• [ Aufnahme Anfang. ]
  • Wenn ich es nach so langer Zeit nicht schaffe einen Kopf zu modellieren ...
  • Einen realistischen Kopf!
  • Dann stimmt doch was mit meinem Vorgehen nicht!
  • [ Pause. ]
  • Also ich frag mich dann nicht, ... ähm ... muss ich noch ... äh ... weitere Jahre modellieren ...
  • Also es ist ja so interessant, dass ich es einfach mache!
  • Ich kann ja stundenlang vor dem Ton und vor dem Wachs sitzen und einen Kopf modellieren.
  • Nur ich komme halt schwer voran.
  • [ Pause. ]
  • Und jetzt stell ich mir die Frage: Ist denn der Weg überhaupt der richtige?
  • Also WARUM ... äh ... WAS ist das Ziel wenn ich einen Kopf kopieren kann?
  • Die Oberfläche.
  • WAS hab ich davon?
  • [ Pause. ]
  • Meine Vorstellung war ja, dass, sobald ich die Wirklichkeit abbilden kann, ...
  • Kopieren kann!
  • Die Oberfläche!
  • Sobald bin ich so FREI, dass ich abstrahieren KANN.
  • Dass ich neue Formen entwickeln kann!
  • Ohne das Gefühl zu haben, dass ich es einfach nicht anders KANN, weil ich nicht gelernt habe, vom Nullpunkt auszugehen.
  • Und diesen NULLPUNKT hab ich halt mir genommen: das Reale.
  • Das Naturalistische.
  • [ Pause. ]
  • Jetzt frag ich mich halt: IST das der richtige Nullpunkt?
  • Ich kenne mich!
  • Ich stelle ALLES immer wieder in Frage.
  • Das heißt, selbst wenn ich bei dem Nullpunkt ankommen würde und naturalistisch modellieren kann, hätte ich ja deshalb um so MEHR mögliche Wege plötzlich offen!
  • Und das würde mich ja nur fertig machen!
  • Diese FREIHEIT dann zu wählen!
  • Das ist ja noch viel schwerer als jetze schon!
  • [ Pause. ]
  • Das heißt, vielleicht ist es gut, bestimmte Sachen NICHT schnell machen zu können.
  • Vielleicht muss ich mir sagen, dass ich ... ähm ... auf diesem Status bleibe.
  • [ Pause. ]
  • Ich KANN keinen naturalistischen Kopf machen!
  • Ich KANN die Oberfläche nicht kopieren!
  • [ Pause. ]
  • Dass ich genau DAMIT arbeite.
  • [ Pause. ]
  • Was auch viel natürlicher wäre!
  • Also der Mensch ist ja nicht gemacht, um den Menschen zu kopieren.
  • Sondern ...
  • Nehme ich mich jetzt als Vorbild, dann kann ich sehr vieles machen, aber was eben nicht MIR entspricht, sondern was mir UNTERGEORDNET ist.
  • [ Pause. ]
  • Also was ich mit meinen ganzen Sinnen ... ähm ... erleben kann und mit meinen Fähigkeiten umsetzen kann.
  • [ Pause. ]
  • Die Kunst kann sozusagen nicht GLEICH mit mir sein und nicht HÖHER.
  • Sie kann immer bloß UNTER mir sein.
  • [ Pause. ]
  • Weil ICH diese Möglichkeiten, ... ähm ... die ich entwickel, werden nie ich selbst sein und werden auch nie über mich hinausragen.
  • Sie werden IMMER kleiner sein.
  • [ Pause. ]
  • Ein realistisches Abbild zu machen ist vielleicht nicht meine Natur!
  • [ Pause. ]
  • Ich habe das Interesse daran und kämpfe mich da durch.
  • Aber eigentlich geht es nicht ums Kopieren!
  • Und ums besser zu werden als ich.
  • Ich als Mensch!
  • [ Pause. ]
  • Die Höhlenmaler werden auch nicht ... ähm ... jahrelanges Studium gemacht haben, um diese kleinen Ritzzeichnungen machen zu können.
  • Oder psychisch Kranke!
  • Die werden nicht jahrelanges Studium machen, um zu verstehen, wie der Stift funktioniert und dann erst ihren eigenen Stil finden.
  • Das PASSIERT einfach so.
  • Während die Zeit vergeht!
  • [ Pause. ]
  • Und das Spannende ist ja eben dieser EIGENE STIL.
  • Dieses EIGENE VORGEHEN.
  • Diese Themen, die hochkommen.
  • Die sind ja eben nicht von Außen aufgedrängt.
  • Das bewegt diese Menschen!
  • Ob's jetzt Themen von vor tausenden von Jahren sind oder von heute.
  • [ Pause. ]
  • Ich muss also AKZEPTIEREN, dass ich aktuell so weit bin.
  • Und das setze ich jetzt als Grundstock.
  • Und DAVON gehe ich jetzt weiter aus.
  • [ Pause. ]
  • Wenn ich mich jetzt zeichne im Spiegel, dann SOLL es eine Spiegelzeichnung sein.
  • Dann SOLL es meine aktuellen Fehler beinhalten.
  • Und ich soll nicht wollen, dass ich ein Bild mache, was mir entspricht, sondern ein Bild machen, was ich KANN.
  • Mit meinen Händen.
  • Das ist ja das spannende Bild!
  • [ Aufnahme Ende. ]