Friedr ich Fr öhlich

Standpunkt

#7


Selbstbildnis mit Büste und Modellierbock in einem Fahrstuhl.


2017-09-13

#6

  • Nach nicht aufgezeichnetem Selbstgespräch versucht jenes zu rekonstruieren.
  • Im Raum mit Arbeiten von Johann Garber.
  • Was hab ich denn da gesagt?
  • Stimme im Hintergrund.
  • Kinderzeichnungen.
  • NE! Was der Unterschied zwischen ihm und zwischen mir jetzt sein wird.
  • Stimme im Hintergrund.
  • Ich bin jetzt irgendwie auf der Suche nach ... dem, wo ich das Gefühl habe: Das ist ... ähm ... Das kommt wirklich aus einem heraus!
  • Und das macht man nicht ... äh ..., um in der Kunstwelt ... ähm ... Fuß zu fassen. Man ... man nimmt nicht irgendwie ein besonderes Papier, weil das gut rüber kommt!
  • Man überlegt sich nicht, welchen Stil man haben will, damit es sich gut verkaufen lässt.
  • Oder so.
  • Pause.
  • Sondern ich denke, das ist hier wirklich so entstanden, dass ...
  • Ne.
  • DOCH. Ich ... ich ...
  • Es kommt ... [nicht verständlich] ... ständig Besucher.
  • Ja JETZT. Aber ich kann mir gut vorstellen ...
  • [nicht verständlich]
  • Das ist der selbe. Ja.
  • Aber der ist schon gestorben.
  • Okay.
    Aber ich glaube nicht, dass im Vordergrund stand ... jetzt in der Kunst ... ähm ... Welt ... irgendwie ... ähm ...
  • Vielleicht, dass es [nicht verständlich]
  • Das denkst DU jetzt.
  • Glaube ich nicht!
  • Also wenn man sowas primitives als ... als ... als ... Grund hat, dann macht man das nicht lange. Dann ist das wirklich nur noch Handwerk.
  • Aber ... das ... das ... glaube ich nicht. Bei diesen Ergebnissen, wie du das hier siehst.
  • Das ist ja ein extrem ... also extrem ... VIEL Output.
  • Da will der irgend...
  • [nicht verständlich]
  • Was?
  • Ja. Das ist jetzt ein scheiß Wort.
  • Nein. Aber da will ... da will ja irgendwas raus. Anscheinend.
  • Und das suche ich halt bei mir selbst auch!
  • Irgendwie.
  • Weil bei mir WILL nichts raus.
  • Weil da irgendwie nichts drinne ist.
  • Habe ich das Gefühl.
  • Pause.
  • Und ich habe aber das Gefühl eben bei sehr sehr vielen ... äh ... ähm ... Ausstellungen, oder bei Kunststudenten, dass es so ein ... ähm ... Ich muss mir jetzt halt ein Thema suchen, oder ... oder zufälligerweise habe ich jetzt ein Thema, also verwende ich das.
  • Und mache das irgendwie groß.
  • So.
  • Und das wirkt aber alles so ... so konzeptuell.
  • Also so ... so geplant einfach.
  • Und nicht als etwas, was aus einem wirklich heraus will.
  • Und da gefällt mir das hier halt ENORM.
  • Pause.
  • Weil das wirkt nicht. Das wirkt so, als käme es [ohne Zwang so heraus].
  • Und eben auch dieser ... dieser ... äh ... Zu diesem Stil jetzt noch einmal kurz. Was ich gesagt hatte.
  • Die ... ähm ... Diese geometrische Periode bei den Griechen. Wie die mit Mustern angefangen haben.
  • Das ... ich meine ... Das sehe ich hier ja auch!
  • Und auch das mit den ganzen steifen Penissen, die hier überall sind. Das ist ja auch bei den Griechen so gewesen. Wo die die ganzen muskolösen ... äh ... jungen Typen Sport haben treiben lassen.
  • Auf den Vasen. Überall sind ... äh ... errigierte Peniss!
  • Pause.
  • Und das ist was URIGES.
  • Finde ich.
  • Also er greift ja vielleicht UNBEWUSST auf ... auf ... diese ... auf so eine alte Tradition. Oder auf dieses ... dieses VERLANGEN halt, den Körper so darzustellen, zurück.
  • Er machts ja noch nicht einmal ... Also das sind ja hässliche Körper. Eigentlich.
  • Die sind jetzt nicht so ... So schön athletisch.
  • Wie bei den Griechen. Wie die das wollten.
  • Pause.
  • Mhm.
  • Pause.
  • Zum Beispiel: Ich hätte nicht das Verlangen, dieses Abendmahl zu malen.
  • Das ist genau richtig so. Aber ich hätte halt ... Also ich habe keinen BEZUG dazu. Das ist halt so eine ... so eine ... christliche ... äh ... Tradition.
  • Irgendwie.
  • Das ist ein bekanntes Bild. Aber das jetzt noch einmal als Motiv zu nehmen ... Das ... Das würde mir nicht einfallen.
  • Pause.
  • Hingegen jetzt sowas hier. Da unten! Diese Kirche!
  • Oder was es ist.
  • Dieses rote Bild! Ne? Mit der Sonne. Ganz ganz einfach gemacht!
  • Das scheint ja eher ... äh ... aus seiner Umgebung zu sein.
  • Pause.
  • ich gehe zum Bild
  • Na. Da steht jetzt nichts dazu.
  • Pause.
  • Und die Giraffe sicherlich auch!
  • Pause.
  • Oder diese Henne. Oder was das da ist. Ne?
  • Pause.
  • Mhm.
  • Pause.
  • Das kann ich halt maximal mit der Katze machen.
  • Pause.
  • Nur bei mir wirkt es dann eben so ... GEWOLLT!
  • Ich WOLLTE sozusagen so sein, wie ... wie ER.
  • Oder wie andere Art Brut Künstler.
  • Oder wie Kinder! Oder so.
  • Oder wie Höhlenmenschen!
  • Nur die Höhlenmenschen haben sich ja nicht gesagt: Oh, wir wollen jetzt so ... so primitive Kunst machen.
  • Damit wir später auffallen!
  • Oder weil wir was URIGES machen WOLLEN. Sondern die hatten das ja WIRKLICH gemacht, weil sie das gerade als ... äh ... als DAS ... äh ... DAS ... DAS WOLLTE AUS DENEN RAUS!
  • Pause.
  • Und ich weiß jetzt gerade nicht, ob es was bringt, da nachzumachen.
  • Zu kopieren!
  • Klar entsteht dann dabei auch etwas Neues. Weil du ja so deine eigenen ... ähm ... Empfindungen und deine eigene Geschichte mit reinbringst.
  • In deine ... in deine Zeichnungen.
  • Pause.
  • Aber ob jetzt der Weg der richtige ist, ... äh ... ERST zu kopieren und DANN halt etwas ... etwas zu schaffen ... Also mit dem Hintergrund VERLANGEN. Etwas zu schaffen, was aus einem eigentlich RAUS WILL.
  • Ich weiß nicht, ob das klappt.
  • Pause.
  • Die Giraffe würde ich halt gerne nachmachen.
  • Pause.
  • Und diese Henne da!
  • Pause.
  • Und dieses ... äh ... dieses Gebäude!
  • Also mir gefallen eigentlich eher so diese ... diese ... diese mit so einer Farbfläche. Weißt du?
  • Diese Bilder.
  • Also nicht einmal diese mit den ganzen ... schwarzen Strichen.
  • Oder das mit dem Pferd! Wo der Typ da drauf sitzt.
  • Auch mit einem errigierten Penis wieder.
  • Pause.
  • Und die BILDERRAHMEN.
  • Die sind ja auch Teil ... also teilweise selbst dann noch einmal ... bemalt.
  • Pause.
  • Und Kreuze hat der auch ... ähm ... VIELE.
  • Gemacht.
  • Pause.
  • Die sind aber bestimmt nicht verhüllt.
  • Pause.
  • Das ist halt auch noch einmal so ... so was. Ich weiß nicht, ob das urig ist. So dieses ... äh ... EIN Muster. Ständig wiederholen.
  • Punkte wiederholen!
  • Blumen... äh ...motive wiederholen.
  • Linien wiederholen.
  • Da kann man ja riesen große Flächen FÜLLEN mit.
  • Pause.
  • Da muss man dann halt nur aufpassen, dass es nicht zum ... zum Design-Objekt wird.
  • Pause.]
  • Das man das nur macht, um ... um eine Fläche zu füllen.
  • Ich weiß nicht. Schaut eigentlich ganz hübsch aus.
  • Pause.
  • Blätterrascheln
  • Also nach dem KUNSTSTUDIUM an der Hochschule ... Ich glaube, da fange ich bei NULL an.
  • Pause.
  • Ich versuche alles wieder zu vergessen.
  • Und auch mein ... meinen Arbeitsraum werde ich ... ähm ... ALLES rausnehmen, was ... was mir so vorkommt, als würde ich da bloß so TUN WOLLEN, als wäre ich ein Künstler.
  • So. Diese ganzen ... ich weiß nicht ... Ölfarben. Oder so.
  • Pause.
  • Die ... Das PROFI-ZEICHENPAPIER. Oder wie die dann heißen. Die so teuer sind.
  • Pause.
  • Immer darauf bedacht, wenn Sonne drauf kommt, dass sie ja nicht verbleichen. Oder so.
  • Pause.
  • Das ... das ... das ... das ist doch alles HEMMUNG.
  • Ähm.
  • Einfach etwas zu tun!
  • Das fällt mir bei der Büste auf.
  • Pause.
  • Ich hatte EXTREME Hemmung, da ... äh ... da weiterzuarbeiten.
  • Weil ich bloß eine hatte.
  • Also auch beim Holz.
  • Die habe ich ja jetzt kaputt gemacht.
  • Aber seit dem ich halt diese Silikonform habe und ich weiß halt, ich kann sie ... äh ... oder ich WERDE sie jetzt auch häufiger machen ... Dann ... dann KANN ich einfach drauf herum hauen.
  • Und gucken, was passiert!
  • Pause.
  • Das hat mir da zum Beispiel gefehlt.
  • Und da ist die Hochschule für mich halt irgendwie ... so ... so ein Hemm-Material.
  • Pause.
  • Da kann ich mich ganz schlecht überwinden, einfach etwas zu ... zu verhauen. Weil ich dann denke: Jetzt ist es danach kaputt und ich kann das nie wieder machen.
  • Und das selbe bei einem Bild!
  • Da habe ich ANGST irgendwie einen falschen Strich zu ziehen!
  • Weil den ... den kriegst du nicht mehr weg.
  • Pause.
  • Und hier sieht es ja nicht so aus, als hätte der irgendwie einen falschen Strich gezogen.
  • Da gehört ALLES dazu.
  • Das kann aber bloß passieren, indem du nicht ständig diese Angst hast.
  • Etwas falsch machen zu können.
  • Pause.
  • Das heißt ... einfach mal den Kopf abschalten. Eigentlich.
  • Aufnahme Ende.




2017-07-23

#5

  • 3 Uhr nachts aufgewacht.
  • Ich kann nicht mehr schlafen. Bin TOTAL müde.
  • Pause.
  • Aber Gedanken dazu … halten mich wach.
  • Pause.
  • Dazu sch… schwirrt ständig … das Weihnachtslied … Morgen wirds was geben … im Hintergrund in meinem Kopf herum.
  • Aufnahme Ende.



2017-05-17

#4

Während Arbeit an Büste Whisky getrunken.

Ein Verlaufsprotokoll.

13:07 Uhr: Ankunft in Werkstatt.

Mitarbeiter verlässt den Raum.

Ich stelle die Whisky-Flasche auf den Arbeitstisch.

Weiterhin: Thermoskanne mit Kaffee (wasserverdünnt), Nudelsalat in Kunststoffschale, Gabel, Rekorder.

13:09 Uhr: Ich stehe vor der Holzbüste und vermerkte im Rekorder aktuellen Zustand.

13:12 Uhr: Noch nüchtern.

13:12 Uhr: Es ist soweit. Ich öffne die Whiskyflasche und trinke einen Schluck.

Gemisch aus billigem und teurem Whisky, durch torfige Note nicht so scharf wie erwartet.

Warte auf Eintreten der Wirkung.

13:14 Uhr: Hebe Handfräse, die vor der Büste auf dem Boden liegt, auf und lege sie auf den Arbeitstisch.

13:19 Uhr: Mit Zirkel Abstände Augen zu Nasenmitte, Breite Augen, Länge Nase gemessen.

Reale Maße stimmen überhaupt nicht mit Holzbüste überein.

13:20 Uhr: Warte auf Wirkung vom Alkohol, in 5 Minuten wiederholen.

13:25 Uhr: Keine Wirkung spürbar, 2 x Schluck Whisky.

13:26 Uhr: Spiegel mit Nagel an Büste befestigt.

Anfang Arbeit.

13:29 Uhr: Mir wird warm, leichtes Pochen im Kopf.

Ich werde freier, schlage einfach einen großen Teil der Nase ab, da Breite nicht stimmt.

Ohne Whisky hätte ich das nicht gemacht.

Da Spiegel runterfällt schlage ich eine Schraube in die Büste.

13:37 Uhr: Ich schwitze, ziehe den Pullover aus.

Schlage freizügiger ganze Partien heraus.

Hoffe, dass ich Büste nicht zerstöre, jedoch keine Hemmungsgefühle.

13:43 Uhr: Wirkung lässt wieder nach.

13:44 Uhr: 1 x Schluck Whisky.

Plötzlich Hitzewallung.

13:51 Uhr: Beim Schlagen Achselschweiß.

Nach anfänglichem Abmessen nun sehr freies Arbeiten.

Zur Abmessung verwende ich lediglich ungenauen Bleistiftstummel.

Arbeite nach meinem Spiegelbild, nicht nach der Gipsbüste.

13:52 Uhr: 1 x kleiner Schluck Whisky.

Flasche fast leer.

13:59 Uhr: Weitere Schweißausbrüche.

Nase nun zu großen Teilen entfernt, muss nun insgesamt nach hinten hin arbeiten.

Verlege wiederholt den Knüpfel, gehe suchend durch die Werkstatt.

14:00 Uhr: 1 x Schluck Whisky.

Lippen tuen leicht weh.

Erneut Schweißausbruch.

Mitarbeiter kommt kurz in den Raum, stellt Holzleim für Befestigung linkes Ohr bereit.

Verlässt wieder den Raum.

Augen folgen nicht mehr so schnell meinem Tun.

Starker Schweiß, Geruch wahrnehmbar.

14:10 Uhr: 1 x Schluck Whisky.

Wiederholt Suche nach Knüpfel, immer wieder verlegt.

14:22 Uhr: Bandsäge wird im Nebenraum vom Mitarbeiter gestartet.

Schweißgeruch.

Arbeiten empfinde ich als sehr befreiend.

Sehr starke Konzentration auf Holzbüste.

Augen weiterhin schwerfällig.

Gedanke, dass ich Holzbüste eventuell bei freierem Arbeiten zerstöre, wird nebensächlich.

Mir ist bewusst, dass expressives Arbeiten auch gutes Handwerk vorausetzt, was bei mir noch fehlt.

14:24 Uhr: 1 x Schluck Whisky, in Flasche nur noch ein paar Tropfen Alkohol.

Augen sehr schwerfällig.

Ruheloses Arbeiten (oder arbeiten?) folgt.

Motiviert, ich will es besser machen.

Sehr optimistisch.

Gleichzeitig mache ich jedoch jede bisher gelungene Form wieder zunichte.

Sehe nicht das Ganze, nur noch Details.

Dadurch wird Büste als Einheit zerstört.

14:42 Uhr: Wirkung Alkohol lässt nach.

Mitarbeiter im Raum.

Optimismus verschwindet langsam wieder.

14:44 Uhr: Leicht taubes Gefühl, nicht mehr gut reaktionsfähig.

Versuche angestreng Gesamtbild wiederherzustellen.

Klöpfel bei erneutem Arbeitsbeginn sofort gefunden, für mich bedeutet das nachlassende Wirkung vom Alkohol.

15:03 Uhr: Versuche die letzten 15 Minuten alle intuitiv getroffenen Entscheidungen rückgängig zu machen.

Büste wird immer kleiner, Gesicht wirkt zerstückelt.

15:04 Uhr: Überlege das Experiment abzubrechen.

Nudelsalat verdrücke ich gierig.

Mitarbeiter verlässt die Werkstatt.

Teilweise arbeite ich ohne Klöpfel, schlage nur noch mit Beitel in Holz.

15:42 Uhr: Interessanterweise wird mit Nachlass der alkoholischen Wirkung der Eindruck von der weiter bearbeiteten Büste besser.

Zumindestens kann ich nicht behaupten, sie sähe schlechter aus als gestern.

Schweißausbrüche lassen nach.

Kein Pochen in der Stirn mehr, Umgebung wieder vermehrt wahrgenommen.

16:07 Uhr: Abbruch.

Letzter Rest Whisky verbleibt in Flasche.

Warte nun auf Reaktion Werkstattleiter und Mitarbeiter.

ca. 16:30 Uhr: Mit dem Fahrrad nach Hause.

Doch etwas über Ergebnis ernüchtert.



2017-04-20

#3

Unzufrieden.

Es liegt nicht an der Hängung der Flurarbeiten die finde ich zusammen mit den geklebten Geraden sehr gut.

Von den gezeigten Arbeiten bin ich auch überzeugt, auch wenn ich den Schaffensgrund immer mehr verliere . Die theoretische Bedeutung der Geraden spielt immer weniger eine Rolle, es geht eher um das Visuelle.

Mich interessiert auch noch nicht einmal, dass ohne Kommentar einfach meine kindliche Zeichnung im Klassenraum wieder abgehangen wurde. Obwohl im Raum noch woanders Platz gewesen wäre und die dann gehängte Arbeit viel zu spät eingereicht wurde. Dagegen habe ich nur nichts laut geäußert, weil ich nicht schon wieder einen Konflikt austragen möchte.

Ich erinnere mich einfach noch zu gut an den vorletzten Rundgang, wo ich mit M. auf dem Fenstersims saß und bei der Vernissage Leute beim Betrachten der Geradenbilder beobachtete.

Meine Erwartungen sind vielleicht auch zu hoch angesetzt, oder unlogisch.

Zum einen will ich gesehen werden, aber nicht bei der Eröffnung anwesend sein, um zu sehen, wie die Arbeiten gesehen werden.

Ich möchte Kaufanfragen haben, aber nicht verkaufen, weil ich den Gedanken nicht mag, dass die Arbeiten am Ende zu Dekorationszwecken mißbraucht werden.

Diese Gedanken passen wieder zu den verhüllten Arbeiten.

Kasten bauen, der nur bei Ausstellung geöffnet ist.

Bei Verkauf Vorderplatte drauf montieren.

Vorderplatte bei Ausstellung an Wand lehnen, um den kurzen Moment der Öffnung zu verdeutlichen.


2017-02-09

#2

Seit einigen Tagen entsteht nichts mehr. Der Raum ist aufgeräumt, alles Material verstaut.

Nach Tagen des Nichtstuns gestern 2 Tuschestifte gekauft, lustlos herumgezeichnet.

Den Stil eines anderen Künstlers kopiert, daran gescheitert.

Ich sehne mich nach den Tagen zurück, wo ich fast täglich kindlich zeichnete, Geradenbilder schuf und über die Zukunft der Kunst nachdachte. Ich denke an die Sprachnotizen, die teilweise nachts entstanden, weil ich nicht mehr einschlafen konnte. Es waren Dinge unausgesprochen, mussten noch bearbeitet werden. Heute liege ich faul im Bett.

Schaffe es mit viel Mühe 2(!) Stifte zu kaufen und hege dabei die Hoffnung, dass mich die Lust wieder packen wird. Alkoholkonsum alleine wird leider nichts bringen. Es muss ein Funke da sein. Ohne ihn entsteht nichts. Wo ist er? Wenn ich darüber nachdenke, fehlt es mir zur Zeit wieder einmal an einem Ziel. Da, wo ich noch nicht bin, da wo ich hin will. Das, wo ich zumindestens in diesem Augenblick fest daran glaube, unsagbar wichtig ist. Ich erinnere mich noch gut an die Konstellationsbilder.

Vier Geraden, auf einer Fläche verteilt, alle Kombinationen berechnet. Ich fühlte mich so, wie ich denke, dass es Malewitsch mit dem Schwarzen Quadrat ergangen sein muss. Ich fühlte mich so nah am Anfang der Kunst!

An dem Punkt, wo aus Radikalem etwas Neues entstehen kann.

Muss!

Davon spüre ich leider nichts mehr. Denn es gibt in Realität diese Momente des Neuen nicht. Sie existieren lediglich im eigenen Gehirn. Endorphine werden ausgeschüttet. Sie bewegen mich zum Fortführen. Erinnert mich gerade an meine Zeit in Berlin. Wo in meiner kleinen Wohnung Dinge entstanden, nie ausgestellt wurden und ich deshalb annehmen durfte, dass sie Großes sind. Sobald sie ausgestellt werden, sind sie wieder sterblich-menschlich. Und sobald ich tausende andere Arbeiten anderer Künstler sehe, werde auch ich wieder in die Realität zurückgeholt.

Jeder schafft sich sein Thema selber. Es gibt kein Ding, was unbedingt bearbeitet werden muss. Leider scheint aber genau das der Motor für mich zu sein. Auch wenn es viele nicht sehen, für mich sind die Geradenbilder, die kindlichen Zeichnungen sowie die verhüllten Arbeiten ein und das selbe. Sie sind der Versuch zum Anfang zurückzukehren, damit etwas Neues, bisher nicht gesehenes, entstehe.

Nur wenn ich nicht mehr daran glaube, entsteht auch nichts mehr.


2016-11-22

#1

Muss mich nun ein paar Tage von der Kunst erholen.

Neben der eigenen Arbeit, die nicht vorankommt, bin ich wieder von der Fülle an Künstlern und Ausgedrücktem überfordert. Die von mir gelesenen Kunstbücher betrachten ja vor allem die westliche Kunst. Wie groß ist aber die Welt!

Wie viele Künstler gibt es noch, die in anderen Ländern dieser Erde Erwähnung finden! Und wie viele, die Schaffen und nicht beachtet werden! Wie viele haben eine Mission, ein Verlangen etwas auszudrücken…

Kann man Kunst ohne Mission schaffen? Bleibe ich beim Hinterfragen von Kunst? Ist das mein Antrieb fürs Schaffen? Mein Zweifel an Bedeutung in der Kunst und am Leben an sich ständig neu ausgedrückt in Selbstporträts, in denen ich mich meiner Existenz bestätigt sehen möchte?


2016-09-15