Spannung Eine kleine Geste kann mehr Bewegung bedeuten als eine insgesamt expressive Körperhaltung. Bei der neuen Ganzkörperfigur habe ich zum Beispiel lediglich die Arme leicht angehoben. Sie hängen nicht mehr schlaff oder angepresst am Körper entlang herunter. Sie sind in angespannter Haltung, ohne angespannt zu wirken! Der Rest des Körpers ist streng gehalten. Geradeaus blicken, Beine streng nebeneinander. Dagegen wirken die Ganzkörperfiguren aus Plastilin lächerlich überzogen und — trotz einer extremen Körperhaltung — kraftlos. Die neue Figur presst keine Geschichte aus ihrer Haltung heraus. Dem Betrachter wird nichts plump erzählt. Die angespannten ungespannten Arme schaffen es dennoch eine Geschichte zu erzählen! Ohne sie jedoch offen zu legen. Die Geste erzeugt — nennen wir es — eine unscharfe Erzählung. Eine Erzählung, die nicht so einfach in Worte gefasst werden kann. Übung Die Ganzkörperfigur aus der Diplomprüfung werde ich zwar weiter ausarbeiten, aber ich merke jetzt schon, dass sie — auch wenn nur zwei Monate vergangen sind — im Vergleich zur neuen Figur nichts zu sagen hat. Davon abgesehen sind die Arme zu kurz, die Körperhaltung insgesamt ungeklärt, das Postament unüberlegt. Ich betrachte sie nur noch als Übung. Als Versuch Material zu erkunden und Oberfläche zu behandeln. Aus heutiger Sicht hätte ich sie nicht zur Diplomprüfung gezeigt.