selbst bereits alle Grenzen gesprengt, muss ich mir Regeln machen, die eingrenzen und zugleich fordern. Siehe Arnold Schönbergs Zwölftontechnik. Oder die Bordsteinkante. Ausdruck Beim Modellieren merke ich, wie ich jedwede Form mit individuellem Ausdruck scheue, da mir diese selbst modellierten Formen noch nichts mitzuteilen haben. Da Verharren auf das bloße Kopieren der Natur keine Lösung ist, muss ich ausprobieren! Aber ohne zu hinterfragen. Ohne einer Idee von Ausdruck haben zu wollen. Ein nicht hinterfragbares Ganzkörperporträt ist eines mit Unterhose. Statt Baum oder Stein als Stütze: Stuhl oder Hocker. Keine zu emotionale Geste. Eher verhalten, unaufdringlich. Aber ein schöner Körper. Kniende Brunnenfigur, 1898, George Minne minne.jpg Ich weiß nicht, was ich will. Nur was ich nicht will. Eine Form modellieren, wo der Betrachter Vertrautes findet, nicht verzweifelt sucht. Ein Titel, der die Arbeit nur beschreibt. Die Arbeit muss wortlos funktionieren. umsetzen Verschiedenste Körperhaltungen fotografisch festhalten und als Vorlage für Plastik verwenden. Auge Arnold Böckling (Ausschnitt), 1897, Adolf von Hildebrand auge.jpg Iris von Adolf von Hildebrand hervorgeholt, Pupille ausgelassen, kleines dunkles Loch. Zu Das eherne Zeitalter, 1875/76, Auguste Rodin: Schon damals aufgrund detailgetreuer Wiedergabe des menschlichen Körpers eines simplen Abgusses seines Modells bezichtigt.
                                                Büste Büste mit überlangem Nasenbereich und verkürzter Stirn hat, im Gegensatz zu den anderen Büsten, Charakter. Sie ist noch keinesfalls als Ausstellungsobjekt geeignet. An ihr lässt sich jedoch gut sehen, in welche Richtung ich weiter arbeiten möchte. Büste bueste1.jpg Sie wirkt nicht leblos, kopiert, zwanghaft modelliert. Verdickte Stellen, durch Abgussverfahren entstanden, bringen Spannung in Schädeldecke (siehe Skulpturen von Rodin). Arbeitsprozess bleibt sichtbar, inkludiert zeitlichen Aspekt. Mit veränderten Proportionsverhältnissen, aber nicht übertrieben. Ohne Kopfhaar, das Oberfläche nur verschleiern, Blicke auf sich ziehen und von eigentlicher Form ablenken würde. Augenbereich zu weit nach vorne geholt. Abschluss Schultern / Oberkörper gelungen.
                                                Büste Büsten aus Studienzeit wirken leblos, dekorieren den Arbeitsraum. In Werkstatt waren sie Teil eines Lernprozesses. Atelier Überlege nun wieder, ein Atelier anzumieten. Auch wenn es aufs Jahr hochgerechnet viel Geld kostet, welches ich durch die Arbeit dort nicht wieder einnehmen werde.
                                                Mit Gerit das MdbK Leipzig besucht. Gezeichnete Kreuze am Gipsmodell gefunden. gipsplastik.jpg Marmorskulpturen bei Christus im Olymp, Max Klinger . Gipsmodell mittels Punktiergerät in Marmor übertragen. Punktiergerät 3 Fixpunkte werden am Modell und am Werkstück festgelegt. Mit verschiebbarer Nadel wird 4. Punkt markiert. Nadel wird zurückgezogen und an Werkstück angesetzt. Anhand Abstand zwischen Anschlag und Reiter wird abgelesen, wie viel Material am betreffenden Punkt noch weggearbeitet werden muss. Je nach Genauigkeitsanspruch werden Punkte mehr oder weniger dicht gesetzt. In Endbearbeitung werden Punkte miteinander verbunden, Fläche entsteht. Büste Max Klinger hat Gipsplastiken farbig angemalt, um spätere Wirkung, wie in Stein oder Bronze, zu sehen. verhüllt Körperstellen teilweise unbearbeitet belassen. Elsa Asenijeff, um 1899, Max Klinger unbearbeitet.jpg Umschließen Plastik, vermeidet harten Schnitt. Büste mit Resten von noch nicht abgeschlagener Schale. nichtausgeschlagen.jpg