• [ Aufnahme Anfang. ]
  • Das Bild auf Papier und auf Leinwand ...
  • Das stelle ich infrage!
  • [ Pause. ]
  • Das ist nicht natürlich!
  • UNNATÜRLICH ist das. So eine platte Oberfläche.
  • Das wirkt schon so portioniert.
  • So bewusst begrenzt und ... ähm ... tragfähig gemacht.
  • Wie eine Ware!
  • So werden dann die Arbeiten ja auch behandelt.
  • [ Pause. ]
  • Sagen wir so ein Bild hängt vor mir ... Dann gibt es zwar viele Möglichkeiten es anzusehen. Erst seitlich, dann frontal. Dann wieder seitlich, von der anderen Seite.
  • Oder man geht näher oder weiter weg!
  • Gleichzeitig ... ähm ... ist aber eigentlich bei den meisten ...
  • Außer es ist halt bewusst ausgehebelt.
  • ... die Frontalansicht die EINZIGE Ansicht.
  • Und dabei ist doch so eine Papierarbeit oder Leinwandarbeit auch im Raum.
  • Also wo man eben rumgeht.
  • Es ist eben nicht ... ähm ... nur frontal.
  • [ Pause. ]
  • Eigentlich ist so eine platte Arbeit fehl im Raum.
  • Außer die Arbeit ist ... ähm ... auf der OBERFLÄCHE des Raumes. Also nicht einfach verschiebbar.
  • Wie bei Hölenmalereien!
  • Oder wie bei Arbeiten, die halt explizit auf ... ähm ... einer Wand angebracht sind. In dem Moment gibt es dann kein frontal mehr. Also eine Ansicht. Sondern so viele Ansichten, wie der Raum hergibt.
  • Die Arbeit wird halt ... Sie ARBEITET mit dem Raum.
  • Mit der GEGENWART!
  • [ Pause. ]
  • Sie ist also nicht abgekoppelt.
  • ANDERS als ... ähm ... eine Skulptur oder Plastik. Die ist zwar von vornherein, wie bei Malerei und Zeichnung, nicht ... ähm ... fest im Raum integriert. Aber sie arbeitet MIT dem Raum.
  • Das heißt: Ähm ... Das Herumgehen, Drumherumgehen, das nicht Festgelegt sein auf eine Perspektive, auf eine Ansicht, ... Es gibt kein Frontal und kein Nichtfrontal!
  • Das ist ja ...
  • Die natürliche Form, die Bewegung vom Betrachter, die ist sozusagen TEIL der Arbeit.
  • Oder die Arbeit ... ähm ... ist Teil der Bewegung des Betrachters!
  • Eher so herum.
  • Anders herum denkt man ja nicht.
  • [ Pause. ]
  • Die Plastik ist also mehr in der Gegenwart.
  • [ Pause. ]
  • Wenn ich jetzt nen Kopf modelliert hab, ...
  • [ Huste. ]
  • Der steht im Raum. Ich gehe drumherum.
  • Bedarf es da noch Farbe?
  • Oder einer Zeichnung auf der Oberfläche? Auf dem Material?
  • Das Material spielt ja schon ...
  • [ Huste. ]
  • Schatten oder Licht ist ja sozusagen das, was ... was die Form ... ähm ... erfahrbar macht. Wo ja auf einem Papier versucht wird, durch Schattierungen, durch Künstlichkeit, genau DAS hervorzurufen. Das heißt: Diesen Effekt bedarf es nicht. Den braucht es nicht!
  • Außer natürlich ich arbeite wieder genau damit. Also dass ich ... ähm ...
  • Egal!
  • [ Pause. ]
  • Aber FARBE ... Interessant finde ich ja den Ansatz, zu sagen, dass ...
  • [ Huste. ]
  • Dass das Auge versucht, zu neutralisieren. Also einen Weißabgleich ausführt.
  • Das Verfärben wieder zurücknehmen!
  • Wenn ich jetzt bloß Gips nehme, weiß, dann ist nicht viel zurückzunehmen. Das Auge hat also wenig zu tun. Da wird die ... ähm ... die Farbigkeit der Umgebung ... ähm ... reflektiert.
  • Sie ist also noch mehr Teil der Gegenwart. OHNE Farbe.
  • [ Pause. ]
  • Jetzt so nen Kopf zu bemalen, so wie das ja in der Antike gemacht worden sein soll, ...
  • Mund!
  • Augen!
  • Pupillen!
  • Haare!
  • Das lenkt ab!
  • Dadurch verschwindet ... ähm ... das Spiel der Formen.
  • Farbe ... Die Farbe hat dann die Aufmerksamkeit.
  • Nicht mehr das Plastische!
  • Was schade ist!
  • [ Pause. ]
  • Also Farbe sollte nicht bloß als Unterstützung der Form angewendet werden. Wo am Ende die Farbe dominiert.
  • Wenn dann müsste die Farbe auch mit der Form SPIELEN.
  • [ Pause. ]
  • So wie es Bewegungen in der Form gibt.
  • Gegenbewegungen!
  • So müsste die Farbe auch eine Bewegung sein.
  • Entweder eine, die MIT geht, oder eine, die DAGEGEN geht.
  • [ Pause. ]
  • Also nicht nur platt Lippen nachzeichnen. Nachmalen.
  • Haare färben!
  • Die Pupille dunkel färben!
  • FARBE LENKT AB.
  • Vielleicht lenkt Farbe ... ähm ... weniger ab in einer FLÄCHE.
  • Also dass Farbe nicht ein ... ein ... eine eigene Form bildet. Oder eine Form nachzeichnet. Sondern dass Farbe flächen... flächendeckend benutzt wird.
  • Und damit wiederum die Form unterstützt. OHNE von ihr abzulenken.
  • [ Pause. ]
  • Aber trotzdem: WARUM FARBE?
  • [ Pause. ]
  • Was ich ja noch verstehe, wenn das Material selbst farbig ist. Also das Material an sich. Wie Marmor. Stein. Gips.
  • Und mit diesen unterschiedlichen Farbigkeiten arbeiten. Die aber eben vom Material ABHÄNGT.
  • [ Pause. ]
  • Dabei mag ich ja Zeichen. Symbole. Kleine Formen.
  • Aber indem sie halt punktuell auftreten, lenken sie von der Form ab.
  • Wenn dann müssten sie flächendeckend sein. Ein CODE, der erzählen kann!
  • Der nicht entschlüsselbar ist!
  • Eine Geschichte aus dem Alltag!
  • Der Alltag ist BEWEGUNG!
  • Ist WIEDERHOLUNG!
  • Mit langsamer Veränderung.
  • Und genau das kann eine Plastik sein.
  • Um die herumgegangen wird.
  • Die je nach Tageszeit eine andere Färbung hat.
  • Die die Umgebung wiedergibt. Einen Spiegel darstellt!
  • Aber eben auch eine eigene Geschichte erzählt.
  • Mit der FORM. Und mit dem, was auf der Form drauf ist.
  • [ Aufnahme Ende. ]